Onkologie

Onkologie von A bis Z

Alles, was Sie bei einer Krebserkrankung wissen sollten, finden Sie hier.

  • Achtsamkeit

    Viele Menschen sehnen sich nach Momenten der Ruhe, des Innehaltens. Sie haben das Gefühl in der Hektik des Alltags aufgerieben zu werden, sie können nicht mehr abschalten und sich wirklich entspannen. Sie suchen nach einem Weg um dem entgegenzusteuern.

    Hier kann das Einüben von Achtsamkeit sehr hilfreich sein. Über Entspannung und Ausgeglichenheit hinaus kann es zu Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis führen – im Kontext der östlichen Weisheitslehren oder Religionen, in denen Achtsamkeitsübungen oder Achtsamkeitsmeditation entstanden, wird dieses Ziel „Erleuchtung“ genannt. Achtsamkeitsübungen gibt es in allen großen Religionen (im Christentum nennt man es beispielsweise Kontemplation) – ohne dass Religiosität eine Voraussetzung für diesen Weg ist.

    Was ist nun Achtsamkeit?

    Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks mit Akzeptanz (also ohne Bewertung). Es steht im Gegensatz zu einer Haltung des automatischen Funktionierens.

    Achtsamkeit entspricht nicht der Konzentration – diese ähnelt mehr einem Sich-zurück-Ziehen aus der Welt, ihre Energie ist eher versunken, verschlossen, tranceartig – Achtsamkeit aber ist eher offen, zugänglich und hellwach. Achtsamkeit enthält Neugier, Wissensdrang und Aufgeschlossenheit, eine Offenheit für das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrung.

    Achtsamkeit einüben heißt regelmäßiges Praktizieren – in formellen Übungen (z.B. Sitz-Meditation, Geh-Meditation, Gewahrwerden von Körperempfindungen und Gefühlen, beim Yoga, Tai Chi oder Qigong) – aber auch in alltäglichen Aktivitäten wie Zähneputzen, Abwaschen, beim Warten auf den Bus, auf dem Weg zur Arbeit. Es ist die innere Haltung, die eingeübt wird, das Da-Sein im Augenblick; denn nur dort findet das Leben statt, nicht in der Vergangenheit oder Zukunft.

    In der Habichtswaldklinik kann das Einüben von Achtsamkeit ein Teil des Behandlungskonzeptes für unsere Patienten sein. Es gibt ein tägliches Angebot von verschiedenen Meditationsformen, Kurse für Yoga, Tai Chi und Guolin Qigong ( hier „Übungen der Kraft“ genannt), weiter gibt es Vorträge über Achtsamkeitsmeditation in der sogenannten Morgenrunde (2x wöchentliche ärztlich geleitete Gesprächsrunde der onkologischen Patienten). Im Konfessions-ungebundenem spirituellen Zentrum der Klinik können zusätzlich Gespräche vereinbart werden.

    Diese Angebote sehen wir als wichtigen Anteil auf dem Weg der Salutogenese, des Gesund- und Heilwerdens für unsere onkologischen Patienten; denn es gibt zahlreiche Wechselwirkungen zwischen Gehirn, Psyche, Körper und Verhalten, die sich auf die Gesundheit auswirken.

  • Akupunktur

    Was ist Akupunktur?

    Die Akupunktur ist ein Regulationsverfahren, bei dem durch Nadeln oder Wärmereiz die Körpervorgänge harmonisiert werden. Die Behandlung beruht auf der Vorstellung, dass ein gesunder Körper in einem energetischen Gleichgewicht steht. Wird dieses Gleichgewicht gestört, z. B. durch Überlastungen, seelische Probleme, Witterungseinflüsse, Traumata, Entzündungen u.a. Faktoren, so kommt es zum Ausbruch einer Krankheit, weil die gesunde Regulationsfähigkeit herabgesetzt wird und so „Regulationsblockaden“ entstehen. Dieser Zustand oder diese Erkrankung kann schnell ausheilen oder in ein chronisches Krankheitsgeschehen übergehen. In diesem Sinne hat die Akupunktur (je früher sie eingesetzt wird) auch eine prophylaktische (vorbeugende) Bedeutung. Es gibt kein Gebiet der Medizin, in dem die Akupunktur keine Anwendung findet: Innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe bei Schmerzzuständen, funktionellen Erkrankungen.

    Geschichte der Akupunktur in Deutschland

    Die enormen Fortschritte der Technologie haben sich auch in der Medizin etabliert. Dennoch ist Medizin ja nicht nur Technik, sondern muss den ganzen Menschen behandeln. So ist eine Ergänzung und Erweiterung des gedanklichen Rahmens der klassischen Medizin durch ganzheitliche, integrative, komplementäre Medizin, genauer gesagt um die „Ergänzung“ der konventionellen Medizin mit Methoden der Naturheilkunde, Biomedizin, Biophysik, Molekularbiologie, Immunologie und Neuro-Endokrino-Immunologie erforderlich. Die komplementäre Therapie richtet sich nach der Allgemeinheit des Krankheitsgeschehens mit Berücksichtigung der Individualität. Im Rahmen der vielfältigen Angebote der „Naturheilkunde“ wird Ihnen in der Habichtswald-Klinik auch die Akupunktur angeboten.

    Die Akupunktur reicht ca. 3000 Jahre zurück. Beschrieben wird ein ganzheitliches Konzept, in dem Gesundheit nichts anderes ist als ein Zustand der Harmonie des Menschen mit sich selbst, seiner sozialen Umwelt und der Natur. Im Einklang mit dieser einfachen logischen Tatsache hat die Entwicklung der Akupunktur eine lange Tradition hinter sich. In vielen Kulturen der Welt entstanden verschiedene Therapieverfahren oder geniale Innovationen durch Glücksfälle, so auch die Akupunktur. Ursprünglich entwickelte sich die Akupunktur aus rein zufälligen Erfahrungen: durch versehentliche Quetschungen oder Hautschürfungen, durch Verletzung oder sogar durch Pfeilwunden verschwanden plötzlich alte Schmerzen und traten auch nie wieder auf. Oder auch das Reiben, Massieren oder Beklopfen eines bestimmten Hautareals, was wir sehr oft instinktiv auf eine Verletzung hin tun, linderte den Schmerz oder das Unwohlsein verschwand. So entstand die Idee, dass bestimmte Punkte besonders effektiv waren, und so wurde die Theorie, dass eben diese bestimmten Punkte auf entfernte Stellen wirken, geboren und im Laufe der Jahrhunderte systematisiert. Von Steinnadeln, Steinsplittern, Nadeln aus Bambus oder Knochen, seit der Bronzezeit Nadeln aus Metallen bis zu modernen Nadeln von heute sind über 3000 Jahre vergangen. In China, aber auch außerhalb Chinas wie in der Bundesrepublik Deutschland wird die Akupunktur mit besonderem Erfolg angewendet. In der Bundesrepublik nahm das Interesse der Ärzte an der Akupunktur Ende der 90er Jahre erneut exponentiell zu. Heute praktizieren über 50.000 Ärzte Akupunktur in Deutschland.

    Übrigens: Akupunktur leitet sich ab aus: lat. acus (Nadel) und lat. puncto (das Stechen)

    Die Therapie verwendet drei Verfahren:

    • Einstechen von Nadeln in die Akupunkturpunkte
    • Erwärmen der Punkte (Moxibustion)
    • Massage der Punkte (Akupressur)

    Während einer Sitzung werden so wenig Punkte wie möglich gestochen. Manche Autoren geben eine maximale Zahl von 5-20 an, die aber in Einzelfällen überstiegen werden können. Interessanterweise hat sich die Weltgesundheitsorganisation mit dem Thema beschäftigt und in 2003 eine Indikationsliste für Akupunkturpunkte veröffentlicht. Die Liste enthält folgende Anwendungsbereiche:

    • Erkrankungen des Atmungssystems (z.B. akute Nebenhöhlenentzündung, Asthma)
    • gastrointestinale Störungen (z.B. chronische Magengeschwüre)
    • Schlafstörungen
    • Neurologische Störungen wie z. B. Folgen nach Schlaganfällen
    • Augenerkrankungen (zentrale Retinitis)
    • muskuloskelettale Erkrankungen wie z. B. HWS-Syndrom
    • Erkrankungen im Mundbereich (z. B. Schmerzen bei Parodontitis, Gingivitis, Zahnextraktionen)
    • chronische Schmerzen, wenn kein körperlicher Befund vorliegt
    • Schwangerschaftsbeschwerden und Anwendung z. B. für die Erleichterung der Entbindung

    Es gibt auch Gegenanzeigen wie z.B.

    • bei Menschen mit Erkrankungen der Haut (Ekzeme, Nesselhaut) an den lokal betroffenen Stellen
    • bei Menschen mit bestimmten schweren psychischen Störungen
    • bei Epileptikern
    • bei Menschen mit schweren ansteckenden Krankheiten (z. B. Tuberkulose)
    • bei Menschen mit einem schlechten Allgemeinzustand
    • bei Babys und Kleinkindern
    • im Bereich akuter Entzündungen, Knochenbrüche und frischen Verletzungen, akuter Ischialgie
    • bei Menschen mit niedrigem Blutdruck oder Kollapsneigung
    • bei Menschen mit einem Schrittmacher
    • wenn eine Salbe, Creme oder Tönung bzw. Make-up etc. auf die Haut aufgetragen wurde
    GERAK-Akupunkturstudien

    Zwischen 2000 und 2007 wurden die weltweit größten prospektiven und randomisierten Untersuchungen zur Wirksamkeit der Akupunktur im Vergleich zu einer leitlinienorientierten Standardtherapie bei chronischen Schmerzen wie chronischem Schmerz bei Kniegelenkarthrose, chronischem Spannungskopfschmerz und chronischer Migräne durchgeführt. Ein Leitungsgremium an der Ruhruniversität Bochum steuerte die deutschlandweiten Studien unter Beteiligung von sechs Universitäten (Essen, Heidelberg, Marburg, Mainz, Regensburg). Über 500 ambulant tätige Ärzte wurden in diese Studien eingeschlossen und 3500 Patienten in dreiarmigen Studien behandelt. Es wurden chinesische Akupunkturpunkte angewendet (Verum), eine Akupunktur an nichtchinesischen Punkten (Sham), der 3. Arm erhielt eine konventionelle Therapie. Es zeigte sich, dass etwa 11 Akupunkturbehandlungen innerhalb von 6 Wochen der konventionellen Standardtherapie bei chronischen Kniegelenkschmerzen und bei chronischen Kreuzschmerzen überlegen war.

    Bei Migräne war der Therapieerfolg einer Akupunktur über 6 Wochen mindestens so hoch wie diejenige einer sechsmonatigen prophylaktischen medikamentösen Therapie mit täglicher Einnahme von Betablockern. Auf der Grundlage der GERAK-Studien entschied der gemeinsame Bundesausschuss, dass Akupunktur seit dem 1. Januar 2007 bei Rückenschmerzen und chronischen Gelenkschmerzen Teil der Kassenleistung ist. Seitdem zahlen alle deutschen gesetzlichen Krankenkassen gemäß eines Beschlusses des gemeinsamen Bundesausschusses in Deutschland Akupunktur bei chronischen Schmerzen der LWS oder des Knies (bei Kniegelenkarthrose) im Rahmen einer Schmerztherapie. Viele deutsche private Krankenversicherungen, Beihilfen und die Postbeamtenkrankenkasse bezahlen Akupunkturbehandlung von Schmerzen im Rahmen der Gebührenordnung für Ärzte nach Einzelfallentscheidungen meist auch für weitere Diagnosen. In der Schweiz wird die Akupunktur über die Zusatzversicherung abgedeckt. Trotz der positiven Entwicklung der letzten Jahre gibt es auch zunehmende Probleme bzgl. der Kostenübernahme im ambulanten Bereich: einzelne Krankenkassen schränken die Erstattungspraxis für Akupunktur deutlich ein.

    Akupunktur in der Habichtswald-Klinik

    In unserer Klinik führen wir eine „integrale“ Akupunktur, d.h. die Anwendung sowohl von Körper-, Ohr- und Schädelakupunktur durch. In speziellen Fällen wenden wir auch die Moxibustion (Wärmeanwendung) an den entsprechenden Akupunkturstellen an.

    Die Akupunktur dauert 20-30 Minuten. In diesem Zeitraum sitzt oder liegt der Patient ruhig und bequem. Durch Meditation während der Akupunkturbehandlung kann deren Effekt noch gesteigert werden.

    Wir bieten die Akupunktur für folgende Krankheiten bzw. Leiden an:

    • Morbus Parkinson (Tremor, Muskelsteifigkeit, Gangunsicherheit etc.)
    • Chronische Schmerzen (Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerz)
    • Rheumatische Erkrankungen (Rheuma, Fibromyalgie etc.)
    • Chronische Rückenschmerzen
    • Suchtbehandlung (Nikotinabusus, Adipositas)
    • Allergien und Hauterkrankungen (z. B. Asthma)
    • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen)
    • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Alternative Krebstherapie und Ganzheitsmedizin

    Die Diagnose einer Krebserkrankung bedeutet immer auch die Konfrontation mit einer potentiell tödlichen Erkrankung. Angst vor Folgen, Therapie, Schmerzen, Hilflosigkeit, soziale Konsequenzen können zu einem seelischen „Schockzustand“ führen. Trotz enormer Fortschritte in der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen, kann Heilung nicht immer erreicht werden. Es fällt sehr schwer, solche Grenzen zu akzeptieren. Das Bedürfnis und die Suche nach „alternativen Methoden“ sind demnach besonders groß, wenn es um die Behandlung chronischer Erkrankungen geht. Der Begriff „alternative Krebstherapie“ ist nicht eindeutig. Er suggeriert, dass außerhalb der heute praktizierten medizinischen Standards eine gleich oder sogar besser wirksame Behandlungsmöglichkeit besteht. Viele als „alternativ“ angepriesene Verfahren entwickelten sich aus medizinhistorischen Theorien zur Ursache von Tumorerkrankungen und lassen sich mit unserem modernen Medizinverständnis nicht vereinbaren.

    Der Begriff „alternativer Krebsbehandlung“ bedeutet aber heute für viele Menschen nicht ein „Ersatz“ konventioneller Therapie, sondern der Wunsch, nach ergänzenden, sanften, natürlichen, Menschen zugewandten Behandlungen (komplementäre Behandlung). Diese finden sich im Bereich naturheilkundlicher Therapien, orthomolekularer Therapie oder auch weltanschaulich geprägten eigenständigen Fachrichtungen wie z.B. anthroposophische Medizin, Homöopathie, traditionell chinesischer Medizin (TCM) oder ayurvedischer Medizin. Der Forderung, komplementäre alternative Methoden wissenschaftlich zu erforschen, kommt eine besondere Bedeutung zu. Oftmals entstammen Behandlungsvorschläge und –Methoden erfahrungsheilkundlichen Empfehlungen, was zu einer allgemeinen Therapieempfehlung nicht ausreichend ist. Hier konnten jedoch Fortschritte erzielt werden und Forschungsprogramme wie CAMbrella (europäisches Forschungsförderprogramm) gestartet werden. Viele Universitäten befassen sich zunehmend mit komplementären Verfahren. Ziel ist eine integrative Medizin, die eine bestmögliche Behandlung für den Patienten, gemäß seiner Erkrankung bedeutet und ihm ermöglicht, seine persönlichen Ressourcen zu stärken. Dem Gedanken der Salutogenese (Entstehung von Gesundheit) kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

    Die Bundesrepublik Deutschland ist in der Nutzung unkonventioneller Therapien marktführend. Die Vermarktung entsprechender Produkte stellt dabei einen großen Wirtschaftsfaktor dar, der Umsatz pro Jahr beträgt ca. 1 Milliarde Euro (im Vergleich dazu: alle angewandten Chemotherapien (Zytostatika) pro Jahr zusammen nur 0,015 Milliarden Euro. (Lindner 1995, Bundesärztekammer 1993)). Ca. 65% aller betroffenen Menschen greifen zu Naturheilmitteln, die nicht nur Krebsheilung oder -linderung versprechen, sondern deren Indikation scheinbar bei nahezu allen möglichen Symptomen oder Krankheiten gegeben ist. Wir kennen heute ca. 300 verschiedene Arten von Krebserkrankungen. Sie unterscheiden sich dabei ganz erheblich in ihrer Behandlung. Ein „universelles“ Krebsmedikament gibt es weder in der Schulmedizin noch in anderen Verfahren. Die Werbung suggeriert, dass selbst ein Zustand von Gesundheit einer „Behandlung“ bedarf. So werden beispielsweise Vitamine und Spurenelemente unseren Nahrungsmitteln zugesetzt, weil der Konsument dadurch zum Kauf motiviert wird. Gleichzeitig erfolgt jedoch keine kritische Auseinandersetzung bzgl. vieler belastender Faktoren unseres Lebendstils (z.B. Nikotin, Alkohol, Ernährung, Bewegungsmangel, chron. Stressbelastung).

    Die onkologische Abteilung der Habichtswald-Klinik besteht seit 1986. Die damalige konventionelle Krebsbehandlung war sehr einseitig orientiert (pathogenetisch). Naturheilkundliche oder andere Therapieansätze wurden pauschal als unwissenschaftlich abgelehnt. Da aber unsere „schulmedizinischen Möglichkeiten“ oftmals nicht heilende Behandlungen waren, bestand und besteht eine große Verunsicherung und auch ein Misstrauen gegenüber konventioneller Medizin. Wir assoziieren oft Begriffe wie unpersönlich, kalt und technokratisch. Der oftmals ausgesprochene Satz „leben Sie wie bisher“, lässt den Patienten allein in seinem Bedürfnis und Wunsch „noch etwas zu tun“. Unser Anliegen ist, eine dem Patienten zugewandte Medizin anzubieten, die wissenschaftliche und komplementäre Medizin verbindet. Neurobiologische Forschungen zeigen, wie sehr sich Körper, Seele und Geist gegenseitig beeinflussen. Neue Betrachtungsweisen von Krankheit und die Definition von Gesundheit, als Zustand vollständigen körperlichen und sozialen Wohlergehens (WHO) prägten dabei von Beginn an unseren ganzheitlichen Ansatz.

    Da der medizinische Fortschritt und vor allem das Verstehen tumorbiologischer Abläufe zu modernen Therapiekonzepten führen (z.B. Antikörperbehandlung, zielgerichtete Therapien) und oftmals Heilungserfolge und deutliche Lebensverlängerung erzielt werden, besteht zwar immer weniger das Bedürfnis, nach „alternativen“, also ersetzenden Behandlungen zu suchen. Vielmehr besteht ein Bedarf an ergänzenden, unterstützenden Therapien (komplementäre Behandlung). Eine besondere Bedeutung kommt dabei der psycho-onkologischen Betreuung zu. Persönliche Strategien im Umgang mit der eigenen Erkrankung zu finden, vorhandene Ressourcen zu stärken, Verbesserung der Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge sind Behandlungsziele.

    Eine Krebserkrankung ist immer individuell zu betrachten. Leitlinien zur Behandlung müssen selbstverständlich Beachtung finden, werden aber allein dem Behandlungsbedürfnis des Patienten nicht gerecht. Ca. 600 „Ratschläge“ die wir in Medien zur „alternativen“ oder komplementären Krebsbehandlung finden, verunsichern enorm, können sogar aufgrund von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen gesundheitsschädigend sein. Werden sie als „Ersatz“ für eine konventionelle Behandlung verstanden, kann dies lebensbedrohliche Folgen haben. Unseriöse Diagnose- und Behandlungsverfahren, die die Not des Patienten ausnutzen und ihn finanziell belasten, sind abzulehnen. Auch werden oft teure, aber nicht aussagekräftige Diagnoseverfahren angeboten und sind meist mit dem Verkauf und der Vermarktung bestimmter Produkte verbunden. Gerade die Nutzung des Internets ermöglicht den Zugang zu vielen z.T. sehr guten Informationsquellen, aber leider auch zu unseriösen Quellen mit mangelhafter medizinischer Qualität. Hier besteht unsere Arbeit in Information und Aufklärung. Komplementäre medikamentöse Behandlungsverfahren kommen bei uns indikationsbezogen zum Einsatz. Das heißt, sie haben ihren Schwerpunkt in der Behandlung von Funktions- und Befindens-Einschränkungen im Rahmen der Krebserkrankung oder als Folgen einer Krebsbehandlung (z.B. Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie oder endokrinen Therapie). Sie tragen damit zur Verbesserung der Lebensqualität bei und ermöglichen ein optimales Ausschöpfen unserer eigenen Ressourcen, selbst gegen Bedrohung durch Erkrankung aktiv zu werden und den „inneren Arzt“ zu finden.

    Von palliativer Behandlung spricht man, wenn eine Heilung der Krebserkrankung mit den zur Verfügung stehenden Methoden nicht zu erreichen ist. Ziel ist dann, weiteres Tumorwachstum einzugrenzen und die Lebensqualität zu verbessern. Gerade in dieser Situation ist gute Lebensqualität von sehr großer Bedeutung. Verschiedene Studien konnten den Einfluss von Lebensqualität auf die Überlebenszeit, selbst bei einem metastasierten Tumorleiden, zeigen. Die Verbesserung der palliativen ambulanten Versorgung ist hier wesentlich. Der Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Palliativ-care-Versorgung unterstützt den Patienten und nutzt dabei moderne medizinische Möglichkeiten (z.B. Schmerztherapie, Ernährungsmedizin). Ebenso kommen symptomlindernde komplementäre Verfahren zum Einsatz.

    Prävention stellt einen weiteren Schwerpunkt in unserer Abteilung dar. Hier besteht das Ziel in der Förderung einer gesunden Lebensweise.

    Komplementärmedizin in der Habichtswald-Klinik

    Unser ganzheitliches Konzept bedeutet, den Patienten als Einheit von Körper, Seele und Geist zu sehen. Es umfasst dabei

    • „schulmedizinische“ konventionelle Therapieverfahren
    • Komplementäre medikamentöse Verfahren (z.B. Naturheilkunde, Orthomolekulare Medizin, Homöopathie, TCM)
    • Vorträge, Seminare, Gesprächsrunden (zu verschiedenen Themen wie Tumorentstehung, komplementäre Therapien, Angstbewältigung, Salutogenese)
    • Ernährungstherapie, Ernährungspsychologie
    • Psycho-Onkologie (Einzelgespräche, Gruppentherapie, Visualisierungsübungen nach Simonton, Ausdrucksmalen und Kunsttherapie, Tanztherapie, Brain-Gymnastik und verschiedene Entspannungsverfahren wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Imaginationsübungen bei klimakterischen Beschwerden)
    • Ergotherapie (z.B: spez. Sensibilitätstraining bei polyneuropathischen Beschwerden, Hirnleistungstraining bei Chemo-Brain oder Fatigue)
    • Krankengymnastische Behandlung (gezielte krankengymnastische Behandlung funktioneller Einschränkungen, medizinische konditions- und muskelkräftigende Trainingstherapie, Craniosakraltherapie, Wassergymnastik )
    • Physikalische Therapie (verschiedene Massagetechniken wie Fußreflexzonenmassage, Akupunktmassage, Marnitz-Massage, Aroma-Massage, klassische Massage, Lymphdrainage, Kneipp-Anwendungen und stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen (Wannenbäder, Dauerdusche), Elektrotherapien und Ultraschallbehandlungen, Iontophorese)
    • Sozialmedizinische Beratung/Betreuung, Sozialberatung
    • Gesundheitsförderndes Training (Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion)
    • Krankenpflege nach ganzheitlichem Leitbild (ergänzende Schmerzbehandlung z.B. durch spez. Einreibungen, Wickelanwendungen, Aromapflege, Stomaberatung und -pflege, Wundpflege, BCN (Breast-care-nurse) Beratung)
    • Spirituelle Begleitung (Reflektion über Sinn und Bedeutung des Lebens, Meditationen, Singen, sakraler Tanz, Seelsorge)
    • Kreatives Gestalten

    Alle Mitarbeiter arbeiten dabei eng zusammen. Es besteht der gemeinsame Anspruch, Behandler für die körperliche und seelische Seite der Erkrankung zu sein. Unser gemeinsam erarbeitetes Leitbild  stellt dabei unsere Basis dar.

    Die Vielfältigkeit der Therapiemöglichkeiten lässt ein individuelles Behandlungskonzept zu. Viele Jahre onkologischer Behandlung in der Habichtswald-Klinik entsprechend des ganzheitlichen Konzeptes, haben zu einem seriösen Einsatz komplementärer Behandlungsverfahren geführt. Aus der Erfahrung, welchen wesentlichen Einfluss gerade das Zusammenwirken verschiedener Behandlungen unter Miteinbeziehung der psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten auf Genesungsprozesse hat, sind wir motiviert alle Verfahren bestmöglich zu nutzen. Die Konzentration auf die persönliche Lebenssituation des einzelnen Patienten, seine Ziele, Wünsche, Ängste und Ressourcen ist der Kernpunkt unserer Vision. Sie lebt vom Respekt vor der Einzigartigkeit und Autonomie eines jeden Menschen.

  • Analkarzinom

    Was sind Analkarzinome?

    Analkarzinome sind seltene Tumore, sie betreffen Frauen etwas häufiger, die meisten Patienten sind älter als 60 Jahre. Analkarzinome unterscheiden sich in Therapie und Prognose deutlich vom Darmkrebs (kolorektale Karzinome). Man unterscheidet Analrandkarzinome, die wie Hauttumore behandelt werden von Analkanalkarzinomen. Ursächlich ist eine Infektion mit humanem Papillomavirus (HPV), meistens Typ 16, seltener Typ 18. Diese Viren können Spitzwarzen (Condylomata accuminata) im Analbereich verursachen. Die Infektion kann über sexuellen Kontakt übertragen werden. Dieselben Viren spielen auch beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und Vulvakarzinom eine entscheidende Rolle. Hier wird mittlerweile Mädchen vorbeugend eine Impfung gegen HPV angeboten, so dass mit einem Rückgang der Erkrankung zu rechnen ist. Die Schwächung des Immunsystems, wie z.B. bei AIDS Patienten oder nach Transplantationen begünstigt die Entartung von Plattenepithelzellen, die den Analkanal auskleiden, selten sind entartete Drüsenzellen Ausgang des Karzinoms, dann wird die Behandlung wie beim Rektumkarzinom durchgeführt. Als weitere Risikofaktoren werden Geschlechtskrankheiten in der Vorgeschichte, häufig wechselnde Geschlechtspartner und Analverkehr genannt.

    Wird die Erkrankung früh entdeckt, nämlich vor einer Streuung in die Leistenlymphknoten, haben die Patienten eine gute Prognose.

    Folgende Beschwerden können Frühsymptome eines Analkarzinoms sein: Blutauflagerungen auf dem Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang, Juckreiz im Analbereich, Fremdkörpergefühl, Probleme, den Stuhlgang zu kontrollieren, später treten vergrößerte Leistenlymphknoten, auffällig geformter Stuhl, z.B. Bleistiftstühle oder Einkerbungen im Stuhl auf. Chronische Infektionen im Anusbereich, Hämorrhoiden, Fisteln, Fissuren, Condylomata, Herpes und Psoriasis können gleichzeitig mit einem Analkarzinom auftreten und müssen deshalb vom Arzt besonders beachtet und überwacht werden.

    Die Behandlung wird nach internationalen Standarts durchgeführt. Ein Analrandkarzinom wird meist, wenn der Schließmuskel nicht betroffen ist, lokal operiert, nur wenn das nicht vollständig gelingt, ist eine anschließende Bestrahlung erforderlich.

    Bei den Analkarzinomen im engeren Sinn führt eine Bestrahlung, kombiniert mit einer Chemotherapie, in hohem Prozentsatz zur Heilung. 4 Wochen nach Abschluss dieser Behandlung wird über die Art der Operation entschieden, je nach Größe des Resttumors. Nur bei großen Tumoren muss der Schließmuskel mit entfernt werden und ein künstlicher Darmausgang angelegt werden. Bei Krebsvorstufen oder sehr kleinen Tumoren reicht die alleinige Bestrahlung aus. Am günstigsten ist bei der Bestrahlung bezüglich der Nebenwirkungen des gesunden Gewebes im Strahlenfeld die sogenannte IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie).

    Weiterführende Information finden Sie bei der Deutschen Krebshilfe sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungs-zentrum Heidelberg.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der behandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes. Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswald-Klinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden.

    Es besteht die Möglichkeit, eine Zweitmeinung („Second Opinion“) zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen.

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung.

    Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Hierbei setzen wir, komplementär (=ergänzend zu schulmedizinischen Therapien), gezielt Nahrungsergänzende Stoffe ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. Begleitend werden Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

    Nach der (End-)Darmoperation kann es vorübergehend zu Schwierigkeiten kommen, den Stuhl zu halten. (Inkontinenz). Hier ist ein gezieltes Beckenbodentraining durch unsere Physiotherapeuten hilfreich.

    Als Folge einer notwendigen Bestrahlung kann es auch zu Schädigungen der im Strahlenfeld liegenden Organe wie Darm – insbesondere der Enddarm – der Harnleiter und der Harnblase kommen. Hier ist bei Auftreten von Durchfällen eine diätetische Behandlung sinnvoll neben der Gabe von krampflösenden und den Stuhl andickenden Medikamenten. Wenn der Enddarm betroffen ist, werden entzündungshemmende Medikamente, z.B. als Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt.

    Wenn vorübergehend oder dauerhaft eine Ableitung von Stuhlgang über ein sogenanntes Stoma erforderlich wurde, unterstützen sie die Stomatherapeuten der Pflege im Erlernen der Handhabung, vermitteln Ihnen so ein sicheres und entspanntes Umgehen mit dem künstlichen Stuhlausgang. So kann ein allmähliches Akzeptieren der durch die Therapie bedingten Körperveränderung entstehen

    Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Gerade bei Anlage eines Stomas sind viele Patienten sehr verunsichert und meinen, sich so einem Partner nicht zumuten zu können. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden und Mut gemacht werden zu einem befriedigenden Sexualleben. Bei Operationen des Enddarms kann es zu Störungen der Nerven kommen, die für eine Erektion erforderlich sind. Hier können im Gespräch Hilfen aufgezeigt werden.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers sowie zur Vorbeugung von Rückfällen beitragen.

    Das Erreichen eines Normalgewichts ist ein Schutzfaktor, der für viele nur schwer erreichbar ist. Hier bieten die Ernährungsberater eine sehr hilfreiche ernährungspsychologisch fundierte Beratung an. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, oft ist bei speziellen Problemen eine individuelle Ernährungsberatung erforderlich. Wir bieten verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen, die allerdings stärker gewürzt ist, somit nicht für alle Darmkrebs-Patienten geeignet ist. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann. Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Für Fragen einer beruflichen Wiedereingliederung, über Nachteilsausgleich bei Schwerbehinderten oder bezüglich weiterer Versorgung am Heimatort stehen Ihnen unsere Sozialberater zur Verfügung.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Angstbewältigung

    Was ist Angst?

    Angst ist ein Gefühl, das jeder kennt. Es ist ein Gefühl, das uns vor akuten Gefahren warnt. Angst ist auch eine Erinnerung an gefährliche Situationen, in denen wir uns unterlegen oder ohnmächtig fühlten. Das Gefühl der Ohnmacht hängt mit dem Angstgefühl zusammen. Dazu gehört auch die Unsicherheit, ob jemand eine Situation bewältigen kann. Das heißt je weniger ich über eine Situation weiß, je geringer die Fähigkeit ist, eine Lösung eines Problems selbst zu gestalten und je mehr ich auf Hilfe angewiesen bin, umso größer ist die Gefahr. Und dann kommt Angst auf. Angst ist also ein existentielles Gefühl.

    Angst spielt sich im Körper ab. Der Körper reagiert auf eine Gefahrensituation mit der Mobilisierung von Vorgängen, die allesamt zu einer Bewältigungsstrategie gehören. Diese Mobilisierung läuft unwillkürlich ab. Ein Nachdenken würde in einer akuten Gefahr zu lange dauern.

    Auch ein seelischer Schock, z.B. durch eine als bedrohlich erlebte Nachricht, kann eine Angstreaktion auslösen. Auf einen Schreck hin bereitet sich der Körper reflexhaft auf eine Reaktion vor. Das ist ein archaisches Überlebensprogramm, das Kampf oder Flucht ermöglicht. Entweder der Gefahr entschlossen entgegentreten oder schnell verschwinden. Die Wahl der Alternative hängt unter anderem davon ab, wie man die Wahrscheinlichkeit einschätzt, mit der entsprechenden Strategie erfolgreich zu sein. Wenn keine Strategie zur Verfügung steht, die das Gefühl, ohnmächtig und ausgeliefert zu sein beseitigt, kann aus der unmittelbaren Körperreaktion ein andauernder Zustand werden. Dann braucht es neue Strategien um mit den Angstreaktionen umzugehen.

    Eine Angstreaktion hat drei Komponenten:

    • Körperliche Angstreaktion
    • Angstgedanken
    • Angstgefühle

    Dabei stellt die körperliche Angstreaktion eine Vorbereitung des Körpers auf Aktivität dar, um optimal für eine Kampf- oder Fluchtreaktion gerüstet zu sein. Die einzelnen Angstsymptome lassen sich tatsächlich entsprechend herleiten: Schneller Atem, um die Sauerstoffkonzentration im Blut zu erhöhen; Herzklopfen, um den Sauerstoff schnell zur Muskulatur zu transportieren; Bauchschmerzen, da keine Zeit und Energie für Verdauung übrig ist etc. Das sind neurologische Vorgänge, die sich auf den ganzen Körper auswirken, sozusagen ein Kommunikationssystem, das alle relevanten Körperfunktionen mit einbezieht.

    Angstgefühle sind das, was in der Regel als erstes mit dem Ausdruck „Angst“ verbunden wird. Das Gefühl, das wir mit Angst bezeichnen ist oft gemischt mit anderen Gefühlen (Hilflosigkeit, Wut, Ärger, Traurigkeit, Sorge u.a.). Angstgefühle verbinden sozusagen das Denken mit den körperlichen Reaktionen. Wir spüren die Körperreaktionen und erleben sie als Gefühle. Gefühle und Körperreaktionen sind nicht zu trennen.

    Angst im Rahmen einer schweren, bedrohlich erlebten Erkrankung ist eine angemessene Reaktion auf eine Schocksituation. Die Diagnose Krebs läutet immer einen psychischen Ausnahmezustand ein und ist zudem mit viel Unsicherheit verbunden – ein Gefühl, das wir als Bedrohung empfinden, das Angst macht.

    Da wir Angst als äußerst unangenehm erleben, wollen wir sie gern „weg haben“. Unangenehm ist aber nicht gleichbedeutend mit schlecht. Angst weist uns auf etwas hin. Durch Angst erkennen wir die Notwendigkeit emotionaler Prozesse. Und durch Angstbewältigung kann ein Potential zur Verarbeitung von belastenden Situationen entwickelt werden.

    Wenn allerdings die Angst überhand nimmt, als unkontrollierbar oder lähmend erlebt wird, kann die Lebensqualität erheblich darunter leiden. Dann hat man nicht die Angst, sondern die Angst hat einen, durch Identifizierung mit der Angst wird sie zu einem Teil der Person und das Wissen um die Fähigkeit zur Angstbewältigung geht verloren.

    Angstgedanken sind etwas ganz anderes als die körperlichen Angstreaktionen. Sie beruhen auf unseren gewohnten Denkstrukturen. Dazu gehören Gedanken, die oft so schnell und automatisiert ablaufen, dass sie sich, wenn überhaupt, nur im Nachhinein rekonstruieren lassen. Diese sind aber oft Folge von Meinungen, Konzepten, Prägungen, unbewältigten Erlebnissen u.ä., die wir mehr oder weniger unbewusst mit uns tragen. Im Gehirn werden neuronale Netzwerke aufgerufen, die mit inneren Bildern von uns und der Welt verbunden sind. Sie beruhen auf subjektiven Einschätzungen unserer Fähigkeiten, unserem (wirklichen oder vermeintlichen) Wissen bezüglich der Situation, unseren Erfahrungen mit ähnlichen Situationen etc. Angstgedanken führen oft von der Realität weg in Vermutungen und Vorstellungen, was alles passieren könnte. Wir meinen vielleicht, dass wir mit diesen Gedanken die Angst bewältigen können, doch eher verstärken wir sie.

    Angstbewältigung

    Mit dem Begriff der Angstbewältigung verbinden die meisten Menschen den Wunsch: „Die Angst soll weg!“. Das ist verständlich, denn Angst weist auf eine zu beseitigende Gefahr hin. Die soll beseitigt werden, dann ist auch die Angst weg. Doch in unserem komplexen Leben ist das nicht so einfach. Wenn wir dann nur die Angst beseitigen wollen, dann entsteht die Angst vor der Angst, das heißt sie wird größer. Angstbewältigung ist also keine Auslöschung der Angst.

    Angstbewältigung kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden, je nachdem, ob man beim Körper, bei den Gefühlen oder beim Denken beginnt, alle diese Ebenen sind wichtig. Wir können uns das psychische Gleichgewicht wie eine Waagschale vorstellen. Wenn die unangenehmen Gefühle überwiegen ist die Gefühlsbalance verloren gegangen. Man kann dann auf beiden Seiten der Waage ansetzen.

    Man kann einerseits

    • die Angst (und andere unangenehme Gefühle) verringern, andererseits den Gegenpol
    • angenehmes Erleben (Freude, Vertrauen, Wohlbefinden usw.) stärken.
    Angst reduzieren

    Auch bei der Angstreduktion kann man sich an den drei Bereichen der Angstreaktion orientieren. Dazu ist es notwendig, die Angst anzunehmen und diese Bereich zu differenzieren.

    Körperliche Angstreduktion

    Angst geht immer mit einer körperlichen Reaktion einher. Diese ist unwillkürlich und soll, wie oben beschrieben, den Körper auf Aktivität vorbereiten. Eine Gefahr wird unmittelbar von den Sinnen und zuerst unbewusst wahrgenommen, wodurch Körperreaktionen ausgelöst werden. Diese neuronalen Prozesse brauchen eine tatsächliche Bewegung, um ein körperliches Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies funktioniert im Sinne einer Rückkopplungsschleife. Wenn diese unterbrochen wird – es findet kein Kampf, keine Flucht statt – gerät das ganze System durcheinander und es kommt zum Beispiel zu einer erhöhten Daueranspannung. Eine der ersten Möglichkeiten der Angstreduktion ist daher Sport oder Bewegung. Dabei kommt es nicht auf sportliche Höchstleistungen an. Durch Bewegung werden die ausgeschütteten Stresshormone abgebaut.

    Da die körperliche Reaktion umso stärker ist, je höher der Stresslevel ist, ist auf der anderen Seite ein Ausgleich notwendig, der die Anspannung reduziert. Entspannung sorgt dafür, dass es gar nicht zu den extremen körperlichen Reaktionen kommt. Es ist schlichtweg unmöglich, entspannt zu sein und gleichzeitig Angst zu haben. Was entspannend ist, sollte jeder Mensch für sich herausfinden. Entspannungsverfahren wie PMR (Progressive Muskelrelaxation), Autogenes Training und Imaginationen können ebenfalls eine gute Hilfe sein, da sie relativ leicht erlernbar sind.

    Angstbewältigung durch Entspannung muss geübt werden, bestenfalls in Zeiten, in denen die Angst nicht als übermächtig erlebt wird. Eventuell kann es hilfreich sein, sich eine ganz persönliche Liste von entspannenden Dingen anzulegen. Das Nervensystem braucht eine gewisse Übung und Automatisierung, damit es in Zeiten von Stress darauf zurückgreifen kann. Genauso wie man nicht erst dann Schwimmen lernen kann, wenn man ins Wasser gefallen ist, kann man Angstbewältigung nicht erst dann lernen, wenn die Angst groß ist.

    Insgesamt ist es wichtig, die körperlichen Angstsymptome als solche erst einmal einschätzen zu lernen – auch, um sie nicht mit bedrohlichen körperlichen Zuständen zu verwechseln. Machen Sie sich bewusst, wie ihr Körper typischerweise auf Angst reagiert – und lernen Sie diese Symptome, die bei unterschiedlichen Menschen auch sehr unterschiedlich sein können, kennen, ohne sie als Bedrohung zu bewerten. Angst ist unangenehm, doch Sie sollten sie nicht als schlecht bewerten und ablehnen. Dann kann das Erkennen der Symptome schon helfen, Angst abzubauen.

    Reduktion der Angstgefühle

    Da die körperlichen Reaktionen, die genau genommen als Empfindungen bezeichnet werden, gefühlt werden, ist es nicht möglich, diese völlig von den Gefühlen zu trennen. Wir nehmen unsere Gefühle durch den Köper wahr. Anhaltende Körperreaktionen lassen sich auf Gefühle zurückführen.

    Hier ist es wichtig, sich zu erlauben, Angst zu haben. Angst ist eine absolut angemessene Reaktion auf eine Krebsdiagnose. Wenn Sie nun versuchen, sich die Angst zu verbieten, wird das nicht nur nicht gelingen, sondern Sie haben zusätzlich noch den Frust über sich selbst. Wenn die Angst erstmal eine innere Daseinsberechtigung erhält, wird sie ein wenig von ihrer Schärfe verlieren. Stellen Sie sich vor, sie schauen mit einem wohlwollenden, liebevollen Auge auf sich herab, während Sie Angst verspüren. Das wird die Situation gleich ein wenig entspannen.

    Auch Ablenkung ist erlaubt, um ruhiger zu werden, wenn sie nicht zur Verdrängung und Verleugnung der Angst benutzt wird. Wenn es Ihnen gelingt, für eine Zeit an etwas ganz anderes zu denken, ist das sehr hilfreich, um die Gefühlsbalance wieder herzustellen. Was Sie am Besten zur Ablenkung nutzen – der Phantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

    Lernen Sie die Angstauslöser kennen und verlassen oder verändern Sie die Situation, die Ihnen Angst macht, wenn dies möglich ist. Bitten Sie zum Beispiel Menschen, von etwas anderem zu sprechen als von einer Erkrankung, wenn Ihnen dieses Thema gerade Angst macht.

    Es kann auch hilfreich sein, für bestimmte Situationen oder Phasen Medikamente gegen die Angst zu nehmen. Das können die klassischen angstlösenden Medikamente sein (Beruhigungsmittel, Anxiolytika etc.) oder aber auch Bachblüten, Homöopathie etc. Scheuen Sie sich nicht, mit ihrer Ärztin/ ihrem Arzt darüber zu sprechen.

    Oft melden sich in akuten Belastungssituationen auch Erinnerungen aus früheren unbewältigten Situationen. Diese Erinnerungen sind im Unterbewusstsein gespeichert und können sonst gut kompensierte Gefühle der kindlichen Ohnmacht reaktivieren. Auch hierzu ist eine ärztliche / psychotherapeutische Beratung angebracht.

    Eine Möglichkeit der Angstbewältigung ist es sich von der Angst zu distanzieren, ihr z.B. einen Namen zu geben, ihr ein Bild oder eine Figur zuzuordnen. Wie würde meine Angst aussehen, wenn ich sie malen würde? Alles, was wir uns vorstellen, benennen und beschreiben können, verliert seine konturlose Unbestimmtheit. Wenn Sie ein Bild gefunden haben, dann können Sie im zweiten Schritt mit dem Benannten kommunizieren. Sie fragen sich, was Sie verändern könnten, damit die Angst erträglicher wird. Wenn die Angst zum Beispiel als tiefes schwarzes Loch erlebt wird, kann dieses ausgeleuchtet werden, man könnte es zuschütten, eine Brücke bauen, einen Zaun drumherum bauen oder sich selbst sichern. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Gerne können Sie diese Ideen auch malen.

    Reduktion der Angstgedanken

    Angst hat immer auch eine gedankliche Komponente. Gedanken können Bewertungen, innere Regeln und Verbote, Werte und Meinungen und Ähnliches sein. Dabei sind Angstgedanken oft sehr nebulös und unbestimmt, oft sind sie abstrakt und verallgemeinernd. Da können ebenfalls Erinnerungen an kindliche Erlebnisse mit hereinspielen, deshalb sind diese Gedanken bisweilen auch irrational. Hilfreich ist es, eine Realitätsprüfung dieser Gedanken zu unternehmen. Eine Möglichkeit ist, den Gedanken „zu Ende zu denken“, indem Sie sich klar machen, wovor genau Sie sich fürchten und weiter zu fragen: „was wäre dann?“ und sich solange diese Frage weiter zu stellen, bis Sie in dieser Gedankenkette an ein Ende kommen.

    Diese Gedankenerforschung ist oft sehr aufschlussreich darüber, wo die Angst herkommt und was sie bedeutet. Außerdem bekommt die Angst dadurch eine Kontur, einen Namen; sie wird greifbar. Davon geht sie nicht weg, aber es wird leichter, sie einzuordnen. Tatsächlich nimmt die Intensität der Angst durch diese Übung in der Regel ab. Wenn es dann später erneut zu Angst kommt, können Sie Ihre Angst benennen und verstehen, was automatisch einen Abstand zwischen Ihnen und der Angst herstellt. Sie sind nicht mehr die Angst sondern Sie haben Angst. Und dann hat auch nicht die Angst Sie.

    Diese Übung ist leichter, wenn Sie sie im Dialog (zum Beispiel mit einem vertrauten Menschen oder einem Psychotherapeuten) ausführen. Auch als schriftliche Übung ist sie gut.

    Eine andere Art von Angstgedanken sind schwächende Denkmuster, die Sie an Wiederholungen erkennen, wie z.B. „das schaffe ich nie“, „Ich könnte es nicht aushalten, ein Rezidiv zu bekommen“ etc. Auch diese wurzeln häufig in früheren Erfahrungen. Wenn Sie solche typischen Angstgedanken für sich gefunden und formuliert haben, können Sie sie entlarven als abstraktes und nebulöses negatives Denken. Sie können sie stoppen, prüfen und umformulieren.

    Außerdem können Sie nun Ihre Gedanken hinterfragen: „Stimmt dieser Gedanke?“, „Tut mir dieser Gedanke gut?“, „Glaube ich diesen Gedanken?“ etc. Wenn Sie eine dieser Fragen mit „Nein“ oder zumindest mit „Ja, aber“ beantwortet haben, können Sie im nächsten Schritt Ihren Angstgedanken umformulieren. Achten Sie dabei aber auf Glaubwürdigkeit! Ein Alternativgedanke, an den Sie nicht glauben, hilft nicht. Eventuell reicht es auch schon, ein „immer“ durch ein „oft“ zu ersetzen, ein „nicht“ durch ein „noch nicht“ oder den Gedanken auf eine andere Art zu entschärfen. Wenn Sie einen oder mehrere Alternativgedanken gefunden haben, dann schreiben Sie sich diese auf! Am besten an einem Ort, auf den Sie leicht zurückgreifen können, wenn die Angst kommt, so dass Sie mit dem Lesen Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge helfen können.

    Eine weitere Spielart der Angstgedanken ist, sich Sorgen zu machen und sich die schlimmsten Katastrophen in allen Einzelheiten wieder und wieder auszumalen. Häufig steckt dabei die Überzeugung dahinter, das Sorgen sei eine gute Vorbereitung darauf, wenn die Katastrophe tatsächlich eintreten sollte. In den allermeisten Fällen funktioniert diese Strategie jedoch nicht. Sorgen machen verhindert eher, den Augenblick zu genießen als dass es eine gute Vorbereitung darstellt. Sorge darf auch nicht mit Vorsorge oder Fürsorge verwechselt werden.

    Wenn Angstgedanken bzw. Sorgen sich nicht mehr unterbrechen lassen und sich immer im Kreis drehen, ohne jemals zu einem Ergebnis zu führen, dann spricht man von Grübeln bzw. Grübelschleifen. Häufig findet diese Variante abends vor dem Einschlafen statt, wenn alle Ablenkungsmöglichkeiten des Tages wegfallen. Diese Art von Gedanken ist nicht hilfreich. Eine Möglichkeit, diese Grübelschleifen zu durchbrechen, ist, ganz bewusst „Stopp!“ zu sagen – in Gedanken oder besser noch ausgesprochen. Dieser Trick ist so simpel wie hilfreich. Sollte das auf Dauer nicht ausreichen (auch hierbei macht Übung den Meister), kann eine Ergänzung sein, die Gedanken bzw. Sorgen aufzuschreiben (dafür Zettel und Stift neben das Bett legen) – dadurch können Sie das Erinnern an den Zettel delegieren und sich vornehmen, sich am nächsten Morgen mit den aufgeschriebenen Dingen zu beschäftigen.

    Typischerweise sind Angstgedanken entweder auf die Vergangenheit, öfter noch jedoch auf die Zukunft gerichtet. Deswegen ist eine weitere Möglichkeit, damit umzugehen, die ganz bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt. Am einfachsten geht das über die verschiedenen Sinne. Was können Sie in diesem Moment tasten? Sehen? Hören? Riechen? Schmecken? Machen Sie sich bewusst, welchen Tag wir heute haben, wo Sie sich befinden, wie Sie sich gerade fühlen. Welcher Teil Ihrer Gedanken auf die gegenwärtige Situation bezogen ist – und welcher Teil sich auf Spekulationen für die Zukunft bezieht. Wenn es Ihnen dann noch gelingt, das, was Sie wahrnehmen nicht zu bewerten, dann nennt man das Ganze Achtsamkeit. Aber auch hier gilt: Je öfter Sie üben und ausprobieren, desto besser wird es klappen!

    Ein ganz anderer Weg, mit Angst umzugehen, kann darin bestehen, der Angst eine Aufgabe, einen Sinn zuzuordnen. Wenn Sie sich zum Beispiel im Rahmen Ihrer Erkrankung vorgenommen haben, besser für sich zu sorgen, können Sie der Angst die Aufgabe geben, Sie daran zu erinnern. Jedes Mal, wenn Sie Angst verspüren, fühlen Sie sich gleichzeitig aufgefordert, etwas für sich zu tun.

    Und schließlich kann es sehr aufschlussreich sein, sich einmal die Frage zu stellen: „Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?“

    Angenehmes Erleben fördern

    Während die Angstreduktion die unangenehme Seite der Waagschale erleichtert, ist es mindestens ebenso wichtig, die Gefühlsbalance durch Auffüllen der angenehmen Seite wiederherzustellen.

    Auch hier gibt es wieder unterschiedliche Aspekte zu beachten.

    Dazu gehört einerseits, die Wahrnehmung für die schönen Dinge in Ihrem Leben zu schärfen (es gibt davon sicher eine ganze Menge, auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlen sollte!). Es ist eine Frage der Achtsamkeit, worauf Sie den Fokus lenken. Dem Körper das zu geben, was er braucht, gehört unbedingt dazu: Ausgleich und Wohlgefühl durch eine den eigenen Bedürfnissen angemessene Tagesstruktur zu fördern (mit Bewegung, Ruhe, Anregungen, Genießen usw.) gibt Ruhe und ein Gefühl von Sicherheit.

    Tätigkeiten, die angenehme Gefühle fördern, d.h. Freude machen, anregend sind und Stärke und Kompetenz bewusst machen, erhöhen das Selbstwertgefühl. Ein gutes Selbstwertgefühl vermittelt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Potentiale, und die sind als Gegengewicht gegen die Angst eine große Hilfe. Dabei sind der Kreativität (fast) keine Grenzen gesetzt!

    Was Sie im Einzelnen glücklich macht, ist sicherlich sehr individuell. Stellen Sie sich eine ganz persönliche Liste zusammen! Das hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge – und macht gute Laune schon beim Schreiben und Überlegen.

    Insgesamt geht es darum bewusster, achtsamer zu leben. Wahrscheinlich können Sie mehr Glücksmomente erleben und auch herstellen, als es Ihnen in einem routinemäßig funktionierenden Alltag bewusst ist. Wobei die Betonung auf Momente liegt: das Erleben besteht aus Momenten. Und beim – meist vergeblichen – Warten auf das große Glück könnte es passieren, das man viele kleine Glücksmomente verpasst.

    Erkennen Sie, was Ihnen hilft, möglichst viele Momente des Lebens zu genießen.

