Habichtswald-Klinik

Wer kennt es nicht? Der Himmel ist grau, die Straßen nass und matschig, die Laune gedrückt. Dieses Stimmungstief in den dunklen Monaten wird als Winterblues bezeichnet. Der Winterblues ist von einer  Depression abzugrenzen. Es handelt sich um eine harmlosere Variante der sogenannten saisonal abhängigen Depression (SAD). Jeder dritte Deutsche leidet unter dem saisonalen Seelenblues, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Das fehlende Tageslicht bringt unsere innere Uhr aus dem Takt. „Lichtabhängige“ Hormone und Botenstoffe, wie z.B. Vitamin D oder das „Glückshormon“ Serotonin nehmen in ihrer Konzentration ab. Melantonin überwiegt nun und sorgt für anhaltende Müdigkeit.

Unter Fatigue versteht man einen Zustand chronischer Erschöpfung und Müdigkeit. Der Begriff Fatigue-Syndrom bei Krebserkrankungen beschreibt einen Zustand mehrerer Störungen des Befindens, die eine Auswirkung auf die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit des Patienten haben.

60-90% aller onkologischen  PatientInnen beschreiben entsprechende Symptome. Nicht immer wird dies mit dem Arzt kommuniziert und ordnet sich anderen Themen unter. Somit findet das Fatigue-Syndrom in der Behandlung und Nachsorge nur wenig Beachtung. Am häufigsten tritt ein Fatigue-Syndrom nach Hochdosis-Chemotherapien, Immuntherapien oder Stammzelltransplantationen auf. Auch nach einer Strahlentherapie wird es häufig beschrieben. Es kann aber auch bei Tumorerkrankungen auftreten, wenn Chemo- oder Strahlentherapie gar nicht erfolgt sind. Ebenfalls kann es akut auftreten oder nach längerer Zeit, dabei sind Dauer und Intensität sehr unterschiedlich, manchmal klagen Patienten Jahre über Fatigue.

Fatigue ist abzugrenzen von allgemeiner Erschöpfung, Depression oder dem Winterblues. Diese Abgrenzung ist nicht immer leicht.

Es handelt sich allen Fällen um  eine subjektive Erfahrung bzw. ein subjektives Gefühl.

Diagnostische Methoden können diesen Zustand nur schwer erfassen. Das Gefühl unüblicher Müdigkeit wirkt sich auf verschiedene Systeme aus und kann zu folgenden Veränderungen des Befindens führen:

  • Deutliche Müdigkeit, Energieverlust oder verstärktes Ruhebedürfnis
  • Beschwerden allgemeiner Schwäche oder schwerer Glieder
  • Verminderte Fähigkeit zur Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf
  • Schlaf wird nicht als erholsam oder regenerierend erlebt
  • Notwendigkeit starker Anstrengung, um Inaktivität zu überwinden
  • Deutliche emotionale Reaktion auf Fatigueproblematik (z. B. Traurigkeit, Frustration oder Reizbarkeit)
  • Durch Müdigkeit bedingte Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu erledigen
  • Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis
  • Mehrere Stunden anhaltendes Unwohlsein nach Anstrengung

Für ein tumorassoziiertes Fatigue können viele Faktoren auslösend sein und stehen oft in direktem Zusammenhang mit der Grunderkrankung und Therapie. Eine kausale Therapie kann daher die Symptomatik verbessern. Auslösend können sein:

Medikamente, einige Zytostatika können das Nervensystem und besonders den Hypothalamus als Schaltzentrale schädigen.

  • Schmerz
  • Anämie
  • Hormonelle Störungen
  • Depression
  • Stoffwechselstörungen
  • Mangelernährung
  • Elektrolytstörungen
  • Trainingsmangel
  • Einschränkung der Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenfunktion

Was kann man selbst  tun?