  • Antiangiogenese

    Mit Antiangiogenese bezeichnet man eine medikamentöse Methode, die sich gegen Gefäßbildung richtet. Die Neubildung von Blutgefäßen ist nicht nur für die Entwicklung des menschlichen Organismus wichtig, sondern spielt eine große Rolle bei allen Wachstums- und Heilungsvorgängen.

    Das Wachstum von Blutgefäßen wird über angiogenetische Wachstumsfaktoren und Botenstoffe angeregt. Es ist ein komplexer Prozess, der zur Gefäßneubildung und -spezialisierung führt. Gefäßwachstumsfaktoren sind:

    • VEGF (vascular endothelial growth factor)
    • FGF (fibroblast growth factor)
    • EGF (epidermal growth factor))
    • PDGF ( platelet derived growth factor)

    Daneben sind Angiopoetin, Tumornekrosefaktor (TNF), Interleukine und Prostaglandine von Bedeutung. Auch Wachstumsfaktoren der Knochenmarks-Stammzellen (G-CSF) regen die Neubildung an.

    Wachstumsfaktoren entfalten ihre Wirkung über spezielle Rezeptoren, an die sie binden. Die Bindung funktioniert nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Über die Rezeptoren wird ein Signal an die Zelle weitergegeben, das zur Gefäßneubildung führt.

    Entsteht ein solider Tumor im Organismus, kann dieser nur wachsen, wenn auch eine Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff erfolgt. Er ist also abhängig vom mitwachsenden Kapillarnetz. Ohne die Fähigkeit neue Blutgefäße auszubilden erreicht die Größe eines Tumors keine klinische Relevanz. Die Tumorzelle kann selbst Wachstumsfaktoren an die Umgebung abgeben, um die eigene Versorgung zu sichern. Diese neu gebildeten Tumorgefäße unterscheiden sich von normalen Gefäßen.

    Um eine überschießende Gefäßneubildung zu verhindern, gibt es auch wachstumshemmende Faktoren:

    • Angiostatin
    • Endostatin

    Therapeutisch macht man sich den Vorgang der Angiogenesehemmung zunutze. Die erste Anti-Tumortherapie mit einem Antikörper gegen VEGF (Bevacizumab, Avastin®) , also einem Wachstumsfaktor, wurde 2004 zur Behandlung von metastasiertem Darmkrebs zugelassen. Mittlerweile können Medikamente zur Hemmung der Angiogenese bei sehr vielen Tumorerkrankungen erfolgreich eingesetzt werden. Aber auch bei anderen Erkrankungen spielen sie eine Rolle (Arteriosklerose, Koronare Herzkrankheit, periphere Verschlusskrankheit, Maculadegeneration ).

    Die Gabe von Angiogenesehemmern in der Tumortherapie kann keine Heilung, jedoch einen Stillstand erreichen. Oft findet daher die Gabe in Verbindung mit einer Chemotherapie statt.

    Nebenwirkungen können trotz der relativ zielgerichteten Wirkung auftreten. Da die Wundheilung gestört wird, kann man sie bei Operationen einige Zeit nicht anwenden. Bluthochdruck, Bauchschmerzen, Schwäche, Thrombosen, Blutbildveränderungen, Durchfall oder Obstipation können auftreten. Ebenso kann es zu Blutungen im Magen-Darm Trakt kommen.

    Die Hemmung der Gefäßneubildung kann auch durch die Unterdrückung der Wirkung von Wachstumsfaktoren am Rezeptor erreicht werden. Das heißt, die Signalgebung, die vom Rezeptor ausgeht, wird gestört. Auf diesem Weg wirken neue Substanzen (small molecules). Auch durch Gabe von Antikörpern kann der Rezeptor selbst blockiert werden. Dann können die Wachstumsfaktoren keine Wirkung erzielen.

    Manche Medikamente können als Nebenwirkung das Gefäßwachstum beeinflussen. Thalidomid (Contergan®) führt zu schweren Missbildungen in der Embryonalentwicklung. Viele Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft dieses Medikament zur Verbesserung des Schlafs eingenommen hatten, wurden mit Missbildungen geboren. Das Medikament kann aber bei manchen Tumorerkrankung aufgrund seiner wachstumshemmenden Eigenschaften bei strenger Indikation eingesetzt werden (z.B. Non Hodgkin Lymphom, Plasmozytom, MDS).

    Auch verschiedene naturheilkundliche Medikamente wirken antiangiogenetisch. Hierzu gehören sekundäre Pflanzenstoffe wie Isothiocyanate, Ellagsäure, Curcumin und Apigenin. Einige sekundäre Pflanzenstoffe fördern jedoch auch die Produktion von Wachstumsfaktoren.

    Verschiedene Toxine wie z.B. Schlangengifte enthalten Substanzen, die die Gefäßbildung stören. Als „Alternative Krebshemmende“ Medikamente werden sie angeboten. Auch Haifischknorpel enthält solche Substanzen. Häufig sind solche Substanzen giftig und deren unkontrollierte Anwendung kann zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Sie stellen auf keinen Fall eine Alternative zu moderner gezielter Angiogenese-Hemmung dar.

  • Antihormonelle Therapie

    Was ist Antihormonelle Therapie?

    Nach der Operation einer Brustkrebserkrankung erfolgt eine genaue feingewebliche histopathologische Untersuchung des Tumorgewebes. Diese dient nicht nur dazu, die Ausdehnung der Erkrankung zu ermitteln, sondern gibt Auskunft über die spezifischen Eigenschaften der vorhandenen Tumorzellen. Damit kann eine Behandlung genau auf die persönliche Erkrankung „zugeschnitten“ werden und eine entsprechende Therapieempfehlung erfolgen.

    Tragen Tumorzellen auf ihrer Oberfläche Hormonrezeptoren für weibliche Geschlechtshormone (Östrogen und Progesteron), können diese Hormone das Wachstum der Tumorzellen beeinflussen. Brustkrebszellen entwickeln sich aus ganz normalen Brustdrüsenzellen. Der hormonelle Einfluss ist ein natürlicher Vorgang und die Einwirkung kann jede Frau während ihres Menstruationszyklus oder besonders in der Stillzeit deutlich wahrnehmen.

    Die Bildung der weiblichen Geschlechtshormone erfolgt in den Eierstöcken. Gesteuert wird die Produktion durch ein übergeordnetes Zentrum: die Hypophyse. In und nach den Wechseljahren nimmt die Produktion der Geschlechtshormone, vor allem die Östrogenproduktion in den Eierstöcken ab, das Klimakterium (Wechseljahre) beginnt. Diese hormonellen Veränderungen ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin und können zu Beschwerden wie Hitzegefühl, Schweißausbrüchen, Gewichtsveränderungen, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Trockenheit von Haut und Schleimhäuten sowie Stimmungslabilität führen. Auch das sexuelle Lustempfinden verändert sich. Die Intensität der Beschwerden ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Während manche Frauen von geringer bis gar keiner Belastung sprechen, klagen manche über gravierende Probleme, die die Lebensqualität erheblich belasten. Immer wieder wird diesen Frauen eine sogenannte Hormonersatztherapie angeboten, d.h. weibliche Sexualhormone werden medikamentös verabreicht, um die Symptome zu unterdrücken. Das Brustdrüsengewebe, welches ja natürlicherweise Hormonrezeptoren trägt, aber auch Tumorzellen, die Rezeptoren tragen, werden dadurch in ihrem Wachstumsverhalten beeinflusst und stimuliert. Aus diesen Gründen ist eine Hormonersatztherapie bei hormonabhängigen Tumoren kontraindiziert und sollte auch sonst nur nach strenger Indikation erfolgen. Klimakterische Beschwerden entstehen also durch Veränderung der hormonellen Aktivität in unserem Organismus und sind ein physiologischer Prozess. Interessanterweise gibt es große kulturelle Unterschiede bzgl. der Symptome, so kommen sie beispielsweise im asiatischen Raum kaum vor. Bilden die Eierstöcke schließlich keine Östrogene mehr, geschieht dies in anderen Geweben (Muskel- und Fettgewebe) mit Hilfe des Enzyms Aromatase, allerdings in viel niedrigerer Konzentration.

    Weisen Tumorzellen also Hormonrezeptoren auf, wird ihr Wachstum durch Östrogene stimuliert. Daher kann hier therapeutischer Einfluss durch eine Antihormonelle Therapie genommen werden. Verschiedene Prinzipien sind zur Behandlung möglich:

    • LHRH-Analoga (z.B. Goserelin, Zoladex®) Sie ähneln den Steuerungshormonen der Hypophyse und führen daher dazu, dass die Eierstöcke zunächst ein hohes Stimulationssignal erhalten. Durch einen Gegenregulationsmechanismus in der Hypophyse wird jedoch schließlich die Hormonproduktion eingestellt. Es kommt zu einem relativ rasch einsetzenden Östrogenmangel.
    • Aromatasehemmer (z.B. Anastrozol, Arimidex®; Letrozol, Femara®; Exemestan, Aromasin®) Das Enzym Aromatase ist für die Bildung aktiven Östrogens außerhalb der Eierstöcke notwendig. Wird dieses durch Aromatasehemmer blockiert, kann es nicht gebildet werden und es fehlt damit im Organismus.
    • Tamoxifen: Die Hormonrezeptoren auf der Zelloberfläche einiger Gewebe können gezielt blockiert werden, damit kann der wachstumsfördernde Effekt von Östrogen auf Brustdrüsenzellen gestört werden. So ist Tamoxifen eigentlich kein reines Antihormon. Tamoxifen wird in der Leber zum eigentlich wirksamen Medikament überführt. Daher spielt der Leberstoffwechsel eine große Rolle. Viele Medikamente (z.B. manche Antidepressiva aber auch naturheilkundliche Phytotherapeutika) verändern die Wirkung von Tamoxifen.   Neu entwickelte Antiöstrogene (Fulvestrant, Faslodex®) blockieren den Rezeptor selbst vollständig und werden beim fortgeschrittenen hormonpositiven Brustkrebs eingesetzt.

    Die Indikation einer hormonellen (endokrinen Therapie) richtet sich also nach den biologischen Eigenschaften der Tumorzelle. In Abhängigkeit des primären Tumorstadiums stellt sie ein wichtiges Therapieprinzip dar, um Rezidive oder Metastasierung zu verhindern. Aber auch bei fortgeschrittener Erkrankung kann sie weiteres Wachstum eingrenzen und damit unsere eigenen tumorzellvernichtenden Systeme positiv unterstützen. Die Auswahl der Medikation richtet sich in erster Linie nach dem Menopausenstatus, d.h. nach der vorhandenen eigenen Hormonaktivität der Patientin. Die Einnahme erfolgt über Jahre, evtl. wird ein Wechsel der Stoffgruppe empfohlen (switch).

    Nebenwirkungen von antihormonellen Therapien

    Alle gegebenen Stoffgruppen führen, wie oben angegeben, zu sogenannten klimakterischen Beschwerden (Wechseljahresbeschwerden), allerdings in sehr unterschiedlicher Intensität. Die LHRH-Analoga Gabe, die bei Frauen vor der Menopause zusammen mit Tamoxifen eingesetzt wird, führt oft zu sehr deutlichen Beschwerden dieser Art. Nach den Wechseljahren treten sie weniger intensiv auf, da der physiologische Hormonentzug schon eingesetzt hat. Tamoxifen kann das Risiko an Gebärmutterkarzinom zu erkranken erhöhen, da die Östrogenstimulation auf die Gebärmutterschleimhaut erhalten bleibt. Daher sind regelmäßige gynäkologische Untersuchungen notwendig, um Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Auch ist unter Tamoxifengabe das Thromboserisiko erhöht, eine schon durchmachte Thrombose stellt daher eine Kontraindikation dar. Eine augenärztliche Überwachung ist ebenfalls angezeigt. Aromatasehemmer und LHRH-Analoga führen aufgrund des Öestrogenentzugs zur Förderung einer Osteoporose. Aus diesem Grund sollten präventiv Kalzium und Vitamin D3 verabreicht werden. Eine Knochendichtemessung wird empfohlen, um je nach Befund ggf. weitere Osteoporose-Medikamente einzusetzen. Aromatasehemmer führen häufiger als Tamoxifen zu Trockenheit von Haut- und Schleimhäuten sowie Gelenk- und Muskelbeschwerden, die so ausgeprägt sein können, dass die Beweglichkeit eingeschränkt ist. Stimmungsschwankungen bis zur Depression können ähnlich wie im natürlichen Klimakterium eintreten.

    Antihormonelle Therapie in der Habichtswald-Klinik

    Besteht die Indikation zur Antihormonellen Therapie, muss selbstverständlich vorab geprüft werden, welches Therapieprinzip geeignet ist. Begleitende Erkrankungen oder gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente (z.B. Antidepressiva) müssen beachtet werden. Gerade die befürchteten psychischen Veränderungen sollten berücksichtigt werden und eine individuelle Aufklärung erfolgen. Gute Information und das Verständnis über die durchzuführende Behandlung und ihren Sinn tragen erheblich dazu bei, dass keine oder nur wenige begleitende Beschwerden auftreten. Erfolgt die Diagnosestellung in der Zeit der biologischen Wechseljahre, sind die klimakterischen Beschwerden nicht allein Folge der Medikation.

    Begleitende Therapien in der Habichtswald-Klinik

    Unsere begleitenden Therapien sind gut geeignet, die Verträglichkeit der antihormonellen Therapie zu verbessern, damit die Lebensqualität nicht eingeschränkt ist. Es stehen medikamentöse naturheilkundliche Behandlungen zur Verfügung, wie Phytotherapie (Lavendel, Salbei, Traubensilberkerze), pflanzliche Rheumamittel bei Gelenkbeschwerden (Phytodolor®, Teufelskralle) oder pflanzliche Enzyme (Bromelain, Papain). Vitamin D3 und Kalzium Gabe beugen nicht nur Osteoporose vor, sondern sind auch sekundärpräventiv wirksam. Haut und Schleimhautpflege wird beachtet. Aromatherapie, Homöopathie und Akupunktur können zum Einsatz kommen. Manchmal kommen auch Antidepressiva, angepasst an die Medikation, zum Einsatz. Bei hormonabhängigen Tumoren muss immer darauf geachtet werden, dass auch manche naturheilkundlichen Behandlungen stimulierend und damit wachstumsfördernd sein können (z.B. Phytoöstrogen).

    Speziell ausgebildete Krankenschwestern (breast care nurses) beraten Sie ausführlich und vermitteln Kenntnisse über viele Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern.

    Ein spezielles Imaginationstraining bei klimakterischen Beschwerden (IKB) wird angeboten.

    Bewegungstraining, auch Sole-Bewegungsbäder, Konditionstraining, muskelkräftigende Übungen werden unterstützend durchgeführt. Besondere Massagetechniken (Reflexzonenmassagen, Aromamassagen, Marnitz-Massagen) verbessern die Symptomatik.

    Die Zusammensetzung der Ernährung kann Einfluss auf die Ausprägung der Beschwerdesymptomatik haben. So erfolgt hier eine individuelle Beratung in Fragen der Nahrungsmittelauswahl, aber auch in Bezug auf die Ernährungspsychologie.

    Die Psychoonkologische Betreuung kann mit ihrem umfangreichen Angebot (Einzelgespräche, Gruppentherapie, Körperwahrnehmung, Ausdrucksmalen, Kunst- und Tanztherapie) gerade die seelischen und psychischen Belastungen reduzieren. Viele Frauen erleben die Brustkrebserkrankung und deren Folgen als gravierende Veränderung ihrer Weiblichkeit. Das Körpergefühl verändert sich, die antihormonelle Therapie kann zu Verminderung der Libido führen und trockene Schleimhäute im Genitalbereich können den Geschlechtsverkehr beeinträchtigen. Sexualität ist in unserer Gesellschaft oftmals ein tabuisiertes Thema, so dass den Patientinnen der Mut fehlt, Beratung und Hilfe einzufordern. Psychoonkologische Unterstützung kann dazu beitragen, Vertrauen in den eigenen Körper wiederzuerlangen. Ängste können abgebaut werden, so dass wieder Lust am eigenen Körper empfunden wird und das eigene sexuelle Erleben neu erfahren wird.

    Krankheitsverarbeitung und Therapieakzeptanz stellen die Grundlage dar, eigene Ressourcen zu optimieren und fördern einen „gesunden“ Lebensstil. Entspannungsverfahren können erlernt werden (Tai Chi, PMR, Yoga, Autogenes Training).

    Gerade das Zusammenwirken vieler Behandlungsmöglichkeiten unter ganzheitlicher Betrachtungsweise ermöglicht eine langfristige Stabilität und damit auch einen nachhaltigen Therapieerfolg.

  • Antikörpertherapie

    Antikörper sind ein wichtiger Teil der Immunabwehr. So produzieren B-Lymphozyten Eiweißmoleküle mit einer besonderen Form. Sie ähnelt einem Y. Auf diesem Y liegen Bindungsstellen, die ganz bestimmte Strukturen „erkennen“. Das können Viren oder Bakterien sein. Sie besitzen auch einen „Erkennungsmarker“ für körpereigene Abwehrzellen.

    Körpereigene Zellen dürfen durch solche Antikörper nicht angegriffen werden, sonst können Autoimmunerkrankungen entstehen. Die wichtigste Aufgabe ist also Abwehr von Krankheitserregern.

    Da Tumorzellen aus unseren eigenen Zellen durch Mutation entstehen, werden sie von unserem Immunsystem nicht als „fremd“ erkannt, daher bildet der Körper gegen Tumorzellen keine gezielten Antikörper. Aber auf ihrer Zelloberfläche tragen sie durchaus Strukturen (Tumorantigene), die durch Antikörper erkannt werden können. Im Labor lassen sich künstlich baugleiche maßgeschneiderte Antikörper herstellen (monoklonale Antikörper).

    Das Prinzip der monoklonalen Antikörper wurde 1984 entdeckt. Heute besteht ein breiter Einsatz in der Medizin. Nicht nur zur Behandlung, auch zur Diagnostik (Tumormarker, molekularbiologische Diagnostik, Immunszintigraphie) können Antikörper eingesetzt werden. Tumorantigene sind oft nicht spezifisch, das heißt, sie finden sich zu einem gewissen Anteil auch auf gesunden Zellen. Man bezeichnet sie daher auch als Tumorassoziierte Antigene (TAA).

    Der therapeutische Einsatz von Antikörpern in der Krebstherapie wird nicht nur in der Immuntherapie genutzt, sondern auch zur Blockierung krankhaft veränderter Signalwege in einer Tumorzelle. Sie können also Tumorzellen gezielt angreifen und abtöten, indem sie Killerzellen aktivieren oder in der Tumorzelle ein „Selbstmordprogramm“ (Apoptose) auslösen.

    Die Wirksamkeit der Antikörpertherapie kann durch die Kombination mit einer Chemotherapie verstärkt werden.

    Beispiele für den Einsatz monoklonaler Antikörper sind:

    • Trastuzumab (Herceptin®) gegen Her-2-neu Rezeptoren. Diese Rezeptoren kommen bei ca 20% aller Brustkrebspatientinnen vor. Aber man kann sie auch bei einigen anderen Tumorarten finden, wie Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs und Hals-Nasen-Ohren-Tumoren
    • Bevacizumab (Avastin®) gegen einen Wachstumsfaktor zur Gefäßneubildung (VEGF)
    • Cetuximab (Erbitux®), Panitumumab (Vectibix®) wirken gegen epidermalen Wachstumsfaktor (EGF)
    • Rituximab (Mabthera®) gegen das Antigen CD 20
    • Alemtuzumab (Mab Campath®) gegen den Oberflächenmarker CD 52
    • Denosumab (Prolia®, XGEVA®) gegen RANKL ( „Receptor Aktivator of NF-kB Ligand“) bei Osteoporose, Knochenmetastasen

    Monoklonale Antikörper wirken also immer zielgerichtet gegen bestimmte Strukturen. Ideal wäre, wenn nur die Tumorzellen solche Strukturen aufweisen würden. Die Antikörpertherapie führt also zu verschiedenen Reaktionen.

    • Abwehren durch Auslösung einer Immunreaktion
    • Blockieren von Wachstumssignalen
    • Aushungern durch Unterdrückung der Gefäßneubildung
    • Vergiften, indem Zellgifte oder radioaktive Substanzen an Antikörper gekoppelt werden und so genau in die Tumorzelle transportiert werden (Ibritumomab, Zevalin®; Tositumomab, Brexxar®)

    Bi-Spezifische Antikörper können an Tumorzellen und Immunzellen binden und so die Immunzellen an die Tumorzelle heranführen (z.B. Catumaxomab, Removab®) zur Behandlung von Bauchwasser (Ascites).

    Antikörpertherapien können zu Nebenwirkungen führen, die sich dadurch begründen, dass sie gegen Merkmale gerichtet sind, die auch gesunde Zellen tragen. Antikörper werden als Infusion verabreicht. Möglich sind Allergien bis zum allergischen Schock, Übelkeit, Blutdruckabfall. Die Nebenwirkungen der einzelnen Antikörper sind unterschiedlich. Es kann eine Einschränkung der Herzfunktion auftreten, akneartiger Hautausschlag und Entzündungen der Haut.

    Eine Antikörpertherapie kommt nur infrage, wenn die Tumorzellen Strukturen (Angriffspunkte) aufweisen, an die ein Antikörper binden kann. Dies können auch Wachstumsfaktoren sein. Die entsprechende Untersuchung erfolgt durch den Pathologen.

    Die Entwicklung weiterer entsprechender Medikamente ist zur Zeit eines der wichtigsten Forschungsgebiete in der Krebsmedizin.

  • Anwendungsprogramm

    Die onkologische Behandlung in der Habichtswald-Klinik wurde 1989 begonnen. Zunächst erfolgten neben Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung auch Akutbehandlungen. Zeitweise verfügte die Abteilung über 120 Betten. Aus langjähriger Erfahrung entwickelte sich ein besonderes Behandlungskonzept. Eine ganzheitliches Sichtweise bezieht den Menschen aktiv in die Behandlung seiner Erkrankung mit ein (siehe Patienteninformation „Ganzheitsmedizin in der Onkologie“).

    Ziel ist eine integrative Medizin, die eine bestmögliche Behandlung für den Patienten gemäß seiner Erkrankung bedeutet und ihm ermöglicht, seine persönlichen Ressourcen zu stärken. Dem Gedanken der Salutogenese (Entstehung von Gesundheit) kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Neben der medizinischen Therapie nutzen wir ein umfangreiches Anwendungsprogramm. Nur diese Vielfalt lässt eine individuelle Auswahl zu. Im Aufnahmegespräch werden entsprechend dem Krankheitsbild und der Beschwerden Behandlungsziele formuliert und eine sinnvoll abgestimmte Auswahl von Therapieverfahren getroffen.

    Aus der Erfahrung, welchen wesentlichen Einfluss gerade das Zusammenwirken verschiedener Behandlungen unter Miteinbeziehung der psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten auf Genesungsprozesse hat, sind wir motiviert alle Verfahren bestmöglich zu nutzen. Die Konzentration auf die persönliche Lebenssituation des einzelnen Patienten, seine Ziele, Wünsche, Ängste und Ressourcen ist der Kernpunkt unserer Vision. Sie lebt vom Respekt vor der Einzigartigkeit und Autonomie eines jeden Menschen.

    Folgende Bereiche stehen zur Verfügung:

    Psycho-Onkologie

    Einzelgespräche, Gruppen-Therapie, Körperwahrnehmung, Simonton-Visulisierungsübungen, Ausdrucksmalen und Kunsttherapie, Tanztherapie, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Imaginationsübungen bei klimakterischen Beschwerden, Brain-Gymnastik, Yoga, Tai Chi, Autogenes Training

    Ergotherapie

    Schwerpunkt Hirnleistungstraining, Polyneuropathiebehandlung

    Krankengymnastik

    Einzel-KG, verschiedene Gruppen wie spez. Schulter-Arm-Gymnastik nach Brustkrebserkrankung, Wirbelsäulengymnastik, Rückenschule, Beckenbodengymnastik, Atemgymnastik, verschiedene Walking-Gruppen, Lauftraining, Terraintraining, Aqua-Gymnastik, Medizinische Trainingstherapie, Ergometertraining, Kraniosakralbehandlung, Kinesiotaping

    Massage

    Verschiedene Massagetechniken (klassische Massage, Fußreflexzonenmassage, Akupunktmassage nach Pencil, Marnitz-Massage, Lymphdrainage, Lymphtaping, Aromamassage, Wannenbäder, Dauerdusche zur Stoffwechselaktivierung, Schiele Bad, Moorpackungen, Wärmeanwendungen, Kneipp-Anwendungen

    Elektrotherapie, Ultraschallbehandlung

    Reizstrom, Iontophorese

    Ernährungstherapie mit Lehrküche

    Verschiedene Kostformen (Vollwert, Vegetarisch, Vitalkost, Ayurveda, spez. Diäten)

    Spezialisierte Pflege

    Aromapflege, Stoma-Pflege, breast-care nurse Beratung, Betreuung für Schmerzpatienten, Wickel-Anwendungen

    Sozialberatung

    Schwerbehindertenrecht, berufliche Wiedereingliederung, häusliche Versorgung, Versorgung mit Hilfsmittel

    Kreatives und spirituelles Angebot

    Verschiedene Meditationen, Singen, Tanzen, Übungen der Kraft (eine Guolin Qi Gong Variation), Mandala-Gestaltung, Töpfern, Basteln

    Vorträge und Seminare zu verschiedenen Themen

    Ist ein Behandlungskonzept erstellt, erfolgt gemäß der Behandlungsziele immer wieder die Überprüfung des Fortschritts und Erfolg der Behandlung. Ergänzungen oder Änderungen können entsprechend erfolgen.

    Ein besonderes Anliegen ist uns die Nachhaltigkeit unserer Therapien. Somit legen wir großen Wert darauf Sie dahingehend zu beraten und zu unterstützen, welche Möglichkeiten zur Weiterführung von Therapien ihr Alltag zulässt. Konditionsbildung und Muskelkräftigung erfordern Kontinuität.

    Psycho-Onkologische Betreuung stellt einen Schwerpunkt unserer Arbeit dar. Das umfangreiche Therapieangebot ermöglicht dem Einzelnen, gemäß seiner psychisch-seelischen Verfassung Zugang zu finden. Achtsamkeit und Verbesserung des Selbstwertgefühls stehen im Vordergrund. Auch hier können bei Bedarf Empfehlungen für die weitere ambulante Versorgung erfolgen.

    Spezielle Behandlungsverfahren stehen bei Fatigue-Syndrom (Chronisches Müdigkeits- und Erschöpfungssyndrom bei Tumorpatienten), Polyneuropathie infolge Chemotherapie sowie bei klimakterischen Beschwerden unter endokriner (Hormontherapie) zur Verfügung (Siehe Patienteninformation „Fatigue“, „Polyneuropathie“, „Hormonbehandlung“).

    In der Regel dauert ein Aufenthalt bei uns ca. 3 Wochen. Es erfolgt eine kontinuierliche ärztliche Begleitung. Nur das optimale Zusammenwirken des „Behandlungsteams“ und der Austausch miteinander ermöglichen einen Behandlungserfolg. Im Mittelpunkt steht dabei stets der Mensch (Patient).

    Da unser Angebot sehr vielfältig ist, besteht manchmal auch das Risiko sich zu überfordern, da man vieles gerne ausprobieren möchte. „Anwendungsstress“ ist jedoch nicht wünschenswert. Auch brauchen manche Therapien im Nachklang immer wieder Ruhephasen. Wir beraten und unterstützen Sie, Ihre Zeit bei uns entspannt zu verbringen.

  • Appetitstörungen

    Appetitlosigkeit bei Krebserkrankungen ist ein ernst zu nehmendes Problem. Durch die verminderte Aufnahme von Nährstoffen kann es zu Mangelerscheinungen kommen.

    Oftmals ist der Körper durch den Tumor, aber auch durch Behandlungen wie Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie enorm belastet. Wundheilung und Regeneration erfordern einen hohen Energiebedarf.

    Manchmal führt eine Tumorerkrankung schon vor der Diagnosestellung zu einem schleichenden Kräfteverfall, zu Gewichtsabnahme und zunehmender Erschöpfung. Dies kann sich langsam über Monate entwickeln. Im Rahmen der Krebserkrankung kann es zu Störungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Oft sind die Symptome uncharakteristisch (Völlegefühl, Veränderungen im Geschmack, Schluckstörungen, Stuhlunregelmäßigkeiten), so dass sie primär nicht auf eine Krebserkrankung hindeuten. Kommt es zu einer Metastasierung, bei der auch die Verdauungsorgane betroffen sind, ist der Appetit eingeschränkt, weil die erforderliche Stoffwechselleistung nicht erbracht werden kann.

    Ob direkte Folgen der Krebserkrankung oder Folgen einer anstrengenden Behandlung, unser täglicher Energiebedarf muss durch die Nahrung gedeckt sein. Ein Gewichtsverlust kann auch bedeuten, dass wichtige Funktionen der Abwehrzellen nicht leistungsfähig erfüllt werden. Wenn unsere Reserven verbraucht, Fett-und Muskelgewebe abgebaut sind, kommt es zur Kachexie (Auszehrung). Nicht nur die angepasste Zufuhr von Kohlehydraten, Eiweißen und Fetten ist entscheidend, sondern auch der Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen und Sekundärstoffen muss abgedeckt werden.

    Nach Operationen im Bereich des Magen-Darm Traktes oder Bauchraumes kommt es allein aufgrund anatomischer Veränderungen zu funktionellen Störungen. Beispielsweise durch einen künstlichen Darmausgang ergeben sich Veränderungen in der Verdauungsleistung. Durch Verminderung von wichtigen Verdauungsenzymen (Schwäche der Bauchspeicheldrüse) ist die Nahrungsverwertung gestört. Durch Chemo- oder Strahlentherapie kann es zu einer erheblichen Belastung aufgrund der Nebenwirkungen kommen. Entzündungen im Bereich der Schleimhäute oder Durchfälle stellen dabei ein großes Problem dar. Auch viele Medikamente führen zu einer Veränderung des Appetits (z.B. Morphine im Rahmen einer Schmerztherapie).

    Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme können zu einer enormen psychischen Belastung führen. Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung stehen hierbei im Vordergrund. Auch bestehen häufig Schlafstörungen, so dass die Regeneration und Erholung behindert ist.

    Behandlung von Appetitstörungen bei Krebserkrankungen in der Habichtswald-Klinik

    Zunächst muss eine genaue Anamnese erhoben werden. Erkrankungsstadium und Therapie sowie Vorerkrankungen, Lebensumstände und Lebensgewohnheiten müssen erfasst werden. Alle Faktoren, die individuell zur Appetitlosigkeit beitragen, sind zu berücksichtigen.

    Faktoren wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation können gezielt behandelt werden. Der individuelle Energiebedarf wird ermittelt. Eine spezielle Gewichtsmessung, BIA-Messung, gibt Aufschluss über Wasserhaushalt, Muskelmasse und Fettverteilung. Ein dosiertes Bewegungstraining und Förderung der Muskelkraft durch angepasstes Krafttraining wirken sich auf den Stoffwechsel stimulierend aus. Neben der Ernährungstherapie mit Anpassung der Nahrung an die persönliche Situation (siehe auch Ernährung bei Krebs) spielt auch die Ernährungspsychologie eine große Rolle. Die Zubereitung und Einnahme der Nahrung hat Einfluss auf unser seelisches Befinden. Stress während der Nahrungsaufnahme führt zu einer schlechteren Leistungsfähigkeit aller Systeme, die an der Nahrungsverwertung beteiligt sind.

    Die Problematik der Appetitstörung wird also individuell erfasst. Die Auswahl der Nahrungsmittel muss der Stoffwechselsituation angepasst werden (metabolisch adaptierte Kost). Es erfolgt eine einfühlsame Ernährungsberatung und Begleitung durch Arzt und Diätassistenten. Unterstützend sind psycho-onkologische Betreuung und physiotherapeutische Anwendungen wie Reflexzonenmassagen oder stimulierende Einreibungen.

    Zur medikamentösen Therapie der Appetitlosigkeit stehen verschiedene Konzepte zur Verfügung:

    • Viele Pflanzenstoffe, meist Bitterstoffe, haben eine appetitanregende Wirkung. Hierzu gehören u.a Ingwer, Zimtrinde, Artischockenblätter, Pomeranzenschalen und Schafgarbe. Eine Zubereitung als Tee sollte 30 Minuten vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Dadurch wird die Produktion von Verdauungssekreten und die Motorik des Magen-Darm Traktes angeregt.
    • Ätherische Pflanzenöle können auch aromatherapeutisch eingesetzt werden. Hier erfolgt eine individuelle Beratung über die Auswahl der geeigneten Aromen.
    • Wickelanwendungen kommen zum Einsatz, um beispielsweise den Leberstoffwechsel zu verbessern (Schafgarbenwickel).
    • Schulmedizinisch können Gestagene oder Kortisonpräparate eingesetzt werden

    Appetitlosigkeit ist in jedem Fall ernst zu nehmen. Ziel unserer Behandlung ist, funktionelle Störungen zu beheben oder zu behandeln. Dabei stehen uns, wie beschrieben viele Möglichkeiten zur Verfügung, so dass ein individuelles Therapiekonzept erstellt werden kann.

  • Aromapflege

    Geschichte der Aromapflege

    Aromatische Pflanzen und Öle wurden bereits im Altertum als Räucherwerk, in Kosmetika und zu medizinischen Zwecken benutzt. Die Entwicklung der sog. „Aromaöle“ begann im 17. Jahrhundert und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts verfeinert. Die moderne Aromatherapie wurde um 1960 von Dr. med. Jean Valnet, einem französischen Chirurgen, begründet.

    Wirkung allgemein

    Die Duftmoleküle der ätherischen Öle erregen fast direkt, ohne Umwege den ältesten und unerforschtesten Teil unseres Gehirns, das limbische System – der Bereich im Gehirn, in dem unsere Gefühle lokalisiert sind. Das bedeutet, dass der überwiegende Teil unserer Geruchsempfindungen auf unbewusster Ebene abläuft, nicht bewusst steuerbar ist.

    Wirkung psychisch

    Duftstoffe hinterlassen viel stärkere Erinnerungen als Bildeindrücke. Emotionen, die ihren Sitz im limbischen System haben, können durch Aromastoffe beeinflusst werden.

    Inhaltsstoffe mit vorwiegend entspannender Wirkung fördern Empfinden, Einfallsreichtum, Phantasie, spielerische Neugier, glätten übermäßige Emotionen und helfen aus seelischen Tiefs. Sie unterstützen die emotionale Gefühlswelt.

    Inhaltsstoffe, die eine anregende Wirkung haben, fördern das logische Denken und die Durchsetzungskraft, geben Gedanken Struktur und Klarheit und sorgen für Verständnis. Sie lösen Ängste und regen die rationale Gefühlswelt an.

    Wirkung physisch

    Düfte können, ohne dass wir es merken, unsere inneren Organe beeinflussen. Sie können die Atmung verlangsamen oder vertiefen, den Herzschlag beeinflussen. Unser Verdauungssystem spricht besonders gut auf Düfte an. Deshalb werden in der Küche aromatische Kräuter eingesetzt, die durch ihren Duft Appetit machen. Sie regen die Magensäfte an, so dass uns das Wasser im Munde zusammen läuft. Andere regen die Verdauung an, wie z.B. Anis- oder Kümmelschnaps.

    Antibakterielle Wirkung

    Ätherische Öle können Mikroorganismen an ihrer Ausbreitung hindern. Die Öle mit dem größten Wirkungsspektrum sind Oregano, Bohnenkraut, Zimtrinde, Thymian, Nelke, Teebaum, Pinienöl, Cajeput, Eukalyptus globulus, Lavendel, Myrte, Geranie, Petitgrain, Estragon und Niaouli.

    Anwendungsbereiche
    • Duftlampe: träufeln Sie zwischen 4-8 Tropfen ätherisches Öl auf die Wasseroberfläche.
    • Harmonisierende Öle: Bergamotte, Geranie, Lavendel, Mandarine
    • Entspannende Öle: Bergamotte, Orange, Lavendel, Mandarine, Sandelholz
    • Anregende Öle: Rosmarin, Pfefferminz, Lemongras
    • Schlaffördernde Öle: Geranie, Lavendel, Melisse, Rose, römische Kamille, Orangenblüte
    • Gedächtnis- und konzentrationsfördernde, stresslindernde Öle: Orangenöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Zitrone
    • Öle für das Kinderzimmer: Mandarine, Orange, Vanille
    Massagen

    Bei einer Massage dringen die ätherischen Öle durch die Haut in den Blutkreislauf ein und wirken auf darunter liegende Organe. Gleichzeitig schüttet unser Körper glücklich machende Endorphine und das Wohlfühlhormon Oxytocin aus. Durch eine Massage mit ätherischen Ölen erreicht man daher sehr schnell seelische und körperliche Entspannung und eine Verbesserung des Allgemeinzustandes.

    Basisrezept Massageöl: 100ml Mandelöl mit 15-20 Tropfen ätherischem Öl vermischen.

    • Ätherische Öle bei Muskelverspannung: Wacholderbeere, Zitrone, Rosmarin, Manuka
    • Entspannende, beruhigende Öle: Bergamotte, Rose, Lavendel, Sandelholz, Orange, Mandarine
    • Sinnliche Öle: Jasmin, Rose, Ylang-Ylang, Sandelholz, Orange
    Bäder

    Baden mit ätherischen Ölen ist eine der schönsten Anwendungen der Aromatherapie und Balsam für die Seele. Durch die Vielzahl der ätherischen Öle kann man sich ganz individuell sein Lieblingsbad zusammenstellen. Auch bei einer drohenden Erkältung ist ein warmes Bad mit ätherischen Ölen äußerst wohltuend.

    Basisrezept Aromabad: 20ml Pflanzenöl, 2ml Emulgator (Sahne, Honig, Salz) und 10-20 Tropfen ätherisches Öl vermischen.

    • Erkältungsbad: Latschenkiefer, Eukalyptus, Teebaum, Ravintsara
    • Sinnliches Bad: Sandelholz, Ylang-Ylang, Rose
    • Entspannendes Bad: Lavendel, Orange, Mandarine

    Sauna: ca. 5 Tropfen Öl mit dem Wasser der Saunakelle vermischen und auf die heißen Steine geben.

    Geeignete Öle: Eukalyptus, Nadelöle, Salbei, Zitrusöle, Teebaum, Rosmarin, Lavendel

    Die Qualität der ätherischen Öle

    Um die Qualität eines ätherischen Öls beurteilen zu können, sind bestimmte Informationen über das Öl notwendig. Diese findet man auf dem Etikett der Flasche:

    • der lateinische Name der Stammpflanze, evtl. auch der Chemotyp
    • das Herkunftsland
    • die besondere Art der Gewinnung, z.B. 3. Grad, rect.
    • Qualität, z.B. 100% naturrein
    • Chargennummer
    • Deklaration nach Gefahrenstoffverordnung
    • Angabe der allergenen Inhaltsstoffe nach Kosmetikverordnung
    • das Mindeshaltbarkeitsdatum

    Ätherische Öle sind trocken, kühl und dunkel gelagert mehrere Jahre haltbar, manche Öle reifen mit den Jahren.

  • Ausdrucksmalen

    Ausdrucksmalen in der Habichtswald-Klinik

    Beim Ausdrucksmalen (nach Arno Stern und Bettina Egger) in einer kleinen Gruppe von max. 6 TeilnehmerInnen laden leuchtende (flüssige, mischbare und gut deckende) Gouachefarben und große Papierformate zum Malen mit Pinsel oder Händen ein. Es sind keine Vorerfahrungen nötig. Ohne Themenvorgabe und Bewertung des Gemalten durch die Kunsttherapeutin gehen die Malenden auf eine Entdeckungsreise, geleitet von ihren eigenen Impulsen und Bedürfnissen.

    Die Kunsttherapeutin begleitet die Malenden in ihren Gestaltungs- und Veränderungsprozessen hin zu einem für die Malenden stimmigen Bild. Da nach Möglichkeit im Stehen gemalt wird, wirken das stabilisierende Getragensein von der Erde und Bewegungsimpulse des Körpers im kreativen Prozess mit.

    Das Ausdrucksmalen unterstützt die PatientInnen auf nicht-sprachlicher Ebene durch die Aktivierung von Ressourcen bei den vielfältigen Herausforderungen im Umgang mit ihrer Erkrankung.

    Mögliche Erfahrungen sind z.B.:

    • die Wieder- oder Neuentdeckung der eigenen Impulse und Möglichkeiten
    • das Wahrnehmen von eigenen Bedürfnissen
    • ganz in der Gegenwart im Tun versinken und sich dabei entspannen und abschalten können
    • sich etwas gönnen und von den Farben nähren lassen
    • wieder mehr in Kontakt mit den eigenen Gefühlen kommen
    • die Fähigkeit erleben, etwas verändern und Einfluss nehmen zu können.

    Am Ende der Therapiesitzung können in einem kurzen Austausch die Malenden ihre Erfahrungen in Worte fassen

  • Bauchspeicheldrüsenkrebs

    Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

    Früherkennungsuntersuchungen, wie sie für manche Tumorerkrankungen (z.B. Brustkrebs oder Darmkrebs) möglich sind, gibt es für Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht. Oftmals wird die Diagnose erst gestellt, wenn deutliche Beschwerden (z.B. Schmerzen, häufig im Rückenbereich, Übelkeit, Gelbsucht, Gewichtsverlust) vorliegen. Die Erkrankung kann dann schon fortgeschritten sein, so dass bereits Metastasen vorhanden sind. Der häufige Einsatz von Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) mit modernen Geräten, manchmal aufgrund ganz anderer Fragestellungen, führt aber immer häufiger zur Diagnosestellung in einem frühem Krankheitsstadium. Damit verbessern sich die Heilungschancen.

    Die Bauchspeicheldrüse ist ein wichtiges Organ. Sie produziert tägl. ca. 1,5 Liter Sekret, dass Verdauungsenzyme (Proteasen, Amylase und Lipase) enthält und an den Zwölffingerdarm abgegeben wird. Man bezeichnet dies als exokrine Funktion. Sie produziert außerdem die Hormone Insulin und Glukagon. Diese kontrollieren den Blutzuckerspiegel und sind für den Stoffwechsel der Fette und Proteine lebenswichtig (endokrine Funktion).

    Ein erhöhtes Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken haben Raucher und Menschen, die an einer Zuckererkrankung oder chronischer Bauchspeichelentzündung (dies ist oft bei übermäßigem Alkoholkonsum der Fall) leiden. Auch kann eine genetische Erkrankung die Ursache sein (hereditäre Pankreatitis). Familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko zu erkranken.

    Besteht ein Krankheitsverdacht werden Laboruntersuchungen, Ultraschall, Computer-tomographie (CT), Kernspintomographie (MRT), Spiegelung der Bauchspeicheldrüse und Gallengang (ERCP) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT) je nach Fragestellung durchgeführt. Ziel ist es, die genaue Ausdehnung der Erkrankung zu erfassen, um eine Behandlung zu planen.

    Ist die Diagnose gestellt, sollte ein ausführliches Gespräch in Ruhe und ohne Zeitdruck stattfinden. Meist ist der Tumor schon über längere Zeit gewachsen und eine „notfallmäßige“ medizinische Behandlung nicht erforderlich. Wohl aber besteht eine „seelische Notfallsituation“ durch die Konfrontation mit der potentiell lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Entscheidung, welche Therapie ihrer persönlichen Situation angemessen ist, erfordert eine umfassende Information und Aufklärung durch den Behandler.

    Die Ausdehnung der Erkrankung wird durch das TNM-Stadium beschrieben (T = Größe. N = Lymphknoten, M = Metastasierung) beschrieben. Das Grading G1-G4 gibt Hinweis auf das Wachstumsverhalten von Tumorzellen. Die Bestimmung anderer prognostischer Faktoren (Biomarker) gewinnt dabei mehr an Bedeutung, da eine Behandlung dadurch zielgerichteter erfolgen kann.

    Die Operation ist oft sehr umfangreich (Whipple-OP). Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Bei der Operation müssen oft Magen(anteile), Gallenblase, Zwölffingerdarm, Lymphknoten und Milz mit entfernt werden. Dadurch ist es verständlich, dass der Heilungsverlauf längere Zeit in Anspruch nimmt und es zu einer Beeinträchtigung der Verdauungsfunktion kommen kann. Es kann sich eine Zuckerkrankheit entwickeln und fehlende Verdauungsenzyme müssen dauerhaft ersetzt werden. Nach Entfernung des Magens treten häufig Dumping Beschwerden (Kreislaufreaktion, Blutzuckerabfall) auf. Kann der Tumor nicht ganz entfernt werden, kann eine Operation trotzdem sinnvoll sein um z.B. eine Gelbsucht zu behandeln.

    Eine Chemotherapie kann neoadjuvant vor einer geplanten Operation erfolgen, um den Tumor zunächst zu verkleinern oder adjuvant (ergänzend) nach einer Operation durchgeführt werden, wenn das Rückfallrisiko als hoch eingeschätzt wird. Eine palliative (lindernde) Chemotherapie kommt zu Einsatz, wenn der Tumor aufgrund seiner Größe zu Beschwerden und Komplikationen führt. Zum Einsatz kommt das Zytostatikum Gemcitabin. Andere wirksame Zytostatika sind 5-FU, Oxaliplatin und Irinotecan. (siehe „Chemotherapie“)

    Eine Strahlentherapie wird nur selten eingesetzt.

    Eine neue Substanz zur Behandlung des Pankreaskarzinoms ist das Medikament Erlotinib (Tarceva®). Seit 2007 ist es zur Behandlung zugelassen. Es ist ein Tyrosinkinasehemmer, das heißt, es blockiert durch Hemmung dieses Enzyms die Signalübertragung in der Tumorzelle. Wachstumsfördernde Impulse werden nicht weitergeleitet. Erlotinib wird in Kombination mit Gemcitabin eingesetzt. Die Einnahme erfolgt als Tablette. Die häufigsten Nebenwirkungen sind ein Akne-ähnlicher Hautausschlag (Rash) und Durchfall. Die gleichzeitige Anwendung von bestimmten Schmerzmitteln (nicht-steroidale Antiphlogistika) kann zu Magen-Darm-Perforationen führen.

    Neue Behandlungen werden in Studien angewendet. Hierzu gehört der Einsatz eines Impfstoffes VXMO1, der das Immunsystem stimulieren soll, um Blutgefäße des Tumors anzugreifen und zu zerstören. Damit ist die Nährstoffversorgung des Tumors unterbunden und ein weiteres Wachstum eingegrenzt. MORAb-009 ist ein monoklonaler Antikörper und Mesothelin Hemmstoff (siehe „Antikörpertherapie“) und kommt ebenfalls zum Einsatz.

    Die palliative Therapie des Pankreaskarzinoms hat zum Ziel, Beschwerden zu lindern, das weitere Tumorwachstum zu hemmen und die Lebensqualität zu erhalten. Komplikationen, wie z.B. Gelbsucht können durch eine Ableitung (Stent) behoben werden. Eine angepasste Schmerztherapie (siehe „Schmerztherapie“) ist erforderlich. Mit modernen Konzepten der Schmerzbehandlung lassen sich Beschwerden erfolgreich behandeln.

    Die Nachsorgeuntersuchungen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs umfassen Anamnese, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren (z.B. Ultraschall, CT, MRT, PET-CT) in regelmäßigen Abständen.

    Behandlung des Pankreaskarzinoms in der Habichtswald-Klinik

    Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation ist gerade nach Operation eines Pankreaskarzinoms angezeigt. Die Diagnose und Behandlung stellen eine große psychische Belastung für Patient und Angehörige dar.

    Unsere therapeutischen Angebote tragen gemeinsam zur Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei (Ganzheitliche Medizin).

    Ziele sind:

    • Gezielte Behandlung von Funktionsstörungen
    • Wiederherstellung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit
    • Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Berufsleben

    Ein Aufenthalt in unserer Klinik kann ebenfalls angezeigt sein, wenn medizinischer Beratungsbedarf bzgl. therapeutischer Entscheidungen besteht. Dies kann ambulant als second opinion oder im stationären Rahmen erfolgen. Bei fortgeschrittener Erkrankung führen wir eine palliative Therapie durch. Die Verbesserung des physischen und psychischen Befindens trägt wesentlich dazu bei, Strategien zu entwickeln die Erkrankung anzunehmen und dabei eigene Ressourcen zur Tumorabwehr oder Tumoreindämmung zu nutzen.

    Besteht die Indikation zu einer Chemotherapie kann diese bei uns erfolgen (siehe „Chemotherapie“).

    Komplementäre Therapien

    Komplementäre Therapien können indikationsbezogen zum Einsatz kommen (z.B. naturheilkundliche Behandlungen wie Phytotherapie, Orthomolekulare Medizin, Enzyme, immunstimulierende Behandlungen, Homöopathie, TCM). Therapienebenwirkungen können durch begleitende unterstützende Therapien gemindert werden. Gerade der Wunsch nach naturheilkundlicher Behandlung kann auch verunsichern, da es viele Vorschläge und Betrachtungsweisen zur Behandlung gibt. Das Angebot „Alternativer“ Therapien ist unendlich groß und der Patient oftmals überfordert, die Wirkweise zu überblicken. Hier beraten wir Sie seriös über Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren.

    Unsere Therapiekonzepte sind individuell gestaltet. Sie zielen nicht nur auf die Zerstörung des Tumors ab sondern stärken körpereigene Kräfte und fördern Gesundung (Salutogenese).

    Sollte bei der Operation auch die Milz entfernt worden sein, muss auf vorbeugende Impfungen gegen bakterielle Infektionen (durch Pneumokokken, Hämophilus) geachtet werden. Es kann auch zu einer Vermehrung der Blutplättchen kommen.

    Die Operation führt aufgrund der veränderten Anatomie im Verdauungstrakt zu vielfältigen Störungen. Die eingeschränkte Nahrungsaufnahme und insbesondere Nahrungs-Verwertungsstörungen führen häufig zu Gewichtsabnahme und tragen zu Schwäche und Erschöpfung bei. Hinzu kommt Appetitlosigkeit und Übelkeitsgefühl. Nährstoffmangel führt zu einer Verschlechterung von Wundheilung und Regeneration.

    Übelkeit, Erbrechen und Obstipation können gezielt gut behandelt werden. Der individuelle Energiebedarf wird ermittelt. Eine spezielle Gewichtsmessung, BIA-Messung, gibt Aufschluss über Wasserhaushalt, Muskelmasse und Fettverteilung. Ein dosiertes Bewegungstraining und Förderung der Muskelkraft durch angepasstes Krafttraining wirken sich auf den Stoffwechsel stimulierend aus. Neben der Ernährungstherapie mit Anpassung der Nahrung an die persönliche Situation (Siehe auch Patienteninformation „Ernährung bei Krebs“) spielt auch die Ernährungspsychologie eine große Rolle. Die Zubereitung und Einnahme der Nahrung hat Einfluss auf unser seelisches Befinden. Stress während der Nahrungsaufnahme führt zu einer schlechteren Leistungsfähigkeit aller Systeme, die an der Nahrungsverwertung beteiligt sind.

    Die Problematik der Ernährungsstörung muss also individuell erfasst werden. Die Auswahl der Nahrungsmittel muss der Stoffwechselsituation angepasst werden (metabolisch adaptierte Kost). Es erfolgt eine einfühlsame Ernährungsberatung und Begleitung durch Arzt und Diätassistenten.

    Eine bestehende endokrine und exokrine Schwäche der Bauchspeicheldrüse muss behandelt werden. Verdauungsenzyme sollten ersetzt und Stoffwechselstörungen (Zucker) behoben werden. Nahrungskonzentrate oder energiereiche Nahrungszusätze können verwendet werden. Eine unterstützende Ernährung über die Vene (parenteral) muss manchmal erfolgen.

    Es kommen aus dem Bereich der Krankengymnastik konditionsbildende und muskelkräftigende Trainingstherapien zum Einsatz. Sport und Bewegung mit einem ausgewogenen Trainingsprogramm können zur Besserung des Fatigue-Syndroms beitragen und einer Osteoporose entgegenwirken. Studien belegen, dass Sport und Bewegung das Rezidivrisiko vermindern kann. Aus dem Bereich der Physiotherapie/Massage können neben klassischen Verfahren auch Reflexzonenbehandlungen (Fußreflexzonenmassage, Akupunktmassage nach Penzel) zur Funktionsverbesserung zum Einsatz kommen.

    Anwendungen wie Bewegungsbäder in der angegliederten Kurhessentherme oder Kneipp-Therapien und stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen verbessern die Regulation und tragen zur Verbesserung des Befindens bei.

    Ein Schwerpunkt unserer Arbeit besteht in der psycho-onkologischen Betreuung. Diese gestaltet sich individuell nach den Bedürfnissen und Zielen des Patienten. Strategien zum Umgang mit der Erkrankung und bestehenden Ängsten, Verbesserung der Selbstaufmerksamkeit , Selbstfürsorge, Achtsamkeit und verbessertes Stressmanagement stehen dabei im Vordergrund. Neben Einzelgesprächen werden Gruppengespräche, Simonton-Visualisierungsübungen, Ausdrucksmalen, Kunsttherapie und Tanztherapie angeboten. Zur Besserung des Fatigue-Syndroms führen wir ein spezielles Training zur Förderung von Konzentration- und Koordination durch (Brain-Gym). Verschiedene Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR), Tai Chi, Yoga, Autogenes Training und Atemtherapie nach Middendorf werden angeboten.

    Die Frage nach Sein und Sinn kann ein entscheidender Teil der Therapie werden. Im Rahmen unseres „freien spirituellen“ Angebotes kann z.B. an verschiedenen Meditationen, sakralem Tanz und Mantrensingen   teilgenommen werden. Unser spirituelles Angebot ist nicht konfessionsgebunden und steht auf freiwilliger Basis zur Verfügung. Auch besteht ein Angebot zu kreativer Arbeit (z.B. Mandala gestalten, Töpfern, Seidenmalerei).

    Wir beraten und unterstützen sie in sozialmedizinischen Fragestellungen wie z.B. berufliche Wiedereingliederung, Informationen zum Schwerbehindertenrecht oder Planung der ambulanten häuslichen Versorgung (Hilfsmittel, Pflege).

    In den letzten Jahren haben viele neue Erkenntnisse zur Tumorbiologie nicht nur zu neuen Behandlungsmöglichkeiten geführt, sondern auch zu einer anderen Betrachtungsweise der Tumorerkrankung. Die Tumorerkrankung stellt eine individuelle Erkrankung dar, Behandlungsziel ist daher eine personalisierte Medizin. Die Behandlung erfordert eine hohe Fachkompetenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit, um eine erfolgreiche Therapie durchzuführen. Von großer Bedeutung ist die Lebensweise des Patienten, die Einfluss auf den Verlauf einer Tumorerkrankung und deren Prävention hat. Wir gehen davon aus, dass durch Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.

    Die Stärkung eigener Ressourcen gemäß dem salutogenetischem Gedanken (Lehre von der Gesundheit) ist daher ein Hauptziel unsere Arbeit.

  • Biologische Therapien

    Der Begriff „biologische Therapien“ wird in der Krebstherapie unterschiedlich verwendet. Häufig wird damit assoziiert, dass es sich um eine „natürliche“ Therapie handelt, die sanft ist und zu wenig belastenden Nebenwirkungen führt. Manche verwenden den Begriff auch im Zusammenhang „Alternativer Krebsbehandlungen.“

    In der Schulmedizin spricht man von biologischer Therapie, wenn Botenstoffe des Immunsystems wie Interleukine, Interferone, Wachstumsfaktoren, Antikörper, Tumorimpfungen oder Gentherapie eingesetzt werden. Auch gehören Substanzen dazu, die das Immunsystem modulieren.

    Unser Immunsystem besteht aus vielen Zellen mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Damit jede Zelle ihre Funktion optimal erfüllen kann, ist eine Kommunikation der Zellen untereinander erforderlich. Dies geschieht über Botenstoffe. Viele Zusammenhänge haben sich erst in den letzten Jahren herausgestellt und spielen bei der Erforschung neuer Krebstherapieformen eine große Rolle.

    Beispiele biologischer Therapien sind Interferon- oder Interleukinbehandlungen (siehe auch „Immuntherapien“).

    Zu den unspezifischen immunmodulierenden Stoffen gehören beispielsweise auch Medikamente, die zur Behandlung des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms eingesetzt werden. Hier wird ein Bakterienstamm zur lokalen Anwendung benutzt (BCG, abgewandelter Tuberkuloseerreger). Dieser führt dann zu einer Aktivierung der immunkompetenten Zellen und damit zu einer Abtötung von Tumorzellen.

    Auch naturheilkundliche Medikamente wie die Misteltherapie (siehe „Misteltherapie“) wirken immunstimulierend.

    Dendritische Zellen sind spezialisierte Zellen des Immunsystems, die fremdartige Strukturen erkennen und aufnehmen. Als antigenpräsentierende Zellen stimulieren sie T-Lymphozyten (Zellen des spezifischen Abwehrsystems). Sie werden in der Krebsbehandlung zur „Tumorimpfung“ genutzt. Dazu werden sie außerhalb des Organismus mit Tumorantigenen beladen und zurückinfundiert. Es soll so die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf den Tumor gelenkt werden.

    Biologische Therapien machen sich natürliche Stoffwechselwege zunutze. Sie sind jedoch nicht unproblematisch, da auch z.T. erhebliche Nebenwirkungen auftreten können. Allergische Reaktionen, Fieber, Gliederschmerzen und auch psychische Veränderungen (Depression bei Interferonbehandlung) können auftreten.

    Die Problematik biologischer Therapien und deren Grenzen im Einsatz gegen Krebserkrankungen liegt auch darin begründet, dass unser Immunsystem ein sehr komplexes System ist, an dessen Regulation enorm viele Faktoren beteiligt sind. Selbst unser seelisches Befinden kann das Immunsystem beeinflussen (Psychoneuroimmunologie). Eine zu starke Stimulation des Immunsystems kann Autoimmunerkrankungen auslösen, das heißt, das Immunsystem greift dann gesunde körpereigene Zellen an. Es kann aber auch immunsuppressive (bremsende) Mechanismen als Gegenreaktion aktivieren.

    Über Gentherapie gezielt krankhafte Gene „auszuschalten“ oder zu ersetzen, ist ein Therapieansatz, der noch in der Entwicklung ist. Ein Einsatz ist bei bestimmter Indikation beim Menschen innerhalb von Studien schon erfolgt, hat aber auch zu gefährlichen Komplikationen geführt.

  • Bisphosphonate

    Ursprünglich wurde die chemische Substanz als Waschmittelzusatz verwendet, bevor ihre therapeutische Wirkung entdeckt wurde.

    Bisphosphonate gehören zu einer Medikamentengruppe, die seit den 1980er Jahren zur Therapie von Knochen- und Calciumstoffwechselerkrankungen weiter entwickelt wurde. Chemisch handelt es sich um Salze der Phosphorsäure (Diphosphonat). Diese führen zu einer vermehrten Einlagerung von Kalzium in den Knochen und damit zur Knochenstabilisierung. Es können auch Stoffwechselfunktionen der verschiedenen Bindegewebszellen des Knochens beeinflusst werden. Dadurch ergeben sich folgende Indikationen:

    • Einsatz bei Osteoporose
    • Wachstumsunterdrückung von Tumorzellen im Knochen
    • Verhinderung von Osteolysen (Knochenauflösung)
    • Senkung eines erhöhten Kalziumspiegels (Hyperkalzämie)

    Bei Tumorerkrankungen stellt die Entwicklung einer Osteoporose ein Problem dar. Unter dem Einfluss vieler Medikamente ist der Knochenaufbau behindert. Hierzu gehören Hormonentzugsbehandlungen (z.B. Gabe von Aromatasehemmer bei Brustkrebs, Hemmung der Geschlechtshormonwirkung des Mannes bei Prostata-Ca) oder eine längere Behandlung mit Glukocortikoiden. Tumorbedingte Veränderungen des Stoffwechsels und Mangelernährung können ebenfalls eine Osteoporose begünstigen. Ist das Osteoporose-Risiko aufgrund der Erkrankung und Behandlung erhöht, sollte eine Knochendichtemessung zur Beurteilung und ggf. Verlaufskontrolle erfolgen. Reichen Maßnahmen wie die Gabe von Kalzium und Vitamin D3 sowie Bewegungstraining nicht aus, kommen Bisphosphonate zum Einsatz.

    Einige Studien weisen darauf hin, dass Bisphosphonate die Entstehung von Metastasen, insbesondere des Knochens, hemmen. Der präventive Einsatz ist daher bei besonderer Indikation möglich (z.B. hohes Rezidiv- oder Metastasierungsrisiko bei Brustkrebs).

    Osteoklasten, die zum Knochenabbau führen, werden gezielt gehemmt. Andererseits wird aber auch die Mineralisation beeinflusst, was zu unerwünschten Nebenwirkungen führt.

    Durch eine Tumorerkrankung kann es, besonders bei Knochenmetastasen, zu einer lebensbedrohlichen Erhöhung des Kalziumspiegels kommen, der durch eine Bisphophonatgabe gesenkt werden kann.

    Bisphosphonate werden im Magen-Darm-Trakt schlecht resorbiert, sie gehen mit Kalzium einen unlöslichen Komplex ein. Nach oraler Einnahme werden nur zwischen 1 und 10% aufgenommen. Daher ist es besonders wichtig, die Einnahmevorschriften genau zu beachten (morgens, nüchtern, getrennt von anderen Medikamenten, 30 Minuten vor dem Frühstück). Deshalb erfolgt zur Behandlung von Knochenmetastasen die Gabe intravenös.

    Verschiedene Substanzen stehen zur Diagnostik und Therapie zur Verfügung:

    • Alendronsäure zur Osteoporosebehandlung
    • Ibandronsäure, Zolendronsäure, Pamidronsäure, Clodronsäure zur Behandlung von Knochenmetastasen
    • HEDP, DPD zur Diagnostik (Skelettszintigraphie)
    Es können folgende Nebenwirkungen auftreten:

    Bei oraler Einnahme können Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Sodbrennen und Durchfall auftreten. Es kann zu einer Verminderung des Kalziumspiegels im Blut kommen. Die Folge sind Gefühlsstörungen im Mundbereich und Unwohlsein bis zum Kollaps. Eine sehr ernst zu nehmende Nebenwirkung sind bisphosphonatassoziierte Kieferknochennekrosen. Die verstärkte Wirkung am Kieferknochen erklärt sich durch die ca. 20 mal höhere Umbauaktivität gegenüber dem übrigen Skelett. Sanierungsbedürftiger Zahnstatus und bestimmte Zahnbehandlungen erhöhen das Risiko, so dass vor einer geplanten Behandlung Zähne, Zahnwurzeln und Zahnfleisch gesund sein sollten. Auch Nierenfunktionsstörungen können auftreten. Nach langfristiger Gabe kann sogar die Bruchgefahr des Knochens erhöht sein.

    Bisphosphonate sind ein wichtiger Bestandteil einer Krebsbehandlung, insbesondere in der palliativen Situation. Aufgrund ihres Nebenwirkungsspektrums muss die Indikation streng gestellt werden. Die therapeutische Anwendung, Fortschreiten einer Tumorerkrankung zu verhindern und damit der präventive Einsatz von Bisphosphonaten, erfordert noch weitere Studien.

    Einen weiterer Therapieansatz stellt der Einsatz von monoklonalen Antikörpern dar (Denosumab, Prolia® XGEVA®). Ein von Knochenzellen gebildetes Protein (RANKL) überträgt Signale von Osteoblasten (aufbauende Zellen) zu Osteoklasten (abbauende Zellen). Werden Osteoklasten stimuliert, kommt zu vermehrtem Knochenabbau. Die Gabe des Antikörpers unterdrückt diesen Mechanismus. Die Effekte von Osteoprotegerin (OPG), die die Intensität der abbauenden Mechanismen regeln, werden erhöht. Indikation für den Einsatz von Denosumab sind Osteoporose oder Knochenmetastasen aufgrund solider Tumoren. Nebenwirkungen sind Verminderung des Kalziumspiegels im Blut, Kieferknochennekrosen, Harnwegsinfekte, Atemwegsinfekte, grauer Star, Verstopfung, Hautausschlag und Gelenkschmerzen.

  • Blasenkrebs / Harnblasenkarzinom

    Was ist Blasenkrebs / Harnblasenkarzinom?

    In Deutschland geht man beim Harnblasenkarzinom von ca. 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Es tritt dreimal häufiger bei Männern auf.

    Das hat auch mit den Risikofaktoren für diese Erkrankung zu tun – in der Hälfte der Fälle ist nämlich das Rauchen die Krebs auslösende Ursache, hier ziehen aber bedauerlicherweise die Frauen nach, so dass zunehmend auch mehr Frauen an Harnblasenkarzinomen erkranken. Andere Ursachen sind berufliche Belastung durch bestimmte Chemikalien (sog. Aromatische Amine), die früher hauptsächlich in der Leder-, Textil- und Farbstoffindustrie sowie in der Zahntechnik ohne Schutzmaßnahmen eingesetzt wurden. Da oft 20-30 Jahre vergehen bis dadurch eine Krebserkrankung entsteht, spielt diese Ursache auch heute noch bei den älteren Patienten eine Rolle. Manche Chemotherapeutika können zu Blasenkrebs führen, etwa Cyclophosphamid, weshalb dieses immer mit einem Blasenschutzmedikament verabreicht wird. Häufige Blasenentzündungen, insbesondere wenn diese länger bestehen, erhöhen ebenfalls das Risiko einer Tumorentwicklung.

    Im Durchschnitt sind die Patienten bei Feststellung der Krankheit 65-70 Jahre alt. Bei 70% der Patienten liegen zum Zeitpunkt der Diagnose Krebsvorstufen (Carcinoma in situ) oder frühe Tumoren vor, die noch nicht über die Schleimhaut, welche die Harnblase auskleidet, hinausgewachsen sind. Hier kann heute in fast allen Fällen eine Heilung erreicht werden. Bei 30 % ist der Tumor bereits in die unter der Schleimhaut liegende Muskelschicht vorgewachsen oder hat bereits die umliegende Fettschicht oder benachbarte Organe durchsetzt; selten hat es bereits Fernmetastasen gegeben, also eine Streuung der Tumorzellen in entfernte Lymphknoten, Leber, Lunge, Knochen oder Gehirn.

    Als Warnsymptom eines Harnblasenkrebs treten eine blutige Verfärbung des Urins, eine sogenannte (Makro-) Hämaturie, auf. Manchmal fällt auch nur das Vorhandensein weniger roter Blutkörperchen im Rahmen von Urin-Routineuntersuchungen auf (Mikro-Hämaturie). Eher selten führen Beschwerden beim Wasserlassen wie Brennen, verstärkter Harndrang mit häufigem Ablassen kleiner Urinmengen sowie Schmerzen im Blasenbereich die Patienten zum Arzt. Bei fortgeschrittenen Tumoren können Flanken-Schmerzen durch gestaute Nieren oder Schwellung der Beine durch Lymphstauung auftreten.

    Die Therapie wird gemäß der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie durchgeführt.

    Bei vielen Patienten reicht eine Abtragung des Tumors im Rahmen einer Blasenspiegelung aus. Der Tumorgrund wird dabei durch Hochfrequenzstrom oder Laser verschorft. Diesen Eingriff nennt man TUR-B, d.h. transurethrale (=durch die Harnröhre) Resektion (=Abtragung) des Blasentumors.

    Sollte ein höheres Risiko für ein Rezidiv (=Wiederauftreten des Tumors) bestehen, erfolgt eine sogenannte adjuvante Therapie, meist in Form einer kurz nach der Operation begonnenen lokalen Behandlung mit einem Chemotherapeutikum, welches über einen Blasenkatheter für 1-2 Stunden in der Harnblase belassen wird – eine sogenannte adjuvante Instillationstherapie. Bei besonders aggressiv wachsenden Tumoren wird eher eine Füllungsbehandlung mit BCG (den Impfbakterien gegen Tuberkulose) gewählt, die über eine Aktivierung des körpereigenen Immunsystems wirksam ist.

    Bei mehrfachem Nicht-Ansprechen auf eine Instillationstherapie und bei weiter fortgeschrittenen Tumoren ist eine komplette Entfernung der Harnblase, eine radikale Zystektomie erforderlich. Hierbei werden die Beckenlymphknoten mit entfernt, beim Mann die Prostata, die Samenblasen, manchmal auch Teile der Harnröhre – bei Frauen die Harnröhre, die vordere Scheidenwand und die Gebärmutter mit Eierstöcken. In diesen Fällen muss der Harn gesondert abgeleitet werden, entweder über ein Stoma, über den Darm, in den die Harnleiter eingepflanzt werden oder der Harn wird gesammelt in einem ausgeschalteten Darmabschnitt. Von dort kann er mittels kleiner Katheter nach mehreren Stunden entleert werden oder die Ersatzblase (Neo-Blase) wird an die Harnröhre angeschlossen und wie zuvor entleert. Alle Verfahren haben ihre spezifischen Vor-und Nachteile und müssen die individuelle Situation der Patienten berücksichtigen.

    Sollten schon Fernmetastasen nachgewiesen worden sein, wird eine systemische Chemotherapie empfohlen – hier sind meist Kombinationen verschiedener Chemotherapeutika wirksamer als einzelne Substanzen, die man höher dosieren müsste.

    Blasentumore sind gut strahlenempfindlich, so dass eine Alternative möglich ist für die Patienten, für die eine größere Operation oder eine Entfernung der Blase nicht in Frage kommt. Nach transurethralen Verkleinerung oder Entfernung des Tumors wird eine Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung empfohlen, so lassen sich die besten Ergebnisse erreichen.

    Weiterführende Information finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung (siehe Salutogenese)

    Hierbei setzen wir komplementär (=ergänzend zu schulmedizinischen Therapien) gezielt Nahrungsergänzer ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. Begleitend werden Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden.

    Bei starken Lymphödemen kann eine Bandagierung notwendig sein oder die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

    Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden.

    Wenn im Rahmen einer radikalen Zystektomie bei Männern Prostata und Samenblasen entfernt werden mussten, leiden viele Patienten unter Erektionsstörungen, da der Chirurg nicht immer die für die Erektion nötigen Nerven schonen kann.(siehe hierzu „Erektile Dysfunktion“)

    Bei Frauen führt die Entfernung der Eierstöcke zu Hormonentzugserscheinungen bzw. Wechseljahrsbeschwerden. Hier können pflanzliche Medikamente, spezielle Entspannungsverfahren oder Wasseranwendungen zum Einsatz kommen. Es können Tipps zum Umgang mit Schleimhauttrockenheit oder Verengung der Scheide nach Bestrahlung gegeben werden.

    Bei Inkontinenz (unwillkürlicher Harnabgang, Harnträufeln) nach Anlage einer Ersatzblase müssen die Betroffenen erst wieder lernen, den Urin zu halten bzw. kontrolliert zu entleeren. Hier ist eine Beckenbodengymnastik unter Anleitung unserer Krankengymnasten unterstützend.

    Der entspannte Umgang mit einem Stoma muss erlernt werden – hier unterstützen Sie unsere ausgebildeten Stomatherapeuten.

    Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen (siehe „Ernährung“).

    Als Folge einer Bestrahlung kann es zu Schädigung der Darmschleimhaut kommen. Hier ist bei Auftreten von Durchfällen eine diätetische Behandlung sinnvoll neben der Gabe von krampflösenden und den Stuhl andickenden Medikamenten. Wenn der Enddarm betroffen ist, werden entzündungshemmende Medikamente, z.B. als Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (siehe „Fatigue“). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Das Rauchen zählt nicht nur beim Harnblasenkarzinom zu den Risikofaktoren. Wir raten den Patienten zu einer Raucherentwöhnung, zu der in unserem Haus ein durch Akupunktur unterstütztes Angebot besteht.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Brain-Gym

    Das Brain-Gym, eine Sonderform der Kinesiologie, beschäftigt sich mit der Verbindung von Gehirn und Körper. Es wurde von Paul und Gail Dennison in den 1970/80er Jahre entwickelt.

    Seit Beginn der 90er Jahre wird das Brain-Gym erfolgreich bei Kindern zur Verbesserung der Lernleistungen allgemein, der Aufmerksamkeit, der Konzentration und der Entspannung eingesetzt. Carla Hannaford, Autorin des Buches „Bewegung ist das Tor zum Lernen“ , das bereits Anfang der 90er Jahre erschien, untersucht und beschreibt die Wirksamkeit der Brain-Gym Übungen auch aus neurologischer Sicht.

    Heute profitieren Menschen jeden Alters – mit oder ohne körperliche Beeinträchtigungen – von der Wirksamkeit dieser Übungen.

    Es sind einfache Körperübungen, denen Bewegung, das Wissen der Akupunktur und Erkenntnisse der Gehirnforschung zugrunde liegen. Einzelne Gehirnbereiche werden aktiviert, Stressauswirkungen vermindert, wodurch sich die Denkleistungen verbessern und das allgemeine Wohlbefinden gefördert wird. Die Übungen helfen, klarer, zentrierter, entspannter und gleichzeitig kraftvoller zu sein. Sie motivieren, ermutigen und bringen Freude.

    Die Brain-Gym-Übungen für Menschen mit einer onkologischen Erkrankung einzusetzen, hat sich besonders bei der Fatigue-Symptomatik und beim sogenannten Chemobrain als sehr hilfreich und unterstützend erwiesen. Abgerundet werden die Übungen mit zwei Klopfsequenzen zur Stärkung des Immunsystems und zur Selbstakzeptanz.

  • Bronchial- und Lungenkrebs

    Bronchialkarzinome sind weltweit einer der häufigsten Tumorerkrankungen, in Deutschland bei Frauen und Männern jeweils am dritthäufigsten. Hauptrisikofaktor des Lungenkarzinoms ist das inhalative Zigarettenrauchen (in ca. 85% der Fälle). In 7-12% ist Ursache eine langjährige, meist berufsbedingte Exposition (Ausgesetztsein) gegenüber chemischen Stoffen wie Asbest, Arsen, Nickelmetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Radioaktive Strahlen, allen voran Radon, welches als Gas eingeatmet werden kann, wird in 7% als Ursache gefunden – ob beim Abbau von Uran oder angereichert in Wohnungen. Hier ist die Belastung in wenigen Regionen von Deutschland so erhöht, dass es ein eigenständiger zusätzlicher Faktor werden kann, insbesondere auch hier bei Rauchern. Passivrauchen, Luftverunreinigung und Feinstaubbelastung u.a. durch Dieselmotoren treten zahlenmäßig in den Hintergrund.

    Programme zur Früherkennung von Bronchialkarzinomen, wie sie für manche Tumorerkrankungen (z.B. Brustkrebs, Hautkrebs oder Darmkrebs) etabliert sind, gibt es für Lungenkrebs nicht. Ob Risikogruppen – wie starke Raucher – von einer Früherkennungsuntersuchung z.B. mit einer Niedrig-Dosis Spiral-Computer-Tomografie profitieren, ist noch nicht gesichert.

    Oftmals wird die Diagnose anlässlich von Röntgenuntersuchungen aus anderen Gründen gestellt. Häufig geben aber erst deutliche Beschwerden (z.B. Schmerzen, Husten, der über Wochen besteht, Auswurf, z. T. blutig, Atemnot oder Gewichtsverlust) den Anlass zur Untersuchung. Die Erkrankung kann dann schon fortgeschritten sein, so dass eine Behandlung nicht alleine eine Operation, sondern Bestrahlung und Chemotherapie umfasst.

    Besteht ein Krankheitsverdacht werden Röntgenaufnahmen der Lunge, eine Computertomographie (CT), seltener Ultraschall oder Kernspintomographie (MRT) und eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) durchgeführt. Ziel ist es, die genaue Ausdehnung der Erkrankung zu erfassen, um die Behandlung zu planen. Wichtig ist eine Entnahme von Gewebe zur pathologischen Untersuchung, anhand derer man verschiedene Typen von Lungenkarzinomen unterscheidet.

    2 große Untergruppen unterscheiden sich in Prognose und Behandlungsweg: kleinzellige Bronchialkarzinome (SCLC genannt, englisch: small cell lung cancer) und nicht kleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC, englisch: non small cell lung cancer). Es werden bei Beiden weitere Untertypen unterschieden, je nach Ursprungszelle in den Bronchien.

    Die Ausdehnung der Erkrankung wird durch das TNM-Stadium beschrieben (T = Größe. N = Lymphknoten, M = Metastasierung) beschrieben. Das Grading G1-G4 gibt Hinweis auf das Wachstumsverhalten von Tumorzellen. Die Bestimmung anderer prognostischer Faktoren (Biomarker) gewinnt dabei mehr an Bedeutung, da eine Behandlung dadurch zielgerichteter erfolgen kann.

    Grundsätzlich orientiert sich die Therapie nach den Empfehlungen der Fachgesellschaft und der Deutschen Krebsgesellschaft, die Leitlinien veröffentlicht und immer wieder aktualisiert.

    Eine Operation kommt zum Zeitpunkt der Diagnose nur bei ca. einem Drittel der Patienten in Frage, bei den anderen ist der Tumor soweit fortgeschritten oder hat bereits gestreut, so dass zur Verkleinerung des Tumors Strahlentherapie oder eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie vor einer Operation zur Verkleinerung des Tumors eingesetzt werden. Wichtig ist vor einer Operation abzuschätzen, wie gut ein Patient operabel ist, ob er z.B. den Verlust eines ganzen Lungenflügels toleriert oder ob aufgrund einer eingeschränkten Lungenfunktion keine Operation zumutbar ist bzw. ob nur kleinere Lungenanteile entfernt werden können.

    Eine Chemotherapie kann außer neoadjuvant (vor einer geplanten Operation) auch adjuvant (ergänzend) nach einer Operation durchgeführt werden, wenn das Rückfallrisiko als hoch eingeschätzt wird. Eine palliative (lindernde) Chemotherapie kommt zu Einsatz, wenn der Tumor aufgrund seiner Größe zu Beschwerden und Komplikationen führt. Zum Einsatz kommen – je nach Subtyp – verschiedene Zytostatika, oft besonders wirksam in Kombinationen als Polychemotherapie.

    Eine Strahlentherapie wird besonders beim kleinzelligen Lungenkarzinom eingesetzt, zur Vorbeugung von Hirnmetastasen wird oft zusätzlich eine Bestrahlung des Schädels vorgeschlagen. Auch NSCLC in fortgeschrittenen Stadien reagieren auf eine Strahlentherapie, diese wird oft in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt.

    Neuere zielgerichtete Substanzen zur Behandlung bestimmter Untergruppen des Lungenkarzinoms sind z.B. das Medikament Erlotinib (Tarceva®). Es ist ein Tyrosinkinase-Hemmer, das heißt, es blockiert durch Hemmung dieses Enzyms die Signalübertragung in der Tumorzelle. Wachstumsfördernde Impulse werden nicht weitergeleitet. Die Einnahme erfolgt als Tablette. Die häufigsten Nebenwirkungen sind ein Akne-ähnlicher Hautausschlag (Rash) und Durchfall. Die gleichzeitige Anwendung von bestimmten Schmerzmitteln (nicht-steroidale Antiphlogistika) kann zu Magen-Darm-Perforationen führen, hier ist besondere Vorsicht geboten. Mit Gefitinib (Iressa®) steht ein weiterer Tyrosinkinase Hemmer für die Therapie zur Verfügung mit ähnlichem Nebenwirkungsspektrum.                                                              Als Infusion eingesetzt wird ein Antikörper gegen einen körpereigenen Wachstumsfaktor für Gefäßneubildung (der vasculäre endotheliale Wachstumsfaktor) namens Bevacizumab (Avastin®). So wird die Durchblutung von Tumorgewebe gebremst, die Tumorzellen werden an weiterem Wachstum gehindert.

    Weitere neue Behandlungen werden in Rahmen von Studien angewendet.

    Die palliative Therapie des Lungenkarzinoms hat zum Ziel, Beschwerden zu lindern, das weitere Tumorwachstum zu hemmen und die Lebensqualität zu erhalten. Komplikationen, wie z.B. Wasseransammlungen im Pleuraraum (zwischen Rippen-und Lungenfell) können durch eine Ableitung oder Verklebung behandelt werden. Eine angepasste Schmerztherapie (siehe Patienteninformation „Schmerztherapie“) kann erforderlich sein. Mit modernen Konzepten der Schmerzbehandlung lassen sich Beschwerden erfolgreich behandeln. Wegen der Luftnot brauchen viele Palliativ-Patienten eine Extra Sauerstoffzufuhr, als größeres Standgerät für die Nacht oder Mobil mit kleiner Sauerstoffflasche.

    Die Nachsorgeuntersuchungen beim Lungenkrebs umfassen Anamnese, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren (z.B. CT, MRT, PET-CT) in regelmäßigen Abständen.

    Weiterführende Information finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

  • Brustkrebs

    Informationen zum Brustkrebs

    Mit rund 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Mammakarzinom  in Deutschland die mit Abstand häufigste Krebserkrankung des weiblichen Geschlechts. Aktuellen epidemiologischen Daten zufolge, muss sich etwa eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens mit Brustkrebs auseinandersetzen. Sehr selten erkranken auch Männer (1%).

    Eine Vielzahl von Risikofaktoren des Mammakarzinoms sind bekannt:

    • Frühe Menstruation
    • Kinderlosigkeit
    • Keine Stillzeiten
    • Später Eintritt in das Klimakterium
    • Übergewicht
    • Alkohol
    • Aufnahme von Xenoöstrogen (Substanzen aus der Umwelt mit hormonähnlicher Wirkung auf den Organismus)
    • Hormonersatzpräparate in den Wechseljahren
    • Karzinomerkrankungen in der Familie oder andere eigene Tumorerkrankung
    • Erbliche Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2

    5-10% aller Mammakarzinome  gründen auf einer erblichen Belastung. Einige dafür verantwortliche Gene sind bekannt. BRCA1 und BRAC2 sind Reparaturgene. Eine Mutation dieser wichtigen Gene erhöht das Risiko an Brustkrebs zu erkranken erheblich. Auch andere Tumoren kommen häufiger vor. Hinweise auf einen erblichen Brustkrebs können sein:

    • Familien  mit mindestens zwei Erkrankten an Mammakarzinom und/oder Ovarialkarzinom, davon mindestens eine unter 50 Jahren oder  3 Erkrankte über 50 Jahre
    • Familien mit einer an Mammakarzinom  Erkrankten unter 31 Jahren oder beidseitigen Karzinom unter 41 Jahren
    • Familien mit einer an Eierstockskrebs Erkrankten unter 41 Jahren
    • Familien mit einer an Eierstock- und Brustkrebs Erkrankten
    • Familien mit einem männlichen Brustkrebs Erkrankten

    Ergebene sich entsprechende Hinweise, kann an speziellen Zentren zunächst eine humangenetische Beratung erfolgen und eine genetische Untersuchung angeschlossen werden

    Eine verbesserte Frühdiagnostik und Erfassung von Risikogruppen hat dazu beigetragen, dass die Sterblichkeit an Brustkrebs deutlich gesenkt werden konnte. Natürlich haben auch moderne Behandlungsverfahren dazu beigetragen. In Deutschland wird Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr alle zwei Jahre ein Mammographie Screening angeboten. Der Nutzen dieser Maßnahme ist umstritten, denn sie erfasst nur eine bestimmte Altersgruppe. Aber gerade jüngere „Risiko-Patientinnen“ sollten frühzeitig erfasst werden, da hier die Sterblichkeit besonders hoch ist. Es können auch sogenannte „Intervall-Karzinome“ auftreten, das heißt ein Brustkrebsbefund wird innerhalb der 2 Jahre, also zwischen den Mammographie-Screening Untersuchungen, erhoben. Ein weiteres Problem besteht in der Erfassung von Krebsvorstufen (DCIS, LCIS). Eine Brustkrebserkrankung kann sich aus solch einem Befund entwickeln. Es kann jedoch auch zu einer spontanen Regression (Rückbildung) kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, das individuelle Risikoprofil zu ermitteln, damit es nicht zu einer belastenden „Übertherapie“ kommt.

    Um eine optimale evidenzbasierte Behandlung und Versorgung  anzubieten, wurden von den Fachgesellschaften S3 (Stufe 3) Leitlinien erstellt. Zuletzt sind diese für Brustkrebs im Juli 2012 aktualisiert worden. Studien konnten zeigen, dass eine leitlinienkonforme Behandlung das Überleben verbessert (BRENDA-Studie).

    Ziel ist, eine den Merkmalen der Tumorzellen entsprechende Therapie. Nicht allein das Tumorstadium ist beeinflusst die Therapie, sondern auch die biologischen Eigenschaften (Rezeptoren, Biomarker, Gen-Expression). Neben Operation, Strahlentherapie, Hormontherapie oder Chemotherapie kommen neue, moderne Behandlungsverfahren zum Einsatz (Antikörpertherapie, zielgerichtete Therapien, Angiogenesehemmer). Die „Visitenkarte“ des Tumors ermöglicht eine individualisierte Therapie. Leider berücksichtigen die aktuellen S3-Leitlinien  oftmals nicht neue Innovationen  (z.B. Erfassung von Proliferationsmarkern, Analysen der Genexpresssion). Gerade diese Verfahren stellen aber eine gute Entscheidungshilfe bzgl. der Behandlung dar.

    Die Behandlung sollte an einem zertifizierten Brustzentrum erfolgen. Im Internet findet man gute Informationen über die Deutsche Krebsgesellschaft‎ und die Deutsche Gesellschaft für Senologie. Das „Überlebensbuch Brustkrebs“ von Frau Ursula Goldmann-Posch und Frau Rita Rosa Martin, Schattauer Verlag, ist ein guter ausführlicher Ratgeber und ermöglicht der Frau aktiv und eigenverantwortlich zu handeln.

    Behandlung von Brustkrebs in der Habichtswaldklinik

    Wie kaum ein anderer Tumor führt das Mammakarzinom zu starken Eingriffen in die körperliche, seelische und geistige Integrität der betroffenen Frauen. Das Gefühl der Unverwundbarkeit und unerschütterlichen Gesundheit wird durch die Diagnose aufs Tiefste erschüttert. Die mit äußerlich sichtbaren Veränderungen einhergehende Operation erzeugt oft das Gefühl, nicht mehr attraktiv zu sein und sich nicht mehr als vollständige Frau fühlen zu können. Die betroffene Frau, die meist aus voller Vitalität zur Patientin geworden ist, bedarf der intensiven Unterstützung in der Verarbeitung der Diagnose.

    Ein Qualitätsmerkmal des Disease-Management-Programms ist die zügige Leitung der Patientin von der Diagnose zur Therapie. Dies wird aber nicht dem Bedürfnis der Frauen gerecht, die in Ruhe überlegen und mitentscheiden wollen. Jede Frau hat das Recht, sich verschiedene Meinungen einzuholen, um zu entscheiden, welche Therapie sie wählt.

    Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt nicht nur eine körperliche Beeinträchtigung dar. Es besteht eine seelisch traumatische Situation, vergleichbar mit einem Schockzustand. Zunächst wird man die empfohlenen Behandlungen, wie z.B. Operation durchführen. Man wird mit Ängsten konfrontiert, die jede Diagnostik immer wieder neu auslösen. Je nach Persönlichkeit kann die psychische Belastung zu Veränderung der Stimmung führen und die Kommunikation mit Angehörigen und Freunden belasten.

    Viele Patientinnen leiden an einem Fatigue-Syndrom (Chron. Erschöpfungs-Syndrom) und sind in ihrem Befinden erheblich beeinträchtigt.

    Aus diesen Gründen ist eine Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation nach der primären Behandlung zu empfehlen.  Ziele sind:

    • Gezielte Behandlung von Funktionsstörungen (z.B. Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkungen nach Operation,  Lymphödem, Nebenwirkungen medikamentöser Therapien oder Strahlentherapie)
    • Wiederherstellung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit
    • Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Berufsleben

    Eine spätere stationäre Rehabilitation kann auch erforderlich werden, wenn Beeinträchtigungen vorliegen, die sich ambulant nicht bessern.

    Second Opinion

    Ein Aufenthalt in unserer Klinik kann ebenfalls angezeigt sein, wenn medizinischer Beratungsbedarf bzgl. therapeutischer Entscheidungen besteht. Dies kann ambulant als Second Opinion oder im stationären Rahmen erfolgen. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann eine palliative Therapie durchgeführt werden.  Hier erfolgt eine kompetente medizinische und pflegerische  Betreuung. Gemäß unserem Leitbild einer ganzheitlichen Betrachtungsweise finden wir gemeinsam mit Ihnen einen Behandlungsweg.

    Unsere therapeutischen Angebote tragen  zur Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei (Ganzheitliche Medizin).

    Komplementäre Therapien

    Komplementäre Therapien können indikationsbezogen zum Einsatz kommen (z.B. naturheilkundliche Behandlungen wie Phytotherapie, Orthomolekulare Medizin, Enzyme, immunstimulierende Behandlungen, Homöopathie, TCM ). Therapienebenwirkungen können durch begleitende unterstützende Therapien gemindert werden. Gerade der Wunsch nach naturheilkundlicher Behandlung kann auch verunsichern, da es viele Vorschläge und Betrachtungsweisen zur Behandlung gibt. Das Angebot „Alternativer“ Therapien ist unendlich groß und der Patient oftmals überfordert, die Wirkweise zu überblicken. Hier beraten wir sie seriös über Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren.

    Besondere Bedeutung bei Brustkrebs kommt der Vitamin D Versorgung zu. Studien konnten den Nutzen zur Sekundärprävention belegen. Auch kann einer Osteoporose, die aufgrund einer antihormonellen Therapie gefördert wird, entgegengewirkt werden. (Siehe „Vitamin D“, „Antihormonelle Therapie bei Brustkrebs“)

    Unsere begleitenden Therapien sind gut geeignet, die Verträglichkeit der antihormonellen Therapie zu verbessern, damit die Lebensqualität nicht eingeschränkt ist. Es stehen medikamentöse naturheilkundliche Behandlungen zur Verfügung, wie Phytotherapie (Lavendel, Salbei, Traubensilberkerze), pflanzliche Rheumamittel bei Gelenkbeschwerden (Phytodolor®, Teufelskralle) oder pflanzliche Enzyme (Bromelain, Papain).  Haut und Schleimhautpflege wird beachtet. Aromatherapie, Homöopathie und Akupunktur können zum Einsatz kommen. Manchmal kommen auch Antidepressiva, angepasst an die Medikation, zum Einsatz. Bei hormonabhängigen Tumoren muss immer darauf geachtet werden, dass auch manche naturheilkundlichen Behandlungen stimulierend und damit wachstumsfördernd sein können (z.B. Phytoöstrogen).

    Speziell ausgebildete Krankenschwestern (breast care nurses) beraten Sie ausführlich und vermitteln Kenntnisse über viele Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern.

    Therapiekonzepte

    Unsere Therapiekonzepte sind individuell gestaltet. Sie zielen nicht nur auf die direkte Zerstörung von Tumorzellen ab, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern Gesundung (Salutogenese).

    Es kommen aus dem Bereich der Krankengymnastik konditionsbildende- und muskelkräftigende Trainingstherapien zum Einsatz. Sport und Bewegung mit einem ausgewogenen Trainingsprogramm können zur Besserung des Fatigue-Syndroms beitragen und einer Osteoporose entgegenwirken. Studien belegen, dass Sport und Bewegung ein Krankheitsrezidiv-Risiko vermindern kann. Einen Schwerpunkt stellt die spezielle Krankengymnastik für Halswirbelsäule, Schulter und Arm dar. Aus dem Bereich der Physiotherapie/Massage können neben klassischen Verfahren auch Reflexzonenbehandlungen  (Fußreflexzonenmassage, Akkupunktmassage) zur Funktionsverbesserung verordnet werden. Zur Verbesserung eines Lymphödems kommen neben Lymphdrainage auch spezielle Techniken des Lymph-tapings zum Einsatz. Polyneuropathische Beschwerden können mit speziellem ergotherapeutischen Sensibilitätstraining und Iontophorese mit Vitamin B gebessert werden.

    Anwendungen wie Bewegungsbäder in der angegliederten Kurhessentherme oder Kneipp-Therapien und Stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen verbessern die Regulation und kommen daher mit Erfolg zum Einsatz.

    Ernährungstherapie und Ernährungspsychologie spielen gerade bei hormonabhängigem Tumoren eine wichtige Rolle. Ernährungsgewohnheiten können den Verlauf einer Erkrankung günstig beeinflussen. Daher stehen uns unterschiedliche Kostformen zur Verfügung, um eine auf ihren Stoffwechsel abgestimmte Ernährung durchzuführen. Sie erfahren ausführliche Beratung in persönlichen Gesprächen und Vorträgen. Der Besuch von Kochkursen gibt Anleitung zur praktischen Anwendung.

    Ein Schwerpunkt unserer Arbeit besteht in der psycho-onkologische Betreuung. Diese gestaltet sich individuell nach den Bedürfnissen und Zielen des Patienten. Strategien zum Umgang mit der Erkrankung und bestehenden Ängsten, Verbesserung der Selbst-Aufmerksamkeit, Achtsamkeit  und verbessertes Stressmanagement stehen dabei im Vordergrund. Neben Einzelgesprächen werden Gruppengespräche, Simonton-Visualisierungsübungen,  Ausdrucksmalen, Kunsttherapie und Tanztherapie angeboten. Zur Besserung des Fatigue-Syndroms führen wir ein spezielles Training zur Förderung von Konzentration- und Koordination durch (Brain-Gym.). Verschiedene Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR), Tai Chi, Yoga, Autogenes Training und Atemtherapie nach Middendorf werden angeboten. Bei hormonentzugsbedingten Beschwerden (Hitzegefühl/Schweißausbrüche) wird ein spezielles Imaginationstraining durchgeführt.

    Viele Frauen erleben die Brustkrebserkrankung und deren Folgen als gravierende Veränderung ihrer Weiblichkeit. Das Körpergefühl verändert sich, die antihormonelle Therapie kann zu Verminderung der Libido führen und trockene Schleimhäute im Genitalbereich können den Geschlechtsverkehr beeinträchtigen. Sexualität ist in unserer Gesellschaft oftmals ein tabuisiertes Thema, so dass den Patientinnen der Mut fehlt, Beratung und Hilfe einzufordern. Psychoonkologische Unterstützung kann dazu beitragen, Vertrauen in den eigenen Körper wiederzuerlangen. Ängste können abgebaut werden, so dass wieder Lust am eigenen Körper empfunden wird und das eigene sexuelle Erleben neu erfahren wird.

    Krankheitsverarbeitung und Therapieakzeptanz stellen die Grundlage dar, eigene Ressourcen zu optimieren und fördern einen „gesunden“ Lebensstil. Entspannungsverfahren können erlernt werden (Tai Chi, PMR, Atemtherapie nach Middendorf, Yoga, Autogenes Training).

    Gerade das Zusammenwirken vieler Behandlungsmöglichkeiten unter ganzheitlicher Betrachtungsweise ermöglicht eine langfristige Stabilität und damit auch einen nachhaltigen Therapieerfolg.

    Die Frage nach Sein und Sinn kann ein entscheidender Teil der Therapie werden.  Im Rahmen unseres „freien spirituellen“ Angebotes kann  z.B. an verschiedenen Meditationen,  sakralem Tanz und  Mantrensingen   teilgenommen werden. Unser spirituelles Angebot ist nicht konfessionsgebunden und steht auf freiwilliger Basis zur Verfügung. Auch besteht ein Angebot kreativer Arbeit (z.B. Mandala gestalten, Töpfern, Seidenmalerei).

    Wir beraten und unterstützen sie in sozialmedizinischen Fragestellungen wie z.B. berufliche Wiedereingliederung, Informationen zum Schwerbehindertenrecht oder Planung der ambulanten häuslichen Versorgung (Hilfsmittel, Pflege).

    In den letzten Jahren haben viele neue Erkenntnisse zur Tumorbiologie nicht nur zu neuen Behandlungsmöglichkeiten geführt, sondern auch zu einer anderen Betrachtungsweise der Tumorerkrankung.  Die Tumorerkrankung stellt eine individuelle Erkrankung dar, Behandlungsziel ist daher eine  personalisierte Medizin Die Behandlung erfordert eine hohe Fachkompetenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Von großer Bedeutung  ist auch die Lebensweise der Patientin, die Einfluss auf den Verlauf einer Tumorerkrankung  und deren Prävention hat.

    Die Stärkung eigener Ressourcen gemäß dem salutogenetischen Gedanken (Lehre von der Gesundheit) ist daher ein Hauptziel unserer Arbeit.

  • Brustkrebs bei Männern

    Brustkrebs bei Männern ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland erkranken ca. 500 Männer pro Jahr neu an Brustkrebs – im Vergleich beträgt die Neuerkrankungsrate bei Frauen ca. 72.000/Jahr in Deutschland. Bei Diagnosestellung sind Männer im Durchschnitt älter als 60 Jahre.

    Aufgrund der Seltenheit wird die Erkrankung oft erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt. Bei Symptomen wie tastbarer Knoten hinter der Brustwarze, Einziehung der Brustwarze oder Sekretaustritt/ Blutung aus der Brustwarze sollte deshalb eine weitere Diagnostik eingeleitet werden.

    Bei einem kleinen Teil der Patienten wird der Brustkrebs vererbt (z.B. bei Mutation in Reparaturgenen wie BRCA 2).

    Ansonsten geht man von Veränderungen im Hormonhaushalt als Ursache aus (verminderte Testosteronbildung, erhöhte Östrogenwirkung), etwa durch erworbene oder angeborene Veränderungen der Hoden, Lebererkrankungen wie die Leberzirrhose sowie durch starkes Übergewicht.

    Die Therapie wird analog der Brustkrebserkrankung der Frau durchgeführt. Hierzu siehe auch die aktuellen Leitlinien Mammakarzinom der AGO (Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie) unter www.ago-online.de.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik:

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie ( Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst des Brustzentrums, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes.

    Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswald-Klinik eine Chemotherapie sowie die antihormonelle Therapie (mit Tamoxifen oder Aromatasehemmer) begonnen bzw. fortgesetzt werden.

    Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie sowie die Nebenwirkungen der Antihormontherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung.

    Hierbei setzen wir komplementär (ergänzend zu schulmedizinischen Therapien) gezielt Nahrungsergänzer ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. Begleitend werden Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden.

    Bei starken Lymphödemen kann eine Bandagierung notwendig sein oder die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

    Zur Linderung von Hormonentzugserscheinungen unter der endokrinen Therapie können pflanzliche Medikamente, spezielle Entspannungsverfahren oder Wasseranwendungen zum Einsatz kommen. Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Bei einigen Chemotherapien kommt es zu Empfindungsstörungen im Bereich der Hände und Füße, einer sog. Polyneuropathie. Hier kann eine konsequente ergotherapeutische Behandlung in Verbindung mit Elektrotherapie (Iontophorese mit Vitamin B Gel) gute Symptomlinderung und Rückbildung ermöglichen.

    Sollte nach einer Bestrahlung eine Hautreizung, eine Strahlendermatitis, aufgetreten sein, beraten unsere speziell fortgebildeten Pflegekräfte Sie über die richtige Hautpflege und leiten eine gezielte Narbenbehandlung ein.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen (s. Patienteninformation Ernährung).

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann. (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • „Chemo-Brain“ – kognitive Störungen nach Chemotherapie

    Chemo-Brain – kognitive Störungen nach Chemotherapie

    Die Durchführung einer Chemotherapie stellt für den gesamten Organismus eine enorme Belastung dar. Daher müssen Risiken und Nutzen streng abgewogen werden und es muss alles getan werden, damit Wirkung und Verträglichkeit optimiert werden.

    Viele Patienten klagen nach Chemotherapie über Störungen des Gedächtnisses oder der Konzentration. Die Fähigkeit, mehr als eine Aufgabe zu bewältigen, ist vermindert, Denken und Entscheiden verlangsamt. Daneben besteht häufig ein Fatigue-Syndrom (siehe „Fatigue“), verbunden mit chronischer Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Dadurch ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Diese Beschwerden können sehr lange, manchmal Jahre, anhalten. Die primäre Behandlung ist abgeschlossen und man erhofft sich, dass „Normalität“ eintritt, Grenzen der Belastbarkeit machen sich jedoch deutlich bemerkbar .Dadurch entstehen Sorgen und Ängste, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können. Es entsteht das Gefühl, von Familie, Freunden und Beruf überfordert zu sein. Es kommt schließlich zu einer chronischen Stressbelastung, eine Erholung findet nicht statt.

    Nicht nur Chemotherapien können zu solchen Veränderungen führen. Auch Bestrahlung oder die Behandlung mit Interferon oder Interleukin (Immuntherapien) können die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflussen.

    Welche Mechanismen genau für diesen Zustand verantwortlich sind, ist bislang noch nicht geklärt. Eine direkte Medikamentenwirkung bestimmter Zytostatika erklärt diese lang anhaltenden Beschwerden nicht. Möglicherweise sind mehrere Faktoren für diesen Zustand verantwortlich:

    • Verminderung der Zellbildung im Hippocampus (zentrale Schaltstelle des Gehirns, Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis)
    • Stoffwechselveränderungen, die durch die Krebserkrankung ausgelöst werden
    • Schlechte Blutwerte, z.B. Anämie
    • Schlafstörungen
    • Hormonelle Veränderungen
    • Schmerzen
    • Medikamentennebenwirkungen
    • Traumatisierendes Erlebnis der Diagnose und Behandlung der potentiell tödlichen Erkrankung
    • Begleiterkrankung (z.B. Depression)
    Behandlung des Chemo-Brains in der Habichtswald-Klinik

    Da die Ursache multifaktoriell ist, gibt es auch keine speziell auf Chemo-Brain-Effekte abgestimmte Behandlung. Die genaue Erfassung der Beschwerden und der Ausschluss somatischer Ursachen sind von grundlegender Bedeutung. Viele Patienten leiden nach einer Chemotherapie unter der Vorstellung, ihr Körper sei „vergiftet“. Sie wenden sich dann oft naturheilkundlichen Behandlungen zu, die „Reinigung und Entgiftung“ versprechen. Hier sind aufklärende Gespräche notwendig. Auch haben Patienten viel Energie aufgewendet, um die primäre Behandlung durchzuhalten. Die Erschöpfung macht sich dann erst bemerkbar, wenn die Behandlung beendet ist. Bildlich gesehen ist unser „Energietank“ bis zur Reserve aufgebraucht.

    Die Durchführung einer Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation hat zum Ziel, diese erhebliche Beeinträchtigung zu verbessern. Entbunden von den Verpflichtungen des Alltags kann die volle Konzentration auf Regeneration erfolgen. Neben der medikamentösen Behandlung somatischer Störungen (z.B. Behandlung einer Anämie, Behandlung von Hormonveränderungen und Schlafstörungen) stehen in der Habichtswald-Klinik verschiedene Ansätze zur Verfügung, die sich ergänzen. Ein Therapieplan wird immer individuell erstellt. Das ausführliche ärztliche Gespräch und die fachliche Kompetenz sowie die sinnvolle Koordination der möglichen Anwendungen stellen die Grundlage dar. Angeboten werden:

    • angepasstes körperliches konditions- und muskelkräftigendes Training
    • ergotherapeutisches Hirnleistungstraining
    • Brain-Gymnastik (Übungen zur Konzentrations- und Koordinationsverbesserung)
    • Optimierung der Ernährung
    • physiotherapeutische und stoffwechselaktivierende Behandlungen (spez. Massagetechniken)
    • Wasseranwendungen (z.B. Aqua-Gymnastik im Sole-Thermalbad, Wannenbäder, Kneipp-Anwendungen, Dauerdusche)
    • sozialmedizinische Beratung
    • psychoonkologische Unterstützung
    • spirituelle Begleitung

    Die Psycho-onkologische Betreuung ist ein Schwerpunkt unserer Behandlung. Die Erkrankung stellt ein traumatisches Erlebnis dar. Damit verbunden bestehen nicht nur eigene Ängste, auch Menschen unserer Umgebung möchten sich nicht immer einlassen. Offene Gespräche können daher entlasten und helfen persönliche Strategien zu finden, mit der Situation umzugehen. Dadurch kann der Teufelskreis der chronischer Stressbelastung aufgelöst werden. Regenerative Prozesse werden angeregt. Verbessertes Selbstwertgefühl und Förderung der Achtsamkeit schaffen eine stabile Basis. Die Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit nimmt wieder zu. Die Einbeziehung von Partner und Angehörigen kann wichtig sein, damit Verständnis für die eigene Lebenssituation entsteht.