  • „Lichttherapie“, z. B. Nutzung von Tageslichtlampen oder Lichtweckern, die künstlich die Wellenlängen des wohltuenden natürlichen Tageslichtes liefern. Solche Licht-Therapiegeräte benötigen eine sehr hohe Lichtleistung (10000 Lux).
  • Raus an die Frische Luft
  • Ein dosiertes angepasstes konditionsförderndes sportliches Training hat u. a. positive Auswirkungen auf Herz-Kreislaufsystem, Blutbildung, Muskulatur und Immunsystem. Auch ein gezieltes Krafttraining stärkt. Zudem weisen verschiedene Studien auf den krebspräventiven Effekt von Sport hin. Mit Thera-Band und Gymnastikball können sie ihr privates „Fitness-Studio“ einrichten.
  • Psychoonkologische Betreuung ist bei Krebserkrankungen ein wesentliches Element zur Behandlung des Fatigue-Syndroms dar. Verständnis der eigenen Situation, Verbesserung des Selbstwertgefühls und der Achtsamkeit sind die Grundlage für eine Veränderung der Situation.
  • Spirituelle Angebote nutzen: verschiedene Meditationen, sakraler Tanz und Singen, können dem eigenem Wesen entsprechend zu neuen Gedanken über Sinn und Sein führen. Kreatives Gestalten und Bewegung nach Musik können Wohlbefinden und Lust auf Aktivität fördern.
  • Naturheilkundlich medikamentös können Ginseng, Rosenwurz, CoEnzym Q10 und Carnitin unter Beachtung der Kontraindikationen eingesetzt werden

Und noch ein paar Tipps für die „dunkle Jahreszeit, um wieder auf die Sonnenseite des Lebens zurück zu finden:

  • Gemütlichkeit schaffen (schöne Farben, Musik etc.)
  • soziale Kontakte nutzen (z. B. Spiele-Abende, gemeinsames Kochen, Filmabende)
  • Aromen nutzen:  Duft Öle, Aromamassagen, Schon eine zehnminütige Massage pro Tag kann die Stimmung aufhellen. Dazu braucht es keinen professionellen Masseur.
  • „Wasserkraft“ nutzen, z. B. Wechselduschen, Kneippen
  • Rituale in den Tagesablauf integrieren
  • die Zeit im „im Haus“ für Dinge nutzen, die vielleicht schon lange erledigt werden wollen…

Auf jeden Fall gilt, der Schlechtwetterlaune keinen großen Platz einzuräumen, sondern sich die Jahreszeit mit ihren Besonderheiten schön zu gestalten.

 
 
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Was versteht man unter „Burnout“?

Burnout“ meint das „Ausbrennen“ meist  in beruflichen Zusammenhängen. Es ist ein schleichender Prozess, der sich über bestimmte Phasen manchmal über Jahre hinzieht, ehe die Symptome deutlich erkennbar werden. Burnout kann entstehen in einem lange anhaltenden Dauerstress-Zustand, der nicht von Erholungsphasen kompensiert wird. Betroffen sind vor allem hoch engagierte, mit ihren beruflichen Zielen (über-)identifizierte Menschen, manchmal aber auch Mütter, Berufseinsteiger oder Menschen in der „Midlifecrisis“. Zunehmende Komplexität, erhöhte Anforderungen, Zeitdruck im Arbeitsbereich, weniger Selbstbestimmung führen zu erhöhten Anstrengungen mit geringer werdendem Erfolg mit nachfolgender Resignation und Ohnmachtsgefühlen. Unmerklich hat sich die ganze Energie und Aufmerksamkeit auf die Arbeit konzentriert. Anfangs war man „Feuer und Flamme“ für den Beruf. Mit der Zeit aber hat sich Frustration eingeschlichen, das Gefühl, alles nicht mehr zu schaffen, zu wenig Anerkennung und Erfolg in der Arbeit zu finden. Die Folge ist ein beruflicher und privater Rückzug: innerlich hat man schon gekündigt, hat wenig Energie und Zeit für Freunde, Hobbys und andere Freizeitaktivitäten. In dem Versuch, der sinkenden Leistungsfähigkeit entgegenzuwirken, kommen oft Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Genussmitteln hinzu. Schließlich hilft auch das nicht mehr, um sich aufzuputschen bzw. zu beruhigen. Es entwickelt sich eine zunehmende Erschöpfung und Verzweiflung bis hin zur Depression.

Welche Symptome kennzeichnen den „Burnout“?