    Naturheilkundliche Medikamente können nach Indikation zusätzlich zum Einsatz kommen. Hierzu gehören Phytotherapeutika wie Ginko, Ginseng oder Rosenwurz. Ein spez. Eiweiß (L-Carnitin) oder Coenzym Q 10 kann ebenfalls Verwendung finden.

  • Chemosensitivitätstest

    Die Durchführung einer erforderlichen Chemotherapie bedeutet eine große psychische und physische Belastung, da Nebenwirkungen ausgeprägt sein können und die Lebensqualität darunter enorm leidet. Viele Patienten fühlen sich durch die anstrengende Behandlung ihrer letzten Kräfte beraubt. Gerade, wenn aufgrund der Krebsdiagnose keine vollständige Heilung der Erkrankung durch die Chemotherapie erreicht werden kann, müssen Risiken und Nutzen abgewogen werden.

    Die Chemotherapie als zellteilungshemmende Therapie (siehe „Chemotherapie“) belastet auch gesunde Zellen. Gesunde Zellen, die sich häufig teilen, also Zellen des Knochenmarks und der Schleimhäute, sind besonders empfindlich gegenüber den verabreichten Medikamenten und damit kommt es in diesen Bereichen besonders zu Nebenwirkungen.

    Daher besteht der Wunsch, dass die Medikamente möglichst „passgenau“ auf den jeweiligen Tumor ausgerichtet sind. Es besteht auch die Sorge, dass vielleicht die zu bekämpfenden Tumorzellen gar nicht empfindlich auf das verabreichte Medikament sind.

    Die derzeit in Leitlinien empfohlenen Therapiekonzepte der verschiedenen Tumorerkrankungen beruhen auf Studien, die die Wirksamkeit erfassen. Daraus haben sich Therapieprotokolle entwickelt, die dann zur Anwendung kommen. Leider ist jedoch das Ansprechen der Behandlung nicht immer gleich gut. Aus diesem Grund wird intensiv geforscht, mit welcher Untersuchungsmethode sich Vorhersagen auf die Wirksamkeit beim einzelnen Patient treffen lassen.

    Diese „Austestung“ muss außerhalb des Organismus, also im Reagenzglas stattfinden. Ein solches Verfahren wird beispielsweise angewendet, wenn es um die Gabe von Antibiotika bei Infektionserkrankungen geht. Der Labormediziner kann in vitro (außerhalb des Organismus) die Einwirkung des getesteten Antibiotikums auf eine Bakterienkultur testen und damit Empfehlungen abgeben, welche Antibiose geeignet ist bzw. ob eine Unempfindlichkeit (Resistenz) der Bakterien vorliegt. Auch Zellkulturen aus Tumorzellen lassen sich so untersuchen. Allerdings sind hier Grenzen gesetzt, da die Bedingungen im lebenden Organismus, gerade bei einer Tumorerkrankung, sehr komplex sind und sich daher die gewonnenen Erkenntnisse nicht komplett übertragen lassen. Komplizierend kommt hinzu, dass sich Tumorzellen durch ihr schnelles Wachstum verändern und anpassen können. Stoffwechselprozesse der Tumorzelle, aber auch Verstoffwechselung des Medikaments haben Einfluss auf die Wirksamkeit. Manche Medikamente werden erst nach Umbau im Organismus wirksam („gegiftet“).

    So konnten Studien noch nicht eindeutig belegen, dass die angepasste Chemotherapiegabe nach durchgeführter Chemosensivitätstestung Vorteile auf ein längeres Überleben erbringt. Einige kommerzielle Tests werden angeboten, z.T. mit hohen Kosten, die der Patient selbst tragen muss.

    Dennoch ist der Gedanke faszinierend. Die Testmöglichkeiten werden immer aussagekräftiger und die Untersuchungen der Tumorzellen auf ihren Stoffwechsel und ihre spezifischen Eigenschaften durch den Pathologen kommen zu immer genaueren Erkenntnissen. So gibt es viele Ansätze, die diesem Gedanken nachgehen, und im Rahmen von Studien werden klinische Erfahrungen gesammelt (z.B. Ovarialkarzinom).

    Ziel ist eine personifizierte, individuelle Tumortherapie.

  • Chemotherapie

    Was ist Chemotherapie?

    Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Therapie zur Behandlung von Krebserkrankungen. Aber auch die Behandlung von Infektionskrankheiten fällt unter diesen Begriff.

    Chemotherapeutika gegen Krebs nennt man Zytostatika, gegen Infektionskrankheiten Antibiotika, Virustatika oder Antimykotika.

    Bei der Behandlung von Krebserkrankungen macht man sich die schnelle Teilungsfähigkeit der Zellen zunutze. Tumorzellen reagieren sehr empfindlich auf Störungen der Zellteilung. Aber auch gesunde Zellen werden je nach Empfindlichkeit mitbelastet. Daher kommt es zu z.T. erheblichen Nebenwirkungen. Die Indikation einer Chemotherapie muss streng gestellt werden. Risiken und Nutzen müssen abgewogen werden, über eine sinnvolle Medikamentenauswahl muss entschieden werden und der Patient ausführlich aufgeklärt werden. Um Nebenwirkungen zu minimieren, ist häufig eine begleitende Medikation (z.B. gegen Übelkeit oder Allergie) erforderlich. Treten Komplikationen, wie z.B. Infektionen auf, werden diese entsprechend behandelt. Eine positive Einstellung des Patienten zur Therapie durch gute medizinische und psychoonkologische Betreuung verbessert die Verträglichkeit.

    Einige Tumorerkrankungen können stadienabhängig durch eine Chemotherapie dauerhaft geheilt werden. Hierzu gehören beispielsweise Morbus Hodgkin, manche Lymphome, akute Leukämien, Hodentumore, Brustkrebs ohne Fernmetastasen, einige Tumore bei Kindern. Chemotherapie kann neoadjuvant (vor einer Operation) eingesetzt werden, um einen Tumor zunächst zu verkleinern, damit dieser dann gut operabel ist, adjuvant (ergänzend) nach einer Operation, wenn das Risiko einer Metastasierung groß ist oder palliativ (lindernd) wenn zwar keine komplette Heilung durch die Chemotherapie zu erwarten ist, aber ein Fortschreiten verhindert werden kann oder Beschwerden durch Tumorverkleinerung gelindert werden können.

    Mehrere Dutzend verschiedene Zytostatika stehen zur Verfügung. Nach ihrer besonderen Wirkung auf die Tumorzelle werden sie in Gruppen eingeteilt:

    • Alkylanzien
    • Antimetabolite
    • Antitumorantibiotika
    • Vincaalkaloide
    • Taxane
    • Platin Verbindungen
    • Topoisomerasehemmer

    Häufig werden mehrere Medikamente kombiniert, um einen optimalen Effekt zu erzielen. Die Verabreichung erfolgt meist intravenös, z.B. über einen implantierten Venenkatheter (Port), manchmal aber auch oral. Die intravenöse Verabreichung muss äußerst umsichtig erfolgen, da Paravasate (Übertritt ins Gewebe) bei manchen Zytostatika zu schweren Gewebsschäden führen (Nekrosen). Die Behandlung umfasst meist mehrere Therapiezyklen. Dies erklärt sich durch das Teilungsverhalten der Tumorzellen. Empfindlich auf Chemotherapeutika sind nur Zellen in einer bestimmten Phase der Teilung. Zum Zeitpunkt der Therapie gibt es also auch unempfindliche Zellen, die nicht erfasst werden. Von diesen Zellen kann eine Wiedererkrankung ausgehen. Chemotherapie-Zyklen sollten zeitgerecht, je nach Therapieprotokoll verabreicht werden, um Resistenzbildung (Unempfindlichkeiten) zu vermeiden. Die Dosis der Medikamente errechnet sich aus Größe, Gewicht (Körperoberfläche), Knochenmarkreserve, Leber- und Nierenfunktion, auch das Alter des Patienten wird berücksichtigt.

    Nebenwirkungen von Chemotherapie

    Nebenwirkungen sind in ihrer Intensität in Abhängigkeit der Medikamente und ihrer spezifischen Wirkung unterschiedlich ausgeprägt. Nikotinkonsum, Alkohol oder viele Medikamente können die Wirkung von Zytostatika verändern. Wirkungsabschwächung oder Verstärkung der Nebenwirkungen sind die Folge. Am häufigsten sind:

    • Veränderungen des Blutbildes mit Abfall der Leukozyten (weißen Blutkörperchen). Dies wird erst ein paar Tage nach der Gabe messbar und evtl. spürbar. Ist der Abfall sehr stark, besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Auch die roten Blutkörperchen und Blutplättchen können abfallen, die Transfusionen von Erythrozyten (roten Blutkörperchen) oder Thrombozyten (Blutplättchen) kann bei schweren Reaktionen notwendig werden. Zur Stimulation der weißen Blutkörperchen können Wachstumsfaktoren (Neupogen®, Neulasta®) gegeben werden. Das Immunsystem wird in der Regel nicht dauerhaft unterdrückt. Stammzellen sorgen für Nachschub aus dem Knochenmark. Gesunde, ausgewogene Ernährung und angepasstes Bewegungstraining fördern die Blutbildung.
    • Schleimhautentzündungen: Eine gute Mund- und Zahnhygiene ist wichtig, Mundspülungen mit Kamillen- oder Salbeitee sind hilfreich.
    • Schädigung von Herzmuskelzellen: Es kann zu Herzrhythmusstörungen und einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) kommen. Besonders häufig tritt dies bei Gabe von Medikamenten aus der Gruppe der Anthrazykline (Antitumorantibiotika) auf, daher darf eine Gesamtdosis nicht überschritten werden. Die herzschädigende Wirkung kann durch Antikörpergabe (Herceptin®) verstärkt werden. Ultraschalluntersuchungen des Herzens (Echokardiographie) sind daher erforderlich.
    • Durchfall: Bei erheblichem Flüssigkeits- und Salzverlust müssen Medikamente gegeben werden. Die Kost sollte angepasst werden.
    • Verstopfung: Häufig sind begleitende Medikamente gegen Übelkeit und Schmerzen verantwortlich. Eine erhöhte Trinkmenge ist erforderlich oder milde abführende Medikamente. Bewegung regt die Darmtätigkeit an.
    • Appetitlosigkeit: Insbesondere während einer Chemotherapie ist eine gute Versorgung mit Nährstoffen wichtig, da geschädigte gesunde Zellen nachgebildet werden müssen.
    • Übelkeit und Erbrechen: Begleitende Medikamente können Übelkeit und Erbrechen sehr wirksam unterdrücken. Sie sind daher ein fester Bestandteil der Therapiekonzepte und den zu erwartenden Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente angepasst. Die Unterdrückung von Übelkeit und Erbrechen muss gut gelingen, da sonst manchmal nur bei dem Gedanken an die Therapie schon reflexartig Übelkeit einsetzt und diese häufig über Tage anhält.
    • Harnblasenentzündung: Da einige Zytostatika eine Entzündung der Harnblase verursachen können, werden prophylaktisch entsprechende „Gegenmittel“ verabreicht.
    • Fatigue, Chemobrain: Erschöpfung und Müdigkeit können durch die Veränderung der Blutzellen ausgelöst werden. Aber auch ohne somatische Gründe leiden viele Patienten an diesen Erscheinungen, oft noch lange nach Abschluss der Therapie. Die Behandlung des Fatigue-Syndroms ist wichtig, da die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist. In unserer Klinik stehen besondere Behandlungskonzepte zur Verfügung (siehe „Fatigue“ und „Chemobrain“).
    • Haarausfall: Viele, aber nicht alle Zytostatika, führen zu vorübergehendem Haarausfall. Dies stellt oft eine große psychische Belastung dar. Manchmal sind neben Kopfhaaren auch Augenbrauen, Wimpern und Schamhaare betroffen. Es kann hilfreich sein, sich auf diese Veränderung vorzubereiten, z.B. durch das Aussuchen einer Perücke oder die Ausstattung mit Mützen und Tüchern. Aktives, offenes Umgehen hilft, diese Phase zu überstehen. Der Haarausfall setzt meist 2-3 Wochen nach der Behandlung ein. Das erneute Wachstum zeigt sich häufig bereits kurz nach Therapieende. „Kältehauben“ während der Therapie vermindern die Durchblutung der Kopfhaut und können daher die Chemotherapie-Einwirkung vermindern. Ein erfolgreicher Einsatz ist jedoch nur bei einer kurzen Wirkdauer des Medikamentes (Halbwertszeit) möglich.
    • Haut- und Nagelveränderungen: Manche Zytostatika führen zu einem Hand-Fuß-Syndrom. Diese Veränderung tritt wahrscheinlich auf, weil sich bestimmte Substanzen der Medikation in der Hornschicht ablagern und zu einer Schädigung führen. Besondere Hautschutzpräparate müssen frühzeitig eingesetzt werden. Auch Hauttrockenheit ist ein häufiges Problem, Juckreiz tritt dabei gehäuft auf.
    • Nerven- und Empfindungsstörungen, Muskelschwäche: Einige Zytostatika können zu einer Nervenschädigung führen. Diese macht sich insbesondere an den sensiblen Nerven der Hände und Füße bemerkbar. Es kommt zu Taubheitsgefühlen, verändertem Tastempfinden oder brennenden Schmerzen. Die Feinmotorik kann gestört sein, so dass es zu Schwierigkeiten bei der Arbeit mit den Händen kommt. Die Verletzungsgefahr ist erhöht. Manchmal ist sogar der Einsatz von Schmerzmitteln notwendig. Diese polyneuropathischen Beschwerden bilden sich meist langsam zurück. Manche Zytostatika führen jedoch zu irreversiblen Schäden, so dass bei ersten Anzeichen die verantwortliche Medikation abgesetzt werden muss. Zur Verbesserung polyneuropathischer Beschwerden ist ein ergotherapeutisches Sensibilitätstraining hilfreich sowie die lokale Anwendung von Vitamin B mit Hilfe der Iontophorese. Auch Medikamente (z.B. Gabapentin, Pregabalin (Lyrica®), Alphaliponsäure) können eingesetzt werden. Kühlpackungen an Händen und Füssen während der Chemotherapie vermindern Nebenwirkungen, wenn die Medikamente nur eine kurze Einwirkzeit haben.
    • Während der Chemotherapie sollte direkte Einwirkung von Sonnenlicht, insbesondere in der Mittagszeit vermieden werden, da die Sonnenlichtempfindlichkeit erhöht sein kann.
    • Viele Zytostatika sind selbst karzinogen und können nach langer Zeit selbst Tumoren induzieren.

    Welche Nebenwirkungen auftreten, ist von der Auswahl der Zytostatika abhängig. Die Intensität der Nebenwirkung ist oft nicht vorhersehbar und sehr von Stoffwechselfunktionen des Patienten abhängig. Ein gutes „Nebenwirkungsmanagement“ hilft, die Behandlung optimal durchführen zu können und die Belastung für den Patienten in Grenzen zu halten.

    Das Spektrum der Anwendung ist in den letzten Jahren durch neue Substanzen erweitert worden. Die Verträglichkeit schon bekannter Zytostatika konnte verbessert werden. Häufig sind Naturstoffe (pflanzliche oder tierische Gifte) Ausgangssubstanzen. Mikroverkapselte Medikamente sollen möglichst genau zum Zielort gelangen.

    Im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation nach einer Chemotherapie können funktionelle Störungen aufgrund von Nebenwirkungen gezielt behandelt werden und so die Regeneration gefördert werden.

    Chemotherapie in der Habichtswald-Klinik

    Ist eine Chemotherapie notwendig, kann diese in den meisten Fällen in der Habichtswald-Klinik durchgeführt werden. Ausnahmen sind z.B. Hochdosis-Chemotherapien oder Therapieprotokolle, die eine spezialisierte Versorgung benötigen, die nur in ausgewiesenen Zentren möglich ist. Ist also eine Chemotherapie bei Ihnen empfohlen und soll ein Teil dieser Behandlung in unserer Klinik erfolgen, ist vorab ein Kontakt mit unserem Aufnahmearzt notwendig, um zu prüfen, ob die Gabe in unserer Klinik erfolgen kann.

    Während eines Aufenthaltes bei uns kann eine bereits begonnene Chemotherapie fortgesetzt oder auch die Indikation zur Behandlung gestellt und die Therapie begonnen werden. Da ein Aufenthalt bei uns in der Regel 3-4 Wochen dauert, eine Chemotherapie jedoch über einen längeren Zeitraum verabreicht wird (Therapiezyklen), geschieht dies in engem Kontakt mit ihrem Hauptbehandler am Heimatort. Viele Chemotherapien lassen sich ambulant durchführen. Inwieweit eine kurze stationäre Aufnahme zur Verabreichung möglich ist, muss im Einzelfall und in Absprache mit dem Kostenträger geklärt werden.

    Bei einer palliativen (lindernden) Chemotherapie muss immer wieder geprüft werden, ob die Therapie auch den gewünschten Erfolg erzielt, das heißt, dass bildgebende Diagnostik und Laboruntersuchungen erfolgen müssen. Da es bei dieser Beurteilung wesentlich um Befundverläufe und -vergleiche geht, sollte die Diagnostik möglichst beim gleichen Behandler durchgeführt werden.

    Wird eine Chemotherapie in unserer Klinik verabreicht, erfolgt zunächst ein umfassendes aufklärendes Gespräch. Therapieziele und mögliche Nebenwirkungen werden ausführlich besprochen. Die Verabreichung erfolgt im Einzelzimmer und wird pflegerisch einfühlsam begleitet. Bestehen Sorgen und Ängste ist eine psycho-onkologische Begleitung auch während der Behandlung hilfreich. Ein spezielles Entspannungsverfahren (Simonton Visualisierungsübungen) wird begleitend angeboten. Unsere Anwendungen aus dem Bereich Krankengymnastik und Physiotherapie unterstützen die Regeneration und verbessern häufig die Verträglichkeit der Therapie, insbesondere deren Auswirkung auf das Immunsystem. Um Nebenwirkungen zu minimieren setzen wir begleitend (komplementär) auch naturheilkundliche Behandlungen ein. Diese werden auf die Zusammensetzung der Chemotherapie genau abgestimmt, um Wechselwirkungen oder Wirkungsabschwächung zu vermeiden. In Betracht kommen orthomolekulare Nahrungsergänzungsstoffe, pflanzliche Enzyme, wenn möglich gezielte „Gegengifte“ bzgl. Zellschädigung gesunden Gewebes und immunstärkende Medikamente. Methoden aus der TCM (Traditionell chinesischen Medizin) und Akupressur verbessern die Verträglichkeit. Die Ernährung muss stoffwechselangepasst erfolgen und dem Energiebedarf entsprechen.

    Viele unserer Patienten sind häufig überrascht, dass sie im Vergleich zu vorigen Zyklen die Behandlung nicht nur subjektiv deutlich besser vertragen, sondern auch Nebenwirkungen wie Schleimhautentzündungen, Blutbildveränderungen und Übelkeit reduziert sind. Die entspannte Atmosphäre, begleitende medikamentöse Behandlungen, psychoonkologische Unterstützung und unser individuelles Anwendungskonzept tragen dazu wesentlich bei. Der Patient kann dadurch bedingt seine eigenen Kräfte optimal unterstützend einsetzen und trägt damit selbst zum Erfolg der Behandlung bei.

  • Chronomodulierte Therapie, Circadiane Rhythmen in der Tumortherapie

    Viele Prozesse in unserem Körper laufen nach Rhythmen ab. Unsere Stoffwechselprozesse unterliegen einem bestimmten Rhythmus, der dem Schlaf-Wach-Rhythmus angepasst ist. Zyklische Prozesse begleiten uns also Tag und Nacht. Damit diese Rhythmen stabil bleiben, findet immer wieder eine Synchronisation und Feinabstimmung statt. Der Schlaf nimmt dabei eine wichtige Funktion ein. Die „Taktung“ dieser Rhythmen ist genetisch, also erblich bedingt und variiert je nach Spezies (Mensch= 90 Minuten, Katze= 30 Minuten, Elefant= 120 Minuten).

    Wir unterscheiden Tagesrhythmen (circadianer Rhythmus), Wochenrhythmen, Monats- oder Jahresrhythmen. Unsere Körperfunktionen und Zellaktivitäten werden von diesen bestimmt (z.B. Menstruationszyklus der Frau).

    Die Körperfunktionen und Stoffwechselprozesse unterliegen also zeitlichen Schwankungen. Beispiele dafür sind:

    • Körpertemperatur
    • Blutdruck/Herzfrequenz
    • Hormonproduktion
    • Organfunktionen
    • Immunsystem

    Am Beispiel der Produktion des Hormons Cortison kann man dies gut nachvollziehen. Der Höhepunkt seiner Konzentration liegt in den frühen Morgenstunden. Das Immunsystem wechselt von Phasen hoher Aktivität zu Phasen niedriger Aktivität. Blutbildkontrollen zu verschieden Tageszeiten belegen dies deutlich. Man kann beobachten, dass manche Erkrankungen zu bestimmten Tageszeiten gehäuft auftreten (z.B. Herzinfarkte, Asthmaanfälle).

    Die Chrono-Pharmakologie beschäftigt sich daher mit der Frage, ob eine Medikamentengabe und deren Wirksamkeit durch solche Rhythmen beeinflusst werden. Dies hätte dann Einfluss auf den Verabreichungszeitpunkt oder –zeitraum von Medikamenten. Unterschiede in der Dosierung könnten sich ergeben.

    Bio-Rhythmen haben auch einen Einfluss auf diagnostische Maßnahmen. So ist bekannt, dass z.B. das Erkennen einer Brustkrebserkrankung in der Mammographie oder Kernspintomographie abhängig von der Zyklusphase der Frau sein kann.

    Seit einigen Jahren gibt es Hinweise, dass die Verabreichung einer Chemotherapie, angepasst an den Tagesrhythmus, Vorteile erbringt (chronomodulierte Therapie).

    Die meisten Chemotherapien wirken auf die Zellteilung. Je nach Substanz ergeben sich unterschiedliche Angriffspunkte auf den Zellzyklus. Im Verlauf unseres Tagesrhythmus befinden sich die unterschiedlichen Körpergewebe jeweils in einem aktiven oder ruhenden Zustand. Da eine Chemotherapie leider nicht nur selektiv sich teilende Tumorzellen zerstört, wird vor allem das Immunsystem stark mitbelastet. Durch den hohen Zellumsatz unserer Blutzellen reagiert das Knochenmark als Produktionsstätte von Abwehrzellen, roten Blutkörperchen und Blutplättchen besonders empfindlich. Besonders viele Zellen werden im Knochenmark am frühen Nachmittag gebildet, während am wenigsten Zellen nachts zwischen 0.00 und 4.00 Uhr produziert werden. Damit besteht also am frühen Nachmittag die höchste Empfindlichkeit für eine schädigende Einwirkung. Da sich Tumorzellen (insbesondere rasch wachsende) einer Synchronisation entziehen, eigene unabhängige Rhythmen entwickeln, kann eine geschickte Auswahl des Zeitpunktes der Chemotherapie-Gabe Nebenwirkungen vermindern. Dadurch ließen sich evtl. höhere Chemotherapiedosen verabreichen und so die die tumorschädigende Wirkung erhöhen, ohne dass es zu mehr Nebenwirkungen kommt. Im Tierexperiment konnte nachgewiesen werden, dass bei gleicher Dosierung, die Schädigung gesunder Zellen durch Chemotherapeutika in Abhängigkeit der Gabe von einem tageszeitlichen Rhythmus um 50% variiert.

    Leider gibt es nur sehr wenige Untersuchungen, die diesen chronobiologischen Effekten beim Menschen nachgehen. Die Praktikabilität und der klinische Alltag sind hier einschränkend. Auch sind Chemotherapien in der Regel Kombinationsbehandlungen, das heißt es werden verschiedene Medikamente zusammen eingesetzt, deren jeweiliger Wirkzeitpunkt ganz unterschiedlich ist. Auch die Wirkdauer der Medikamente ist sehr unterschiedlich und reicht von Minuten bis Tage.

    Die meisten Studien beziehen sich auf die Behandlung von Dickdarm- und Enddarmkrebs. Es konnte sich zeigen, dass die Verabreichung der Substanz 5-FU einen optimalen Effekt hat, wenn sie als 24 Std. oder 48 Std. Dauerinfusion verabreicht wird. Dauer-Infusionspumpen geben eine kontinuierliche Menge ab. Bei chronomodulierter Gabe von FOLFOX konnte gezeigt werden, dass sich durch diese Applikationsart nicht nur die Wirkung verbesserte, sondern auch Nebenwirkungen wie Schleimhaut- oder Nervenschädigung deutlich vermindert waren. Sie traten bei konventioneller Gabe bei 70% der Patienten auf, bei der chronomodulierten Gabe nur bei 10%. Mittlerweile liegen auch Untersuchungen für FOLFIRI, sowie Carboplatin und Taxol, Vinorelbin und liposomales Anthrazyklin vor.

    Weitere Ergebnisse sind abzuwarten, um die Vorteile einer chronomodulierten Therapie zu ermitteln. Entsprechend programmierbare Spezialpumpen für Dauerinfusionen sind sehr teuer. Wenn es möglich ist, berücksichtigen wir beim Einsatz von Chemotherapie in unserer Klinik die Aspekte der circadianen Rhythmen.

  • Endometriumkarzinom Gebärmutterkrebs

    Das Endometrium-Karzinom oder Corpus-Karzinom bezeichnet einen Tumor, der von der Gebärmutterschleimhaut ausgeht. Meist sind Frauen in oder nach den Wechseljahren betroffen – allerdings sind ca. 5% auch jünger als 40 Jahre. In Deutschland erkranken ca. 11.000 Frauen pro Jahr neu am Endometrium-Karzinom.

    Meist wird der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt; denn er macht sich durch Veränderungen der Menstruationsblutung (z.B. häufiger oder verstärkt im Vergleich zu früher, stark wechselhafte Blutungen) oder durch Blutungen nach den Wechseljahren bemerkbar. In diesen Fällen ist eine Untersuchung durch die Frauenärztin/den Frauenarzt wichtig zur raschen Diagnosestellung.

    Als Risikofaktoren für ein Endometrium-Karzinom gelten Hormoneinwirkung auf die Gebärmutterschleimhaut (bei den sogenannten Typ I = Östrogen-abhängigen Tumoren), starkes Übergewicht, bestimmte erbliche Darmtumoren, ein polyzystisches Ovar-Syndrom (PCO) oder frühere gutartige Gebärmutterschleimhaut-Tumoren (Polypen).

    Die Therapie wird analog der Leitlinie der AWMF (Sk2 Leitlinie aus 2008, neue S3 Leitlinie in 2013) durchgeführt. Die Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie = AGO veröffentlicht zusätzlich Aktualisierungen. www.ago-online.de

    Weiterführende Information finden Sie bei der Deutschen Krebshilfe sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungs-zentrum Heidelberg.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der vorbehandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes

    (siehe „Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung“). Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswaldklinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden.

    Es besteht bei uns die Möglichkeit, eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Die Therapie des Endometrium-Karzinoms umfasst eine Operation mit Entfernung der Gebärmutter, der beiden Eierstöcke, meist auch der Lymphknoten im kleinen Becken und der neben der Hauptschlagader im Bauchraum liegenden Lymphknoten. Je nach Stadium schließt sich eine Strahlenbehandlung in der Scheide oder durch die Bauchdecke an, bei weit fortgeschrittenen Tumoren auch eine Chemotherapie.

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung (s. Patienteninformation Salutogenese)

    Hierbei setzen wir komplementär (=ergänzend zu schulmedizinischen Therapien) gezielt Nahrungsergänzer ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. Begleitend werden Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden.

    Bei starken Lymphödemen kann eine Bandagierung notwendig sein oder die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

    Zur Linderung von Hormonentzugserscheinungen unter der endokrinen Therapie können pflanzliche Medikamente, spezielle Entspannungsverfahren oder Wasseranwendungen zum Einsatz kommen. Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden. Es können Tipps zum Umgang mit Schleimhauttrockenheit oder Verengung der Scheide nach Bestrahlung gegeben werden (s. Patienteninformation Sexualität und Krebserkrankung).

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen (s. Patienteninformation Ernährung).

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Entgiftung

    Bei der Entgiftung handelt es sich um ein Verfahren mit dem Ziel, den Organismus von Giftstoffen zu reinigen.

    Freie Radikale

    Beobachtung im Rahmen großer Studien zeigte, dass vermehrter Verzehr von Obst und Gemüse zu weniger Krebskrankheiten führt. Obst und Gemüse enthalten sog. exogene Antioxidantien wie Vitamine, aber auch eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe.

    Der menschliche Organismus gewinnt in seinen Zellen Energie über die stufenweise Oxidation von Nährstoffen. Bei diesen enzymatischen Redox-Prozessen kommt es zur Bildung extrem reagibler Substanzen, welche mit vielen Zellbausteinen reagieren u. a. mit der DNS (unserer Erbsubstanz) und diese dadurch schädigen können. Eine Schädigung an strategisch wichtigen Punkten der Erbsubstanz kann über weitere Schritte zur Krebsentstehung führen.

    Zur Verteidigung gegen diese unerwünschten Reaktionen bildet unser Körper endogene Antioxidantien (auch Radikalfänger genannt, z.B. Glutathion, Östrogene, Enzyme wie die selenhaltige Glutathion-Peroxidase), mit der Nahrung werden exogene Antioxidantien zugeführt (z.B. Vitamin A, C, E, sekundäre Pflanzenstoffe wie Isoflavone, Lycopin)   – mit deren Hilfe aggressive Radikale in weniger reaktive Verbindungen überführt und diese so über Leber und Niere ausgeschieden werden können.

    Es bleibt aber festzustellen, dass der menschliche Körper für den Ablauf vielfältiger Funktionen das Vorhandensein freier Radikaler benötigt und dass die Wirkung vieler Tumortherapien, insbesondere die Strahlentherapie, auf der Generierung von freien Radikalen beruht. Eher kommt es auf ein ausgewogenes Gleichgewicht von freien Radikalen und Radikalfängern an.

    Eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung mit viel pflanzlichen Bestandteilen ist eine optimale und bei den meisten Menschen ausreichende Quelle von Antioxidantien.

    Als zu entgiftende Organe werden besonders der Darm sowie die Leber zur Steigerung der Entgiftungsleistung genannt, z.B. nach Chemotherapie und Bestrahlung.

    Hier ist anzumerken, dass in der naturwissenschaftlich begründeten Medizin analog der Halbwertszeiten von Chemotherapeutika, eine „Entgiftung“ der Medikamente nicht erforderlich ist, da sie maximal wenige Tage im Körper nachweisbar sind, sie werden in der Leber verstoffwechselt und über den Darm oder die Niere ausgeschieden. Allerdings bestehen therapiebedingte Zellschäden auch an gesunden Zellen länger und erklären so die Therapienebenwirkungen. Hier ist eher eine kräftigende Therapie mit gesunder Ernährung und Bewegungstherapie sinnvoll zur Rehabilitation.

    Entgiftung in der Habichtswald-Klinik

    Diese Erkenntnisse sind die Grundlagen unseres ganzheitlichen Konzeptes, welches wir in der Habichtswald-Klinik Kassel vertreten.

    Wir setzen im Rahmen unserer Behandlung eine Vielfalt regulatorischer Maßnahmen ein. Neben der Physiotherapie mit medizinischer Trainingstherapie werden in der Massageabteilung Wasseranwendungen nach Kneipp, Schiele Bäder, die sogenannte Dauerdusche sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Massagetechniken ( klassische Massage, Reflexzonenmassage, Akupunktmassage nach Penzel, Marnitzmassagen, Aromamassagen) angeboten bzw. gezielt verordnet.

    Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, unseren Patienten seriöse Information weiterzugeben oder auf seriöse Informationsquellen hinzuweisen. So können Sie sich selber eine Meinung bilden und als informierter Patient „auf Augenhöhe“ mit uns gemeinsam über Ihren individuellen Umgang mit einer Tumorerkrankung entscheiden.

    Vertiefende Informationen zur Entgiftung

    Entgiftungs- bzw. ausleitende Verfahren sind oft Bestandteil komplexer Therapiekonzepte. Hier geht man davon aus, dass eine Störung des Gesamtorganismus Krebs verursache, der Tumor also nicht Ursache, sondern Produkt der Störung sei.

    Gestörte „Grundregulation“ soll zu Organstörungen, Verschlackungen, Störungen des humoralen Milieus etc. führen mit der Folge., dass sich maligne transformierte Zellen zu Tumoren entwickeln können.

    Ziel ist nun, den Organismus bei der Inaktivierung von Tumorzellen zu unterstützen, indem individuelle Schädigungsfaktoren erkannt und beseitigt werden. Dieser Ansatz wird ja auch bei modernen immunologischen oder zielgerichteten Verfahren der „Schulmedizin“ erforscht und angewendet. Ernährungsumstellung, Symbioselenkung, Herdsanierung, Ausschaltung schädigender Umwelteinflüsse sind die Schlagworte.

    Oft werden zur „Entgiftung“ die Substitution von Fermenten, Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen propagiert.

    Es gibt viele Parallelen zur „Säftelehre“ des Galenus von Pergamon (130-200 n. Chr.):

    Er fasste das gesamte medizinische Wissen seiner Zeit zusammen. Vor der Säftelehre (Humoralpathologie) waren die Götter die alleinigen Bestimmer über die Befindlichkeit der Menschen – jetzt gab es eine systematische Ursachenforschung der Unterschiede zwischen den Menschen und ihren spezifischen Krankheitsneigungen.

    Diese Humoralpathologie war lange Grundlage der Medizin (Hildegard von Bingen, Sebastian Kneipp: überflüssige oder verdorbene Säfte müssen aus dem Körper ausgeleitet werden. Erklärung von Schmerzen durch ein Übermaß meist verdorbener Säfte an bestimmten Stellen >> Schmerz vermindert durch Ableitung der Schlackenstoffe. Großer Einfluss auf Ernährungslehre ( warme, kalte, feuchte, trockene Säfte und Speisen, die den Säftefluss beeinflussen ). Ärzte wurden so immer auch als Ernährungstherapeuten tätig.

    Beispiele für Entgiftung oder ausleitende Verfahren:
    • pflanzliche oder homöopathische Medikamente zur Anregung der Entgiftung über Leber, Niere, Haut oder Schleimhäute
    • Kaffeeklistiere (50ml Kaffee auf 500ml Wasser – anregende Wirkung) Gefahr: Kaliumverlust, Austrocknung. spagyrische Arzneimittel (alchemistisches Verfahren, Paracelsus um 1500 – Medikamente und Tinkturen hergestellt in aufwändiger Prozedur durch Gärung, Destillation, Reinigung, Veraschung und Zusammenführung – in Harmonie mit kosmischen Abläufen wie Stand von Sonne, Mond und Planeten. Energetisieren von Wasser durch Leiten über unterschiedliche Metallspiralen, das zum Bewässern von Heilpflanzen benutzt wird – diese werden rhythmisch bewegt analog zu Sonne- und Mond- Auf- und Untergang)
    • PanchaKarma Kur in der Ayurvedischen Medizin
    Entgiftung in der Ayurveda

    Ayurveda: Wissen vom langen Leben, welches seit über 3.500 Jahren praktiziert wird. Hier gibt es einen anderen philosophischen Denkansatz:

    Bewusstsein steht auf der ersten Stufe: „Wir sind Gedanken, die den Körper formen“ – im Gegensatz zur materialistischen Anschauung: „Wir sind Körper, die Gedanken formen“.

    Gesundheit im Ayurveda ist Bewusstsein im Gleichgewicht, man erkennt 3 Doshas (Vata, Pitta, Kapha), wobei Krebs = Endstadium einer Dosha-Entgleisung gesehen wird, deshalb Therapie durch PanchaKarma Kur, Kräutermedizin, richtige Ernährung, Massagen und Bewegungsangebote.

    Die ayurvedische Anatomielehre beruht auf exakter Beobachtung, die im Geist der Zeit interpretiert wurde, d.h. die Erfahrungen spiegeln Richtiges wieder!

    Aber es gilt Nebenwirkungen zu beachten, deshalb ist bei Anwendung dieser Verfahren die Begleitung durch einen erfahrenen Ayurveda Arzt von großer Bedeutung.

    Ayurvedische Medizin zeigte im Tierversuch antineoplastische Wirkung, positive Ergebnisse an Prostatazelllinien, das National Health Institute in USA hält Ayurveda für möglicherweise fähig, Tumoren vorzubeugen (Brust, Lunge, Darm)!

    Allerdings wurden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bisher noch nicht systematisch geprüft.

    Akupunktur: Auch in der traditionellen chinesischen Medizin wird ein Ungleichgewicht (von YIN und YANG) als Grundlage von Krankheit gesehen, aber auch soziale Bezüge und richtige Ernährung haben Einfluss auf Krankheitsgeschehen. – In der AGO Leitlinie Mamma-Ca. unter komplementärer Therapie mehrfach positiv erwähnt.

  • Enzyme

    Was sind Enzyme?

    Enzyme sind Stoffe, die eine oder mehrere biochemische Reaktionen katalysieren (in Gang setzen). Sie haben wichtige Funktionen im Stoffwechsel. Sie beschleunigen biochemische Reaktionen, indem sie die nötige Energie zur Aktivierung herabsetzen, damit eine Stoffreaktion stattfinden kann. Sie steuern nicht nur die Verdauung, sondern auch die Transkription (Übertragung) und Replikation (Vervielfältigung) der Erbinformation. Dabei sind sie so spezialisiert, dass sie nur ganz bestimmte Prozesse steuern (Schlüssel-Schloss-Prinzip = Wirkspezifität)).

    Fast alle Enzyme sind Proteine (Eiweiße), die aus Aminosäuren bestehen. Die Anordnung der Aminosäuren wiederum wird durch die Erbsubstanz (DNA) festgelegt. Veränderungen (Mutationen) in der Erbsubstanz können daher zu Funktionsstörung oder -verlust von Enzymen führen.

    Im lebenden Organismus wirken Enzyme in einem komplexen Geflecht von Stoffwechselvorgängen zusammen. Eine feine Regulation und Anpassung an wechselnde Umweltbedingen findet ständig statt. Es gibt kurzfristige, mittelfristige und langfristige Regulations- und Kontrollvorgänge. Eine wesentliche Rolle spielen dabei unsere Hormone.

    Wichtige Verdauungsenzyme sind Lipase (Fettverdauung), Amylase (Kohlehydrat-verdauung) und Trypsin/Chymotrypsin (Eiweißverdauung). Dabei stellt besonders die Bauchspeicheldrüse viele Verdauungsenzyme her, ohne die die Nahrung nicht verwertet werden kann. Bei funktionellen Störungen oder nach operativer Entfernung der Bauchspeicheldrüse müssen diese durch Medikamente (z.B. Kreon®) ersetzt werden.

    Eine andere Indikation der Enzymtherapie ergibt sich bei Entzündungsprozessen. Hier werden pflanzliche Enzyme eingesetzt, die Eiweiß spalten (proteolytisch). Häufige Verwendung findet dabei Bromelain, ein Enzymgemisch aus der Ananaspflanze oder Papain aus der Papaya-Frucht.

    Verschiedene Mechanismen konnten nachgewiesen werden:

    • Hemmung der Thrombozytenaggregation (Verklebung von Blutplättchen)
    • Fibrinolyse (Auflösung von Blutgerinnseln)
    • Reduktion des Fibrinogenspiegels, Reduktion des Faktors X und Prothrombin (Gerinnungsfaktoren)
    • Verbesserung der Drainage und Permeabilität (Durchlässigkeit) von Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme)
    • Veränderung der Zelloberflächenmoleküle von Leukozyten (Abwehrzellen) und damit Beeinflussung immunologischer Prozesse
    • Verstärkte Produktion von Botenstoffen des Immunsystems (Interleukin, Interferon, Tumornekrosefaktor)
    • Förderung der Ausreifung dendritischer Zellen (bestimmte Immunzellen)

    Dadurch bedingt haben diese pflanzlichen Enzyme einen antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) und antiödematösen Effekt.

    Bromelain wirkt bei der Behandlung von Weichteilverletzungen günstig. Daher werden sie auch bevorzugt in der Sportmedizin bei Prellungen oder Blutergüssen eingesetzt

    Durch die immunmodulierenden Eigenschaften werden Enzyme auch in der Tumortherapie eingesetzt. Kleine klinische Studien und Tierversuche konnten zeigen, dass Tumorprogression und -metastasierung vermindert wurde und es zu einer Verlängerung der Überlebenszeit kam.

    Eine große Studie konnte zeigen, dass eine Verbesserung der Lebensqualität durch signifikante Minderung der Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie erreicht werden konnte. Untersuchungen konnten die positive Wirkung proteolytischer Enzyme auf eine strahlentherapiebedingte Lungenveränderung (Fibrose) oder chemotherapiebedingte Lungenentzündung belegen. Ebenfalls war die therapiebedingte Immunsuppression (Verschlechterung der Immunabwehr) geringer. Lymphödembildung konnte bei verschiedenen Tumorarten reduziert werden. Auch Paravasate (unbeabsichtigter Chemotherapie-Medikamentenübertritt in das Gewebe bei Infusionen) heilten deutlich besser ab.

    Wechselwirkungen bzgl. Strahlen- und Chemotherapie bestehen nicht. Auch können Enzyme bei Lymphomerkrankungen und Plasmozytom verabreicht werden. Im Gegensatz zu immunstimulierenden Therapien (z.B. Mistel) erhöhen sie signifikant die Ansprechrate einer Chemotherapie.

    Die Toxizität von Bromelain ist gering. Mögliche Nebenwirkungen sind:

    • Allergenes Potential
    • Wirkungsverstärkung verschiedener Antibiotika (Tetrazykline)
    • Wirkungsverstärkung verschiedener Zytostatika (5-FU, Vincristin)
    • Wirkungsverstärkung von Antikoagulantien (Medikamente zur Blutverdünnung)
    • Oberbauchbeschwerden, Durchfall

    Daher besteht eine Kontraindikation bei verminderter Blutgerinnung oder geringer Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie). Vor operativen Eingriffen sollte eine Einnahmepause erfolgen. Antikoagulantien, Aspirin und Angiogenesehemmer (Avastin®) sollten aufgrund vermehrter Blutungsneigung ebenfalls nicht in Kombination mit Bromelain gegeben werden. Fortgeschrittene Leber- und/oder Nierenfunktionsstörungen stellen ebenfalls eine Kontraindikation dar.

    Bromelain sollte nüchtern, ca. 20-30 Min. vor einer Mahlzeit eingenommen werden, um eine optimale Aufnahme zu erreichen. Es sollten gleichzeitig keine anderen Medikamente eingenommen werden, da potentiell Wechselwirkungen auftreten können. Die Dosierung richtet sich nach der Indikation. In der Regel werden 400mg als Tagesdosis verabreicht.

    Weitere Studien erfolgen, um den Stellenwert der Enzymtherapie zu bewerten.

  • Erektile Dysfunktion

    Erektile Dysfunktion (ED) ist eine Sexualstörung, bei der ein Mann in der überwiegenden Zahl der Fälle keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten kann, die für einen Geschlechtsverkehr ausreicht. Sein Penis wird nicht hart genug oder erschlafft vorzeitig. Diese Probleme bestehen über einen längeren Zeitraum.

    Mit dem Alter wird die erektile Dysfunktion häufiger. Unter den 40- bis 49-Jährigen ist knapp jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-Jährigen bereits jeder dritte.

    In der Mehrzahl der Fälle stecken körperliche Ursachen hinter Erektionsstörungen. Rein psychische Auslöser kommen vor allem bei jüngeren Männern vor. Bei onkologischen Patienten tritt eine erektile Dysfunktion z.B. nach Operation eines Prostatakarzinoms durch eine Nervenirritation oder Nervenschädigung oder unter der antihormonellen Therapie des Prostatakarzinoms (s. Patienteninformation Prostatakarzinom) auf. Auch die Behandlung eines Blasenkarzinoms(s. Patienteninformation Blasenkrebs) kann mit Erektions – oder Potenzstörungen einhergehen. Bestrahlungen oder Operationen im Beckenraum (z.B. bei Rektumkarzinom (s. Patienteninformation Darmkrebs) oder am Rückenmark wegen anderer Tumoren kommen ebenfalls als Ursache infrage.

    Weiterführende gut verständliche Information finden Sie auch im Internet, z.B. unter www.impotenz-selbsthilfe.de.

    Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in der Abteilung Onkologie der Habichtswaldklinik, z.B. als Anschlussheilbehandlung, Rehabilitation oder stationäre Weiterbehandlung, sowie als palliativ stationäre Therapie (siehe „Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung“) bieten wir Gespräche über Sexualstörungen an – ob im ärztlichen Gespräch oder im Rahmen der psychoonkologischen Therapie.

    Auch bei onkologischen Patienten ist es wichtig, an andere Ursachen für eine erektile Dysfunktion zu denken und diese zu behandeln wie z.B. Medikamentennebenwirkungen oder Durchblutungsstörungen durch langjährigen Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörungen aber auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung. Denn wie sicher erforscht ist, spielt die ausreichende Sauerstoffversorgung der Penisgefäße eine große Rolle bei der Aufrechterhaltung der Erektion (vermittelt durch Enzyme wie die Stickstoff-Monooxid-Synthetase der Gefäßinnenhaut).

    Auch eine zunächst körperlich verursachte erektile Dysfunktion kann im Verlauf zu deutlichen psychischen Problemen führen. Viele Männer mit erektiler Dysfunktion fühlen sich als Versager („kein richtiger Mann mehr“, „Schlappschwanz“). Sie sind zutiefst verunsichert, was Auswirkungen auf Partnerschaft, soziale Kontakte oder Arbeitsfähigkeit hat. Hier kann ein offenes Gespräch oder eine therapeutische Begleitung, wenn gewünscht auch mit der Partnerin, sehr hilfreich sein.

    Im Gespräch mit dem Arzt können Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Für den einen Patient können dies Medikamente sein wie PDE5-Hemmer wie Sildenafil=z.B.Viagra® oder Generika, Tadalafil=Cialis®, Vardanafil=Levitra® oder Avanafil=Spetra®, die in ansteigender Dosierung verordnet werden können. Sie verbessern in ca. 30-60 Minuten die Dauer und Stärke einer Erektion, vorausgesetzt es liegt eine sexuelle Stimulation vor. Zudem muss für die Wirkung die für eine Erektion erforderliche Nervenversorgung intakt sein, das heißt bei einer radikalen Entfernung der Prostata mit kompletter Entfernung der Nerven ist diese Therapie wirkungslos. Bei nervenerhaltender oder nervenschonender Prostataentfernung können diese Medikamente nach der Operation vorbeugend verschrieben werden, womit ein Um- und Abbau des Schwellkörpergewebes des Penis verhindert werden soll und eine Erektionsfähigkeit erhalten werden soll.

    Unabhängig von den Nervenbahnen wirkt die sogenannte SKAT Therapie, wo Medikamente (Prostaglandine wie Alprostadil= Viridal® oder Caverject®) direkt mit einer hauchdünnen Nadel schmerzlos in die Schwellkörper gespritzt werden oder als MUSE® , wo Alprostadil als „Mini-Zäpfchen“ über einen Applikator in die Harnröhre eingeführt wird. Auch hier wird eine Wartezeit von ca. 10 Minuten benötigt, um eine Erektion zu erreichen. Alle diese Behandlungen sollten vom Arzt verordnet werden und auch mit der Partnerin offen besprochen werden. Eine Kostenübernahme dieser medikamentösen Therapien durch die Krankenkassen oder die Beihilfe ist seit einer Gesetzes-Änderung im Jahr 2004 fast nicht mehr möglich.

    Bei ärztlicher Verordnung werden die Kosten einer Vakuumpumpe oder eines Penisimplantates als alternative Verfahren von den Kassen übernommen. Eine Vakuumpumpe ist ein nebenwirkungsarmes sicheres Verfahren. Hierbei wird der Penis in einen durchsichtigen Plastikzylinder gesteckt und mittels einer kleinen Pumpe ein Unterdruck erzeugt, der zum Bluteinfluss in die Schwellkörper führt. Um die erreichte Erektion zu halten, wird dann ein Penisring (Stauring) übergestreift, der nach spätestens 30 Minuten entfernt werden muss. Das etwas umständliche Verfahren wird meist nur von Paaren akzeptiert, die sich lange kennen. Die operative Einpflanzung eines Penisimplantates ist immer die letzte zu überlegende Maßnahme, da hierdurch die Schwellkörper zerstört werden. Ca. 90% der so behandelten Männer geben aber an, mit dieser Methode gut zu Recht zu kommen und damit zufrieden zu sein.

    In der Habichtswaldklinik erfahren unsere Patienten über die ärztlichen und psychotherapeutischen Gespräche hinaus z.B. durch physiotherapeutische Maßnahmen wie Beckenbodengymnastik eine Verbesserung der Problematik. Da die Ernährung ebenfalls einen gewissen Einfluss auf die Erektionsfähigkeit zu haben scheint, etwa über die Aminosäure L-Arginin, ist uns eine ausgewogene Ernährung ein wichtiges Thema. Hierzu werden Vorträge und auch individuelle Ernährungsberatung angeboten.

  • Ergotherapie in der Onkologie

    Was ist Ergotherapie und wann wird sie in der Onkologie eingesetzt?

    Der Begriff Ergotherapie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet:

    • Ergo ἔργον (érgon) – Werk, Arbeit, tätig werden
    • Therapie θεραπεία (therapeia) – Behandlung

    In der Ergotherapie soll der Patient unter Anleitung eines Ergotherapeuten selber tätig werden, um seine Beschwerden zu lindern.

    Ein wichtiger Leitsatz der Ergotherapie lautet:

    „So viel Hilfe wie nötig – so wenig Hilfe wie möglich.“

    Das bedeutet, der Patient bekommt Anreize in der Therapie mit möglichst wenig Unterstützung, wobei selbstverständlich notwendige Unterstützung immer gegeben wird. Wir verstehen die vermittelten Übungen in der Therapie auch als Anregung für die Zeit nach dem Aufenthalt in unserer Klinik. Wie bei allen anderen Therapien in unserem Haus wird bei der Ergotherapie der Mensch ganzheitlich gesehen und auf seine individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten eingegangen.

    Durch die Krebserkrankung bzw. -behandlung kommt es häufig zu verschiedenen Beeinträchtigungen, unter anderem kommt es zu kognitiven Störungen (Wortfindung, Konzentration, Gedächtnis, Leseverständnis etc.) (siehe Chemo-Brain) und zu so genannten Polyneuropathien, vorwiegend in den Füßen und den Händen, die mit Sensibilitäts-, Koordinations- und/oder Gleichgewichtsstörungen einhergehen können (siehe „Polyneuropathie“). Des Weiteren können Motorik und Sensorik durch auch durch Operationen oder andere (Folge-)Erkrankungen beeinträchtigt sein.

    Ergotherapie in der Habichtswald-Klinik

    Hirn-Leistungs-Trainig (HLT)

    Das HLT wird in Kleingruppen (max. 5 Personen) oder als Einzelbehandlung angeboten. Es soll zur Förderung und Stabilisierung der kognitiven Fähigkeiten beitragen und Anregungen für zuhause geben. Hierfür stehen speziell entwickelte Medien wie z.B. Arbeitsblätter und Spiele zur Verfügung.

    Polyneuropathie-Behandlung (PNP)

    Die Polyneuropathie-Behandlung wird in Form eines Sensibilitäts-Trainings in Kleingruppen (max. 6 Personen) oder als Einzelbehandlung angeboten. Ziel ist hier die Verbesserung oder Normalisierung der Sinneswahrnehmung der Hände und/oder Füße durch Anregung (meist Berührungsreize) mit verschiedenen Materialien und Medien zu erreichen. Meist wird vor Behandlungsbeginn ein spezieller Polyneuropathie-Test durchgeführt. Das Sensibilitäts-Training kann auch bei anderen Erkrankungen der Hände und Füße eine sinnvolle Ergänzung sein.

    Hilfsmittelberatung

    Eine Hilfsmittelberatung kann im Rahmen eines Einzelgesprächs mit dem Ergotherapeuten durchgeführt werden. Sie dient der Erleichterung alltäglicher Aktivitäten (ADL) wie z.B. Ankleiden, Essen, Haushaltsbewältigung etc. und wird nur dann durchgeführt, wenn in diesem Bereich Probleme bestehen. Hier ist das Ziel der Erhalt bzw. die Herstellung größtmöglicher Selbständigkeit

    (Fein-)Motorik-Training

    Das Feinmotorische Training wird in Einzelbehandlung angeboten und ist z.B. bei Arthrose in den Fingern oder auch einer Halbseitenlähmung (Hemiparese oder Hemiplegie) angezeigt.

    Durch Muskelkräftigung, Tonusregulation und Beübung der Beweglichkeit der Gelenke soll hier eine Verbesserung bzw. Erhalt der Handgeschicklichkeit bzw. der Beweglichkeit der Arme und des Arm-Schultergürtels erreicht werden. Wenn in den Beinen Arthrosen, Muskelschwund oder Lähmungen Probleme verursachen, werden die Funktionen Muskelkräftigung, Tonusregulation und Gelenkbeweglichkeit meist auch von den Physiotherapeuten beübt.

  • Fatigue

    Was ist Fatigue?

    Unter Fatigue versteht man einen Zustand chronischer Erschöpfung und Müdigkeit. Der Begriff Fatigue-Syndrom bei Krebserkrankungen beschreibt einen Zustand mehrerer Störungen des Befindens, die eine Auswirkung auf die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit des Patienten haben.

    60-90% der Patienten beschreiben entsprechende Symptome. Nicht immer wird dies mit dem Arzt kommuniziert und ordnet sich anderen Themen unter. Somit findet das Fatigue-Syndrom in der Behandlung nur wenig Beachtung. Am häufigsten tritt ein Fatigue-Syndrom nach Hochdosis-Chemotherapien, Immuntherapien oder Stammzelltransplantationen auf. Auch nach einer Strahlentherapie wird es häufig beschrieben. Es kann bei Tumorerkrankungen aber auch auftreten, wenn Chemo- oder Strahlentherapie gar nicht erfolgt sind. Ebenfalls kann es akut auftreten oder nach längerer Zeit, dabei sind Dauer und Intensität sehr unterschiedlich, manchmal klagen Patienten Jahre über Fatigue.

    Fatigue ist abzugrenzen von allgemeiner Erschöpfung oder Depression. Diese Abgrenzung ist nicht immer leicht.

    Fatigue ist eine subjektive Erfahrung bzw. ein subjektives Gefühl. Diagnostische Methoden können diesen Zustand nur schwer erfassen. Das Gefühl unüblicher Müdigkeit wirkt sich auf verschiedene Systeme aus:

    • Körper (physische Ebene)
    • Gefühle (affektive Ebene)
    • Geist (mentale, kognitive Ebene)

    Ein WHO-Kriterienkatalog beschreibt folgende Symptome:

    • Deutliche Müdigkeit, Energieverlust oder verstärktes Ruhebedürfnis
    • Beschwerden allgemeiner Schwäche oder schwerer Glieder
    • Verminderte Fähigkeit zur Konzentration und Aufmerksamkeit
    • Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf
    • Schlaf wird nicht als erholsam oder regenerierend erlebt
    • Notwendigkeit starker Anstrengung, um Inaktivität zu überwinden
    • Deutliche emotionale Reaktion auf Fatigueproblematik (z.B. Traurigkeit, Frustation oder Reizbarkeit)
    • Durch Müdigkeit bedingte Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu erledigen
    • Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis
    • Mehrere Stunden anhaltendes Unwohlsein nach Anstrengung

    Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Aus Anamnese, körperlicher Untersuchung oder Laborbefunden geht eindeutig hervor, dass die Symptome Konsequenzen einer Tumorerkrankung oder ihrer Behandlung sind.

    Um die Ausprägung zu erfassen stehen Fragebögen als Messinstrument zur Verfügung (z.B. FACT Fatigue, LASA).

    Primäre Faktoren die Fatigue auslösen können stehen in direktem Zusammenhang mit der Grunderkrankung und Therapie. Eine kausale Therapie kann daher die Symptomatik verbessern. Auslösend können sein:

    • Medikamente, einige Zytostatika können das Nervensystem und besonders den Hypothalamus als Schaltzentrale schädigen.
    • Schmerz
    • Anämie
    • Hormonelle Störungen
    • Depression
    • Stoffwechselstörungen
    • Mangelernährung
    • Elektrolytstörungen
    • Trainingsmangel
    • Einschränkung der Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenfunktion

    Stress und Überforderung können die Symptome verstärken. Die Diagnose einer Krebserkrankung als potentiell tödliche Erkrankung, nachfolgende Diagnostik und Therapie stellen ein traumatisches Erlebnis dar. Es besteht ein seelischer „Schockzustand“. Ein Zusammenspiel biochemischer, pharmakologischer und psychischer Faktoren ist also verantwortlich.

    Zu berücksichtigen ist auch die Ausgangsituation vor Diagnose und Behandlung, die Konstitution, bestehende Vorerkrankungen und psychische Belastungen oder Erkrankungen wie Depression. Sie tragen zur Symptomatik bei. Auch die soziale und auch materielle Situation nehmen Einfluss.

    Fatigue in der Habichtswald-Klinik

    Die Diagnose und Therapie haben bereits viel Kraft gekostet. Es besteht eine Verunsicherung, ob das bisherige „Lebenskonzept“ überprüft oder verändert werden muss. Viele Informationen und „Ratschläge“ wirken ein. Der Patient möchte seine Leistungsfähigkeit nach Therapieende rasch wieder erlangen. Familie und Freunde sind vielleicht enttäuscht, dass eine Alltagsnormalität nicht einkehrt und sich Aktivitäten nicht so einfach umsetzen lassen. Auch werden durch die Lebensbedrohung der Erkrankung Partnerschaft und Beziehungen neu definiert. Der Wiedereinstieg in den Beruf muss geplant werden und darf nicht zur Überforderung führen.

    Bei Fatigue-Beschwerden erfolgt zunächst eine genaue Untersuchung zum Ausschluss primärer Faktoren (siehe oben), die dann gezielt behandelt werden können (z.B. Besserung einer Anämie, Optimierung einer Schmerztherapie, Behebung von Schlafstörungen, Verbesserung der Ernährungssituation, Ausgleich von Mangelerscheinungen, Behandlung von Hormonmangelzuständen).

    Medikamentös können Ginseng, Rosenwurz, CoEnzym Q10 und Carnitin unter Beachtung der Kontraindikationen eingesetzt werden. In Studien wird auch die Wirksamkeit des Einsatzes von Psychostimulantien wie Methylphenidat untersucht. Die Gabe von Wachstumsfaktoren zur Unterstützung der Blutzellbildung (Erythropoetin) ist umstritten, da ein Einfluss auf Tumorwachstum möglich ist.

    Ein dosiertes angepasstes konditionsförderndes sportliches Training hat u.a. positive Auswirkungen auf Herz-Kreislaufsystem, Blutbildung, Muskulatur und Immunsystem. Auch ein angeleitetes Krafttraining gehört zur Behandlung. Zudem weisen verschiedene Studien auf den krebspräventiven Effekt von Sport hin. Aus dem Bereich der Physiotherapie kommen spez. Massagetechniken (Reflexzonenmassage, Aromamassage, Akupunkt-Massage nach Penzel) zum Einsatz. Kneipp-Anwendung und stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen (Dauerdusche) werden genutzt.

    Psychoonkologische Betreuung stellt ein wesentliches Element zur Behandlung des Fatigue-Syndroms dar. Verständnis der eigenen Situation, Verbesserung des Selbstwertgefühls und der Achtsamkeit sind die Grundlage für eine Veränderung der Situation. Einzelgespräche, Gruppengespräche, Körperwahrnehmung, Visualisierungsübungen nach Simonton, Ausdrucksmalen, Kunst- und Tanztherapie, Brain-Gymnastik sowie Entspannungsverfahren wie Tai Chi, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (PMR), Atemtherapie nach Middendorf, Yoga und Autogenes Training stehen zur Verfügung. Im Rahmen unserer Ergotherapie kann Hirnleistungstraining und ein spez. Sensibilitätstraining durchgeführt werden.

    Unser freies spirituelles Angebot mit verschiedenen Meditationen, sakralem Tanz und Singen, kann dem eigenem Wesen entsprechend zu neuen Gedanken über Sinn und Sein führen. Auch seelsorgerische Betreuung kann genutzt werden. Kreatives Gestalten und Bewegung nach Musik können Wohlbefinden und Lust auf Aktivität fördern.

    Im Rahmen von Sozialberatung und ärztlicher sozialmedizinischer Beratung kann der berufliche Wiedereinstieg vorbereitet werden und eine realistische Einschätzung der Belastbarkeit erfolgen. Die Versorgung mit notwendigen Hilfsmitteln kann in die Wege geleitet werden.

    Einbeziehung Angehöriger und aufklärende Gespräche helfen, um Verständnis zu erfahren und die Rückkehr in das Alltagsleben erleichtern.

    Es kommt darauf an, weder zu viel noch zu wenig zu tun, damit Sie sich weder übermäßig erschöpfen noch ihre Kondition verringern.

    Sie finden Rat und Unterstützung in Vorbereitung auf zu Hause. Dies ist nach dem Aufenthalt bei uns von großer Bedeutung. Die Führung eines „Energietagebuchs“ kann hilfreich sein. Prioritäten sollten gesetzt werden, eine Tagesplanung erfolgen und Tätigkeiten delegiert werden, die zu Kraftverlust führen. Grenzen sollten akzeptiert und Ruhepausen eingelegt werden. Bewusstes Einplanen von Aktivitäten, die das Wohlbefinden fördern und gutes Stressmanagement verbessern die Erholung. Sportliches Training und die Zubereitung gesunder ausgewogener frischer Kost gehören zur Tagesplanung dazu. Offenheit gegenüber Familie und Freunden vermindert den persönlichen „Leistungsdruck“ und die damit verbundene Überforderung.

  • Gebärmutterhalskrebs oder Zervixkarzinom

    Gebärmutterhalskrebs oder Zervixkarzinom

    Als Zervixkarzinom bezeichnet man einen Tumor, der vom Gebärmutterhals ausgeht.

    Weltweit ist das Zervixkarzinom der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen. In Deutschland sind die Erkrankungszahlen rückläufig, aber es erkranken immer noch ca. 6000 Frauen pro Jahr neu, meist im Alter von 40-50 Jahren, tendenziell sind immer mehr jüngere Frauen betroffen, was mit der früheren Aufnahme von Sexualkontakten erklärt wird. Häufig wird die Erkrankung verursacht durch eine persistierende, d.h. nicht ausgeheilte Infektion mit humanen Papilloma-Viren (HPV), auch Kondyloma-Viren genannt.

    Diese können Feigwarzen im Genitalbereich hervorrufen. Besonders die Untertypen 16 und 18 scheinen die Fähigkeit zu besitzen nach 10-20 Jahren über Vorstufen ein Zervixkarzinom auszulösen. Man geht davon aus, dass 2-8% der HPV infizierten Frauen eine Krebsvorstufe oder ein Zervixkarzinom entwickeln.

    Da die Infektion meist bei den ersten Sexualkontakten übertragen wird, steht heute mit der vorbeugenden HPV-Impfung für junge Mädchen vor den ersten Sexualkontakten ein sehr guter Schutz zur Verfügung, der in den nächsten Jahren zu einem Rückgang der Neuerkrankungen führen wird.

    Auch die Früherkennungsuntersuchungen mit dem Kolposkop und dem sog. Vorsorgeabstrich von Gebärmuttermund (Portio) und Gebärmutterhalskanal (Zervixkanal) nach Papanicolaou hat dazu geführt, dass die Erkrankung in früheren Stadien entdeckt wird und so weniger eingreifend behandelt werden muss. Damit werden auch die Vorstufen (sog. zervikale intraepitheliale Neoplasien oder CIN) entdeckt, entweder kontrolliert beobachtet oder behandelt, so dass eine Tumorerkrankung verhindert wird.

    Als weiterer Risikofaktor für eine Zervixkarzinomerkrankung ist noch das Rauchen zu nennen, was bei Infektion mit den Hochrisiko-Papilloma Viren häufiger zu einer persistierenden Infektion mit dem Risiko der Krebs(vorstufen)entstehung führt.

    Die Zervixkarzinome verursachen zunächst keine Schmerzen, können aber zu Schmierblutungen oder Kontaktblutungen nach Geschlechtsverkehr führen. Bei größeren Tumoren, die zu Geschwürsbildung neigen, besteht ein fleischwasserfarbener, süßlich riechender Ausfluss.

    Die Therapie wird gemäß der Leitlinie der AMWF (S3 Leitlinie 09/2014) durchgeführt. Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie=AGO veröffentlicht zusätzlich Aktualisierungen. www.ago-online.de oder unter www.zervita.de.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Therapie des Gebärmutterhalskrebs umfasst je nach Stadium der Erkrankung eine Konisation, d.h. das Entfernen eines Gewebskegel aus dem Gebärmutterhals , bei etwas größeren Tumoren ist eine Entfernung der Gebärmutter erforderlich mit eventuell Entfernung der angrenzenden Gewebe wie Mutterbänder, manchmal auch der Eierstöcke sowie eine gezielte Entfernung der Lymphknoten im kleinen Becken, bei fortgeschrittenen Tumoren auch der neben der Hauptschlagader im Bauchraum liegenden (paraaortalen) Lymphknoten. Bei großen Tumoren, die bereits in die Lymphknoten gestreut haben, muss nach der Operation eine Bestrahlung des Beckens, oft in Kombination mit einer Chemotherapie durchgeführt werden, um das Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung zu verringern.

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie.

    So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung (s. Patienteninformation Salutogenese).

    Hierbei setzen wir komplementär (=ergänzend zu schulmedizinischen Therapien) gezielt Nahrungsergänzende Stoffe ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. Begleitend werden Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden.

    Bei starken Lymphödemen kann eine Bandagierung notwendig sein oder die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

    Zur Linderung von Hormonentzugserscheinungen nach Entfernen der Eierstöcke können pflanzliche Medikamente, spezielle Entspannungsverfahren oder Wasseranwendungen zum Einsatz kommen. Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden. Es können Tipps zum Umgang mit Schleimhauttrockenheit oder Verengung der Scheide nach Bestrahlung gegeben werden (s. Patienteninformation Sexualität und Krebserkrankung).

    Als Folge einer notwendigen Bestrahlung kann es auch zu Schädigungen der im Strahlenfeld liegenden Organe wie Darm – insbesondere der Enddarm – der Harnleiter und der Harnblase kommen. Hier ist bei Auftreten von Durchfällen eine diätetische Behandlung sinnvoll neben der Gabe von krampflösenden und den Stuhl andickenden Medikamenten. Wenn der Enddarm betroffen ist, werden entzündungshemmende Medikamente, z.B. als Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt.

    Bei strahlenbedingter Harnblasenentzündung kann es zu Blutungen kommen mit Entwicklung einer Blutarmut=Anämie, die ausgeglichen werden muss. Da diese Entzündungen sehr schmerzhaft sein können, ist eine gute Schmerztherapie wichtig. Bei zusätzlicher Entzündung durch Bakterien ist eine gezielte Antibiose erforderlich. Vorbeugend setzen wir z.B. auch Cranberry-Präparate ein.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (siehe „Fatigue“). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt. Auch das Thema Nachsorge – was ist sinnvoll, wie oft und welche Untersuchungen werden eingesetzt – wird von uns angesprochen. Dies ist deshalb wichtig, um behandelbare Rezidive rasch zu erkennen.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • GIST (Gastrointestinale Stromatumore)

    GIST (Gastrointestinale Stromatumore)

    Gastrointestinale Stroma Tumore sind insgesamt seltene Tumore, sie stellen nur ca. 3% aller bösartigen Neubildungen im Verdauungstrakt dar. In Deutschland werden jährlich ca. 1200 Neuerkrankungen diagnostiziert. Im Durchschnitt sind die Betroffenen älter als 40 Jahre, die meisten Patienten sind ca. Mitte 50.

    Die Prognose der Erkrankten hängt einmal davon ab, in welchem Organ des Verdauungstraktes der Tumor erstmals entdeckt wurde, so leben Patienten mit GIST des Magens (häufigste Lokalisation, ca. 50% aller GIST) deutlich länger als bei anderen Lokalisationen (Dünndarm 30%, Dickdarm 10% der GIST).

    Ein typisches Leitsymptom gibt es nicht, meist werden GIST zufällig im Rahmen von Routine-Magen-oder Darmspiegelungen entdeckt. Bei raschem Wachstum klagen die Patienten über ein Druck- und Völlegefühl, häufig findet sich eine Blutarmut (Anämie), da GIST Blutungen verursachen können. Leider können auch schon relativ kleine Tumore in Leber und Bauchfell metastasieren, sehr selten in andere Organe.

    Risikofaktoren sind bisher keine bekannt.

    Zur Diagnosesicherung werden neben Magen-Darmspiegelungen bildgebende Verfahren wie Sonografie (auch vom Darm aus), Computertomografie von Bauch und Lunge oder eine PET-CT Untersuchung eingesetzt. Hierdurch soll die Möglichkeit einer operativen Therapie abgeklärt werden. Dabei wird immer eine vollständige Entfernung mit Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe angestrebt, da dadurch die Prognose entscheidend beeinflusst wird. Eine routinemäßige Entfernung der benachbarten Lymphknoten gehört nicht zum Konzept der Behandlung.

    In der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) werden die Zellen auf bestimmte Mutationen (Erbgutveränderungen) untersucht, da auch das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Mutationen (z.B. c-kit-Protoonkogen Exon 9 oder 11 oder13, PDGFRA Mutationen) eine Aussage zur Prognose erlaubt und zur Auswahl einer medikamentösen Therapie.

    Patienten, denen keine Operation angeboten werden kann oder bei denen bereits Metastasen vorliegen, werden primär mit Tabletten behandelt, sogenannten Tyrosinkinase-Hemmern, die die durch die Mutationen veränderten Stoffwechselwege beeinflussen können und so ungünstige Wachstumsreize unterdrücken. Seit 2002 wird Imatinib (Glivec®) in Deutschland als zielgerichtete Therapie zur Behandlung von GIST eingesetzt, auch um nach einer Operation von GIST mit mittleren und hohem Rückfallrisiko einem Rückfall vorzubeugen (als sogenannte adjuvante Therapie). Hierzu sind Behandlungsschemata bis zu 3 Jahren fest etabliert. Ein weiterer Tyrosinkinase-Hemmer Sunitinib (Sutent®) wird ebenfalls verwendet, wenn Imatinib nicht mehr ausreichend wirksam ist. Des Weiteren werden neue Substanzen im Rahmen von Studien eingesetzt, z.B. Regorafenib, ein Multikinase-Hemmer.

    Da GIST selten sind, ist eine Behandlung oder Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum vorteilhaft, z.B. um eine Zweitmeinung einzuholen. Das Lebenshaus (s.o.) veröffentlicht immer aktuelle Listen der Zentren und auf die Behandlung von GIST spezialisierter Ärzte.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Primärtherapie erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst des vorbehandelnden Zentrums. Ebenfalls kann eine Rehabilitations-Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder eine stationäre palliativ-medizinische Betreuung erfolgen.

    Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Unser Behandlungskonzept ist ganzheitlich orientiert, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation oder begleitender Tyrosinkinase-Hemmer Therapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern so die Gesundung (s. Patienteninformation Salutogenese)

    In der Verarbeitung der Diagnose und der Annahme der Erkrankung steht den Patienten das Team der Psychotherapeuten hilfreich zur Seite.

    Vorträge zu Krebsentstehung, komplementär begleitenden Therapien sowie Angstbewältigung helfen ebenfalls das Geschehen einzuordnen. Themen wie Salutogenese, die Bedeutung von Bewegung bei Krebserkrankung u.a. richten den Blick mehr in die Zukunft und zeigen Ansätze auf für mehr Selbstfürsorge.

    Das durch Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden, insbesondere nach operativer Entfernung von Magen- und Darmanteilen. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik), aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung, insbesondere durch die zielgerichtete Therapie mit Glivec®

    (Imatinib) oder Sutent® (Sunitinib) leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (siehe „Fatigue“). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie hilfreich, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin, CoEnzymQ10, Ginseng sowie eine psychoonkologische Begleitung.

    Die Auswirkung der Erkrankung auf soziale Bezüge, z.B. am Arbeitsplatz kann Thema einer Beratung des Sozialdienstes sein, immer unter Berücksichtigung unterschiedlicher individueller Faktoren. Bei Renten- und Pensionsfragen, beruflicher Wiedereingliederung, Schwerbehinderten-Recht oder auch häuslicher Versorgung finden Sie hier Unterstützung.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Hirntumore

    Hirntumore sind seltene Erkrankungen (ca. 2% aller Krebserkrankungen), bei Kindern treten sie vergleichsweise häufiger auf. Weitaus häufiger als Hirntumoren im engeren Sinn (diese haben ihren Ursprung in Geweben des Gehirns, umgebenden Hirnhäuten und in Hirnnerven) gibt es Absiedlungen (Metastasen) anderer bösartigen Tumoren wie Brustkrebs, Lungenkrebs u.a.

    Je nach Sitz der Tumoren gibt es eine Vielzahl von Beschwerden oder Symptomen, die Anlass zu einer weiterführenden Diagnostik geben.

    Dadurch, dass die Schädelknochen das Gehirn fest umgeben und ein Ausweichen gesunder Zellen unmöglich machen, können sich Hirndruckzeichen entwickeln. Die Patienten klagen über Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen – beides besonders nachts und morgens, es kann sich das Bewusstsein eintrüben, der Puls sich verlangsamen. Häufiger führen epileptische Anfälle, Taubheitsgefühl in einer Körperhälfte oder in einzelnen Gliedmaßen, Muskelschwäche oder Lähmung, Schwindel, Sprech- und Sprachstörungen und Sehstörungen die Patienten zum Arzt. Manchmal fallen Angehörigen oder Freunden Wesensveränderungen auf oder eine zunehmende Vergesslichkeit oder Desorientiertheit.

    Zur Diagnostik werden neben der neurologischen Untersuchung bildbebende Verfahren wie Kernspin (MRT), seltener Computertomografie (CT) oder ein PET-CT eingesetzt. Da es sehr unterschiedliche Typen von Hirntumoren gibt, ist eine Gewebeuntersuchung zur Festlegung der Therapie von entscheidender Bedeutung. Diese wird meist mittels stereotaktischer Tumorbiopsie gewonnen, einem gut steuerbarem Eingriff in der Neurochirurgie.

    Anhand des feingeweblichen Untersuchungsergebnisses werden Hirntumore nach der WHO Klassifikation in 4 Tumorgrade eingeteilt, wobei Grad 1 gutartige, langsam wachsende Tumore mit guter Prognose beinhaltet bis zu den sehr aggressiven, schnell wachsenden Tumoren des WHO-Grades 4. Oft entscheiden aber der Sitz des Tumors und seine Größe sowie seine Operabilität über die Prognose.

    Als Therapiemöglichkeiten stehen neben der operativen Entfernung von Tumorgewebe (mit sehr unterschiedlichen neurochirurgischen Methoden) ergänzend oder primär Strahlen- und/oder Chemotherapie zur Verfügung. Die Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Krebsgesellschaft erstellen dazu Leitlinien der Behandlung, die regelmäßig aktualisiert werden.

    Aktuelle Informationen zu Epidemiologie, Ursachen, Symptomen, Diagnostik, Pathologie, Stadien, Therapie (Operation, Chemotherapie, Antikörpertherapie, Rezidivtherapie) und Prognose entnehmen Sie bitte z.B. den aktuellen Informationen des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) bzw. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) – Onkopedia.

    Was können wir für Sie tun?

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der vorbehandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe – als Rehabilitations-Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes (siehe „Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung“). Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswaldklinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden. Es besteht die Möglichkeit, eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Bei Hirntumorerkrankten kann es gelegentlich sinnvoll sein, eine Rehabilitation in Begleitung eines Angehörigen durchzuführen. Das kann Sicherheit geben, wenn z.B. Orientierung schwerfällt oder Ängste wegen epileptischer Anfälle bestehen. Hierzu bestehen alle räumliche Voraussetzungen in unserem Haus. Angehörige können auf Wunsch auch in die ärztlichen Gespräche oder in die psychologische Betreuung eingeschlossen werden.

    Unsere Behandlung verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Unsere Therapieangebote werden individuell besprochen und verordnet. Sie zielen nicht nur auf Zerstörung des Tumors ab, sondern stärken körpereigene Kräfte und fördern Gesundung (Salutogenese).

    Ein dosiertes Bewegungstraining und Förderung der Muskelkraft durch angepasstes Krafttraining wirken sich positiv auf Gangbild und Motorik aus. Es kommen aus dem Bereich der Krankengymnastik konditionsbildende und muskelkräftigende Trainingstherapien zum Einsatz. Sport und Bewegung mit einem ausgewogenen Trainingsprogramm können zur Besserung des Fatigue-Syndroms beitragen. Studien belegen, dass Sport und Bewegung bei vielen Tumorarten das Rezidiv-Risiko vermindern kann. Aus dem Bereich der Physiotherapie/Massage können neben klassischen Verfahren auch Reflexzonenbehandlungen (Fußreflexzonenmassage, Akupunkt-Massage nach Penzel) zur Funktionsverbesserung zum Einsatz kommen. Anwendungen wie Bewegungsbäder in der angegliederten Kurhessentherme oder Kneipp-Therapien und stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen verbessern die Regulation und tragen zur Verbesserung des Befindens bei. Voraussetzung für den Thermenbesuch ist aber Anfallsfreiheit und Gangsicherheit.

    In der Ergotherapie können gezielt neurologische Funktionsstörungen der Hände und Arme behandelt werden, spezielle Hilfsmittel vorgestellt oder ausprobiert werden, ein Hirnleistungstraining kann einzeln oder in der Gruppe sinnvoll sein.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung.

    Ein Schwerpunkt unserer Arbeit besteht in der psycho-onkologischen Betreuung. Diese gestaltet sich individuell nach den Bedürfnissen und Zielen des Patienten. Strategien zum Umgang mit der Erkrankung und bestehenden Ängsten, Verbesserung der Selbstfürsorge, Achtsamkeit und verbessertes Stressmanagement stehen dabei im Vordergrund. Neben Einzelgesprächen werden Gruppengespräche, Simonton-Visualisierungsübungen, Ausdrucksmalen, Kunsttherapie und Tanztherapie angeboten. Zur Besserung des Fatigue-Syndroms führen wir ein spezielles Training zur Förderung von Konzentration- und Koordination durch (Brain-Gym). Verschiedene Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR), Tai Chi, Yoga, Autogenes Training und Atemtherapie nach Middendorf werden angeboten.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

    Wir beraten und unterstützen sie in sozialmedizinischen Fragestellungen wie z.B. berufliche Wiedereingliederung, Informationen zum Schwerbehindertenrecht oder Planung der ambulanten häuslichen Versorgung (Hilfsmittel, Pflege, Umbaumaßnahmen).

  • Hodenkrebs

    Hodenkrebs ist ein insgesamt zwar seltener Tumor, aber bei Jugendlichen und jungen Männern ist es die häufigste bösartige Krebserkrankung. In Deutschland wird er jährlich ca. 4.000 mal neu diagnostiziert . Im Durchschnitt sind die Betroffenen zwischen 20 und 40 Jahre alt, aber es erkranken auch Jungen in sehr frühem Alter, selten auch sehr betagte Männer daran.

    Insgesamt haben die Hodentumor-Erkrankten eine sehr gute Prognose. Heute versterben nur sehr wenige Patienten daran.

    Das Leitsymptom ist die schmerzlose Hodenvergrößerung, oft können derbe Knoten getastet werden. Risikofaktoren: Gefährdet sind Jungen oder Männer, bei denen die Hoden nicht vor oder kurz nach der Geburt aus der Leistengegend in den Hodensack gewandert sind, also ein sogenannter Hodenhochstand oder Maldescensus testis vorlag, und zwar offensichtlich unabhängig davon, ob dies später behandelt wurde. Eine Fehlmündung der Harnröhre unterhalb der Eichel (Hypospadie) weist ebenfalls auf ein erhöhtes Hodenkrebs Risiko hin. Des Weiteren scheint es eine familiäre vererbte Neigung zum Hodenkrebs zu geben. So ist es sinnvoll, dass Jungen/junge Männer über einen früheren Hodenhochstand und über Hodenkrebs Erkrankungen in der Familie informiert sind, so können sie durch regelmäßiges Abtasten der Hoden, am besten monatlich, Veränderungen entdecken und sich frühzeitig dem Urologen als zuständigem Facharzt vorstellen. Hier versucht man durch Abtasten, Ultraschalluntersuchung, ggfs. ergänzt durch Computer-Tomografie von Bauch und Lunge, sowie Blutuntersuchungen mit Bestimmung von Tumormarkern zu einer Diagnose zu kommen. Die Tumormarker-Bestimmung wird heute auch zur Risikobestimmung und Stadieneinteilung von Hodentumoren sowie zur Beurteilung von Behandlungserfolgen und in der Nachsorge verwendet.

    Wenn sich der Verdacht auf einen bösartigen Hodentumor bestätigt hat, wird nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie behandelt, in der Regel eine operative Entfernung des betroffenen Hodens (Ablatio testis oder Orchidektomie) durchgeführt, manchmal wird erst durch eine Schnellschnitt-Untersuchung während der Operation die Diagnose durch den Pathologen bestätigt.

    Die feingewebliche Untersuchung (Histologie) zeigt auf, aus welchen Zellen sich der Hodenkrebs entwickelt. Da in den Hoden hauptsächlich Keimzellen vorhanden sind, finden sich in 95% der Fälle Keimzelltumoren, die in sogenannte Seminome und Nicht-Seminome unterteilt werden. Das ist wichtig, da diese eine unterschiedliche Neigung aufweisen, in die Lymphbahnen oder in den Körper zu streuen und auch unterschiedlich auf eine Bestrahlung oder Chemotherapie reagieren. Seminome streuen meist weniger schnell, sind gut strahlenempfindlich – die Nicht-Seminome reagieren gut auf eine Chemotherapie

    (Ausnahme sind die sogenannten Teratokarzinome, die weder gut auf Bestrahlung noch Chemotherapie ansprechen). Selten gehen Tumore des Hodens vom Binde- und Stützgewebe aus, am häufigsten sind in dieser Gruppe Tumoren, die sich aus Leydigzellen entwickeln ( diese Zellen produzieren Testosteron, das männliche Geschlechtshormon).

    Während der Ablatio testis – Operation wird auch der Gegenhoden mit untersucht und ein kleines Gewebsstück entnommen (Biopsie), um festzustellen, ob auch hier Vorstufen

    (sogenannte testikuläre intraepitheliale Neoplasien = TIN) oder sogar ein zweiter Hodentumor vorliegen; denn das Vorliegen eines Hodentumors ist immer auch ein Risikofaktor für den Befall des Gegenhodens.

    Wurden bei den Voruntersuchungen vergrößerte Lymphknoten nachgewiesen oder ist die Erkrankung fortgeschritten, wird eine Entfernung aller Lymphknoten, die in der Abflussbahn des Hodens im hinteren Bauchraum liegen, durchgeführt.

    Je nachdem, welches Stadium sich in der Zusammenschau von Tumorgröße, Lymphknoten Befall, Einbruch von Tumorzellen in Lymph- und Blutbahn ergibt, ergänzt durch den Blutspiegel der Tumormarker-Bestimmung, werden weitere, sogenannte adjuvante (d.h.vorbeugende) Therapien vorgeschlagen oder nur eine engmaschige Kontrolle gewählt, um rechtzeitig Rückfälle (Rezidive) der Erkrankung zu entdecken und einer entsprechenden Behandlung zuzuführen; denn in frühen Stadien sind die meisten Patienten mit einer Operation bereits geheilt. Bei Seminomen wird zum Beispiel eine Bestrahlung, bei Nicht Seminomen eine Chemotherapie, im Stadium I alternativ die o.g. Lymphknotenentfernung vorgeschlagen.

    Da alle Behandlungen spezifische Auswirkungen/Nebenwirkungen haben, ist eine gute Beratung und Aufklärung vor jedem Therapieschritt sehr wichtig. Nach einer Hodenentfernung kann eine Silikonprothese eingesetzt werden – hier ist der richtige Zeitpunkt zu besprechen. Vor jeder Therapie muss über die Möglichkeit gesprochen werden, Chancen auf eigene Kinder zu wahren; denn die Fertilität (Fruchtbarkeit) kann durch verschiedene Maßnahmen gestört oder sogar genommen werden. Samen können aufbewahrt werden ( hier sind oft Kinderwunschzentren die Ansprechpartner und beraten auch über die Finanzierung einer solchen Maßnahme, die bisher nicht von den Krankenkassen übernommen werden). Wenn keine zeugungsfähigen Spermien im Samenerguss enthalten sind, können während der Operation Spermien aus dem Hoden entnommen werden zur Aufbewahrung. Vor der Operation wird der Testosteronspiegel bestimmt, damit bei Befallensein beider Hoden eine notwendige Hormonersatz Therapie gut eingestellt werden kann. Bei den noch jungen Patienten ist auch das Gespräch über Langzeitfolgen der vorgeschlagenen Therapien wichtig, hier ist immer eine langfristige Nachsorge Kontrolle sinnvoll.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst des urologischen Zentrums, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes

    (siehe „Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung“). Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswaldklinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden. Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung.

    Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

    Als Nebenwirkung der eingesetzten platinhaltigen Chemotherapien kann es zu Empfindungsstörungen im Bereich der Hände und Füße kommen, einer sog. Polyneuropathie. Hier kann eine konsequente ergotherapeutische Behandlung in Verbindung mit Elektrotherapie (Iontophorese mit Vitamin B Gel) gute Symptomlinderung und Rückbildung ermöglichen.

    Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Insbesondere nach einer Lymphknotenentfernung kann es trotz Nerv erhaltender Operationstechnik zu Ejakulationsstörungen kommen. Ein normales Liebesleben ist dennoch möglich, manche Männer sind aber durch den ausbleibenden Samenerguss verunsichert, fühlen sich nicht mehr als vollwertiger Mann. Hier ist oft allein das Zur-Sprache-Bringen entlastend. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin, CoEnzymQ10 Ginseng ,sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Rauchen verschlechtert das Ansprechen auf eine Bestrahlung oder Chemotherapie. Wir raten den Patienten deshalb oft zu einer Raucherentwöhnung, zu der in unserem Haus ein durch Akupunktur unterstütztes Angebot besteht.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Imagination bei Hitzewallungen

    Die Imaginationsübungen bei Hitzewallungen wurden von Psychoonkologinnen der Habichtswald-Klinik entwickelt und sollen Patientinnen (manchmal auch Männern) helfen, besser mit Hitzewallungen umzugehen, bzw. eine Besserung zu erlangen, sowohl im Klimakterium als auch in Zusammenhang mit Antihormonellen Therapien.

    Die PatientInnen werden, angeleitet von einer Psychotherapeutin, zunächst in eine Entspannung geführt. Dann geht es darum, die Atmung zu beobachten, die Hitze / Wärme auszuatmen und Kühle und Erfrischung einzuatmen.

    Über die Vorstellung von erfrischenden Bildern, z.B. ein Spaziergang am Meer, ein Bad in einem See gehen die PatientInnen in die innere Erfahrung von Kühle, was häufig eine direkte Auswirkung auf das vegetative Nervensystem und auf den Körper hat.

    Diese Erfahrung kann dann mit einem Wort oder einer Körpergeste verankert werden, sodass die PatientInnen die Kühle auch über diesen Anker zukünftig wieder abrufen können.

    Danach können die PatientInnen in einem gemeinsamen Austausch weitere Anregungen bekommen und Fragen stellen.

    Das stetige Üben (zweimal wöchentlich 30 Minuten in der Gruppe) bringt den TeilnehmerInnen Entlastung. Zumeist wird schon nach wenigen Übungen erlebt, dass Hitzewallungen kürzer und schwächer auftreten.

    In einer Promotionsarbeit an der Universität Göttingen wurden in einer Studie die Wirkungen der Imagination bei Hitzewallungen und des Autogenen Trainings verglichen, mit dem Ergebnis, dass das IKB bessere Wirkungen zeigt als Autogenes Training alleine.

  • Immunsystem

    Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk, bestehend aus verschiedenen Organen, Zelltypen und Botenstoffen. Es verhindert Gewebsschädigung durch Krankheitserreger und vernichtet fehlerhaft gewordene körpereigene Zellen. Der Name leitet sich von lat. immunis = unberührt, frei, rein ab.

    Es übt eine ständige Kontrollfunktion aus (Immunsurveillance = Immunüberwachung) und vernichtet dabei ständig auch entstehende Krebszellen in einem frühen Stadium, so dass Tumorerkrankungen verhindert werden.

    Verschiedene Zellen übernehmen spezielle Aufgaben. Dabei unterscheidet man:

    • Die angeborene Immunantwort. Zu diesem System gehören physiologische Barrieren (Haut, Schweiß und Sekrete, Schleimhäute und die Darmflora). Es findet eine zellvermittelte Gegenwehr (Phagozytose) statt. Ebenfalls kommt es zur Aktivierung bestimmter Stoffe (Komplementsystem, Botenstoffe). Die Immunantwort findet innerhalb weniger Minuten statt und ist durch die Erbinformation festgelegt. Dieses System arbeitet in einem „stand-by-modus“ und kann bei Fehlfunktion (anaphylaktische Reaktion) in kürzester Zeit zum allergischen Schock und Tod führen.
    • Die erworbene (adaptive) Immunantwort ist ein komplexes anpassungsfähiges System. Es ist in der Lage, spezifische Strukturen (Antigene) der Angreifer zu erkennen und gezielte Abwehrmechanismen zu bilden (zelluläre und molekulare Antikörper)

    Beide Systeme arbeiten eng zusammen.

    Für das Immunsystem ist von hoher Bedeutung, körpereigene gesunde von fremden oder kranken Zellen zu unterscheiden. Hierzu dienen Oberflächenmarker auf der Zelloberfläche. Diese sind bei jedem Menschen einzigartig. Bildlich gesehen tragen unsere körpereigenen Zellen einen „Personalausweis“, der dem Immunsystem ermöglicht, die Identität (zu uns gehörend) festzustellen. Zellen mit „gültigem Personalausweis“ werden also toleriert. Das HLA-System = Humanes Leukozyten Antigen-System stellt dabei den „genetischen Fingerabdruck“ dar. Tragen Tumorzellen einen „gültigen Personalausweis“ werden sie vom Immunsystem toleriert. Die Zellen des Immunsystems lernen in ihrem Reifungsprozess diese Unterscheidung. Gelingt dies nicht eindeutig, können Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma, Thyroiditis, Kolitis) entstehen. Da dies lebensbedrohlich sein kann, haben sich im Laufe der Evolution verschiedene Mechanismen entwickelt, die eine Immunantwort bremsen können.

    Zu den zellulären Bestandteilen des Immunsystems gehören:

    • Granulozyten (unspezifisches Abwehrsystem). Sie stellen den größten Teil der weißen Blutkörperchen dar. Sie enthalten verschieden anfärbbare Granula (Körnchen), welche Stoffe enthalten, die Krankheitserreger unschädlich machen und Entzündungsreaktionen fördern. Diese Stoffe spielen bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle. Sie können die Blutbahn verlassen und ins Gewebe einwandern. Ihre Lebensdauer ist kurz (ca. 7 Tage), sie dienen der „Einmalverwendung“. Damit gehören sie zu den am meisten produzierten Zellen unseres Organismus. Pro Minute entstehen im Knochenmark ca. 100 Mio. neue Zellen.
    • Makrophagen (unspezifisches Abwehrsystem). Sie werden auch Riesenfresszellen oder Monozyten genannt und aktivieren die spezifische Abwehrreaktion. Sie nehmen einen Erreger auf (Phagozytose) und zerlegen diesen in ihrem Inneren. Anschließend zeigen sie auf ihrer Oberfläche die zerlegten Teile (Antigen-präsentierende Zelle). Diese Strukturen werden dann von Zellen der spezifischen Abwehr (T-Helferzellen) erkannt und eine zielgerichtete Immunantwort kann erfolgen. Manchmal weisen diese Strukturen Ähnlichkeiten zu körpereigen Strukturen auf, dann können Autoimmunphänomene auftreten. Dies erklärt, warum manche Infektionskrankheiten Folgeerkrankungen verursachen (z.B. Rheuma nach Streptokokkeninfekt). Makrophagen fungieren als „Müllabfuhr“ und entfernen schädliche Stoffe (z.B. Teerablagerung aus Zigarettenrauch).
    • Natürliche Killerzellen. Sie stellen die erste Verteidigungslinie bei Infektionen oder Krebserkrankungen dar, da sie infizierte oder veränderte Zellen vernichten, ohne vormals Kontakt gehabt zu haben. Geht der „Personalausweis“ einer Zelle verloren oder wird unleserlich, erkennt dies eine NK-Zelle und vernichtet diese.
    • Dendritische Zellen Sie nehmen Krankheitserreger auf und wandern zum nächsten Lymphknoten. Dort zerlegen sie den Erreger und präsentieren die Antigene auf ihrer Oberfläche den T-Lymphozyten. Dabei genügt eine dendritische Zelle um 100-3000 antigenspezifische T-Zellen zu aktivieren.
    • T-Lymphozyten (spezifisches Abwehrsystem). Sie reifen in der Thymusdrüse heran. Auf ihrer Zelloberfläche tragen sie einen Rezeptor, mit dem sie fremde Strukturen (Antigene) erkennen (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Sie werden weiter nach ihren Merkmalen unterteilt (CD = cluster of differentiation). So werden heute ca. 300 immuntypische Oberflächenmerkmale unterschieden. Ihre Lebensdauer kann Jahre betragen.
    • T-Helferzellen (spezifisches Abwehrsystem). Sie kodieren die Immunantwort. Sie können Antigenstrukturen auf Makrophagen erkennen und stimulieren die Freisetzung von Botenstoffe (Lymphokine). Dadurch werden die B-Lymphozyten angeregt, Antikörper zu bilden.
    • Regulatorische T-Zellen (spezifisches Abwehrsystem). Sie unterdrücken eine überschießende Immunantwort. Ebenfalls sind sie für die Toleranzentwicklung gegen körpereigene Strukturen zuständig.
    • B-Lymphozyten (spezifisches Abwehrsystem). Sie entstehen im Knochenmark. Binden sie ein Antigen an ihren passenden Rezeptor, werden sie durch Botenstoffe der T-Helferzelle in eine antigenproduzierende Plasmazelle oder in eine „Gedächtniszelle“ verwandelt. Die B-Zelle kann im Gegensatz zur T-Zelle auch „freie“ Antigene erkennen und benötigt nicht die Präsentation durch das unspezifische Abwehrsystem. Die produzierten maßgeschneiderten Antikörper werden in das Blut abgegeben und bilden dort mit dem Antigen (Erreger) einen Antigen-Antikörperkomplex. Dadurch wird der Erreger inaktiviert (humorale Abwehr). Es gibt verschiedene Arten von Antikörpern. Sie können auch zur Diagnostik herangezogen werden, beispielsweise um unterscheiden zu können, ob eine frische Infektion vorliegt, oder eine Infektion (Kontakt) zu einem früheren Zeitpunkt stattgefunden hat. Sie finden diagnostische Anwendung bei szintigraphischen Untersuchungen (Immunszintigraphie) oder therapeutisch (Antikörpertherapie). Kreuzreaktionen und damit Allergieauslösung kann vorkommen.

    Während die Zellen des unspezifischen Abwehrsystems in kürzester Zeit reagieren, setzt die spezifische Immunantwort bei Erstkontakt oft erst nach Tagen ein. Bei erneutem Erregerkontakt ist über die nach Erstkontakt gebildeten Gedächtniszellen diese Reaktion beschleunigt und das Ausbrechen von Erkrankungen kann abgeschwächt oder verhindert werden (Impfprinzip).

    Eine Immunreaktion findet – unterstützt durch Botenstoffe – in der folgenden Reihenfolge statt:

    1. Durchbrechen mechanischer Barrieren
    2. Erstkontakt?
    3. Antigenpräsentierende Zelle nimmt Erreger auf
    4. T- und B-Lymphozyten werden aktiviert
    5. Antikörperbildung erfolgt
    6. Bildung von Gedächtniszellen

    Die Reifung des Immunsystems findet in den ersten Lebensmonaten statt. Kurz nach der Geburt kann das Immunsystem Krankheitserreger noch nicht effektiv bekämpfen. Der Säugling ist daher auf die Schutzfunktion mütterlicher Antikörper angewiesen (Nestschutz). Diese werden über die Plazenta (Mutterkuchen) und die Muttermilch zugeführt. Da bei vielen Säugetieren die Antikörper nicht plazentagängig sind, müssen sie mit der ersten Muttermilch (Kolostrum) aufgenommen werden, sonst kann das Neugeborene nicht überleben. Diese passive Immunisierung schützt etwa 3 Monate. In den ersten Lebensmonaten bereitet sich das Immunsystem dann auf die Abwehr von Erregern vor. Dies geschieht durch sogenannte negative Selektion. Das heißt, es werden nach dem Zufallsprinzip viele Millionen Abwehrzellen gebildet, von denen jede ein anderes Antigen erkennen kann. Im Anschluss werden solche Zellen eliminiert, die eine Immunreaktion auf körpereigene Strukturen veranlassen würden (Selbsttoleranz). Die T-Zellen reifen in der Thymusdrüse. Die Rückbildung dieser Drüse findet nach der Geschlechtsreife statt und ist mit dem 40. bis 50. Lebensjahr abgeschlossen. Daher steigt im Alter die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Störungen (Immunoseneszenz). Die Anzahl der Lymphozyten nimmt ab, dafür nimmt die Anzahl der unspezifischen Natürlichen Killerzellen zu.

    Man kann sich gut vorstellen, dass ein solch komplexes System mit einem hohen Zellumsatz sehr viel Energie und Nährstoffe verbraucht. Verschiedene Umstände oder Erkrankungen führen daher zu einer Störung des Immunsystems:

    • Angeborene Defekte
    • Erworbene Defekte (HIV-Infektion, medikamentös (z.B. Chemotherapie) bedingte Verminderung der Abwehrzellen, Immunsupression bei Strahlentherapie, Immununterdrückung durch Cortison, Umweltgifte)
    • Nährstoffmangel (Insbesondere Eiweißmangel (Proteinmangel) schränkt die Leistungsfähigkeit und Regenerationsbereitschaft ein)
    • Schlafentzug (fehlende Tiefschlafphasen)
    • Immobilität
    • Hypothermie
    • Autoimmunerkrankungen
    • Überschießende Immunantwort

    Stammzellen garantieren immer wieder den Nachschub von Abwehrzellen. Die immunsuppressive Wirkung einer Chemotherapie zeigt sich entsprechend der Lebensdauer der Zellen erst nach einigen Tagen. Dies bezeichnet man als Nadir (Tiefpunkt des Absinkens der Blutzellen). Eine vermehrte Infektanfälligkeit ist dann gegeben. Manchmal müssen dann wachstumsstimulierende Medikamente eingesetzt werden (z.B. Filgrastim, Neupogen®).

    Es gibt einen Zusammenhang zwischen individuellem Immunsystem und der Partnerwahl. Über unseren Geruchssinn kann die genetische Individualität und Verschiedenheit erfasst und bewertet werden.

    Die Entstehung von Krebs aus veränderten (mutierten) Zellen wird in der Regel durch unsere Immunüberwachung verhindert, sofern diese Zellen für unsere Abwehr erkennbar sind. Sie tragen – als im eigenen Körper entstandene Zellen – den o.g. „Personalausweis“ und sind so getarnt (immune escape). Durch Selektion können sich solche getarnten Tumorzellen weiter vermehren. Je weiter sich Krebszellen entwickeln, desto klarer unterscheiden sie sich dann aber auch von gesunden Zellen, so dass das Immunsystem wieder Angriffspunkte finden kann. Krebszellen sind jedoch in der Lage sich immer wieder anzupassen, da sie sich schnell vermehren und können sich so den Angriffen des Immunsystems entziehen. Sie können beispielsweise Botenstoffe bilden, die die Aktivität des Immunsystems herabmindern (siehe „Tumorentstehung“).

    Die meisten Tumorpatienten verfügen über ein intaktes und reagibles Immunsystem. Ziel der aktuellen wissenschaftlichen Forschung ist daher das „Kenntlichmachen“ von Tumorzellen, das bedeutet, für das Immunsystem Angriffsmöglichkeiten zu schaffen. Antikörper sind bei verschiedenen Erkrankungen schon seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz. Auch „Tumorimpfungen“ sind in Entwicklung und bereits bei einigen Tumorerkrankungen in klinischer Anwendung.

    Immunanregende naturheilkundliche Therapien (z.B. Misteltherapie) können zum Einsatz kommen, wenn eine Immuninsuffizienz vorliegt. Eine Blutuntersuchung kann darüber Aufschluss geben. Allergieentwicklung oder Überstimulation muss unbedingt vermieden werden. Hämato-onkologische Systemerkrankungen wie Leukämien, Plasmozytom oder Lymphome sollen nicht mit unspezifischen immunstimulierenden Medikamenten behandelt werden, da dies auch zur Wachstumsförderung erkrankter Zellen führen kann. Auch beim Melanom und Nierenzellkarzinom muss dies beachtet werden. (Siehe „Misteltherapie“)

    Ausgewogene Ernährung, körperliches Konditions- und Muskelkrafttraining sowie Stressreduktion und Entspannung optimieren unsere Körperfunktionen und damit das Immunsystem.

    Die Psychoneuroimmunologie ist eine Wissenschaft, die sich noch im Stadium der Grundlagenforschung befindet. Sie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Psyche, Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem. Es ließ sich nachweisen, dass Optimismus, verbessertes Selbstwertgefühl und intakte soziale Bindungen einen messbaren positiven Einfluss auf die Zellen und Botenstoffe des Immunsystems haben. Andererseits führt länger bestehende Depression zu einer Vermehrung von Immununterdrückenden Zellen (T-Supressorzellen) und zu einer Verminderung von Natürlichen Killerzellen. Diese Zellveränderung ließ sich durch Einnahme von Antidepressiva wieder verbessern. Positive Gefühle oder Lachen schaden nachweislich einer Erkrankung. Schon das Betrachten eines lustigen Films oder Singen bewirkt einen Anstieg verschiedener Immunzellen.

  • Juckreiz bei Tumorerkrankungen

    Juckreiz kann bei Tumorpatienten aus den unterschiedlichsten Gründen auftreten. Für die Patienten ist dies außergewöhnlich belastend. Durch eine gestörte Nachtruhe geht diese für die Regeneration so wichtige Zeit verloren.

    Um eine wirksame Therapie zu finden, muss zunächst die Ursache des Juckreizes festgestellt werden.

    Juckreiz kann unmittelbar in der Haut entstehen, entlang der Nervenfasern oder bei zentraler Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn. Auch psychogene Ursachen kommen in Betracht.

    Folgende Ursachen sind möglich:

    • Trockene Haut
    • Medikamentennebenwirkungen
    • Sekundär, also als Folge von Erkrankungen, die evtl. durch den Tumor ausgelöst sind. z.B. Rückstau von gelben Gallenfarbstoff (Cholestase) oder ungenügende Entgiftungsleistung der Niere (Urämie)
    • Einwandern von Tumorzellen in die Haut
    • Eisenmangelanämie
    • Durch den Tumor ausgelöster Juckreiz, ohne dass der direkte Mechanismus bekannt ist (paraneoplastischer Juckreiz)
    • Begleitende andere Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Milbenbefall oder Pilzbefall der Haut)

    Insbesondere bei hämato-onkologischen Erkrankungen kommt Juckreiz häufig vor (M.Hodgkin, Polycythämia vera, Sezary-Syndrom, Morbus Waldenström, Mycosis fungoidis, Plasmozytom und Leukämien).