Die Burnout – Symptomatik kann sich auf drei Ebenen manifestieren:

  • psychische Symptome
  • körperliche Symptome
  • Verhaltensänderung

Als psychische Symptome können wir z.B. langanhaltende allgemeine Unlust, depressive Niedergeschlagenheit, Ängste, aggressive Gereiztheit bei verminderter Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, allgemeine emotionale Verflachung,  Neigung zum Zynismus oder vermindertes Selbstwertgefühl  finden.

Körperliche Symptome können z.B. Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Probleme, gestörter Appetit sowie Infektneigung sein.

Als Verhaltensänderung kann es zu zunehmendem sozialen Rückzug auch von Ehepartnern und Freunden mit folgenden Beziehungsstörungen bis zur sozialen Isolation kommen, verbunden häufig mit dauerhaften sexuellen Unlustgefühlen, außerdem zum Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder anderen Genussmitteln.

Welche Risiken erhöhen die Wahrscheinlichkeit eine Burnoutsymptomatik zu entwickeln?

1.    auf persönlicher Ebene:
  • Enttäuschung und Frustration infolge von eigenen unrealistischen Zielsetzungen
  • unrealistische Größenvorstellungen bezogen auf die eigene Wirksamkeit
  • Überidentifikation mit Arbeitsplatz, Klienten, Patienten, Schülern,…
  • allg. Abgrenzungsschwierigkeiten
  • Vorstellung eigener unbegrenzter Belastbarkeit
  • Tendenz zur Selbstaufopferung
  • Idealismus (Fanatismus)
  • mangelnde Trennung zwischen Beruf- und Privatleben
  • langanhaltende private Belastungen
  • körperliche Erkrankungen

 

2.    auf institutioneller Ebene
  • sehr hohe Arbeitsdichte, ständiger Zeitdruck
  • hohe Verantwortung bei geringer Entscheidungskompetenz
  • erhöhter Verwaltungsaufwand zu Lasten von Patienten-, Schüler-, Klientenkontakten mit der Erfahrung reduzierter Selbstwirksamkeit
  • weniger selbstbestimmte Arbeit, geringes Erfolgserleben
  • unklare Strukturen, unklare Hierarchieebenen
  • Grenz- und Regelverletzungen
  • langwierige undurchsichtige Entscheidungsprozesse
  • hohe Personalfluktuation
  • mangelnde Fortbildung und – Qualifikation
  • Rollenkonflikte
  • regelmäßige Berührung mit Gewalt, Sterben und Tod
Wie kann man selbst einem „Burnout“ möglichst vorbeugen?
  • sich realistische Ziele setzen, die den eigenen Fähigkeiten angemessen und altersentsprechend sind, um so Erfolgserlebnisse haben zu können
  • eigene Illusionen z.B. über unbegrenzte Belastungsfähigkeit aufgeben
  • gute Aus- und  Weiterbildung
  • klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben
  • kleine auch selbstverständliche Erfolge wertschätzen
  • regelmäßig freundschaftliche Kontakte pflegen, Geselligkeit
  • Hobbies pflegen, regelmäßig Dinge tun, die Freude bereiten
  • eine positive, sich und andere wertschätzende Grundhaltung aufbauen
  • Auszeiten nehmen, Sabbatjahr, Reisen
  • inne halten und zu sich kommen
  • spazieren gehen
  • Raum für Fantasie und Kreativität
  • Humor bewahren
  • Achtsamkeit üben, Yoga und Meditation
  • dem eigenen Leben und Handeln Sinn geben
  • regelmäßig und gesund essen und trinken
  • ausreichend Schlaf
  • regelmäßige Pausen und Entspannung
  • regelmäßig Bewegung (Gesundheitssport)
  • regelmäßig „Nichtstun“ (Seele baumeln lassen)

Wenn die Selbsthilfemaßnahmen bei der Prävention nicht ausreichen und sich eine Burnoutsymptomatik einstellt, ist es empfehlenswert sich ambulante oder stationäre therapeutische Unterstützung zu holen, um wieder neue Energien zu schöpfen und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Vereinbaren Sie jetzt einen individuellen Beratungstermin mit Frau Dr. med. Fröhlich-Gildhoff

Telefon: 0561 / 3108 327          E-Mail: gildhoff@habichtswaldklinik.de