    Trockene Haut ist häufig Folge von Chemotherapie, lokal auch von Strahlentherapie. Die Hautregeneration wird behindert. Eine hormonelle Umstellung durch „antihormonelle Behandlung“ bei Brustkrebs oder Prostatakrebs führt oftmals zu Hauttrockenheit.

    Sehr häufig führen Medikamente, die bei einer Tumorerkrankung gegeben werden, zu Hautjucken. In der Schmerztherapie eingesetzte Opiate gehören etwa dazu. Circa 1% der Patienten sind hiervon betroffen.

    Es können verschiedene Allergien entstehen, die für die Symptomatik verantwortlich sind, beispielsweise durch Medikamente, oft auch pflanzliche Präparate oder sogar Nahrungsmittel können dies auslösen. Auch hochdosierte Vitamin C-Gabe kann zu Juckreiz führen.

    Bestehen Lebermetastasen oder Lebertumore können diese auf die Gallenwege drücken, so dass das Gallensekret nicht mehr in den Darm abfließen kann. Auch vergrößerte Lymphknoten im Bereich der Leberpforte können dazu führen. Es kommt dann zu einer Gelbfärbung, sichtbar zunächst an den Augen, später auch der Haut. Der abgelagerte Farbstoff führt zu Hauttrockenheit und Juckreiz.

    Kommt es zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion (Urämie) werden über die Haut Stoffe transportiert, die Juckreiz fördern.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Entsprechend der gefunden Ursache kommen folgende Maßnahmen in Betracht:

    • Zur Basis gehört eine gute rückfettende Hautpflege. Bei der Hautreinigung sollten Seifen oder Lotion mit Parfümzusätzen vermieden werden. Auch viele Deodorants sind aufgrund von Zusätzen problematisch. Nach dem Duschen sollte die noch feuchte Haut mit rückfettenden Substanzen versorgt werden. Wir haben dabei sehr gute Erfahrung mit der Verwendung von Mandelöl machen können, da es als Lebensmittel frei von störenden Zusätzen ist. Zum Einsatz kommen auch Wannenbäder (Milch-Öl-Bad).
    • Eine gute ausgewogene proteinreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtig.
    • Da Wärme die Symptomatik verstärkt sind leichte und kühlende Kleidung und entsprechende Bettwäsche hilfreich.
    • Kühlende Einreibungen mit verdünntem Essigwasser verschaffen ebenfalls Linderung.
    • Kurzfristig können cortisonhaltige Salben eingesetzt werden.
    • Bei Cholestase sollte zunächst versucht werden, den Gallenabfluss wieder herzustellen. Hierzu kann endoskopisch ein dünnes Röhrchen in den aufgestauten Gallengang eingelegt werden. Ist dies nicht möglich, können verschiedene Medikamente gegeben werden Colestyramin, 4-8g 1-2x/Tag, unterbricht die Wiederaufnahme von Gallenfarbstoff aus dem Darm. Naltrexon, zunächst in niedriger Dosis gegeben, vermindert den Juckreiz. Naltrexon als Opiat-Antagonist darf jedoch nicht bei gleichzeitiger Gabe von Opiaten verabreicht werden.
    • Bei Urämie bedingtem Juckreiz kann eine UV B-Phototherapie Besserung bringen.

    Ebenfalls kann Naltrexon, 50-100mg 1x/Tag abends eingesetzt werden. Mirtazapin, ein Antidepressivum ist ebenfalls unterstützend wirksam (7,5-15mg abends).

    • Bei Polycythämia vera kann niedrig dosierte Acetylsalicylsäure eingesetzt werden.
    • Sind Lymphom-Erkrankungen die Ursache für Juckreiz, verschwindet dieser bereits durch eine erfolgreiche Therapie der Grunderkrankung. Cortisonpräparate oder auch Cimetidin werden erfolgreich eingesetzt.
    • Bei paraneoplastischem Juckreiz ist die Gabe von Paroxetin (5-20mg 1x/Tag) wirksam.
    • Bei Juckreiz durch eine Schmerztherapie (Opiate), sollte das Opiat zunächst gewechselt werden, was meistens zu einer Verbesserung führt.

    In der Palliativmedizin leiden ca. 15-20% unter Juckreiz. Dieser stellt eine erhebliche Belastung dar und verringert die Lebensqualität deutlich. Er verursacht seelische Beschwerden. Schließlich kann der Juckreiz sogar als Schmerz erlebt werden. Ein ständiger Juckreiz löst reflexhaft das Bedürfnis aus, sich zu kratzen. Dieser Kratzreflex lässt sich nicht willentlich unterdrücken. Durch häufiges und heftiges Kratzen kann es zu Hautverletzungen kommen, welche sich durch das Eindringen von Krankheitserregern entzünden können.

  • Kinesiotaping

    Was ist Kinesiotaping?

    Das Kinesiotaping des japanischen Arztes und Chiropraktikers Dr. Kenzo Kase wurde Ende der 1970iger Jahre nach Europa gebracht. Mittlerweile wird seine Methode bei uns sehr häufig eingesetzt. Gerade bei der letzten Olympiade konnte man im Fernsehen gut verfolgen, dass viele Sportler mit farbigen Pflasterstreifen beklebt waren. Häufig als sogenannte Igel-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) wird es von Ärzten, oft Orthopäden, aber auch Physiotherapeuten, Osteopathen und Heilpraktikern nicht ganz billig angeboten.

    Dr. Kenzo Kase experimentierte mit verschiedensten Materialien. Dabei stellte die Haut für ihn nicht nur die Begrenzung des Körpers dar, sondern er erkannte deren Funktion als unser größtes Reflexorgan. Die Muskulatur sah er als unterstützendes Element für Heilungs- und Regenerationsprozesse. Unterschiedliche Bewegungen der Muskulatur fördern die Mikrozirkulation, Wärmeproduktion und neuromuskuläre Verschaltung. Kinesiotapes bestehen aus einem hochwertigen Baumwollgewebe mit einem Acrylkleber. Dieser Kleber wird dabei wellenförmig aufgetragen, um Luft und Flüssigkeitszirkulation unter dem Tape zu ermöglichen. Der Kleber ist wasserfest, Duschen oder Schwimmen ist daher möglich. Die Klebefähigkeit kann jedoch durch Eincremen der Haut oder starke Schweißbildung (Sauna) beeinflusst werden. Daher sollte man eine Stunde nach dem Kleben keinen Sport treiben oder duschen. Dann kann sich der Kleber gut mit der Haut verbinden. Das Material ist sehr elastisch und kann in Längsrichtung bis auf 140% gedehnt werden. Die Tragzeit ist stark abhängig von dem geklebten Areal. Behaarte Haut sollte rasiert werden. Tapes kleben meist mehrere Tage, man trägt sie so lange, bis sie sich lösen. Baumwolle und Kleber sind hypo-allergen, nur selten kommt zu Hautreizungen.

    Im Gegensatz zum klassischen Taping, bei dem die mechanische Stabilität im Vordergrund steht, Bewegungsfreiheit und Mikrozirkulation daher eingeschränkt ist, besteht das Ziel des Kinesiotapings darin, die volle Bewegungsfreiheit von Haut, Gelenken und Muskulatur zu erhalten. Damit können körpereigene Heilmechanismen ermöglicht und aktiviert werden.

    Wirkweise des Kinesiotapings:
    • Die Haut ist in mehreren Schichten aufgebaut. Es finden sich Rezeptoren und Sensoren für Schmerz, Hitze, Kälte, Druck und Feuchtigkeit. Informationen über diese Strukturen werden an das Gehirn weitergegeben. Durch die Tapes findet lokalisiert eine Irritation an diesen Punkten statt. Durch die Klebe-Technik und Beschaffenheit der Tapes kommt es zu einer Faltenbildung. Damit kommt es zu einer bewegungsabhängigen Anhebung von Strukturen bis zur Muskulatur. Es entsteht so eine Mehrdurchblutung, Verbesserung der Stoffwechselleistung von Haut-, Binde- und Muskelgewebe.
    • Die verbesserte Mikrozirkulation fördert die Ausschwemmung von entzündungsfördernden und neuroaktiven Stoffen. So wird das Gewebe wirksam entstaut (antiödematöse Effekt)
    • Verbesserung des Lymphflusses durch Stimulation der Muskel-Venenpumpe.
    • Tapes bewirken eine Art sanfte Dauermassage der Muskulatur. Sie regulieren den Muskeltonus.
    • Durch die erhaltene Beweglichkeit wird der Stoffwechsel angeregt und durch den Wechsel von Druck und Zug die Heilung gefördert.
    • Die Tapes wirken durch die Haut auch auf die inneren Organe (viszerale Wirkung)
    • Durch Narbentapes können Störfelder und Missempfindungen beseitigt werden.
    • Durch Einbeziehung von Akupunktur- oder Triggerpunkten kann man gezielt Systeme beeinflussen.
    • Durch das Kleben von Tapes kommt es vermutlich zu einer Irritation der nervalen Wahrnehmung, sodass sich Informationen gegenseitig überlagern und neutralisieren. Damit erzielt man häufig eine sofortige Schmerzlinderung.
    • Unterstützung von Muskel und Gelenkfunktion durch funktionelle und mechanische Stabilisierung.
    • Über die Farbe der Tapes kann evtl. eine energetische Beeinflussung (Wellenlänge) erfolgen.

    Verschiedene Techniken werden entsprechend angewendet:

    • Muskeltechnik
    • Ligamententechnik
    • Faszientechnik
    • Lymphtechnik
    • Korrekturtechnik
    • Narbentechnik

    Kontraindikationen sind:

    • Nicht auf vorgeschädigte Haut kleben, offene Wunden, evtl. Neurodermitis
    • Allergische Reaktionen
    • Nicht bei Knochenhautentzündungen
    • Nicht auf Metastasen
    • Vorsicht bei Therapie mit blutverdünnenden Mitteln

    Die Anwendungen von Kinesiotapes erstrecken sich über die Aktivierung des gesunden Systems zur Leistungssteigerung beim Sport, der Sportfähigkeit von Patienten nach Operationen, zur Behandlung von Lymphödemen, unterstützend zur Schmerzbehandlung, Narbenbehandlung und muskulärer Verspannung. Keinesfalls können sie jedoch bei Fehlbelastung und Haltungsproblemen Krankengymnastik und Bewegungstherapie ersetzen.

  • Knochenmetastasen

    Was sind Knochenmetastasen?

    Als Metastasen bezeichnet man Streuherde oder Absiedelungen von bösartigen Geschwulsten in anderen Organen oder Geweben. Sie können an den unterschiedlichsten Stellen im Körper auftreten, viele Tumore streuen zunächst über die Lymphabfluss-Wege in die nächstgelegenen Lymphknoten, von dort aus in entferntere Lymphknoten, dann erst in die Blutbahn. Manche Tumore brechen sehr schnell in die Blutbahn ein und setzen so Metastasen.

    Sehr häufig sind die Leber, die Lunge und die Knochen die Organe, wo sich Metastasen ansiedeln. Insbesondere Zellen von Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs oder Schilddrüsenkrebs können zu Knochenmetastasen führen. Dies zeigt meist an, dass die Tumorerkrankung nicht mehr auszuheilen ist, es geht dann um eine palliative, d.h. symptomlindernde Behandlung. Je nach zugrunde liegender Tumorart und individuellen, nicht im Einzelnen sicher voraussagbaren Faktoren, kann diese palliativ betreute Lebenszeit über Wochen, Monaten bis auch zu mehreren Jahren anhalten. Hier spielt der Erhalt einer guten Lebensqualität eine ganz wichtige Rolle. Knochenmetastasen können leider sehr starke Schmerzen verursachen, die es rasch zu behandeln gilt. Als weitere Komplikation treten gelegentlich sogenannte pathologische (nicht durch äußere Gewalteinwirkung hervorgerufene) Knochenbrüche (Frakturen) auf. Hier ist besonders dann eine vorbeugende Behandlung wichtig, wenn tragende Anteile des Knochenskeletts zu brechen drohen oder wenn Nervenschäden und Lähmungen zu erwarten sind, wie etwa eine Querschnittslähmung bei Frakturen in Wirbelkörper.

    Bei einigen Erkrankten treten isolierte einzelne Knochenmetastasen auf, andere zeigen einen über das ganze Skelettsystem verteilten Befall auf. Dabei sind häufig die Wirbelsäule, das Becken und die Oberschenkel, die Oberarme, aber auch Rippen und Schädelknochen betroffen. Meist sind Metastasen nur in der harten Knochensubstanz vorhanden, bei ca. 15% ist auch das blutbildende Knochenmark diffus mit Metastasen durchsetzt mit der Folge von Blutarmut, Abwehrschwäche und Blutungsneigung durch die gestörte Blutneubildung.

    Man unterscheidet zwei Arten von Knochenmetastasen, die osteolytischen und osteoblastischen. Bei osteolytischen Metastasen kommt es zur Auflösung der Knochensubstanz durch eine vermehrte Aktivität der Knochen abbauenden Zellen, den Osteoklasten. Dadurch wird oft vermehrt Kalzium aus den Knochen gelöst und in das Blut ausgeschwemmt (das Fachwort heißt hier: Hyperkalziämie). Das kann zu einem Nierenversagen führen, zu Muskelschwäche, zu Halluzinationen, vermehrter Schläfrigkeit bis hin zum Koma. Osteolytische Metastasen werden manchmal erst durch die pathologische Fraktur auffällig. Diese Frakturen können aber auch bei den osteoblastischen Metastasen vorkommen, wo die Knochen aufbauenden Zellen, die Osteoblasten, vermehrt aktiv sind und zur Knochenverdichtung führen. So ist der Knochen weniger elastisch und kann dadurch ebenfalls schon bei kleinen Stößen oder bei Stürzen brechen.

    Neu aufgetretene Schmerzen im Knochenbereich oder in den großen Gelenken sollten immer bei Krebserkrankungen Anlass zu einer gezielten Diagnostik sein. Bei den Laborwerten kann   eventuell ein Kalziumanstieg entdeckt werden, ein Knochenenzym, die alkalische Phosphatase, ist meist erhöht. Ein Röntgenbild kann einzelne Metastasen nachweisen, sonst stehen die Knochenszintigraphie, die Computertomografie und der Kernspin (MRT) zur Verfügung. Als teures, aufwendiges und mit mehr an Strahlenbelastung verbundenes, aber sehr genaues Verfahren hat sich bei vielen Tumorarten auch das PET/CT erwiesen, eine Kombination mit Nachweis Stoffwechsel-aktivierter Knochenzellen mittels radioaktiv markierten Substanzen mit einer Computertomographie.

    Zur Behandlung von Knochenmetastasen stehen heute viele unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Nach Diagnosestellung wird rasch eine Behandlung mit Bisphosphonaten eingeleitet, die den Knochen stabilisieren. Sie können als Tabletten genommen werden, hier müssen einige Einnahmeregeln beachtet werden, meist erfolgt die Behandlung aber alle 3 bis 4 Wochen als Infusion. Sie ist recht gut verträglich, besonders wenn sie bei Erstgabe langsamer einläuft, sonst könnte es verstärkt zu Übelkeit und Kreislauferscheinungen oder Schmerzen im Skelettsystem kommen. Bei sehr eingeschränkter Nierenfunktion sind Bisphosphonate nicht anwendbar. In dieser Situation ist Denosumab (XGEVA), eine gute Alternative, ein humaner Antikörper, der in das komplizierte Gleichgewicht von Knochen – An- und -abbau eingreift. Denosumab wird alle 4 Wochen in das Unterhautfettgewebe (subcutan) gespritzt. Wie bei den Bisphosphonaten kann Denosuomab selten als schwere Nebenwirkung zu sogenannten Osteonekrosen führen, einem Gewebsuntergang von Knochen, insbesondere im Kieferbereich. Das Risiko ist besonders bei Zahnoperationen erhöht, deshalb müssen behandelnde Zahnärzte oder Kieferchirurgen immer über die Therapie mit diesen beiden Medikamenten informiert werden, damit entsprechende Schutzmaßnahmen wie eine kurze Antibiotikatherapie bei operativen Eingriffen durchgeführt werden. Beide Medikamente werden mit einer Gabe von Kalzium und Vitamin D3 begleitet, da sie durch vermehrten Knochenaufbau den Kalziumspiegel senken, es sei denn, sie werden wegen einer Hyperkalziämie (s.o.) gegeben. Regelmäßige Laborkontrollen des Kalziumspiegels und der Nierenwerte sind daher erforderlich. s. Patienteninformation Bisphosphonate und Patienteninformation Antikörper.

    Bei Frakturen oder bei besonderer Frakturgefährdung wird der Knochen durch eine Operation mit Einbringen künstlicher Materialien oder durch Strahlenbehandlung stabilisiert, eine gezielte Bestrahlung führt auch binnen weniger Tage zur Schmerzlinderung. Wenn die Knochenmetastasen an vielen Stellen vorkommen, ist oft eine Therapie mit radioaktiven kurzlebigen Substanzen, sogenannten Radionukliden wie Samarium sinnvoll. Das setzt aber die Anreicherung der Substanzen im Knochen voraus, was durch eine Skelettszintigraphie vorab geklärt wird.

    Eine zielgerichtete Therapie der zugrunde liegenden Krebserkrankung z.B. eine Chemotherapie oder antihormonelle Medikamente beim hormonsensiblen Brustkrebs oder Prostatakrebs, ist auch eine gute Behandlungsoption, die aber mehr Zeit bis zur spürbaren Wirkung braucht.

    Weiterführende Information finden Sie auch bei der Deutschen Krebshilfe im Internet, sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg und dem Krebsinformationsdienst.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der behandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha-Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes (s. Patienteninformation Anschluss-Heilbehandlung, Rehabilitation in der Onkologie). Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswald-Klinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden.

    Es besteht die Möglichkeit, eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second opinion“).

    In Kooperation mit einer Strahlen- und Nuklearmedizinischen Praxis kann eine Bestrahlung durchgeführt werden.

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden im Rahmen der Tumorerkrankung. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung (s. Patienteninformation Salutogenese). Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Eine gezielte Schmerztherapie ist meist bei Knochenmetastasen unumgänglich. Auch hierbei verfolgen wir ein multimodales Konzept, was Medikamentengabe, Physiotherapie und Entspannungsverfahren, besondere Massagen sowie psychotherapeutische Begleitung umfasst. Die Pflegekräfte unterstützen Sie, wenn Ihre Beweglichkeit eingeschränkt ist, sie erklären Ihnen die Bedeutung einer gewissenhaften Schmerzdokumentation als Grundlage der Behandlung.

    Bei den fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, wo meist die Knochenmetastasen entdeckt werden, ist oft eine Appetitlosigkeit, später auch eine Auszehrung (Kachexie) mit Gewichtsverlust und Muskelabbau vorhanden. Hier wird gezielt mit der Ernährung gegengesteuert, es können ergänzend zu den Mahlzeiten Energieträger und Eiweiß zugegeben werden. Manchmal ist eine sogenannte „Astronautenkost“, hochkalorische Trinklösungen, selten eine parenterale Ernährung (über die Vene oder einen Port) sinnvoll. Somit ist die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Unsere Ernährungsberater stehen Ihnen unterstützend bei und beraten Sie individuell.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue-Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann. Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie hilfreich, die die Einschränkungen durch das Vorhandensein der Knochenmetastasen berücksichtigt, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose einer fortgeschrittenen Krebserkrankung taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot. Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot, bei wenig mobilen Patienten besteht die Möglichkeit, unter Anleitung der Kunsttherapeuten sich auch auf dem Zimmer kreativ zu betätigen.

    Eine Sozialberatung, gerne auch mit Ihren Angehörigen, kann Themen wie Hilfsmittelversorgung, Anpassung der Wohnung, Pflegeversicherung oder Organisation von Hilfen zu Hause beinhalten. Auch Fragen nach einer Hospiz-Versorgung am Heimatort kann bei Bedarf zum Thema gemacht werden.

  • Kolorektales Karzinom - Darmkrebs

    In Deutschland ist Darmkrebs bei Männern und Frauen mittlerweile die zweithäufigste Krebserkrankung. Ca. 71.000 Menschen erkranken pro Jahr neu daran. In 95% entsteht der bösartige Tumor aus Drüsenzellen der Darmschleimhaut, deren Erbgut sich durch mehrere Mutationen im Verlauf von 10-15 Jahren verändert. Diese Mutationen entstehen spontan bei ca. 70% der Patienten, 18% weisen eine familiäre Belastung auf, 5-10% sind durch genetische Defekte verursacht, 5% durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Es bilden sich zuerst Schleimhaut-Wucherungen, sogenannte Polypen oder Adenome, welche dann im Lauf der Zeit über die Umwandlung in Krebsvorstufen entarten. (Häufiger als diese Adenome finden sich bei Darmspiegelungen allerdings unechte Polypen, sogenannte hyperplastische Polypen, die in der Regel kein Entartungsrisiko aufweisen.) Die meisten Patienten, bei denen ein kolorektales Karzinomen entdeckt wird , sind älter als 50 Jahre, im Durchschnitt 68-75 Jahre.

    Bei früher Erkennung des Darmkrebs können 90% der Patienten geheilt werden. In den letzten Jahrzehnten kam es in Deutschland einerseits zu einem Anstieg der Darmkrebsfälle, aber zu einem beeindruckenden Rückgang der Sterblichkeit an dieser Erkrankung.

    Einer der Gründe hierfür ist  das Krebs-Früherkennungsprogramm in Deutschland. Allen Krankenversicherten steht ab dem 50. Lebensjahr eine jährliche Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl (Hämoccult-Test) zu, ab dem 56. Lebensjahr alle 2 Jahre oder alle 10 Jahre eine große Darmspiegelung, eine sogenannte Koloskopie. Bei dieser Untersuchung können Polypen, die entdeckt werden, gleich abgetragen werden und feingeweblich untersucht werden. Sollte der Hämoccult Test positiv sein, d.h. Blut nachgewiesen werden, muss auf jeden Fall eine Koloskopie durchgeführt werden.

    Es gibt Risikogruppen in der Bevölkerung, d.h. sie haben ein höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken und erkranken deutlich früher. Hier muss das Früherkennungsprogramm schon früher beginnen.

    – Bei 5-10% der Darmkrebs Patienten liegen vererbbare genetische Faktoren vor wie das hereditäre, nicht polypöse kolorektale Karzinom Syndrom (HNPCC oder Lynch-Syndrom), die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und andere seltene Syndrome. Beim Lynch-Syndrom besteht zudem ein erhöhtes Risiko an Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs und Magenkrebs zu erkranken. Bei Verdacht auf diese Erkrankung kann in entsprechenden Zentren eine genetische Beratung erfolgen (Adressen sind über die Deutsche Krebsgesellschaft oder die Tumorzentren der Universitätskliniken zu erfragen).

    • Bei lang bestehender chronisch entzündlicher Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder die Crohn Erkrankung besteht ein höheres Entartungsrisiko und
    • wenn in einer Familie Verwandte 1. Grades (Eltern, Kinder) an einem Darmkrebs erkrankt sind, insbesondere wenn sie jünger als 60 Jahre bei Erstdiagnose waren.

    Als Risikofaktoren für jeden spielen Ernährungsgewohnheiten eine große Rolle: fettreiche Ernährung, großer Anteil an Fleisch und Wurstwaren, ballaststoffarme Kost, wenig Obst und Gemüse. Hoher Alkoholkonsum und Rauchen, Fettleibigkeit (Adipositas) und Bewegungsmangel sind ebenfalls nachgewiesene Risikofaktoren.

    Umgekehrt hat jeder Mensch die Möglichkeit, einem Darmkrebs vorzubeugen oder nach einer Erkrankung durch Änderung seines Lebenstils und der Ernährung einem Rückfall vorzubeugen. Ein Schutzfaktor ist eine höhere Calciumaufnahme mit der Nahrung. Acetylsalicylsäure und Coxibe in niedriger Dosierung scheinen ebenfalls zu schützen, so dass diese Medikamente bei Patienten mit genetisch erhöhtem Risiko im Rahmen von Studien eingesetzt werden.

    Warnsymptome, die auf einen Darmkrebs hinweisen, treten erst bei längerem Verlauf auf:

    Veränderte Stuhlgewohnheiten, etwa ein neu aufgetretener Wechsel von Verstopfung und Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, wiederholt zwingender Stuhldrang, oft ohne dass eine Entleerung folgt, Blutbeimengungen im Stuhl, Schleimauflagerungen – durch häufige Sickerblutungen bedingte Blutarmut oder Anämie, ein Darmverschluss, ungewollter Gewichtsverlust, Kräfteverfall können auf eine noch weiter fortgeschrittene Erkrankung hin weisen.

    Für die Therapie des Darmkrebs ist es wichtig, zwischen Kolonkarzinomen mit Sitz im Darmabschnitt vom Übergang des Dünndarms in den Dickdarm, im aufsteigenden, querverlaufenden und absteigenden Grimmdarm (Kolon) und dem s-förmigen Darm (Sigma) einerseits und andererseits dem Rektumkarzinom (Enddarm) zu unterscheiden. Diese Erkrankungen weisen viele Ähnlichkeiten auf, müssen aber unterschiedlich behandelt werden; da sie andere Lymphabflusswege und Blutversorgung aufweisen.

    Die Therapie erfolgt nach der interdisziplinären S3 Leitlinie, die ca. alle 4 Jahre aktualisiert wird.

    Für viele Patienten ist bei frühen Stadien der Erkrankung eine Operation ausreichend, 85% benötigen keinen künstlichen Darmausgang, bei Rektumkarzinomen ist hierfür der Abstand zum Schließmuskel entscheidend.

    Bei großen Tumoren und Streuung in Lymphknoten trägt bei Rektumkarzinomen vor einer Operation eine Bestrahlung in Kombination mit einer Chemotherapie zur deutlichen Verbesserung der Prognose bei (neoadjuvante Radio-/Chemotherapie). Bei Kolonkarzinomen ist bei großen Tumoren, Lymphknoten-Befall, bestimmten Risikokonstellationen und wenn der Tumor nicht vollständig mit Sicherheitsabstand entfernt werden konnte, eine Chemotherapie nach der Operation zur Prognoseverbesserung wichtig (adjuvante Chemotherapie).

    Das Vorgehen bei Streuung in andere Organe – meist Leber oder Lunge, seltener Knochen oder Bauchfell – kann eine operative Entfernung der Metastasen, eine systemische Chemotherapie, oft ergänzt durch weitere zielgerichtete Medikamente wie spezifische Antikörper oder Medikamente, die das Gefäßwachstum in Tumoren hemmen (Angiogenese Hemmer), beinhalten. Dies wird in Abhängigkeit von den feingeweblichen Untersuchungen passgenau eingesetzt. Diese Therapiemöglichkeiten haben erheblich zur Prognoseverbesserung in dieser Situation beigetragen.

    Weiterführende Information finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe im Internet sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, beim Krebsinformationsdienst oder bei Stomaanlage.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der behandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes (s. Patienteninformation Anschluss-Heilbehandlung, Rehabilitation in der Onkologie). Es kann im Rahmen des Aufenthaltes in der Habichtswaldklinik eine Chemotherapie begonnen bzw. fortgesetzt werden.

    Es besteht die Möglichkeit, eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung. Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Hierbei setzen wir komplementär (ergänzend zu schulmedizinischen Therapien) gezielt nahrungsergänzende Stoffe ein, z.B. Selen und pflanzliche Enzyme bei Schwellungszuständen nach Operation oder Bestrahlung. In Studien konnte beispielsweise durch die Gabe von Calcium und Vitamin D die Rückfallquote nach Darmkrebs gesenkt werden. Begleitend werden bei Schwellungszuständen Lymphdrainagen durchgeführt, es werden spezielle krankengymnastische Übungen zur Unterstützung des Lymphabflusses erlernt, auch Reflexzonenmassagen können unterstützend eingesetzt werden. Sehr gute Erfahrung machen wir mit der Anlage von Lymphtapes.

    Nach der (End-)Darmoperation kann es vorübergehend zu Schwierigkeiten kommen, den Stuhl zu halten (Inkontinenz). Hier ist ein gezieltes Beckenbodentraining durch die Physiotherapeuten hilfreich.

    Als Folge einer notwendigen Bestrahlung kann es auch zu Schädigungen der im Strahlenfeld liegenden Organe wie Darm – insbesondere der Enddarm – der Harnleiter und der Harnblase kommen. Hier ist bei Auftreten von Durchfällen eine diätetische Behandlung sinnvoll neben der Gabe von krampflösenden und den Stuhl andickenden Medikamenten. Wenn der Enddarm betroffen ist, werden entzündungshemmende Medikamente, z.B. als Zäpfchen oder Einläufe eingesetzt.

    Wenn vorübergehend oder dauerhaft eine Ableitung von Stuhlgang über ein sogenanntes Stoma erforderlich wurde, unterstützen sie die Stomatherapeuten der Pflege im Erlernen der Handhabung, vermitteln Ihnen so ein sicheres und entspanntes Umgehen mit dem künstlichen Stuhlausgang. So kann ein allmähliches Akzeptieren der durch die Therapie bedingten Körperveränderung entstehen.

    Das Thema Sexualität und Krebs ist uns wichtig. Gerade bei Anlage eines Stomas sind viele Patienten sehr verunsichert und meinen, sich so einem Partner nicht zumuten zu können. Im vertrauensvollen Gespräch mit ihren Ärztinnen/ihrem Arzt sowie mit den Psychotherapeutinnen können viele Fragen geklärt werden und Mut gemacht werden zu einem befriedigenden Sexualleben. Bei Operationen des Enddarms kann es zu Störungen der Nerven kommen, die für eine Erektion erforderlich sind. Hier können im Gespräch Hilfen aufgezeigt werden.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann gerade beim Darmkrebs viel zur Stärkung des Körpers sowie zur Vorbeugung von Rückfällen beitragen. Das Erreichen eines Normalgewichts ist ein Schutzfaktor, der für viele nur schwer erreichbar ist. Hier bieten die Ernährungsberater eine sehr hilfreiche ernährungspsychologisch fundierte Beratung an. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, oft ist bei speziellen Problemen eine individuelle Ernährungsberatung erforderlich. Wir bieten verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen, die allerdings stärker gewürzt ist, somit nicht für alle Darmkrebs-Patienten geeignet ist. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

    Chemotherapeutika wie Oxaliplatin, die bei Darmkrebs eingesetzt werden, können zu einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie führen. Diese bildet sich oft nur zögerlich zurück, was zu Schmerzen und alltagsrelevanten Einschränkungen führen kann. Elektrotherapie führt zu gesteigerter Erregbarkeit der betroffenen Nerven durch zelluläre Elektrolytverschiebung. Eingesetzt werden TENS, Reizstromtherapie und eine speziell entwickelte Form der Iontophorese.

    Physiotherapie zur Behandlung von Koordinationsproblemen, Verbesserung der Stand- und Gangsicherheit, Erlernen von Übungen für zu Hause.

    Im Rahmen der Ergotherapie werden an den Händen und Füßen mechanische Reize gesetzt durch Kontakt mit unterschiedlichsten Materialien. Das Kennenlernen von Hilfsmitteln (wie Bürsten, Igelbälle, Fußrollen) ist wichtig, um die erlernten Übungen zu Hause fortsetzen zu können.

    Das Rauchen zählt zu den Risikofaktoren des Darmkrebs. Wir raten den Patienten zu einer Raucherentwöhnung, zu der in unserem Haus ein durch Akupunktur unterstütztes Angebot besteht.

    Da Bewegungsarmut ebenfalls ein Risikofaktor für Darmkrebs ist, unterstützen sie die Physiotherapeuten gezielt bei der Wiederaufnahme sportlicher Betätigung.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue-Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Für Fragen einer beruflichen Wiedereingliederung, über Nachteilsausgleich bei Schwerbehinderten oder bezüglich weiterer Versorgung am Heimatort stehen Ihnen unsere Sozialberater zur Verfügung.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Kopf-Hals-Tumore

    Was sind Kopf-Hals-Tumore?

    Kopf-Hals-Tumore gehören zu den weltweit zehn häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. In Deutschland werden jährlich ca. 20-25.000 Neuerkrankungen diagnostiziert und gehören hier zu den vierthäufigsten Krebserkrankungen.

    Zu den Kopf-Hals-Tumoren zählt man Tumoren des Rachens (Pharynxkarzinome), des Kehlkopfes (Larynxkarzinome) – am häufigsten unter den Kopf-Hals-Tumoren – , der Lippe und der Mundhöhle einschließlich der Mandeln (Tonsillenkarzinome). Sie gehen aus der ortsansässigen Schleimhaut, dem Plattenepithel, hervor. Seltener gibt es Tumoren der Nase und deren Nebenhöhlen, der Speicheldrüsen und der Schilddrüse.

    Erste Symptome von Kopf-Hals-Tumoren können – je nach Sitz des Tumors – Schluckbeschwerden, Schwellung am Hals, Heiserkeit ohne Vorliegen eines Infektes, chronischer Husten, eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge sein.

    Als Risikofaktor ist an erster Stelle das Rauchen zu nennen, insbesondere in Kombination mit höherprozentigem Alkohol, der das Eindringen von Kanzerogenen des Tabakrauchs in die Schleimhaut erleichtert. Ein weiterer Kofaktor (nicht Ursache) ist das Humane Papilloma Virus (insbesondere der Subtyp HPV 16), wo auch in Deutschland steigende Neuerkrankungsraten vorliegen. Besonders wichtig ist die Beachtung von sogenannten „Weißschwielen“, Leukoplakie genannt: weißliche, nicht abwischbare Schleimhautbezirke meist im Mund, Rachen und Kehlkopfbereich. Diese sind als Präkanzerose zu verstehen, d.h. Krebsvorstufen. Selten kann ein berufsbedingter Kontakt mit Schadstoffen wie Asbest, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe u.ä.) zur Krebsentstehung führen, noch seltener radioaktive Strahlen oder ein schwer geschwächtes Immunsystem etwa nach Transplantationen.

    Zur Diagnosesicherung werden in Narkose Spiegelungen der oberen Luftwege und Speisewege durchgeführt und Gewebeproben entnommen. Bei der Ultraschalluntersuchung (Sonografie) wird die Ausdehnung des Tumors und ein möglicher Befall der Nachbarlymphknoten untersucht, eine exakte Bestimmung der Ausbreitung gelingt mit Computertomografie oder Kernspinn (MRT). Nur in besonders schwierig zu beurteilenden Situationen wird auch ein Positronen-Emissions-Tomogramm (PET) eingesetzt.

    Die Prognose der Erkrankten hängt davon ab, wie früh ein Tumor entdeckt werden konnte und welche Behandlungsmöglichkeiten angeboten werden können.

    Mit einer Operation bietet sich eine Chance auf Heilung. Befallene Lymphknoten werden am Hals entfernt (im Rahmen der sogenannten neck dissection). Bei ungünstig liegenden und ausgedehnten Tumoren müssen Patienten mit kosmetischen Beeinträchtigungen rechnen, hier sind später plastisch-chirurgische Operationen erforderlich. Leider ist es beim Kehlkopfkrebs in vielen Fällen nicht möglich, diesen zu erhalten.

    Manchmal werden Tumore in Kombination mit einer Chemotherapie zuvor bestrahlt, um eine Verkleinerung zu erreichen, diese Therapie wird auch bei inoperablen Tumoren eingesetzt.

    Eine Bestrahlung als adjuvante (d.h. einem Rückfall vorbeugende) Behandlung kommt dann zum Einsatz, wenn ein Tumor nicht vollständig oder nur knapp im Gesunden entfernt werden konnte. Auch bei nachgewiesenem Lymphknotenbefall wird nachbestrahlt.

    Eine alleinige Chemotherapie wird meist bei Rückfällen oder metastasierten, d.h. gestreuten Tumoren eingesetzt, oft als Kombinationschemotherapie.

    Zielgerichtete Therapie, d.h. Medikamente, die in Stoffwechselwege eingreifen und so Tumorwachstum bremsen können, werden zur Verstärkung der Strahlen- und Chemotherapie eingesetzt. Als Beispiel wäre Cetuximab, ein Antikörper gegen die Zielstruktur EGF (epithelialer growth factor= Wachstumsfaktor) zu nennen, weitere Medikamente werden in Rahmen von Studien erprobt.

    Weiterführende Information finden Sie auch bei der Deutschen Krebshilfe im Internet, sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg und dem Krebsinformationsdienst.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Primärtherapie erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst des vorbehandelnden Zentrums. Ebenfalls kann eine Rehabilitations-Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder eine stationäre palliativ-medizinische Betreuung erfolgen.

    Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen.

    Unser Behandlungskonzept ist ganzheitlich orientiert, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation oder Strahlen- und Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern so die Gesundung.

    Besonders nach Bestrahlung der Mundhöhle leiden Patienten unter einer Mukositis = Schleimhautentzündung, die anfänglich zum Teil sehr schmerzhaft ist.

    Hier sind eine konsequente interdisziplinäre Schmerztherapie und eine angepasste Kostform erforderlich, eventuell unterstützt durch hochkalorische Nahrung, sogenannte „Astronautenkost“ oder zusätzliche Ernährung über die Vene oder über einen Port. Die Ernährungsberater setzen auch naturheilkundliche Verfahren ein, wie beispielsweise Ölspülungen vor den Mahlzeiten. Der Verzicht auf Nikotin und Alkohol trägt ebenfalls zur Abheilung bei.

    Schwellungen im Operationsgebiet, Lymphödeme, werden mit Lymphdrainagen, ggf. unterstützt durch spezielles Lymphtaping behandelt. Tapes sind spezielle Gewebebänder, die auf die Haut aufgeklebt werden und so den Abfluss der Lymphe(= Zwischengewebswasser) bei jeder Muskelbewegung fördern.

    Logopäden aus einer Kooperationspraxis behandeln bei Schluckstörungen oder Sprachstörungen nach Kopf-Hals-Tumor Behandlung. Dies kann in der Klinik oder in den Praxisräumen erfolgen.

    In der Verarbeitung der Diagnose und der Annahme der Erkrankung steht den Patienten das Team der Psychotherapeuten hilfreich zur Seite.

    Vorträge zu Krebsentstehung, komplementär begleitenden Therapien sowie Angstbewältigung helfen ebenfalls das Geschehen einzuordnen. Themen wie Salutogenese, die Bedeutung von Bewegung bei Krebserkrankung u.a. richten den Blick mehr in die Zukunft und zeigen Ansätze auf für mehr Selbstfürsorge.

    Das durch Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue-Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann. Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie hilfreich, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin, CoEnzymQ10, Ginseng sowie eine psychoonkologische Begleitung.

    Die Auswirkung der Erkrankung auf soziale Bezüge, z.B. am Arbeitsplatz kann Thema einer Beratung des Sozialdienstes sein, immer unter Berücksichtigung unterschiedlicher individueller Faktoren. Bei Renten- und Pensionsfragen, beruflicher Wiedereingliederung, Schwerbehinderten-Recht oder auch häuslicher Versorgung finden Sie hier Unterstützung.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

  • Krebs und Ernährung

    In Studien wird darauf hingewiesen, dass verschiedene Krebsarten einen Zusammenhang zur Ernährungsweise ergeben. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation sind 37% aller Krebs-Todesfälle auf Lebensmittel zurück zu führen, davon 35% auf Ernährungsverhalten. Im vorliegenden Übersichtsartikel wird auf die verschiedenen Situationen der Krebserkrankung eingegangen.

    Zum einen kann die Ernährung präventiven Charakter haben und somit eine Krebserkrankung verhindern. So sind Zusammenhänge mit Überernährung, Übergewicht, Übermaß an bestimmten Lebensmitteln wie Fett, Eiweiß, Alkohol, ein Zuwenig an Vitaminen und Mineralstoffen sowie Schadstoffe aus der Umwelt Faktoren, die eine Krebsentstehung fördern.

    Der Fettkonsum hat u.a. eine Bedeutung für das Krebsrisiko. So werden zum einen die Stoffwechselwege beeinflusst, zum anderen aber auch effiziente Reparaturmechanismen möglicherweise gehemmt.

    Daneben gibt es mehrere, wissenschaftlich begründete Aussagen über Nahrungsmittelzubereitung und toxische Substanzen, die bei Meidung oder Verminderung des Konsums eine gewisse Krebs-Prävention darstellen (z.B. Aflatoxine, Benzpyrene, Pyrolyseprodukte, Nitrosamine).

    Ernährung bei Krebstherapie

    Die Ernährung unter der Krebstherapie, besonders im Rahmen der Diagnostik vor operativen Eingriffen und nach diesen, im Rahmen von Chemotherapie und Immuntherapien bedarf einer besonderen Betrachtung. Es ist allgemein zu beobachten, dass in diesen Situationen die Nahrungsaufnahme zu gering ist. Es ist wichtig, dass hier ausreichend Nahrungssubstitution durchgeführt wird – so früh wie möglich, wenn notwendig auch über parenterale (intravenöse) Zugänge. Bei oraler Nahrungsaufnahme kann die zusätzliche Gabe von Eiweiß und Kohlehydraten notwendig sein, auf eine Fettsubstitution kann oft noch verzichtet werden. Auch die Gabe von Vitaminen, fett- oder wasserlöslich, sollte nur für die parenterale Ernährung vorbehalten sein.

    Es ist schnell Gewicht reduziert, aber es braucht lange Zeit Gewicht wieder aufzubauen. Dieser Grundsatz sollte im Rahmen der Krebsbehandlung als sehr ernst im Vordergrund stehen. Des Weiteren ist bekannt, dass bei Gewichtsreduktion auch die Immunabwehr und die Verträglichkeit von Therapien schlechter wird. Die supportive Ernährung muss immer berücksichtigen, dass bei laufenden Chemotherapien, Immuntherapien Interaktionen entstehen können, die evtl. die Wirkung auf der einen oder anderen Seite verstärken oder abschwächen kann (z.B. durch Spurenelemente, hochdosierte Vitamine).

    Sekundäre Prävention

    Die sekundäre präventive Ernährung nach einer Krebstherapie ist das, was häufig im Rahmen der Nachsorge im Vordergrund steht. Der Patient hat den Wunsch, seine Kostform und Ernährung zu ändern, um ein weiteres Ausbreiten oder Wiederauftreten der Tumorerkrankung zu verhindern. Hier werden zahllose Diätformen angeboten, die oft eine einseitige Kostform darstellen und somit letztlich zu Mangelernährung führen können.

    Eine Krebsdiät, die den Krebs oder die Ausbreitung verhindert gibt es nicht.

    Generell ist zu empfehlen, hin zu einer „mediterranen“ Kost zu kommen. Es gibt Ernährungs-Highlights, die zumindest eine unterstützende, für den Organismus stabilisierende Wirkung haben. Hierzu zählen z.B. Kohlformen wie Broccoli, Knollen wie Artischocken, Obst wie Heidelbeeren, Ananas aber auch Ingwer, Sonnenblumenkerne, Walnuss und Fisch.

    Es ist einfach, sich über den Nahrungseinkauf Gedanken zu machen, hierbei frische Kost zu kaufen, möglichst zu verzichten auf abgepackte Nahrungsmittel, das Haltbarkeitsdatum zu beachten und auf Bio-Kost wechseln. Beim Einkauf immer nur geringe Mengen kaufen, nicht im Zustand des Hungerns, sondern in gesättigtem Zustand einkaufen.

    Ebenso kann man sich bei der Nahrungszubereitung Wege aussuchen, die eine schonende Nahrungszubereitung garantieren. Braten, anbraten, toasten, grillen unter bestimmten Voraussetzungen, kein gepökeltes Fleisch, fettreduziert die Nahrung zuzubereiten.

    Auch bei der Nahrungsaufnahme kann man Gewohnheiten ändern. Schnelles und übermäßiges Essen ist gesundheitsschädigend, das Essen sollte zelebriert werden, sich genügend Zeit lassen beim Essen und den zirkadianen Rhythmus – morgens gutes Frühstück, mittags ausreichendes Essen, abends noch durchaus sättigendes Essen – beachten.

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin empfiehlt mittels der Nahrungsmittelpyramide die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme als Basis. Weiterhin empfiehlt sie regelmäßige sportliche Aktivität, mindestens sechsmal in der Woche eine halbe Stunde moderaten Sport, damit die Stoffwechsellage auch angeregt wird. Weiterhin ist zu empfehlen, gerade nach einer Krebserkrankung, in psychologisch ausgeglichener Situation zu essen. Unter Stress oder Belastung wird der Wunsch nach problematischen Nahrungsmitteln (Süßigkeiten, Alkohol) sehr groß.

    Tertiäre Prävention

    Bei einer bestehenden Tumorerkrankung, die nicht kurativ behandelt worden ist, sind die Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme und der Ernährung sehr breit. Hier können von den Grundsätzen der Sekundärprävention – wie im Vorabschnitt genannt – beginnend bis hin zur Wunschkost alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Bei den Palliativpatienten muss evtl. besondere Rücksicht genommen werden auf Primärtherapie-Folgen (z.B. Magenentfernung, AP-Anlage etc.), deren Folgen man zusätzlich beachten muss.

    Hier ist die Supplementierung von Nahrungsmittelergänzern möglich, solange keine Chemotherapie läuft, hier wieder ebenso unter Beachtung möglicher Interaktionen dieser Supplementierung untereinander und ggf. mit primären Therapien.

    Bei Palliativpatienten ist letztlich eine Wunschkost durchaus zu vertreten.

    Im Rahmen der Ernährung muss beachtet werden, dass die Nahrungsmittelzubereitung, -aufbewahrung und der Transport zunehmend in das Blickfeld der Wissenschaft gerät und mögliche Interaktionen, Umweltbelastungen zu erwarten sind. Es wird auf z.B. Plastikverpackungen, Haltbarkeitsmittel, Stabilisatoren u.ä. hingewiesen.

    Letztendlich besteht ein großer Bedarf an weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen, um die hohe Anzahl ernährungsbedingter Tumorerkrankungen weiter einzugrenzen und deren Ursachen heraus zu finden. Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten wird eine zwingende Notwendigkeit der Zukunft sein.

  • Krebsentstehung

    Wie entsteht Krebs?

    Die allgemeine Bezeichnung „Krebs“ für eine maligne (bösartige) Tumorerkrankung stammt aus dem Altgriechischen. Im 2. Jh. n. Chr. prägte Galenus von Pergamon die Bezeichnung, indem er bemerkte, dass Brusttumoren in ihrem Aussehen dem Körper eines Krebses ähnelten.

    Krebserkrankungen kommen bei Menschen, Tieren und sogar Pflanzen vor. Sogar an Knochenfunden von Dinosauriern ließ sich nachweisen, dass diese Tiere an Krebs litten. Krebs kann in allen Organsystemen sowie im Blut- und Lymphsystems des Körpers entstehen. Man kann ca. 300 verschiedene Krebsarten unterscheiden. Ist es zu einer Metastasierung (Absiedlung) gekommen, wird immer die Bezeichnung des „Ursprungstumor“ beibehalten (z.B. Knochenmetastasen eines Brustkrebses und nicht „Knochenkrebs“). Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass die Zahl der diagnostizierten Krebserkrankungen bis 2030 um ca. 50% zunehmen wird. Höheres Lebensalter und verbesserte Frühdiagnostik tragen dazu bei. Hat man früher eine Krebserkrankung häufig erst erkannt, wenn sie bereits sehr fortgeschritten war und zu Symptomen geführt hat, „entdecken“ unsere modernen diagnostischen Verfahren oftmals eine Tumorerkrankung schon in sehr frühem Stadium. Auch „Vorstufen“ einer Krebserkrankung werden erkannt und können gezielt behandelt werden. Gerade eine gute Frühdiagnostik für Brustkrebserkrankungen, Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs und Hautkrebs kann die Sterblichkeit für diese Erkrankungen deutlich vermindern. Möglicherweise besteht hier jedoch ein Dilemma, denn es stellt sich auch die Frage, wann und ob eine Frühform von Krebs zu behandeln ist. Neue Erkenntnisse der Tumorbiologie zeigen, dass Krebszellen vielfach in unserem Organismus entstehen, aber keinen Schaden anrichten, da wir selbst über einige sehr wirksame Abwehrmechanismen verfügen. Kommt es zu einer Krebserkrankung, kann sich diese ganz unterschiedlich entwickeln. Es kann zu einem raschen Wachstum mit Metastasierung kommen, es kann jedoch auch sein, dass die Erkrankung nur sehr langsam fortschreitet oder es sogar auch zu einer „Rückentwicklung“ kommen kann. Wir müssen, wenn wir eine Krebsdiagnose stellen, herausfinden, welche tumorbiologischen Eigenschaften die Zellen besitzen, damit eine individuelle Behandlung erfolgen kann. Gerade wenn es um die Behandlung von Präkanzerosen (Vorstufen) oder auch um die Planung einer adjuvanten (unterstützenden, vorbeugenden) Therapie geht, ist dies von großer Bedeutung.

    Betrachtet man die statistischen Zahlen zu Neuerkrankungen und Überlebenschancen (zusammengefast für alle Tumordiagnosen unabhängig vom Tumorstadium), wird sehr deutlich, dass sich in der Periode 2000-2004 gegenüber 1970-1974 die 5-Jahresüberlebensraten für Männer verdoppelt haben und fast zwei Drittel der betroffenen Frauen überleben. Das sind sehr ermutigende Zahlen. Neue therapeutische Verfahren wie z.B. Antikörpertherapien, neue Zytostatika oder „zielgerichtete“ Therapien tragen zu einer weiteren Verbesserung bei. Die Erforschung der molekularen Grundlagen einer Tumorerkrankung gehört zu den am intensivsten betriebenen Wissenschaftsfeldern.

    Ist man selbst betroffen, stellt sich häufig die Frage nach der Ursache und dem Warum.

    Die Ursache für die Entstehung einer Krebserkrankung ist Vermehrung von Zellen. Der Mensch besteht aus ca. 60.000 Milliarden Zellen. Jede Zelle enthält in ihrem Zellkern die gesamte Erbinformation. Träger dieser Information ist die DNA (Desoxyribonukleinsäure). Diese ist so klein aufgespult, dass sie in den Zellkern passt und dort als Chromosom zu finden ist. Stellt man sich diese DNA als langen Faden vor, würde diese ca. 2 m messen, hätte also eine enorme Länge. Jede Zelle nutzt jedoch nur einen kleinen Teil der Erbinformation – je nach ihrer Spezialisierung. Kommt es zu einer Zellteilung, muss die gesamte Erbinformation genau kopiert werden und auf die Tochterzellen verteilt werden.

    Man kann sich folgendes Bild gut vorstellen: Der Umfang unserer Erbinformation gleicht einem dicken Telefonbuch. Diese Menge an Zahlen und Namen muss also korrekt abgeschrieben werden (Zellteilung). Dies passiert tausendfach am Tag. Dabei kann es zu „Abschreibfehlern“ kommen. Das passiert keineswegs selten sondern so häufig, dass wir mit einigen Möglichkeiten für eine „Reparatur“ ausgestattet sind. Unser Telefonbuch enthält verschiedene Kapitel. So könnten beispielsweise die Einträge unter dem Buchstaben A den Ablauf der geregelten Zellteilung beinhalten, unter B die Informationen und Baupläne zur Reparatur, usw. Treten also beim Abschreiben Fehler auf, ist es von großer Bedeutung, wo sie stattfinden, das heißt in welchem Kapitel. Einzelne Fehler richten in der Regel auch keinen Schaden an. In der Summe können sie jedoch die Grundlage einer Krebserkrankung darstellen. Es ist dann zu einer genetischen Veränderung (Mutation) in der Zelle gekommen. Im Alter nimmt die Anzahl der Mutationen zu, es kommt zu einer Addition, was dazu führen kann, dass ganze Textstellen (also vielleicht alle „Müllers“) unleserlich werden. Normalerweise sterben Zellen ab, die fehlerhaft, geschädigt oder zu alt sind. Sie begehen einen sogenannten „programmierten Zelltod“ (Apoptose). Aber auch dieser Vorgang ist in einem Kapitel festgelegt und muss leserlich bleiben, damit die Apoptose stattfinden kann. Ist dies nicht der Fall, kann eine fehlerhafte mutierte Zelle unkontrolliert weiter wachsen und gibt diesen Fehler auch an ihre Tochterzellen weiter. Oftmals kommt es dann im Verlauf noch zu weiteren Veränderungen und die Zelle entfernt sich immer mehr vom Zellbild einer gesunden Zelle. Aber nicht nur die Veränderung der DNA kann zu einer Krebszelle führen, sondern auch eine Schädigung der „Verpackung“, also des Schreibpapiers in unserem Telefonbuch. Ist dies z.B. löchrig, können die Buchstaben nicht richtig erkannt werden.

    Die Entwicklung einer einzelnen Krebszelle zum Tumor kann nur stattfinden, wenn das Gewebe mit Nährstoffen versorgt wird. Dies geschieht über das Wachstum von Blutgefäßen (Angiogenese). Die Tumorzellen können selbst durch Produktion von Wachstumsfaktoren dafür sorgen. Bis es ausgehend von einer einzelnen mutierten Zelle tatsächlich zu einer Krebsdiagnose kommt, vergehen oft viele Jahre. Bei Brust- oder Darmkrebst kann das 10-20 Jahre dauern. Bei manchen Tumorarten, insbesondere den akuten Leukämien, kann diese Entwicklung jedoch auch nur wenige Monate dauern. Dies liegt an der unterschiedlichen Teilungsbereitschaft unserer Zellen.

    Ein weiterer wichtiger Schutz vor Krebsentstehung ist unsere „Immunüberwachung“. Ständig prüfen Zellen des Immunsystems unsere Zellen. Schadhaftes wird entfernt, Erreger (Bakterien/Viren/Pilze) werden erkannt und vernichtet. Krebszellen kann unser Immunsystem nur dann aufspüren, wenn diese als „fremd“ zu erkennen sind. Da sie sich jedoch aus vormals ganz normalen Zellen entwickeln, tragen sie auch meist die „äußeren“ Merkmale dieser gesunden Zellen. Sie bleiben damit für unsere Abwehr unerkannt. Dies erklärt, warum man bei Patienten, die an einer Tumorerkrankung leiden, oftmals überhaupt keine Hinweise für ein „krankes oder schwaches“ Immunsystem findet.

    Was also unterscheidet Tumorzellen von gesunden Zellen?

    Ein Modell der Wissenschaftler D. Hanaghan und R.A. Weinberg (2000) beschreibt dies so:

    Unabhängigkeit von Wachstumssignalen

    Um sich teilen zu können, benötigen gesunde Zellen von außen einwirkende (externe) Signale durch regulierende Wachstumsfaktoren. Krebszellen benötigen diese Signale nicht mehr. Sie können sich auch ohne Wachstumssignale teilen.

    Unempfindlichkeit gegenüber Signalen, die das Wachstum hemmen oder den Zelltod bewirken

    Gesunde Zellen reagieren auf wachstumshemmende Signale. Dadurch wird das Gleichgewicht zwischen neugebildeten und abgestorbenen Zellen im Gewebe erhalten. Diese Eigenschaft ist in Krebszellen nicht mehr vorhanden.

    Unbegrenztes Wachstumspotential

    Gesunde Zellen besitzen einen unabhängigen „Zähler“, der die Anzahl der Zellteilungen begrenzt, dieser fehlt den Tumorzellen.

    Mangelnde Fähigkeit zum „programmierten Zelltod“ (Apoptose)

    Normale Zellen sind fähig „Selbstmord“ zu begehen, wenn sie Schäden aufweisen. Krebszellen reagieren jedoch nicht mehr auf die Signale, die diesen programmierten Zelltod einleiten sollen.

    Versorgung mit Blut durch Ausbildung neuer Blutgefäße (Angiogenese)

    Bildet sich aus einer wachsenden Zahl neuer Zellen ein zusammenhängendes Gewebe, wird das weitere Wachstum von der Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen über Blutgefäße abhängig. Normalerweise ist die Menge und Verteilung der Blutgefäße bei Erwachsenen weitgehend konstant. Tumorzellen können über Botenstoffe die Bildung von neuen Blutgefäßen anregen, um sich selbst ausreichend zu versorgen.

    Invasion und Metastasenbildung

    In der Regel haben Zellen einen festen Standort im Körper und gehen nicht auf Wanderschaft (Ausnahme „Abwehrzellen“). Tumorzellen können jedoch in Gewebe einwachsen und sich im Körper fortbewegen (metastasieren).

    Neuere Theorien gehen davon aus, dass Tumoren vor allem durch Teilung bestimmter Stammzellen wachsen. Nicht alle Zellen in einem Tumor sind gleich. Dies bedeutet, dass diese Tumorstammzellen in der Behandlung eine besondere Berücksichtigung finden müssen, denn sie können für die Tumormetastasierung oder Rückfälle verantwortlich sein.

    Viele der gewonnenen Erkenntnisse zur Tumorentstehung haben zu neuen Therapieansätzen geführt. So gibt es beispielsweise Antikörper, die das Gefäßwachstum unterdrücken (Angiogenesehemmer), Antikörper die gezielt Oberflächenstrukturen (Rezeptoren) der Tumorzelle auffinden und eine Zellzerstörung auslösen oder Medikamente, die an spezielle Rezeptoren für Wachstumsstimulierende Faktoren binden und damit diesen Impuls unterdrücken. Neue Medikamente können gezielt Signalwege (targeted therapy) in der Tumorzelle stören, so dass wachstumsfördernde Impulse nicht mehr an den Zellkern weitergegeben werden können. Immuntherapeutische Ansätze sollen dazu führen, dass Tumorzellen durch unser Immunsystem aufgespürt werden können. Die histopathologische und molekulargenetische Untersuchung des Tumorgewebes ist von sehr großer Bedeutung. Es wird quasi eine „Visitenkarte“ des Tumors erstellt. Jede Tumorerkrankung unterscheidet sich, jede Mutationskonstellation ist anders. Damit eine Behandlung individuell gestaltet werden kann, ist die Bestimmung von neuen „Biomarkern“, die insbesondere Auskunft über das Wachstumsverhalten der Tumorzellen liefern, hilfreich.

    Grundlage der Krebsentstehung ist also eine Veränderung der Gene. Mutationen können Zufallsprodukte sein, die Mutationshäufigkeit kann aber auch durch äußere Faktoren gesteigert sein (z.B. schädigt radioaktive Strahlung die DNA).

    Aber führt eine DNA-Schädigung immer gleichermaßen auch zu einer Krebserkrankung? Warum bekommt nicht jeder Raucher Lungenkrebs? Warum wirken sich Risikofaktoren wie eben Rauchen, Ernährung, Viruserkrankungen, Umweltbelastungen oder auch genetische Vorbelastung ganz unterschiedlich aus?

    Neben der Genetik, also der Weitergabe von Erbanlagen an die nächste Generation befasst sich die Epigenetik damit, wie Veränderungen im genetischen Code auf einer übergeordneten Ebene gesteuert und auch bei der Zellteilung weitergegeben werden. Wie schon beschrieben liegt unsere Erbsubstanz DNA nicht als einfacher langer Faden im Zellkern, sondern ist „aufgewickelt“. Wird in der Zelle nun eine spezielle „Protein-Bauanleitung“ benötigt, etwa weil der Stoffwechsel Bedarf an einem bestimmten Enzym meldet, so müssen die entsprechenden Gene auch zugänglich sein, also nicht fest aufgewickelt. Im Falle einer Krebsentstehung kann es z.B. sein, dass Gene, die Tumorwachstum unterdrücken sollen, ihre Funktion nicht wahrnehmen können, weil sie „verklebt“, zu eng gepackt sind. Es liegt also ein „Verpackungsproblem“ vor. Zur Epigenetik gibt es viele Beobachtungen, die immer wieder eindrucksvoll zeigen konnten, dass es bei gleicher genetischer Ausstattung zu ganz unterschiedlicher Entwicklung kommen kann (Eineiige Zwillinge) oder, dass Träger krankmachender Gene nicht unbedingt selbst erkranken müssen. Unser Lebensstil hat einen großen Einfluss auf unsere eigenen Möglichkeiten, Tumorentstehung zu verhindern oder zu beeinflussen.

    Krebsfördernde Faktoren sind natürlich je nach Krebsart unterschiedlich zu werten. Nikotinkonsum ist ein erheblicher Risikofaktor für die Entstehung von Lungentumoren. Aber auch viele andere Krebserkrankungen werden durch Nikotinkonsum gefördert (30-32%). Alkoholkonsum wirkt sich gesundheitsschädigend aus. Virusinfektionen (10%) spielen eine Rolle bei der Entstehung von Leberkrebs (Hepatitis B, C-Virus), Gebärmutterhalskrebs (Papillom-Virus), Lymphome (Epstein-Barr-Virus), Magenkrebs (Helicobacter pylori), Kaposi-Sarkom (HIV-Virus). Umweltschadstoffe und industrielle Arbeit mit krebserregenden Substanzen können krebsauslösend sein (z. B. Asbest). Genetische Faktoren sind bei manchen Tumorerkrankungen von großer Bedeutung. UV-B Einstrahlung erhöht das Risiko für Hautkrebs. Ein bedeutsamer krebsfördernder Faktor kann unsere Ernährung sein (30-35%). Unser „Körpereigenes Schutzsystem“ arbeitet mit Hilfe von Enzymsystemen, die durch Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe unterstützt werden (Schutz vor DNA -schädigenden „freien Radikalen“). Manche Nahrungsmittel belasten unseren Stoffwechsel und fördern die Bildung „freier Radikale“ oder sind toxisch. Einige Zusatzstoffe oder auch Pestizide in der Nahrung sind kanzerogen. Die Zubereitung oder Herstellung von Nahrung kann gesundheitsschädigend sein. Nicht nur was sondern auch wie wir essen, ist von Bedeutung (Ernährungspsychologie).

    Chronische Stressbelastung kann unsere Schutzsysteme blockieren. Im Gegensatz zu akutem Stress kann bei chronischer Stressbelastung die Balance unseres vegetativen Nervensystems gestört sein. Stresshormone wie Adrenalin und Glucocorticoide überwiegen und hemmen die Aktivität des Immunsystems. Schlafstörungen vermindern Regeneration und Reparatur. Wie groß die Rolle psychischer Faktoren bei der Krebsentstehung sind, ist wissenschaftlich umstritten. Es gibt aber viele Hinweise darauf, dass unser seelisches Befinden viele Körperfunktionen beeinflussen kann und somit auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Erkrankungen wahrnimmt. So konnten einige Untersuchungen und Studien zeigen, dass z.B. die Aktivität von Immunzellen verbessert wird, wenn die Stimmungslage positiv ist. Mit diesen Zusammenhängen befasst sich eine noch recht neue Wissenschaft, die Psychoneuroimmunologie.

    Zu den wichtigsten Krebs hemmenden Faktoren gehören körperliches Konditions- und Muskel-Training, stoffwechselangepasste Ernährung, die die Versorgung mit allen wichtigen Nahrungsbausteinen sicherstellt und Entspannung. Natürlich sollen Risikofaktoren (siehe oben) vermieden werden. Frühdiagnostik erhöht die Chancen auf Heilung nach der Krebsdiagnose.

    „Bunt essen, bewegt leben, leicht wiegen“ ist ein einprägsamer Satz, wenn wir von Empfehlungen zur „Krebsvermeidung“ sprechen. Es erscheint aber ebenso wichtig, dass wir mit unseren Ressourcen vernünftig und sorgsam haushalten. Wie beschrieben verfügen wir über komplexe Schutz- und Reparatursysteme, die uns vor Erkrankung bewahren. Es gilt, diese optimal zu stärken. Auf welche Weise dies am besten geschehen kann, wird individuell recht verschieden sein und wir selbst sind aufgerufen, unseren eigenen, uns entsprechenden persönlichen Weg zu entdecken.

  • Kunsttherapie

    Kunsttherapie ist ein tiefenpsychologisch fundiertes erlebnisorientiertes und Ressourcen aktivierendes Angebot. Insbesondere werden im Gestaltungsprozess durch die Anleitung zum achtsamen Umgang mit sich selbst die Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung, Selbstfürsorge, Selbstakzeptanz und des Ausdrucks gestärkt. Die Kunsttherapie findet in einer kleinen Gruppe bis max. 6 TeilnehmerInnen statt, es sind keine künstlerischen Fähigkeiten und Vorerfahrungen erforderlich. Das Arbeiten im Sitzen am Tisch kommt denjenigen entgegen, die aktuell körperliche und geistige Einschränkungen erleben.

    Die verschiedenen Materialien (Wachsmalstifte, Pastell- und Aquarellkreide, Wasser- und Aquarellfarbe, z.T. Speckstein oder Ton) ermöglichen in der Auseinandersetzung mit ihnen unterschiedliche Erfahrungen.

    Der Gestaltungsprozess entwickelt sich in drei Phasen:

    • Die Einstimmung für das Gestalten ist eine Phase des Innehaltens und achtsamen Fokussierens auf die augenblickliche Befindlichkeit der TeilnehmerInnen. In der Stille – im Kontakt mit Körper, Gedanken und Gefühlen – wird (mehr) spürbar, was zu diesem Zeitpunkt „gut tun könnte“, welches Bedürfnis in der aktuellen Lebenssituation und im Prozess der Krankheitsverarbeitung gerade im Vordergrund steht.
    • Die aus dem inneren Raum auftauchenden Impulse und Bedürfnisse sind der Ausgangspunkt für den Gestaltungsprozess, der von der Kunsttherapeutin unterstützend begleitet wird. Je nach Zusammensetzung und Situation der PatientInnen wird ein gemeinsames Thema vorgeschlagen oder ganz individuell gearbeitet. Es entsteht ein kreativer offener Raum, eine gemeinsame schöpferische und konzentrierte Atmosphäre, die auch durch schwierige Momente, durch „Schaffenskrisen“, hindurchträgt.
    • Im vertiefenden Nachgespräch können die Erfahrungen integriert werden, indem sie benannt und gewürdigt werden. Eine Rückmeldung über die Wirkung der entstandenen Bilder und Gestaltungen kann von den anderen GruppenteilnehmerInnen erbeten und so die eigene Erfahrung bereichert und kontrastiert werden.
  • Lymphödem bei Tumorerkrankungen

    Das Lymphsystem ist für den gezielten Transport von Gewebsflüssigkeit verantwortlich. Unser Blut fließt von den Schlagadern (Arterien) über die feinen Blutgefäße (Kapillaren) zu den Venen, die es zum Herzen zurück transportieren. Beim Blutfluss durch die Kapillaren wird Flüssigkeit aus dem Blut in das Gewebe abgegeben. Über feine Lymphgefäße wird diese Flüssigkeit gesammelt und über größere Lymphgefäße wieder abgeleitet und dem Herzen zugeführt. Die größeren Lymphgefäße münden letztlich über den Hauptlymphstamm (Ductus thoracicus = Milchbrustgang) im großen Venensystem. Die Mündungsstelle liegt im Bereich der linken Schlüsselbeinvene. Die Bahn der Lymphgefäße wird von annähernd 100 linsen- bis bohnengroßen Organen unterbrochen, den Lymphknoten. Sie stellen sozusagen die Filterstationen dar. Man kann sie auch in ihrer Funktion mit Kläranlagen vergleichen. Sie haben die Aufgabe, die durchströmende Lymphe zu reinigen. Sie filtern Mikroorganismen und giftige Stoffe aus der Lymphe heraus und vernichten sie. Gleichzeitig sind sie die Bildungsstätten der sogenannten Lymphozyten: Zellen, welche im Mechanismus der Immunabwehr von wichtiger Bedeutung sind.

    Werden Lymphbahnen oder Lymphknoten geschädigt, kann es zu einer Abflussstörung der Lymphflüssigkeit aus dem entsprechenden Körpergebiet kommen.

    Wir unterscheiden primäres Lymphödem (angeborene Fehlbildung) und sekundäres Lymphödem aufgrund von äußerer Einwirkung.

    Schädigungsmöglichkeiten können sein:

    • Lymphknotenmetastasen
    • Operative Entfernung von Lymphknoten oder Verletzung
    • Bestrahlung
    • Verbrennungen
    • Nach Thrombose
    • Manche Medikamente können ein Lymphödem verstärken ( darunter einige Blutdruckmedikamente, Antiphlogistika, Zytostatika, Hormone)

    Das Lymphgefäßsystem ist weit verzweigt, so dass es nur bei einer Zerstörung mehrerer Lymphbahnen oder Schädigung bzw. Entfernung zahlreicher Lymphknoten zu einer Lymphabflussstörung kommt.

    Besonders bedeutsam sind Lymphabflussstörungen, die bei Patientinnen nach Brustkrebsoperation entstehen, wenn die Achselhöhlenlymphknoten operiert oder bestrahlt werden mussten. Im Bereich der Brustwand und des Armes kann sich dann ein Lymphödem entwickeln. Bessere Operationstechniken haben dazu geführt, die Ödembildung weitestgehend zu vermeiden (Entfernung nur bestimmter Lymphknoten, Wächterlymphknoten).

    Auch Unterleibsoperationen mit ausgedehnter Lymphknotenentfernung können zum Lymphstau der Beine führen.

    Das Ausmaß des Lymphödems ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Es kann sich unmittelbar nach der primären Therapie entwickeln, aber auch noch nach Monaten entstehen.

    Es werden folgende Stadien unterschieden:

    Stadium I: Latentes Ödem

    Gestörte, aber noch kompensierte Lymphabflussverhältnisse, die durch exogene Faktoren (Insektenstich, Prellung, Distorsion im Sprunggelenk) zum manifesten Lymphödem werden. Komplette Rückbildung bei entsprechender Lagerung.

    Stadium II: Reversibles Ödem

    Abendliche Schwellung und Schweregefühl der betroffenen Extremität, Rückbildung über Nacht.

    Stadium III: Chronisches irreversibles Ödem

    Deutlich verhärtete Konsistenz des fleischfarbenen Ödems, das alle Symptome des Lymphödems aufweist.

    Stadium IV: Lymphostatische Elephantiasis

    Durch die Schwellung des betroffenen Körperteiles selbst entsteht ein Spannungsgefühl, das bei starker Ausprägung sehr schmerzhaft werden kann. Zunehmend kann es auch zu einer Bewegungseinschränkung kommen. Viele Handgriffe des Alltags wie z. B. Zähneputzen oder Anziehen sind dann häufig erschwert. Außerdem kann das Gehen stark behindert sein. Selbstverständliche Tätigkeiten wie Einkaufen oder Auto fahren können dann zu einem Problem werden. In den meisten Fällen ist das Lebensgefühl der Patienten stark beeinträchtigt und die Patienten fühlen sich unsicher. Je nach Beeinträchtigung kann es unter Umständen bis hin zur sozialen Isolation kommen.

    Folgeerscheinungen können sein:

    • Ein ständiger Stau von Lymphflüssigkeit im Gewebe kann zu einer Bindegewebsvermehrung und Bindegewebsverhärtung führen (Fibrose). Dadurch wird die Funktionsfähigkeit der Extremität erheblich eingeschränkt.
    • Eine von einem Lymphödem betroffene Extremität ist erhöht infektanfällig. Bereits über kleine Verletzungen (Eintrittspforten) können Krankheitserreger in das Gewebe eindringen und sich ausbreiten. Eine Wundrose (Erysipel) kann entstehen. Die Symptome sind eine sich rasch ausbreitende Rötung, Schwellung und Überwärmung, die auch mit allgemeinen Symptomen wie Fieber einhergeht. Es muss dann eine antibiotische Behandlung erfolgen, begleitet von lokalen Maßnahmen wie Ruhigstellung und Kühlung. Eine Lymphdrainagebehandlung muss während der akuten Phase pausiert werden.
    • Durch die Schwellung kann es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkung kommen.
    • Lymphfisteln können nach Verletzungen oder operativen Eingriffen (z.B. Probebiopsie, Lymphknotenexstirpation, Punktion einer Lymphozele) auftreten. Es besteht die Gefahr einer Sekundärinfektion. Einzige therapeutisch sinnvolle Maßnahme ist die Anlage eines straffen Kompressionsverbandes.

    Vorsichtsmaßnahmen bei bestehendem Lymphödem sind:

    • Vermeidung von Tätigkeiten mit Verletzungsmöglichkeiten
    • Tragen von Schutzkleidung (z.B. Handschuh bei der Gartenarbeit)
    • Vermeidung von Insektenstichen (Insekten vertreibende Hautpflegemittel, langärmelige Kleidung)
    • Vermeidung von Blutentnahmen, Injektionen oder Akupunktur der betroffenen Extremität
    • Vermeidung von häufigen Blutdruckmessungen am betroffenem Arm
    • Vermeidung mehrstündiger monotoner Arbeit oder häufiges Überkopfarbeiten sowie Heben und Tragen von schweren Lasten
    • Klassische durchblutungsfördernde Massagen
    • Vermeidung von Wärme und Überhitzung, Keine Anwendung von heißen Packungen (z.B. Fango oder Moor). Vorsicht auch bei Saunagängen. Hier muss die Verträglichkeit individuell ausprobiert werden. Kurze Saunagänge in niedrigem Temperaturbereich sind eher verträglich als höhere Temperaturen.
    • Optimales Schuhwerk bei Bein-Lymphödem
    • Gute Hautpflege
    • Keine einengende Kleidung
    • Betroffene Extremitäten immer wieder hochlagern (z.B. während der Nachtruhe)

    Moderne Operations- und Bestrahlungstechniken sind darauf ausgerichtet, die Entstehung eines Lymphödems zu vermeiden. Es scheint, dass die Entwicklung eines Lymphödems auch von zusätzlich individuellen Faktoren abhängig ist.

    Behandlung des Lymphödems in der Habichtswald-Klinik                                                

    Die Behandlung des Lymphödems besteht aus der Kombination von manueller Lymphdrainage und Kompressionsbehandlung. Die manuelle Drainage wird dabei nicht nur im Bereich der betroffenen Extremität durchgeführt. Es werden ebenfalls die für den Lymphabstrom zuständigen, im gesunden Bereich liegenden Lymphgefäße mit behandelt. Sehr wichtig ist eine Wiederholung der Griffe, so dass durch eine langsame, nur durch geringen Druck ausgeübte Gewebeverformung der Lymphflüssigkeitstransport angeregt werden kann. Eine Lymphdrainage darf nicht bei akuter Wundrose oder tiefer Beinvenenthrombose durchgeführt werden. Da durch die Lymphdrainage zum Teil erhebliche Flüssigkeitsmengen aus dem Gewebe wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt werden, kann es zu einer erhöhten Belastung des Herzens kommen.

    Bei einem leichten Lymphödem kann auf eine anschließende Kompression verzichtet werden. Bei ausgeprägtem Ödem findet zunächst eine Bandagierung statt. Sind stabile Verhältnisse erreicht, kann ein Kompressionsstrumpf angepasst werden. Dieser sollte von erfahrenen Fachkräften in einem Sanitätsfachgeschäft angemessen und individuell hergestellt werden. Es gibt unterschiedliche Strumpfgewebearten, je nach Druckkraft unterscheidet man die Stärken I-IV. Es stehen verschiedene Anziehhilfen zur Verfügung, die man sich im Sanitätsfachhandel ansehen sollte.

    Bei leichteren Formen des Lymphödems kann ein Lymph-Tape angelegt werden. Dies ist eine besondere Form des Kinesio-Tapings. Durch eine bestimmte Klebetechnik der Tapes kommt es zu einer verbesserten Mikrozirkulation und Stimulation des Lymphflusses. Die eigene Bewegung unterstützt dann diesen Prozess.

    Bestimmte Massage-Techniken, die nicht durchblutungsfördernd sind, kommen ebenfalls zur Anwendung (Marnitz-Massage, Reflexzonen-, Akupunktmassage)

    Psycho-onkologische Betreuung kann hilfreich sein, um Strategien zum Umgang mit der Erkrankung und bestehenden Ängsten, Verbesserung der Selbstaufmerksamkeit, Achtsamkeit und verbessertes Stressmanagement zu erlangen.

    Ausgewogene Ernährung, insbesondere Vermeidung von Übergewicht wirken sich positiv aus.

    Medikamentös können Selen und proteolytische Enzyme (z.B. Bromelain) eingesetzt werden. Auch Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe) und homöopathische Unterstützung kann genutzt werden.

    Die Behandlung eines Lymphödems muss kontinuierlich und konsequent erfolgen. Ausgewogenes körperliches Training (Dauersportarten) wirkt sich positiv aus. Vorsichtsmaßnahmen sollten nicht als strenge Verbote verstanden werden. Alltags- und berufliche Belastung müssen Berücksichtigung finden.

  • Maligne Lymphome (Lymphdrüsenkrebs bei Erwachsenen)

    Bei Malignen Lymphomen bzw. Lymphdrüsenkrebs bei Erwachsenen handelt es sich um Krebserkrankungen des lymphatischen Systems, dessen Aufgabe die Abwehr von Krankheitserregern, Fremdpartikel oder veränderten Körperzellen wie z.B. Krebszellen ist. Es beinhaltet das Lymphgefäßsystem sowie die Organe des lymphatischen Gewebes wie Lymphknoten, Tonsillen( „Mandeln“) oder die Milz, findet sich jedoch auch an anderen Stellen im Körper, etwa im Magen, im Darm, in der Haut und im Knochenmark.

    Viele, jedoch nicht alle malignen Lymphome (umgangssprachlich auch Lymphdrüsenkrebs genannt) machen sich vor allem durch vergrößerte, nicht schmerzhafte Lymphknoten bemerkbar. Die verschiedenen Formen der malignen Lymphome gehen von speziellen weißen Blutkörperchen aus, den Lymphozyten. Diese werden im Knochenmark gebildet. Je nachdem welche Lymphozyten in welchem Reifungsgrad betroffen sind, unterscheidet man Hodgkin-Lymphome von B-Zell oder T-Zell Non-Hodgkin-Lymphomen.

    Der Erkrankungsverlauf kann sehr unterschiedlich sein und ist von verschiedenen Faktoren abhängig, z. B. vom Lymphomtyp, dem Krankheitsstadium bei der Diagnose, dem Allgemeinzustand, Alter des Patienten etc.

    Detaillierte Informationen zu den einzelnen Erkrankungsformen, Diagnostik, Therapie (Leitlinien), Nachsorge etc. finden Sie im Internet z.B. beim KrebsinformationsdienstOnkopedia oder bei der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie).

    Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation in der Habichtswald-Klinik

    Neben der klassischen Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung z.B. nach Abschluss der Chemotherapie, bieten wir für Patienten mit malignen Lymphomen auch die Möglichkeit in Absprache mit den Akutkrankenhäusern an die jeweiligen Therapieschemata angepasster Kurzaufenthalte, so dass Patienten erholt und gestärkt den nächsten Therapiezyklus beginnen können. Unser erfahrenes Ärzte- und Pflege- und Therapeutenteam unterstützt Sie sowohl in den rehabilitativen als auch in der gegebenenfalls notwendigen Akutversorgung.
    Um dieses Angebot zu nutzen ist eine individuelle Absprache mit unserem Aufnahmearzt erforderlich aufgrund der notwendigen intensiven Abstimmung zwischen dem den Patienten versorgenden Zentrum und unserer Klinik.

    Wir behandeln die Patienten in unserer onkologischen Abteilung nach einem ganzheitlichen Konzept, d. h. alle unsere therapeutischen Angebote führen gemeinsam zu einer Wiedererlangung der Einheit von Körper, Seele und Geist.

    Dies kann durch ausgewählte naturheilkundliche Therapien, die die Neben- und Folgewirkungen z. B. einer Chemotherapie lindern, aber auch begleitend im Erkrankungsverlauf zum Ausgleich von Nährstoffdefiziten erfolgen. Allerdings raten wir von unspezifisch das Immunsystem stimulierenden naturheilkundlichen Therapien wie einer Thymus- oder Misteltherapie bei Leukämien und Lymphomen ab, da nicht auszuschließen ist, dass es auch einen Wachstumsreiz auf die Krebszellen geben kann.

    Das Immunsystem kann durch eine ausgewogene Ernährung, ein individuell angepasstes sportliches Ausdauertraining, Entspannungsverfahren, psychoonkologische Gespräche, evt. unterstützt durch eine orthomolekulare Therapie mit gezieltem Ausgleich von Defiziten in der Vitamin- und Spurenelementversorgung gestärkt werden.

    Ganzheitliche Medizin bedeutet auch, den jeweiligen Patienten individuell mit den vielfältigen Facetten seiner Persönlichkeit anzunehmen und die für ihn bestmögliche Therapie zu finden. Dafür ist es notwendig, körperliche, geistige und seelische Aspekte zu berücksichtigen. Ziel ist dabei die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die Förderung der Gesundung (Salutogenese).

    Eine kontinuierliche, an den individuellen Bedürfnissen des Patienten orientierte psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung verarbeiten helfen und Ihnen ermöglichen, verloren gegangenes Vertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten zurück zu gewinnen. Speziell onkologisch erfahrene Psychotherapeuten begleiten Sie in Gruppentherapien und Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der Lebensgeschichte liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu bearbeiten.

    Die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und Massageabteilung tragen mit einer Vielzahl an Therapiemöglichkeiten dazu bei, dass körperliche Defizite, Funktionseinschränkungen, Konditionsmangel gezielt behandelt werden und Sie Ihr körperliches Wohlbefinden wiedererlangen können. Hierzu werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.

    Defizite im Bereich der kognitiven Fähigkeiten als Folge der Chemotherapie können gezielt in der Ergotherapie behandelt werden, ebenso Schädigungen der Sensibilität und Motorik bei Chemotherapie assoziierter Polyneuropathie.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Durch eine ausgewogene, gesunde Kost aus frischen und qualitativ hochwertigen Produkten kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Eine spezielle Anti-Krebsdiät gibt es nicht, vielmehr kann es durch zu einseitige Nahrungsmittelauswahl zu einem Nährstoffmangel und dadurch zu einer Krankheitsverschlechterung kommen.

    Immer muss die individuelle Krankheitssituation, evt. vorhandene Nebenerkrankungen und bestehende Medikation berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik)
    aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.

    Viele Patienten befinden sich durch die Diagnose „Krebs“ in einer Lebenskrise und stellen sich Fragen nach dem Sinn.

    Unsere Klinik hat vielfältige Angebote, die Sie auf freiwilliger Basis besuchen können, die Ihnen neuen Halt geben sowie Orientierung und Unterstützung auf Ihrem individuellen Weg bieten können. Diese Angebote sind nicht konfessionell gebunden. Wir bieten Ihnen z. B. verschiedene Entspannungsverfahren, Meditationen, Sakralen Tanz und gemeinsames Singen. Ergänzend können Sie auch unser kreatives Angebot nutzen, ebenfalls freiwillig. Freude am eigenen Tun schafft wieder Selbstvertrauen und Lebensfreude.

    Sollten Sie mit fortgeschrittener Tumorerkrankung in unser Haus kommen, werden Sie in jeder Phase der Erkrankung vertrauensvoll angenommen sein, medizinisch notwendige Diagnostik und Therapien können jederzeit durchgeführt werden.

    Unser erfahrenes Ärzte- und Therapeutenteam ist die erfolgreiche Behandlung von Schmerzen ein besonderes Anliegen. Schmerzfreiheit kann in jedem Krankheitsstadium erreicht werden, meistens ist die Lebensqualität durch die Schmerztherapie nicht wesentlich beeinträchtigt.

    Sollten Sie eine Anschlussheilbehandlung nach Hochdosischemotherapie und autologer oder allogener Stammzelltransplantation bei uns durchführen, so werden Sie intensiv von unserem speziell ausgebildeten bzw. geschulten Ärzte- und Therapeutenteam betreut.

    Sie werden zunächst auf der Station von unseren Therapeuten in individueller Einzelbehandlung mit z. B. Atemgymnastik, muskel- und konditionsaufbauenden Übungen sowie psychologischer Betreuung (sofern Sie es wünschen) behandelt, später dann auch in den Therapieabteilungen.

    Sie erhalten eine ausgewogene vollwertige Kost, die die speziellen Erfordernisse nach einer Transplantation berücksichtigt, unsere Ernährungsberaterinnen können Sie bei Problemen oder speziellen Fragestellungen kompetent beraten.

  • Malignes Melanom

    Das maligne Melanom, auch kurz Melanom, Melano(zyto)blastom oder schwarzer Haut-krebs genannt, ist ein hochgradig bösartiger Tumor der Pigmentzellen (Melanozyten). 90% aller maligner Melanome kommen als Primärtumor ohne erkennbare Metastasierung zur ersten Diagnose (Kurzleitlinie – Malignes Melanom der Haut, Prof. Dr. C. Garbe, Tübingen). Die Prognose ist abhängig vom Tumorstadium, bei früher Erkennung und wenig fortgeschrittenem Befund ist die Prognose gut. Weltweit ist eine starke Zunahme der Neuerkrankungen zu verzeichnen.

    Aktuelle Informationen zu Epidemiologie, Ursachen, Symptomen, Diagnostik, Pathologie, Stadien, Therapie (Operation, Chemotherapie, Antikörpertherapie, Rezidivtherapie) und Prognose entnehmen Sie bitte z.B. den aktuellen Informationen des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) bzw. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) – Onkopedia.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    In allen Stadien der Erkrankung sind Sie bei uns gut aufgehoben. Wir, das ist ein Team aus erfahrenen Ärzten, Pflegepersonal, Psycho- und Physiotherapeuten. In unserer Abteilung können auch – falls erforderlich – die notwendigen Chemo- und/oder Immuntherapien durch-geführt werden. Naturheilkundliche Verfahren setzen wir komplementär, d.h. ergänzend ein, sodass Ihre Lebensqualität und die Verträglichkeit der schulmedizinischen Therapien in der Regel gut unterstützt wird.

    Viele Patienten haben den Wunsch, ihre Krebserkrankung selbst mit naturheilkundlichen Mitteln zu bekämpfen. Besonders die oft angewendete Misteltherapie ist jedoch beim malignem Melanom nach aktuellen Studien kritisch zu bewerten. Es kann dabei zu negativen Auswirkungen und sogar zu einer Wachstumsstimulation des Tumors kommen. Eine umfassende Aufklärung des Patienten über Möglichkeiten und Grenzen naturheilkundlicher Therapien ist daher für uns sehr wichtig.

    Wir behandeln immer unter ganzheitlichen medizinischen Aspekten, ohne jedoch notwendige schulmedizinische Maßnahmen zu vernachlässigen. Ganzheitliche Medizin bedeutet, den Patienten als Mensch mit allen Facetten seiner Persönlichkeit anzunehmen und wieder eine Einheit aus Körper, Seele und Geist herzustellen. Dabei spielt die Stärkung der körpereigenen Kräfte eine zentrale Rolle, quasi als Hilfe zur Selbsthilfe des Körpers. Nicht nur die Bekämpfung des Tumors, sondern vor allen die Förderung der Gesundung (Salutogenese) ist ein Charakteristikum der Ganzheitsmedizin.

    Dieser Therapieansatz ist in jedem Krankheitsstadium möglich. Auch bei fortgeschrittener Krankheitssituation wird auf diese Weise die Lebensqualität deutlich verbessert und Ängste können genommen werden.

    Unser multiprofessionelles Team ist jederzeit bemüht, Ihnen auf Ihrem individuellen Weg die optimale Unterstützung zu geben, sodass Sie wieder Zutrauen zu Ihren körperlichen Fähigkeiten bekommen und psychisch stabilisiert und aufgebaut werden.

    So kann frühzeitige gute Krankengymnastik, Lymphdrainage und Narbenbehandlung noch bestehende Beeinträchtigungen nach der Operation eindrucksvoll mildern, durch die modernen Operationsverfahren sind diese Nebenwirkungen aber selten geworden.

    Insgesamt kann die körperliche Leistungsfähigkeit durch die Krankengymnastik, Sporttherapie, Massage- und Bädertherapie gesteigert werden. Es kommt zu einem verbesserten Körpergefühl und einem Wiedererlangen von Zutrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten.

    Die Ernährung als wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie besteht aus frischer vollwertiger Kost, die jeweils auf die persönlichen Erfordernisse abgestimmt ist. Eine spezielle Krebsdiät, die den Tumor vernichten könnte, wie es immer wieder in den Medien thematisiert wird, gibt es nicht. Es ist jedoch möglich, durch eine gesunde Ernährung, wie wir sie in der Habichtswald-Klinik mit den verschiedenen Formen einer vollwertigen Ernährung und auch in der Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik) anbieten, die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken. Darüber hinaus können alle medizinisch erforderlichen Diäten durchgeführt werden. Ferner besteht in unserem Haus auch die Möglichkeit, die ayurvedische Ernährung kennen zu lernen.

    Durch die Diagnose Krebs geraten viele Patienten in eine Lebenskrise, Verunsicherung und Ängste bis hin zu Depressionen können sich einstellen, die bisherige Lebensweise wird in Frage gestellt. Unser großes Angebot an psychoonkologischen Therapien kann ganz speziell auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehen, es stehen verschiedene Einzel- und Gruppentherapien sowie diverse Entspannungsverfahren zu Verfügung. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote unseres nicht konfessionell gebundenen spirituellen Zentrums zu nutzen, welches hierzu ein umfangreiches Programm mit Meditationen, sakralem Tanz und Mantren-Singen anbietet. Entspannungsverfahren wie die dem Guolin-Quigong sehr ähnlichen „Übungen der Kraft“ werden zusätzlich zu den verordneten Therapien wie Yoga, Autogenem Training, Tai Chi und Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson im freien Angebot gerne und häufig besucht.

    Die Überlebenszeiten haben sich heute durch differenziertere Therapiemaßnahmen aufgrund der Entwicklung neuer Medikamente auch bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien verbessert.

    Chemo- und Immuntherapien können durch Nebenwirkungen individuell unterschiedlich stark die Lebensqualität beeinträchtigen. In der Habichtswald-Klinik können wir durch unser vielfältiges Therapieangebot im psychoonkologischen, physikalischen und krankengymnastischen Bereich sowie durch umfassende Aufklärung des Patienten über jeden einzelnen Therapieschritt Nebenwirkungen deutlich mildern und die Lebensqualität verbessern. Dabei setzen wir auch effektiv naturheilkundliche Verfahren und falls erforderlich Nahrungsergänzungsmittel sowie Phytotherapeutika ein.

  • Mammakarzinom

    Mit rund 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Mammakarzinom in Deutschland die mit Abstand häufigste Krebserkrankung von Frauen. Aktuellen epidemiologischen Daten zufolge muss sich etwa eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens mit Brustkrebs auseinandersetzen. Sehr selten erkranken auch Männer (1%).

    Eine Vielzahl von Risikofaktoren des Mammakarzinoms ist bekannt, meist vermittelt durch die verlängerte Einwirkung der Geschlechtshormone am Brustdrüsengewebe:

    • Frühe Menstruation
    • Kinderlosigkeit
    • Keine Stillzeiten
    • Später Eintritt in das Klimakterium
    • Übergewicht
    • Alkohol
    • Aufnahme von Xenoöstrogen (Substanzen aus der Umwelt mit hormonähnlicher Wirkung auf den Organismus)
    • Hormonersatzpräparate in den Wechseljahren
    • Karzinomerkrankungen in der Familie oder andere eigene Tumorerkrankung
    • Erbliche Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2

    5 bis 10% aller Mammakarzinome gründen auf einer erblichen Belastung. Einige dafür verantwortliche Gene sind bekannt. BRCA 1 und BRCA 2 sind Reparaturgene. Eine Mutation dieser wichtigen Gene erhöht das Risiko an Brustkrebs zu erkranken erheblich. Auch andere Tumoren kommen häufiger vor. Hinweise auf einen erblichen Brustkrebs können sein:

    • Familien mit mindestens zwei Erkrankten an Mammakarzinom und/oder Ovarialkarzinom, davon mindestens eine unter 50 Jahren oder 3 Erkrankte über 50 Jahre
    • Familien mit einer an Mammakarzinom Erkrankten unter 31 Jahren oder beidseitigen Karzinom unter 41 Jahren
    • Familien mit einer an Eierstockskrebs Erkrankten unter 41 Jahren
    • Familien mit einer an Eierstock- und Brustkrebs Erkrankten
    • Familien mit einem männlichen Brustkrebs Erkrankten

    Ergeben sich entsprechende Hinweise aus der Familienanamnese, kann an speziellen Zentren zunächst eine humangenetische Beratung erfolgen und eine genetische Untersuchung angeschlossen werden

    Eine verbesserte Frühdiagnostik und Erfassung von Risikogruppen hat dazu beigetragen, dass die Sterblichkeit an Brustkrebs deutlich gesenkt werden konnte. Natürlich haben auch moderne Behandlungsverfahren dazu beigetragen. In Deutschland wird Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr alle zwei Jahre ein Mammographie Screening angeboten. Der Nutzen dieser Maßnahme ist insofern umstritten, da sie nur eine bestimmte Altersgruppe erfasst. Aber gerade jüngere „Risiko-Patientinnen“ sollten frühzeitig erfasst werden, da hier die Sterblichkeit besonders hoch ist. Es können auch sogenannte „Intervall-Karzinome“ auftreten, das heißt ein Brustkrebsbefund wird innerhalb der 2 Jahre, also zwischen den Mammographie-Screening-Untersuchungen, erhoben. Ein weiteres Problem besteht in der Erfassung von Krebsvorstufen (DCIS, LCIS). Eine Brustkrebserkrankung kann sich aus solch einem Befund entwickeln. Es kann jedoch auch zu einer spontanen Regression (Rückbildung) kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, das individuelle Risikoprofil zu ermitteln, damit es nicht zu einer belastenden „Übertherapie“ kommt.

    Um eine optimale evidenzbasierte Behandlung und Versorgung anzubieten, wurden von den Fachgesellschaften S3-(Stufe3) Leitlinien erstellt. Zuletzt sind diese für Brustkrebs im Juli 2012 aktualisiert worden. Studien konnten zeigen, dass eine leitlinienkonforme Behandlung das Überleben verbessert (BRENDA-Studie).

    Ziel ist eine den Merkmalen der Tumorzellen entsprechende Therapie. Nicht allein das Tumorstadium beeinflusst die Therapie, sondern auch die biologischen Eigenschaften (Rezeptoren, Biomarker, Gen-Expression). Neben Operation, Strahlentherapie, Hormontherapie oder Chemotherapie kommen neue, moderne Behandlungsverfahren zum Einsatz (Antikörpertherapie, zielgerichtete Therapien, Angiogenesehemmer). Die „Visitenkarte“ des Tumors ermöglicht eine individualisierte Therapie. Leider berücksichtigen die aktuellen S3-Leitlinien oftmals nicht neue Innovationen (z.B. Erfassung von Proliferationsmarkern, Analysen der Genexpression). Gerade diese Verfahren stellen aber eine gute Entscheidungshilfe bzgl. der Behandlung dar. Die Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie aktualisiert daher ihre Behandlungs-Leitlinien fast jährlich.

    Die Behandlung sollte an einem zertifizierten Brustzentrum erfolgen. Im Internet findet man gute Informationen über die Deutsche Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de) und die Deutsche Gesellschaft für Senologie (www.senologie.org). Das „Überlebensbuch Brustkrebs“ von Ursula Goldmann-Posch und Rita Rosa Martin (erschienen im Schattauer Verlag) ist ein guter ausführlicher Ratgeber und ermöglicht der Frau aktiv und eigenverantwortlich zu handeln.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Wie kaum ein anderer Tumor führt das Mammakarzinom zu starken Eingriffen in die körperliche, seelische und geistige Integrität der betroffenen Frauen. Das Gefühl der Unverwundbarkeit und unerschütterlichen Gesundheit wird durch die Diagnose aufs Tiefste erschüttert. Die mit äußerlich sichtbaren Veränderungen einhergehende Operation erzeugt oft das Gefühl, nicht mehr attraktiv zu sein und sich nicht mehr als vollständige Frau fühlen zu können. Die betroffene Frau, die meist aus voller Vitalität zur Patientin geworden ist, bedarf einer intensiven Unterstützung in der Verarbeitung der Diagnose.

    Ein Qualitätsmerkmal des Disease-Management-Programms ist die zügige Leitung der Patientin von der Diagnose zur Therapie. Dies wird aber nicht immer dem Bedürfnis der Frauen gerecht, die in Ruhe überlegen und mitentscheiden wollen. Jede Frau hat das Recht, sich verschiedene Meinungen einzuholen, um zu entscheiden, welche Therapie sie wählt.

    Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt nicht nur eine körperliche Beeinträchtigung dar. Es besteht eine seelisch traumatische Situation, vergleichbar mit einem Schockzustand. Zunächst wird man die empfohlenen Behandlungen, wie z.B. Operation durchführen. Man wird mit Ängsten konfrontiert, die bei jeder weiteren Diagnostik im Rahmen der Nachsorge immer wieder neu ausgelöst werden können. Je nach Persönlichkeit kann die psychische Belastung zu Veränderung der Stimmung führen und die Kommunikation mit Angehörigen und Freunden belasten.

    Viele Patientinnen leiden an einem Fatigue-Syndrom (Chron. Erschöpfungs-Syndrom) und sind in ihrem Befinden erheblich beeinträchtigt.

    Aus diesen Gründen ist eine Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation nach der primären Behandlung zu empfehlen. Ziele sind:

    • Gezielte Behandlung von Funktionsstörungen (z.B. Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkungen nach Operation, Lymphödem, Nebenwirkungen medikamentöser Therapien oder Strahlentherapie)
    • Wiederherstellung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit
    • Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Berufsleben

    Eine spätere stationäre Rehabilitation kann erneut erforderlich werden, wenn Beeinträchtigungen vorliegen, die sich ambulant nicht bessern.

    Ein Aufenthalt in unserer Klinik kann ebenfalls angezeigt sein, wenn medizinischer Beratungsbedarf bzgl. therapeutischer Entscheidungen besteht. Dies kann ambulant als „Second Opinion“ oder im stationären Rahmen erfolgen. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann eine palliative Therapie durchgeführt werden. Hier erfolgt eine kompetente medizinische und pflegerische Betreuung. Gemäß unserem Leitbild einer ganzheitlichen Betrachtungsweise finden wir gemeinsam mit Ihnen einen Behandlungsweg.

    Unsere therapeutischen Angebote tragen zur Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei (Ganzheitliche Medizin).

    Komplementäre Therapien können indikationsbezogen zum Einsatz kommen (z.B. naturheilkundliche Behandlungen wie Phytotherapie, Orthomolekulare Medizin, Enzyme, immunstimulierende Behandlungen, Homöopathie, TCM ). Therapienebenwirkungen können durch begleitende unterstützende Therapien gemindert werden. Gerade der Wunsch nach naturheilkundlicher Behandlung kann auch verunsichern, da es viele Vorschläge und Betrachtungsweisen zur Behandlung gibt. Das Angebot „Alternativer“ Therapien ist unendlich groß und der Patient oftmals überfordert, die Wirkweise zu überblicken. Hier beraten wir sie seriös über Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren.

    Besondere Bedeutung bei Brustkrebs kommt der Vitamin D Versorgung zu. Studien konnten den Nutzen zur Sekundärprävention belegen. Auch kann einer Osteoporose, die aufgrund einer antihormonellen Therapie gefördert wird, entgegengewirkt werden.

    Unsere begleitenden Therapien sind gut geeignet, die Verträglichkeit der antihormonellen Therapie zu verbessern, damit die Lebensqualität nicht eingeschränkt ist. Es stehen medikamentöse naturheilkundliche Behandlungen zur Verfügung, wie Phytotherapie (Lavendel, Salbei, Traubensilberkerze), pflanzliche Rheumamittel bei Gelenkbeschwerden (Phytodolor®, Teufelskralle) oder pflanzliche Enzyme (Bromelain, Papain). Haut und Schleimhautpflege wird beachtet. Aromatherapie, Homöopathie und Akupunktur können zum Einsatz kommen. Manchmal kommen auch Antidepressiva zum Einsatz, angepasst an die bestehende Medikation. Bei hormonabhängigen Tumoren muss immer darauf geachtet werden, dass auch manche naturheilkundlichen Behandlungen stimulierend und damit wachstumsfördernd sein können (z.B. Phytoöstrogen).

    Speziell ausgebildete Krankenschwestern (breast care nurses) beraten Sie ausführlich und vermitteln Kenntnisse über viele Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern.

    Unsere Therapiekonzepte sind individuell gestaltet. Sie zielen nicht nur auf die direkte Zerstörung von Tumorzellen ab, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern Gesundung (Salutogenese).

    Es kommen aus dem Bereich der Krankengymnastik konditionsbildende- und muskelkräftigende Trainingstherapien zum Einsatz. Sport und Bewegung mit einem ausgewogenen Trainingsprogramm können zur Besserung des Fatigue-Syndroms beitragen und einer Osteoporose entgegenwirken. Studien belegen, dass Sport und Bewegung ein Krankheitsrezidiv-Risiko vermindern kann. Einen Schwerpunkt stellt die spezielle Krankengymnastik für Halswirbelsäule, Schulter und Arm dar. Aus dem Bereich der Physiotherapie/Massage können neben klassischen Verfahren auch Reflexzonenbehandlungen (Fußreflexzonenmassage, Akkupunktmassage) zur Funktionsverbesserung verordnet werden. Zur Verbesserung eines Lymphödems kommen neben Lymphdrainage auch spezielle Techniken des Lymphtapings zum Einsatz. Polyneuropathische Beschwerden nach einer Chemotherapie können mit speziellem ergotherapeutischen Sensibilitätstraining und Iontophorese mit Vitamin B gebessert werden.

    Anwendungen wie Bewegungsbäder in der angegliederten Kurhessentherme oder Kneipp-Therapien und Stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen verbessern die Regulation und kommen daher mit Erfolg zum Einsatz.

    Ernährungstherapie und- Ernährungspsychologie spielen gerade bei hormonabhängigen Tumoren eine wichtige Rolle. Ernährungsgewohnheiten können den Verlauf einer Erkrankung günstig beeinflussen. Daher stehen uns unterschiedliche Kostformen zur Verfügung, um eine auf Ihren Stoffwechsel abgestimmte Ernährung durchzuführen. Sie erfahren ausführliche Beratung in persönlichen Gesprächen und Vorträgen. Der Besuch von Kochkursen gibt Anleitung zur praktischen Anwendung.

    Ein Schwerpunkt unserer Arbeit besteht in der psycho-onkologische Betreuung. Diese gestaltet sich individuell nach den Bedürfnissen und Zielen des Patienten. Strategien zum Umgang mit der Erkrankung und bestehenden Ängsten, Verbesserung der Selbst-Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und verbessertes Stressmanagement stehen dabei im Vordergrund. Neben Einzelgesprächen werden Gruppengespräche, Simonton-Visualisierungsübungen, Ausdrucksmalen und Kunsttherapie sowie Tanztherapie angeboten. Zur Besserung des Fatigue-Syndroms führen wir ein spezielles Training zur Förderung von Konzentration- und Koordination durch (Brain-Gym.). Verschiedene Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR), Tai Chi, Yoga und Autogenes Training werden angeboten. Bei hormonentzugsbedingten Beschwerden (Hitzegefühl/Schweißausbrüche) wird ein spezielles Imaginationstraining durchgeführt.

    Viele Frauen erleben die Brustkrebserkrankung und deren Folgen als gravierende Veränderung ihrer Weiblichkeit. Das Körpergefühl verändert sich, die antihormonelle Therapie kann zu Verminderung der Libido führen und trockene Schleimhäute im Genitalbereich können den Geschlechtsverkehr beeinträchtigen. Sexualität ist in unserer Gesellschaft oftmals ein tabuisiertes Thema, so dass den Patientinnen der Mut fehlt, Beratung und Hilfe einzufordern. Ärztliche und psychoonkologische Unterstützung kann dazu beitragen, Vertrauen in den eigenen Körper wiederzuerlangen. Ängste können abgebaut werden, so dass wieder Lust am eigenen Körper empfunden wird und das eigene sexuelle Erleben neu erfahren wird. Krankheitsverarbeitung und Therapieakzeptanz stellen die Grundlage dar, eigene Ressourcen zu optimieren und fördern einen „gesunden“ Lebensstil.

    Gerade das Zusammenwirken vieler Behandlungsmöglichkeiten unter ganzheitlicher Betrachtungsweise ermöglicht eine langfristige Stabilität und damit auch einen nachhaltigen Therapieerfolg.

    Die Frage nach Sein und Sinn kann ein entscheidender Teil der Therapie werden. Im Rahmen unseres „freien spirituellen“ Angebotes kann z.B. an verschiedenen Meditationen, sakralem Tanz und Mantren-Singen   teilgenommen werden. Unser spirituelles Angebot ist nicht konfessionsgebunden und steht auf freiwilliger Basis zur Verfügung. Auch besteht ein Angebot kreativer Arbeit (z.B. Mandala gestalten, Töpfern, Seidenmalerei).

    Wir beraten und unterstützen sie in sozialmedizinischen Fragestellungen wie z.B. berufliche Wiedereingliederung, Informationen zum Schwerbehindertenrecht oder Planung der ambulanten häuslichen Versorgung (Hilfsmittel, Pflege).

    In den letzten Jahren haben viele neue Erkenntnisse zur Tumorbiologie nicht nur zu neuen Behandlungsmöglichkeiten geführt, sondern auch zu einer anderen Betrachtungsweise der Tumorerkrankung. Die Tumorerkrankung stellt eine individuelle Erkrankung dar, Behandlungsziel ist daher eine personalisierte Medizin. Die Behandlung erfordert eine hohe Fachkompetenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Von großer Bedeutung ist auch die Lebensweise der Patientin, die Einfluss auf den Verlauf einer Tumorerkrankung und deren Prävention hat.

    Die Stärkung eigener Ressourcen gemäß dem salutogenetischen Gedanken (Lehre von der Gesundheit) ist daher ein Hauptziel unserer Arbeit.

  • Mineralstoffe & Spurenelemente in der Onkologie

    Die Wissenschaft kennt 23 Mineralstoffe, die im Körper Funktionen übernehmen. Sie gelangen dabei über Nahrung und Wasser in unseren Organismus und machen nur rund 0,01% der Körpermasse aus  Man unterscheidet Mengenelemente wie Calcium, Kalium, die wir in Gramm oder Milligrammdosen benötigen, von Spurenelementen, die im Mikrogrammbereich dosiert werden.

    Manche Mineralstoffe sind Bestandteile von Hormonen (z.B. Jod beim Schilddrüsenhormon), andere befinden sich in einem funktionellen Regelkreis und beeinflussen einander, wie bei der Nervensignalleitung oder sie sorgen für Elektroneutralität in den Körperflüssigkeiten zwischen den Geweben. Damit erhalten sie den osmotischen Druck aufrecht. Sie sind ebenso wie die Vitamine essentiell.

    Mangelzustände kommen bei einer ausgewogenen vollwertigen Ernährung nicht vor.

    Leider finden sich Spurenelemente auch als Zusätze in Nahrungsmitteln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat so zum Beispiel den Zusatz von Kupfer und Mangan nicht empfohlen, da sich in Studien bei „Überversorgung“ eine erhöhte Sterblichkeit zeigen konnte. Leider halten sich einige Hersteller nicht daran. Viele Multivitaminpräparate enthalten diese Zusätze. Ebenfalls konnte sich zeigen, dass eine erhöhte Zinkaufnahme das Risiko vorzeitig zu sterben, um drei Prozent erhöht. Auch Phosphat findet sich oft als Zusatzstoff.

    Folgende Auflistung gibt einen Überblick. Sie ist jedoch nicht vollständig, sondern erfasst nur die wesentlichsten Faktoren.

    Mengenelemente

    Calcium

    Quelle: Michprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte
    Funktion: Knochenaufbau, Blutgerinnung, Reizweiterleitung von Nerven-und Muskelzellen,
    die Regulation der Calciumaufnahme erfolgt über die Nebenschilddrüse
    Mangel: Muskelkrämpfe, Knochenabbau, Schäden an Haut, Zähnen, Nägel
    Überschuss: Gefäßverkalkung, Herzinfarkt, Nierensteine

    Kalium

    Quelle: Gemüse, Kräuter, Hülsenfrüchte, Nüsse
    Funktion: Regulation des Wasserhaushaltes, Reizweiterleitung von Nerven- und Muskelzellen, Energiegewinnung
    Mangel: Funktionsstörung des Herzens, Störung des Säure/Base Haushaltes
    Überschuss: Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche

    Magnesium

    Quelle: Vollkorn-, Milchprodukte, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Bananen
    Funktion: Aufbau von Knochen, Zähne, Informationsübertragung von Nerven zur Muskulatur, Aktivierung vieler Enzyme
    Mangel: Muskelkrämpfe
    Überschuss: Durchfall

    Phosphor:

    Quelle: Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Brot, Eier
    Funktion: Energieüberträger, Aufbau der Zellmembran, Bestandteil der Erbinformation (DNS)
    Mangel: Kommt selten vor
    Überschuss: Durch Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln kann der Calciumhaushalt beeinflusst werden, Knochenabbau, fraglich, Durch Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln kann der Calciumhaushalt beeinflusst werden, Knochenabbau, fraglich Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS)

    Natrium und Chlorid

    Quelle: Wurst, Käse, Würzmittel, Brot
    Funktion: Erregbarkeit von Nerven und Muskeln, Regulation des Wasserhaushaltes, Nahrungsverwertung
    Mangel: Schwäche, Bewusstseinsstörung
    Überschuss: Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Herz- und Nierenschäden

    Spurenelemente

    Chrom

    Quelle: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Nüsse
    Funktion: Beeinflusst die Insulinaktivität und damit den Kohlen-hydrat-, Fett-, und Eiweißstoffwechsel, Enzymaktivierung
    Mangel: Störung der Zuckerverwertung
    Überschuss: Vergiftungen nur in hohen Dosen (beruflicher Umgang mit Chromsäuren oder –salzen)

    Eisen

    Quelle: Tierische Lebensmittel, Hülsenfrüchte
    Funktion: Blutbildung, Immunstärkend, Gehirnentwicklung
    Mangel: Erschöpfung, Leistungsabfall, Blutarmut
    Überschuss: Zellschädigung durch Ablagerungen im Gewebe

    Fluorid

    Quelle: Seefisch, oft Lebensmittel-zusatz
    Funktion: Knochenstabilität, Zahngesundheit
    Mangel: Verminderte Zahnhärtung
    Überschuss: Zahnverfärbungen

    Jod

    Quelle: Seefisch, Milch Eier, jodiertes Salz
    Funktion: Bestandteil der Schilddrüsenhormone, Regulation des Energiehaushalts und Stoffwechsels
    Mangel: Schilddrüsenunterfunktion
    Überschuss: Schilddrüsenüberfunktion

    Kupfer

    Quelle: Getreide, Fisch, Kaffee
    Funktion: Energiegewinnung, Bestandteil vieler Enzyme, Blutbildung
    Mangel: Blutarmut, erhöhte Knochenbrüchigkeit
    Überschuss: Schädigung der Darmflora

    Mangan

    Quelle: Getreide, Reis, Nüsse, Spinat, Erdbeeren
    Funktion: Knorpelbildung, Bestandteil vieler Enzyme
    Mangel: Wachstumsstörungen
    Überschuss: Nervenschädigung

    Molybdän

    Quelle: Hülsenfrüchte, Nüsse
    Funktion: Enzymaktivator
    Mangel: Karies, Nervenschäden
    Überschuss: Gelenkentzündungen

    Selen

    (siehe Patienten-informations-skript „Selen“)

    Quelle: Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse
    Funktion: Bestandteil von Enzymen, „Entgiftung“, Immunstärkend
    Mangel: Störungen der Muskel- und Herzfunktion
    Überschuss: Behinderung der Jodaufnahme, Begünstigung von Diabetes

    Zink

    Quelle: Geflügel, Fleisch, Eier, Käse, Milch, Vollkorn-Produkte
    Funktion: Immunstärkend, aktiviert Enzyme und Hormone, stabilisiert die Zellmembran, verbessert Wundheilung, Entwicklung von Spermien und Eizellen
    Mangel: Appetitlosigkeit, Wachstums-verzögerung, Entzündungen, schlechte Wundheilung
    Überschuss: Behinderung der Aufnahme von Kupfer und Eisen

    Ein Mangel an Mineralien / Spurenelementen kann bei onkologischen Patienten ebenso wie der Mangel an Vitaminen vorkommen. Gründe können sein:

    • Parenterale (durch die Vene) Ernährung: Vitamine und Spurenelemente müssen zwingend zugesetzt werden
    • Appetitstörungen, Kachexie (einseitige Ernährung, Untergewicht)
    • Störungen der Nahrungsaufnahme: Veränderungen im Magen-Darm Trakt durch Operationen.
    • Störungen der Nahrungsverwertung:
    • Veränderungen der Darmflora (Antibiotika-, Chemo-, Strahlentherapie)
    • Veränderung der Darmmotorik
    • Verlust von Nährstoffen (Durchfall/Erbrechen)
    • Erhöhter Bedarf an Nährstoffen (nach Chemo-oder Strahlentherapie)

    Sollte eine medikamentöse Substitution notwendig sein, muss dies in der Regel durch Laboruntersuchungen überprüft werden.

    Besondere Bedeutung hat in der Onkologie das Spurenelement Selen (siehe Patienteninformationsskript „Selen“).

    In der Onkologie wird Selen zur Primär- und Sekundärprävention von Tumoren, zur Minimierung von Nebenwirkungen durch Chemo-  und Strahlentherapie und zur Therapie von Lymphödemen eingesetzt. Aufgrund seiner Eigenschaft, mit Schwermetallen Bindungen einzugehen, wird die Seleneinnahme auch im Zusammenhang mit Umweltgiften diskutiert (z.B. Quecksilberbelastung bei Entfernung von Amalgamfüllungen).

    Folgende Wirkungen werden postuliert:

    • Chemopräventive Wirkung
    • Antioxidatives Potential
    • Hemmung der Proliferation (Wachstum)von Tumorzellen
    • Genregulation (u.a. Inaktivierung von Onkogenen)
    • Induktion der Apoptose (kontrollierte Zellselbstzerstörung)
    • Angiogenesehemmung (Wachstum von Blutgefäßen zur Tumorversorgung)
    • Regulation von Androgen und  Östrogenrezeptoren
    • Radioprotektive Wirkung
    • Stabilisierung des Immunsystems, Aktivierung von Killerzellen
    • Aktivierung von Zytochrom P-450 (dient der Oxidation vieler körpereigener und körperfremder Substanzen (z.B. Arzneimittel) , verbesserte Metabolisierung (Verstoffwechselung) von Karzinogenen
    • Therapeutische Wirkung bei der Behandlung des Lymphödems

    Selen beeinflusst die Aktivität verschiedener Enzyme. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Selen als Co-Faktor des Enzyms Glutathion-Peroxidase zu. Dieses Enzym verhindert das Entstehen von aggressiven Verbindungen aus unserem Stoffwechsel (Fettabbau). Damit wird die DNA-schädigende Wirkung dieser Stoffe („freie Radikale“) vermindert.

    In vitro Untersuchungen konnten zeigen, dass Selen zu einer Wachstumshemmung von Tumorzellen und zur Induktion der Apoptose führt.

    Die Gabe von Selenit (anorganisches Selen) während einer Chemotherapie ist umstritten, insbesondere bei Chemotherapeutika, die über Radikalbildung tumorschädigend wirken. Eine Wirkungsabschwächung wäre möglich. Andererseits führt Selengabe bei einigen Zytostatika zu einer Wirkungsverstärkung (5-FU, Irinotecan, Oxaliplatin, Taxol, Adriamycin). Möglicherweise kann die Resistenz von Tumorzellen gegenüber Zytostatika verhindert werden. Speziell in der Kombination mit Cisplatin ergeben sich protektive Mechanismen  (Nierenschädigung). Auch die herzschädigende Wirkung von Adriamycin konnte durch Selengabe reduziert werden.

    Selengabe kann Ödembildung (Lymphödem nach Operation/ Strahlentherapie oder andere sekundäre Ödeme) positiv beeinflussen.

    Die bisherigen Studien konnten zeigen, dass sowohl in der Krebsprävention als auch in der onkologischen Therapie das Erreichen eines optimalen Serumspiegels (110-130µg/l) wichtig ist. Bei einer suboptimalen Versorgung wird das gesundheitsfördernde Potential der o.g. Wirkweise über die selenabhängigen Enzyme nicht ausgeschöpft. Die Dosierung ist abhängig von der Indikation. Zur Primär- und Sekundärprävention werden 100-300µg/l verabreicht. Zu beachten ist, dass Selen in hohen Dosen toxisch ist (Selenosis: u.a. “Knoblauchgeruch“, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Hautekzeme, Haarausfall). Daher sollten bei einer längerfristigen Seleneinnahme regelmäßige Blutspiegelkontrollen (2-3x/Jahr) erfolgen.  Unterschiedliche Selen-Präparate stehen zur Verfügung. Um eine optimale Aufnahme zu ermöglich, müssen die entsprechenden Einnahmeempfehlungen (nüchtern) beachtet werden.

    Ratgeber zur Primär-und sekundärer Krebsprävention empfehlen sehr häufig auch pauschal die Zufuhr von Nahrungsergänzungsstoffen. Das kann jedoch auch gesundheitsschädigend sein. Viele Faktoren beeinflussen unseren Stoffwechsel, aktivieren Enzyme, die als „Reaktionsbeschleuniger“ uns unter anderem bei der „Entgiftung“ unterstützen. Bislang konnte kein Nachweis erbracht werden, dass ein genereller Einsatz von Nahrungsergänzungstoffen vorteilhaft ist. Leider suggerieren hier auch ansprechende Broschüren Gegenteiliges. Auch werden oftmals umfangreiche teure Laboruntersuchungen angeboten. Unser Stoffwechsel ist keine statische Größe. Viele Prozesse unterliegen einer Rhythmik und die Erfassbarkeit und Interpretation von Laborparametern ist dadurch erschwert.

    Greifen Sie nicht unkritisch zu Nahrungsergänzungsstoffen, auch wenn Werbung und Ratgeber dazu verleiten. Lassen sie sich seriös und individuell beraten. Sollte eine Substitution erforderlich sein, nehmen sie hochwertige Präparate und lassen sie prüfen, ob  die optimierte Versorgung auch zu einer nachweisbaren Verbesserung  führt.

    Essen sie ausgewogen und abwechslungsreich, bunt und frisch, 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, investieren Sie in qualitativ gute Nahrungsmittel. Essen Sie mit Freude und genießen guten Geschmack. Gesundes Essen trägt zur Lebensfreude und Wohlbefinden bei und stärkt somit unsere Widerstandskräfte.

  • Misteltherapie bei Krebs

    Die Mistelpflanze wächst als Halbschmarotzer auf verschiedenen Wirtsbäumen. In unseren Breitengraden ist eine Mistelpflanze besonders in den Wintermonaten in den unbelaubten Kronen von Laubbäumen wie Eiche, Apfelbaum, Ulme, Pappel und anderen gut an ihrem kugelförmigen Wachstum zu erkennen. Dies machte sie schon früh für den Menschen interessant und ihr Gebrauch als Heilpflanze ist schon bei den Kelten bekannt.

    Auf Anregung von Frau Marie Ritter, die Anfang des letzten Jahrhunderts aus Apfelmistel ein Naturheilmittel in Breslau herstellte, beschäftigte sich Rudolf Steiner (1861-1925) , Begründer der Anthroposophie mit dem Heil-Potenzial der Mistel – zu einer Zeit, wo es außer Operationen nur wenig Therapiemöglichkeiten bei Krebserkrankungen gab. Steiner beschrieb die „Eigensinnigkeit“ der Mistel, die im Winterhalbjahr blüht und im Winter ihre weißlichen Beerenfrüchte ausbildet, ebenso das Wuchern und Wachsen auf lebendigem Untergrund als Ähnlichkeit zum Tumorwachstum. In Zusammenarbeit mit ihm entwickelte die Frauenärztin Ita Wegmann das erste Injektionspräparat und setzte es in der Tumorbehandlung ein. Was als Erfahrungsmedizin und aufgrund phänomenologischer Betrachtung begann, wurde ab den 1930er Jahren zunehmend auch wissenschaftlich erforscht.

    Als onkologisch relevante Inhaltsstoffe fanden sich in Mistelextrakten Mistellektine, Viscotoxine und andere niedermolekulare Proteine, Mehrfach-Zucker und Flavonoide. Der jeweilige Gehalt an diesen Inhaltsstoffen hängt von den Wirtsbäumen, den unterschiedlichen Jahreszeiten sowie den verwendeten Pflanzenteilen (Blüten, Beeren, Blätter) ab.

    Da die Inhaltsstoffe der Mistel durch die Magensäure verändert und zu schnell in der Leber abgebaut würden, müssen die Mistelpräparate – wie z.B. Insulin in der Diabetestherapie – gespritzt werden, in der Regel subcutan (d.h. unter die Haut). Selten wird eine Mistelgabe intravenös, in Körperhöhlen oder über einen Katheter in die Tumor ernährende Gefäße gegeben.

    Eine Wirkung der Mistel ist die im Reagenzglas und in Tierversuchen – jedoch nur bei hoher Dosierung – nachgewiesene Hemmung des Tumorwachstums. Bei der Anwendung beim Menschen scheint eher die Aktivierung körpereigener Immunzellen sowie die Ausschüttung sogenannter Endorphine („Glückshormone“) eine Rolle zu spielen. Die positive Wirkung einer Immunstimulation kommt dabei am ehesten zum Tragen, wenn nachgewiesenermaßen eine Immunschwäche besteht.

    Obwohl die Mistel fast ein Jahrhundert in der Behandlung krebskranker Menschen angewendet wurde, gibt es nur wenige, von der Schulmedizin anerkannte Studien (prospektiv randomisierte Studie mit ausreichenden Patientenzahlen) – wie beispielsweise zu Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs, Eierstockkrebs und zum Magenkarzinom. Die Qualität der Studien variiert sehr, jedoch ändert sich das Gesamtergebnis nicht wesentlich, wenn nur die Studien mit guter Qualität berücksichtigt werden: am besten scheint die Evidenz für die Verminderung der Nebenwirkung konventioneller Therapien und für die Verbesserung der Lebensqualität zu sein. Möglicherweise kommt es auch zu einer Verminderung der Rezidivrate sowie zur Verlängerung der Überlebenszeit, jedoch stehen die diesbezüglichen Studien nicht außerhalb der Kritik.

    Die Sicherheit der Misteltherapie bei Tumorpatienten ist vielfach untersucht worden. Bei der subcutanen Gabe, meist in sehr niedriger Dosis begonnen und nach Verträglichkeit gesteigert, gibt es harmlose örtliche Reaktionen an der Einstichstelle in Form einer Rötung und Schwellung, manchmal mit Juckreiz oder Schmerz verbunden. Es kann vorübergehend zu grippeähnlichen Beschwerden mit leichter Erhöhung der Körpertemperatur kommen. Nur sehr selten gibt es allergische Reaktionen mit Juckreiz, Nesselsucht bis hin zu Luftnot und Kreislaufschock.

    Eine Wechselwirkung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung wurde bisher nicht dokumentiert. So kann eine Misteltherapie wegen der besseren Verträglichkeit einer Chemotherapie und Bestrahlung sowie der besseren Lebensqualität parallel durchgeführt werden, allenfalls könnte eine verstärkte Lokalreaktion Anlass zur Dosisreduktion oder vorübergehenden Pause geben.

    Wegen der immunstimulierenden Wirkung ist bei Menschen mit allergischer Erkrankung oder Autoimmunerkrankungen besondere Vorsicht geboten, wir empfehlen in diesen Fällen eher Abstand von einer Misteltherapie zu nehmen. Da es in Einzelfallberichten Hinweise auf vermehrtes Tumorwachstum bei Melanompatienten, Nierenzellkarzinompatienten sowie Patienten mit Lymphomen gab, üben wir bei diesen Erkrankungen sowie bei Leukämien ebenfalls Zurückhaltung bei der Misteltherapie.

    Auf dem deutschen Markt werden von den Firmen Abnoba, Weleda, Helixor und Wala sowohl anthroposophische Zubereitungen (getrennt nach Wirtsbaumart für unterschiedliche Indikationen oder Tumorarten ) als auch Zubereitungen aus Pappelmistel mit normierten Lektingehalt als Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde angeboten. Bei den anthroposophischen Zubereitungen werden im Sinne einer Reiztherapie Serienpackungen eingesetzt, die ansteigende Konzentration der Mistelauszugstoffe enthalten. So kann die wirksamste Dosis ermittelt werden und diese weiterhin 2 bis 3 Mal pro Woche subcutan verabreicht werden. Eine rhythmische Therapie mit zwischenzeitlichen Therapiepausen ist ebenfalls verbreitet, hier besteht der theoretische Vorteil, dass sich nicht über einen Dauerreiz ein Gewöhnungseffekt einstellt.

    Die Kostenübernahme einer Misteltherapie durch gesetzliche Krankenkassen ist grundsätzlich möglich, diese sind aber durch ein Urteil des Bundessozialgericht von 2011 nicht mehr dazu verpflichtet – mit Ausnahme der Anwendung phytotherapeutischer Präparate (wie Lektinol® oder Cefalektin®) in der Palliativsituation, wo nicht die Heilung der Erkrankung sondern die Symptomlinderung und eine verbesserte Lebensqualität bei einer Tumorkrankheit Ziel der Therapie ist. Hier macht man sich neben der Immunmodulation die Wirkung der durch die Mistel hervorgerufene Endorphinausschüttung zu Nutze.

  • Mundtrockenheit

    Störende Mundtrockenheit ist eine nicht so seltene Nebenwirkung onkologischer Therapien – besonders als Spätfolge von Bestrahlungen im Mund-Rachenbereich kann sie Patienten sehr lange in ihrer Lebensqualität beeinträchtigen. Häufig ist der Geschmack von Speisen nicht mehr gut wahrnehmbar, das Herunterschlucken von Speisen ist gestört wegen mangelnder Speichelbildung. Es kann so zu Fehlernährung oder Mangelernährung kommen.

    Meist weniger dramatisch ist eine Mundtrockenheit (im Rahmen einer allgemeinen Schleimhauttrockenheit) durch einen Mangel an Östrogenen, etwa nach den Wechseljahren oder – in der Onkologie – unter einer antihormonellen Therapie bei Brustkrebs (Mammakarzinom) mit Tamoxifen oder den sogenannten Aromatasehemmern (Anastrozol, Letrozol oder Exemestan).

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Regelmäßiges Trinken (kleine Schlückchen Wasser oder Tee) ist immer zu empfehlen.

    Spülungen des Mundes mit einem milden Öl, beispielsweise mit Sonnenblumenöl, kurz vor einer Mahlzeit angewendet, kann das Herunterschlucken der Speisen erleichtern. Zur Zusammensetzung der Speisen erhalten unsere Patienten eine ausführliche individuelle Ernährungsberatung. Ein Verzicht auf Nikotin und ( insbesondere höherprozentigem) Alkohol unterstützt diese Maßnahmen.

    Häufig wird das regelmäßige Kauen von zuckerfreiem Kaugummi zur Speichelanregung als angenehm empfunden. Diese Wirkung lässt sich auch durch das Lutschen von sauren Drops erreichen.

    Medikamentös kann ein Behandlungsversuch mit dem auch natürlich vorkommenden Alkaloid Pilokarpin zur Verbesserung der Speichelproduktion begonnen werden. Dies darf nur unter ärztlicher Kontrolle geschehen, da es einige Nebenwirkungen zu beachten gibt.

    Soll eine Strahlentherapie erst noch durchgeführt werden, so gibt es wirksame vorbeugende Maßnahmen, etwa mit Bienenhonig vor und nach den Therapiesitzungen. Hierunter wurde in einigen kleineren Studien eine deutlich geringere Rate an Mundschleimhautentzündungen als Vorläufer der Xerostomie gezeigt. Auch das Bienenharz Propolis zeigte im Tierversuch entsprechende Wirkung. Spülungen mit entzündungshemmenden Kamillen- oder Salbeitee wirken ebenfalls vorbeugend. Andere Maßnahmen wie Spülungen mit Chlorhexidin scheinen laut Datenlage eher eine ungünstige Wirkung zu haben.

  • NET Neuro-Endokrine Tumore

    Was sind Neuro-Endokrine-Tumore (NET)?

    Neuroendokrine Tumore sind seltene Tumore, In Deutschland werden jährlich ca. 1600 Neuerkrankungen diagnostiziert.

    Die Tumore nehmen ihren Ausgang von hormonproduzierenden (endokrinen) Drüsenzellen, meistens im Magen-Darm Trakt und in der Bauchspeicheldrüse gelegen (in ca. 75% der Fälle, dann als GEP-NET = gastroenteropankreatische Neuroendokrine Tumore bezeichnet), seltener in der Lunge, sehr viel seltener in anderen Organen. Betroffen sind meist Menschen im Alter zwischen 50-70 Jahren. Neben den zufälligen (sporadischen) Formen gibt es seltene erbliche Formen. (MEN 1 und 2 = multiple endokrine Neoplasien). Andere Risikofaktoren sind bisher keine bekannt.

    Etwa ein Drittel der entdeckten NET sind funktionell aktiv, d.h. sie produzieren Hormone oder hormonähnliche Stoffe und führen so zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, wässrige Durchfälle oder anfallweise Gesichtsrötungen (flush genannt), Atembeschwerden, Herzbeschwerden – diese Symptome fast man auch als Karzinoid-Syndrom zusammen. Geschwürsbildung im Magen und Zwölffingerdarm, starke Durchfälle, Hautausschläge, Unterzuckerungen deuten auf spezielle GEP-NET hin wie Gastrinome, VIPome, Insulinome u.a.

    Im Blut können die erhöhten Spiegel der entsprechenden Hormone (z.B. Gastrin, VIP oder Glukagon) nachgewiesen werden, Chromogranin A, eine Zucker-Eiweiß-Verbindung, ist bei den GEP-NET fast immer erhöht nachweisbar.

    Funktionell inaktive NET werden oft erst spät entdeckt, wenn sie durch ihre Größe und durch Metastasen auffällig werden.

    Zur Diagnosesicherung werden neben Magen-Darmspiegelungen oder Bronchoskopie bildgebende Verfahren wie Sonografie (auch vom Darm aus), Computertomografie von Bauch und Lunge, eine Kernspintomografie oder eine PET (Positronenemissionstomografie) mit radioaktiv markierten Stoffen (z.B. DOTATOC) eingesetzt. Bei der feingeweblichen Untersuchung von Gewebsproben oder im Operationspräparat wird Chromogranin A oder Synaptophysin in den Zellen nachgewiesen. Zur Beurteilung der Aggressivität der Tumore erfolgt immer auch eine Bestimmung eines Proliferationsindex (KI-67 oder MIB-1).

    Die Therapie orientiert sich dann an den Leitlinien der Fachgesellschaften in Deutschland und Europa (ENETS = European Neuroendocrine Tumor Society).

    In der Behandlung steht meist die operative Entfernung an erster Stelle. Medikamentös werden bei den GEP-NET oft Somatostatin-Analoga eingesetzt, Gegenspieler des natürlichen Wachstumshormons. Sie verringern die Hormonproduktion in verschiedenen Körperzellen und können zum Stillstand des Tumorwachstums, selten auch zum Rückgang der Tumore führen. Anfangs werden sie 3x täglich unter die Haut gespritzt, nach den ersten Behandlungstagen kann auf eine 1x im Monat zu spritzende Depotform umgestellt werden. Hierbei ist es wichtig, dass das Medikament auf Zimmertemperatur erwärmt ist, bevor es angewendet wird, sonst kommt es häufiger zu Nebenwirkungen an der Einstichstelle wie Schmerz, Rötung oder Schwellung. Die Behandlung wird meist gut vertragen, wichtig ist die regelmäßige Kontrolle auf Bildung von Gallen- gries oder Gallensteine durch Ultraschalluntersuchung.

    Eine Chemotherapie wird fast ausschließlich bei neuroendokrinen fortgeschrittenen Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) eingesetzt. Hier gibt es auch seit 2011 eine Zulassung für zielgerichtete Therapien mit Tyrosinkinasehemmer oder mTOR Inhibitoren, die spezielle Wachstumsfaktoren in Tumorzellen blockieren.

    Eine wichtige Rolle spielen Verfahren zur lokalen Vernichtung von Tumorzellabsiedlungen, insbesondere in der Leber.

    Detaillierte Informationen zu den einzelnen Erkrankungsformen, Diagnostik, Therapie (Leitlinien), Nachsorge etc. finden Sie im Internet z.B. beim Krebsinformationsdienst , der deutschen Krebshilfe, sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg. Sehr gute Information findet man darüber hinaus auf den Homepages der Selbsthilfe Organisationen „Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e.V.“ oder „Bundesorganisation Selbsthife NeuroEndokrine Tumoren e.V.“.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Primärtherapie erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst des vorbehandelnden Zentrums. Ebenfalls kann eine Rehabilitations-Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder eine stationäre palliativ-medizinische Betreuung erfolgen.(s. Patienteninformation Anschluss-Heilbehandlung, Rehabilitation in der Onkologie).

    Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen (siehe Second Opinion).

    Unser Behandlungskonzept ist ganzheitlich orientiert, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation oder begleitender medikamentöser Therapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote ganzheitlich orientierter Medizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern so die Gesundung (s. Patienteninformation Salutogenese)

    In der Verarbeitung der Diagnose und der Annahme der Erkrankung steht den Patienten das Team der Psychotherapeuten hilfreich zur Seite.

    Vorträge zu Krebsentstehung, komplementär begleitenden Therapien sowie Angstbewältigung helfen ebenfalls das Geschehen einzuordnen. Themen wie Salutogenese, die Bedeutung von Bewegung bei Krebserkrankung u.a. richten den Blick mehr in die Zukunft und zeigen Ansätze auf für mehr Selbstfürsorge.

    Das durch Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden, insbesondere nach operativer Entfernung von Magen- und Darmanteilen. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik), aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen (siehe Patienteninformation Ernährung).

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie hilfreich, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin, CoEnzymQ10, Ginseng sowie eine psychoonkologische Begleitung.

    Die Auswirkung der Erkrankung auf soziale Bezüge, z.B. am Arbeitsplatz kann Thema einer Beratung des Sozialdienstes sein, immer unter Berücksichtigung unterschiedlicher individueller Faktoren. Bei Renten- und Pensionsfragen, beruflicher Wiedereingliederung, Schwerbehinderten-Recht oder auch häuslicher Versorgung finden Sie hier Unterstützung.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Nierenzellkarzinom

    Das Nierenzellkarzinom macht ca. 3% aller bösartiger Neubildungen beim Erwachsenen in Deutschland aus. Pro Jahr erkranken ca. 5.700 Frauen und 8.300 Männer neu an vorgenanntem Malignom. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei Männern zwischen 65 und 70 Jahren, bei Frauen über 70 Jahren, Männer sind etwa 1,5mal häufiger betroffen als Frauen.

    Aktuelle Informationen zu Epidemiologie, Ursachen, Symptomen, Diagnostik, Pathologie, Stadien, Therapie (Operation, Chemotherapie, Antikörpertherapie, Rezidivtherapie) und Prognose entnehmen Sie bitte z.B. den aktuellen Informationen des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) bzw. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) – Onkopedia.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    In allen Stadien der Erkrankung sind Sie bei uns gut aufgehoben. Wir, das ist ein Team aus erfahrenen Ärzten, Pflegepersonal, Psycho- und Physiotherapeuten. In unserer Abteilung können auch – falls erforderlich – die notwendigen Chemo- und/oder Immuntherapien durch-geführt werden. Naturheilkundliche Verfahren setzen wir komplementär, d.h. ergänzend ein, so dass Ihre Lebensqualität und die Verträglichkeit der schulmedizinischen Therapien in der Regel gut ist.

    In der Regel sind die Patienten über ihre Erkrankung bereits gut informiert, so dass die Ärzte der Abteilung oft nur eine beratende Funktion haben. Dabei ist es wichtig, gemeinsam mit Ihnen je nach Tumorstadium individuelle Konzepte für den weiteren Verlauf zu erarbeiten.

    Nach der Operation eines Nierenzellkarzinoms kommen die Patienten meist zur Anschlussheilbehandlung. Zunächst steht dabei die Wundheilung im Vordergrund. Gleichzeitig kann aber schon durch Krankengymnastik, Massagen und Sporttherapie die Rekonvaleszenz deutlich gefördert werden. Die Nierenfunktion wird sorgfältig überwacht und ernährungstherapeutisch wird die neue Situation entsprechend berücksichtigt.

    Wir behandeln immer unter ganzheitlichen medizinischen Aspekten, ohne jedoch notwendige schulmedizinische Maßnahmen zu vernachlässigen.

    Ganzheitliche Medizin bedeutet, den Patienten als Mensch mit allen Facetten seiner Persön-lichkeit anzunehmen und wieder eine Einheit aus Körper, Seele und Geist herzustellen. Dabei spielt die Stärkung der körpereigenen Kräfte eine zentrale Rolle, quasi als Hilfe zur Selbsthilfe des Körpers. Nicht nur die Bekämpfung des Tumors, sondern vor allen die Förderung der Gesundung (Salutogenese) ist ein Charakteristikum der Ganzheitsmedizin.

    Dieser Therapieansatz ist in jedem Krankheitsstadium möglich. Auch bei fortgeschrittener Krankheitssituation wird auf diese Weise die Lebensqualität deutlich verbessert.

    Unser multiprofessionelles Team ist jederzeit bemüht, Ihnen auf Ihrem individuellen Weg die optimale Unterstützung zu geben, sodass Sie wieder Zutrauen zu Ihren körperlichen Fähigkeiten bekommen und psychisch stabilisiert und aufgebaut werden.

    So kann frühzeitige gute Krankengymnastik, Lymphdrainage und Narbenbehandlung noch bestehende Beeinträchtigungen nach der Operation eindrucksvoll mildern. Unterstützend können homöopathische Medikamente oder Nahrungsergänzer wie Enzyme oder Selen eingesetzt werden.

    Die Ernährung als wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie besteht aus frischer vollwertiger Kost, die jeweils auf die persönlichen Erfordernisse abgestimmt ist. Eine spezielle Krebsdiät, die den Tumor vernichten könnte, wie es immer wieder in den Medien thematisiert wird, gibt es nicht. Es ist jedoch möglich, durch eine gesunde Ernährung, wie wir sie in der Habichtswald-Klinik mit den verschiedenen Formen einer vollwertigen Ernährung und auch in der Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik) anbieten, die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken. Darüber hinaus können alle medizinisch erforderlichen Diäten durchgeführt werden. Ferner besteht in unserem Haus auch die Möglichkeit, die ayurvedische Ernährung kennen zu lernen.

    Durch die Diagnose Krebs geraten viele Patienten in eine Lebenskrise, Verunsicherung und Ängste bis hin zu Depressionen können sich einstellen, die bisherige Lebensweise wird in Frage gestellt. Unser großes Angebot an psychoonkologischen Therapien kann ganz speziell auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehen, es stehen verschiedene Einzel- und Gruppentherapien sowie diverse Entspannungsverfahren zu Verfügung. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote unseres nicht konfessionell gebundenen spirituellen Zentrums zu nutzen, welches hierzu ein umfangreiches Programm mit Meditatinen, sakralem Tanz und Mantren-Singen anbietet. Entspannungsverfahren wie die dem Guolin-Quigong sehr ähnlichen „Übungen der Kraft“ werden zusätzlich zu den verordneten Therapien wie Yoga, Autogenem Training, Tai Chi und Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson im freien Angebot gerne und häufig besucht.

  • Orthomolekulare Medizin

    Im Mittelpunkt der Orthomolekularen Medizin (altgr. orthós: richtig) steht die hochdosierte Verwendung von Vitaminen und Mineralstoffen (siehe Patienteninformationsskript „Vitamine“, „Mineralstoffe und Spurenelemente in der Onkologie“) zur Vermeidung und Behandlung von Erkrankungen.

    Krankheitsauslösend ist nach der Orthomolekularen Medizin ein biochemisches Ungleich-gewicht dieser Stoffe und eine daraus folgende Stoffwechselstörungen und Immunschwächung.

    Als „Vitalstoffe“ werden nahrungsergänzend Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essenzielle Fettsäuren (siehe Patienteninformationsskript „Omega-3-Fettsäuren) und Aminosäuren eingesetzt. Dabei wird häufig eine wesentlich höhere Zufuhr empfohlen, als ernährungsmedizinische Erkenntnisse rechtfertigen. Als Wegbereiter gilt Linus Pauling, Träger des Chemie- und Friedensnobelpreises. Orthomolekulare Medizin ist nach Pauling „die Erhaltung guter Gesundheit und Behandlung von Krankheiten durch die Veränderung der Konzentrationen von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind.“

    Einen wissenschaftlichen Nachweis dieser Methode gibt es nicht.

    Die orthomolekulare Lehre vertritt die These, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitalstoffen aufgrund der industriellen Lebensmittelherstellung (unnatürliche Züchtung, Transport, Lagerung) nicht mehr möglich ist. Dieser „chronische Mangel“ führt zu Erkrankungen. Daher ist eine Zufuhr über nahrungsergänzende Vitalstoffe notwendig.

    Es werden Dosierungen verwendet, die um ein Vielfaches höher liegen als der physiologische Bedarf und deutlich über den Empfehlungen (oft 100-1000-fach) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Deutschen Gesellschaft zur Ernährung (DGE). Solche „Megavitamindosen“ (B-Vitamine) wurden in der orthomolekularen Psychiatrie zur Behandlung von Schizophrenie, Depression, Neurosen, Autismus und Hyperkinesen eingesetzt.

    Die Wirksamkeit des Konzepts der orthomolekularen Medizin konnte bisher nicht mit naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien belegt werden. Eine Heilung von chronischen Erkrankungen konnte durch die Supplementierung nicht erzielt werden.

    Eine Überdosierung der eingesetzten Vitalstoffe kann zu Gesundheitsschäden führen. Etliche Studien belegen, dass eine längerfristige hochdosierte Gabe von Vitaminen, wie sie in der orthomolekularen Medizin praktiziert wird, zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen und die durchschnittliche Lebenserwartung verkürzen können. Besonders die fettlöslichen Vitamine (EDKA) können sich im Körper anreichern, aber auch die in Megadosen zugeführten wasserlöslichen Vitamine (C, B) sowie Mineralien und Spurenelemente können zur erheblichen Belastung des Stoffwechsels führen.

    In Studien konnte gezeigt werden, dass regelmäßige Vitamin E-Zufuhr die Sterblichkeit erhöht. Vitamin A ist in hohen Dosen selbst krebsauslösend und führt in der Schwangerschaft eingenommen zu schweren Missbildungen des Neugeborenen.

    Zu hohe Zufuhr von Vitamin C kann zu Durchfall und kolikartigen Beschwerden sowie Förderung von Nierensteinen und Osteoporose führen. Vitamin C verändert den Blutspiegel einiger Hormone (Östrogen, Schilddrüsenhormon, Insulin). Es begünstigt durch „Eisenoxidation“ (Radikalbildner) Kardiomyopathien (Herzmuskelentzündungen). Es konnte bislang auch kein Nachweis erbracht werden, dass eine Vitamin C-Zufuhr vor Erkältungserkrankungen schützt. Hohe Vitamin C-Dosen können sich jedoch günstig bei Extrembelastungen (Marathonläufer) auswirken. Dabei ist es schwer, einen Plasmaspiegel zu ermitteln, da dieser nicht mit der zugeführten Dosierung korreliert. Zu groß sind die individuellen Unterschiede.

    Vitamin B6 kann in hohen Dosen zu sensorischen Neuropathien führen. In schweren Fällen können sogar Lähmungserscheinungen der Hände und Füße auftreten.

    Niacin B3 kann zu allergischen Reaktionen und Leberschäden führen, die Auslösung einer Gelbsucht ist. Eine Überdosierung von Vitamin B1 kann zu Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit führen. Im Extremfall sind Lungenödem, Herzrhythmusstörungen und Magen-Darm-Blutungen möglich.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Aus diesen Gründen empfehlen wir in der Habichtswald-Klinik nicht die Einnahme von „Megavitamindosen“. Eine bedarfsorientierte Substitution bei Tumorpatienten ist jedoch im Einzelfall erforderlich (siehe Patienteninformationsskript „Vitamine“, „Mineralstoffe und Spurenelemente in der Onkologie“). Völlig unbeachtet bleibt in den allgemeinen Empfehlungen der Nahrungsergänzung, ob individuelle Risiken durch schon bestehende Stoffwechselveränderungen im Rahmen einer Tumorerkrankung vorliegen (z.B. veränderte Leber- oder Nierenwerte) und/oder eine medikamentöse Tumorbehandlung durchgeführt wird und es zu Wechselwirkungen kommen kann (z.B. Abschwächung oder Verstärkung von Chemo-, Strahlen- oder Hormontherapie).

    Mögliche Indikationen können sein:

    • Parenterale (durch die Vene) Ernährung: Vitamine und Spurenelemente müssen zwingend zugesetzt werden
    • Appetitstörungen, Kachexie (einseitige Ernährung, Untergewicht)
    • Störungen der Nahrungsaufnahme: Veränderungen im Magen-Darm Trakt durch Operationen. Nach Magenoperationen oder Verlust von bestimmten Abschnitten des Dünndarms muss Vitamin B12 ersetzt werden.
    • Störungen der Nahrungsverwertung: Eingeschränkte Fettverdauung bei Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, Proteinmangel.
    • Veränderungen der Darmflora (Antibiotika-, Chemo-, Strahlentherapie)
    • Veränderung der Darmmotorik
    • Verlust von Nährstoffen (Durchfall/Erbrechen)
    • Erhöhter Bedarf an Nährstoffen (nach Chemo-oder Strahlentherapie)

    Die Supplementierung ist dann zielgerichtet und überprüfbar. Regelmäßige Laborkontrollen werden entsprechend durchgeführt.

    Häufig stellen wir ein Vitamin D-Mangel fest. Dies hat viele Gründe und man weiß heute, dass ein Vitamin D-Mangel mit vielen Erkrankungen, auch onkologischen Erkrankungen korreliert. In Studien konnte gezeigt werden, dass ein ausgewogener Vitamin D-Haushalt (40-60ng/ml) sich positiv auf die primäre und sekundäre Krankheitsprävention auswirkt. Wir rechnen streng genommen das Vitamin D nicht mehr den Vitaminen, sondern den genregulatorischen Hormonen zu. Der Bedarf kann nicht durch Nahrungsmittel gedeckt sein, eine gute Eigensynthese mit Hilfe des Sonnenlichts ist also unerlässlich.

    In Deutschland haben nur wenige Vitaminpräparate eine Zulassung als Arzneimittel. Zahlreiche Präparate unterschiedlichster Zubereitung werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Die Rechtsprechung untersagt Werbung, die eine vermeintliche arzneiliche Wirkung suggeriert. Dennoch finden sich zahlreiche Hochglanzwerbebroschüren, die Vorteile durch Supplementierung von Nahrungsergänzungsstoffen zur Behandlung von sehr vielen, zumeist chronischen Erkrankungen versprechen oder auch zur allgemeinen Vorbeugung (Prävention) empfehlen. Auch werden oftmals umfangreiche teure Laboruntersuchungen angeboten. Unser Stoffwechsel ist keine statische Größe. Viele Prozesse unterliegen einer Rhythmik und die Erfassbarkeit und Interpretation von Laborparametern ist dadurch erschwert.

    Nahrungsergänzungsmittel unterliegen nicht dem  Arzneimittelgesetz, sondern dem Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch. Damit entfallen lästige Prüfverfahren und leider muss auch kein Wirksamkeitsbeweis erbracht werden.

  • Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)

    Das Ovarialkarzinom (Eierstocks-Krebs) ist in der westlichen Welt das zweithäufigste Genitalmalignom der Frau. Ca. 7.800 Frauen erkranken jährlich in Deutschland neu daran, die meisten sind älter als 50 Jahre.

    Das Problem dieses aggressiven Tumors ist, dass er erst in fortgeschrittenen Stadien Symptome macht und erst dann diagnostiziert wird. Eine Früherkennungsuntersuchung ist nicht gesetzlich vorgesehen, in Frage kämen hierzu eine Ultraschalluntersuchung, ggf. die Bestimmung des Tumormarkers CA-125, für beide Methoden gibt es keinen ausreichenden Nachweis der Wirksamkeit für die Früherkennung.

    Zu den Risikofaktoren zählen hormonelle Einflüsse wie beispielsweise eine Hormontherapie in und nach den Wechseljahren, Unfruchtbarkeit und Kinderlosigkeit – während Schwangerschaft sowie die Einnahme der „Pille“ eine schützende Wirkung haben. Bei einigen Frauen liegt eine erbliche Disposition vor, etwa bei BRCA-1 Mutation, die auch für eine erbliche Brustkrebsform verantwortlich ist.

    Aktuelle Informationen zu Epidemiologie, Ursachen, Symptomen, Diagnostik, Pathologie, Stadien, Therapie (Operation, Chemotherapie, Antikörpertherapie, Rezidivtherapie), Prognose entnehmen Sie bitte z. B. den aktuellen Informationen des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) oder der Deutschen Krebsgesellschaft.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Nach Abschluss der primären Therapie (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie) oder auch zur Fortführung der laufenden Chemotherapie oder Antikörpertherapie können Patientinnen in unserer Klinik aufgenommen werden. Durch eine Behandlung im Rahmen unserer ganzheitlichen Konzeptes ist eine bessere Regeneration und Mobilisation sowie durch begleitende psychoonkologische Unterstützung eine bessere Krankheitsverarbeitung gewährleistet. Dabei ist es uns möglich, Ovarialkarzinom-Erkrankungen in allen Krankheitsstadien zu behandeln, d. h. es kommen Patientinnen nach Erstdiagnose und Primärtherapie, aber auch Patientinnen mit Rezidiv oder in Palliativsituationen zu einer onkologischen Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitation in unser Haus. Darüber hinaus gibt es Angebote für Kurzaufenthalte zu Wochenpauschalpreisen.

    Komplementäre Therapien ergänzen bzw. unterstützen die konventionellen (schulmedizinischen) Verfahren, stellen also keine Alternative zu Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie und Antikörpertherapie dar. Komplementär stellen wir jeweils ein individuell auf die konkreten Bedürfnisse abgestimmtes Anwendungsprogramm zusammen.

    Dabei werden natürlich Wünsche und Vorstellungen der Patientinnen berücksichtigt.

    Das Prinzip der Ganzheitlichen Medizin ist es, nicht nur die Krankheit des Menschen, sondern insbesondere den Menschen mit seiner Erkrankung im lebensgeschichtlichen Kontext unter Einbeziehung von Körper, Seele und Geist zu behandeln. Das bedeutet nicht nur die Zerstörung des Tumors, sondern vor allem die Stärkung der körpereigenen Kräfte und Förderung der Gesundung (Salutogenese).

    Dazu wenden wir Verfahren aus der Pflanzen- und Naturheilkunde/Homöopathie, individuell an den Bedarf angepasste Nahrungsergänzung oder schmerzlindernde Phytotherapeutika an. Zum Einsatz kommen verschiedene Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapien (z.B. Einzelgespräche, Übungen zur Körperwahrnehmung, Simontontraining, Ausdrucksmalen und Kunsttherapie) in Kombination mit vielfältigen krankengymnastischen/sportmedizinischen Angeboten, aktivierenden Wasseranwendungen in der Kurhessen-Therme (direkt an unser Haus angeschlossen und durch einen unterirdischen Verbindungsgang zu erreichen) und verschiedene physikalische Therapien und Massageverfahren zur direkten und indirekten Lösung von Verspannungen (z.B. klassische Massagen, Marnitztherapie, Akupunktmassagen nach Pencel, Fußreflexzonenmassagen u. a.). Bei den nicht so seltenen Lymphabflussstörungen nach der Operation sind regelmäßige Lymphdrainagen, unterstützt durch Lymphtaping und Kompression erforderlich.

    In den meisten Fällen ist schon die Operation eines Ovarialkarzinoms mit deutlichen Folgeerscheinungen verbunden, die in unterschiedlichem Ausmaß das Selbstwert- und Körpergefühl als Frau beeinflussen. Es sind elementare Bereiche der weiblichen Identität betroffen wie Sexualität, Fortpflanzungsfähigkeit, klimakterische Beschwerden. Des Weiteren leidet die Patientin oft unter den Folgen der Chemotherapie, z. B. Haarverlust, Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Sensibilitätsstörungen an Händen und/oder Füßen, Geschmacksstörungen und Beeinträchtigung des Immunsystems. Zur Behandlung einer Chemotherapie assoziierten Polyneuropathie, d.h. Gefühlsstörungen an Händen und Füßen, haben wir ein spezielles Programm mit Iontophorese mit Vitamin B Gel und Ergotherapie entwickelt. Ergotherapie wird auch zur Behandlung der Fatigue (Müdigkeitssyndrom) und Konzentrations-/Gedächtnisstörungen eingesetzt, aber auch Bewegungstherapie und physikalische Therapie unterstützen die Rückbildung dieser Beschwerden.

    Obwohl sich diese Veränderungen meist gut zurückbilden, beeinträchtigen sie doch die Lebensqualität der betroffenen Patientinnen für eine gewisse Zeit negativ. Hingegen bleiben die Operationsfolgen im Wesentlichen dauerhaft bestehen, so dass die Patientin im Umgang mit der neuen Lebenswirklichkeit Bewältigungsstrategien entwickeln muss. Hierzu gehört etwa der Umgang mit einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung, die manchmal bei ausgedehnten Tumoroperationen angelegt werden müssen. Hier erhalten sie kompetente Beratung und Anleitung über speziell fortgebildetes Pflegepersonal.

    Eine gesunde Ernährung ist uns ein wichtiges Anliegen. Diese kann durch die vorangegangene Operation und Chemotherapie erschwert sein, hier helfen die Ernährungsberaterinnen weiter.

  • Polyneuropathie

    Viele onkologische Therapien können Nerven-Schädigungen verursachen – meist an den peripheren Nerven, welche Arme, Beine und Rumpf versorgen. Man spricht auch von einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie. Diese bildet sich oft nur zögerlich oder gelegentlich auch gar nicht zurück, was zu Schmerzen und alltagsrelevanten Einschränkungen führen kann.

    Besonders häufig tritt diese Nebenwirkung auf nach Gabe von Chemotherapeutika wie Taxanen (z.B. Docetaxel oder Paclitaxel) und Platinderivaten (wie Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin) – hier oft erst nach Wochen, sowie Vincaalkaloiden ( wie Vincristin, Vinblastin, Vinorelbin). Oft ist auch das autonome Nervensystem mit betroffen, welches die Funktion der inneren Organe beeinflusst. Aber auch neuere Substanzen wie Tyrosinkinasehemmer (z.B. Imatinib, Sorafenib, Sunitimib) und Medikamente zur Behandlung von Plasmozytomen ( wie Bortezomid, Thalidomid und Lenalidomid) können Nervenschäden verursachen.

    Etwa 5% der Patienten mit einer Monotherapie (also mit einer Substanz behandelt) und knapp 40% derjenigen mit Kombinationstherapie (mehrere Substanzen gleichzeitig oder hintereinander) müssen mit einer Polyneuropathie rechnen. Liegen Begleiterkrankungen wie Zuckerkrankheit, Nierenversagen oder ein höheres Lebensalter vor, betrifft die Polyneuropathie in unterschiedlichem Ausmaß bis zu 50% der Patienten.

    In der Regel treten beidseitige Störungen der Empfindung (sensible Ausfälle) oder auch der Bewegung (motorisch) auf – besonders an den rumpffernen Regionen (wie Füße und Hände). Diese können sich im Verlauf zum Rumpf hin ausdehnen. Die Betroffenen klagen über ein gestörtes Kalt/Warm-Empfinden, Brennen, vermehrte Schmerzempfindlichkeit oder auch über Gefühllosigkeit z.B. der Zehen, des Vorfußes oder der Fußsohle. Hierdurch kann die Standsicherheit eingeschränkt sein, man geht wie „auf Wolken“, weil der Untergrund nicht gespürt wird. Schmerzen werden oft als einschießend, brennend geschildert. Durch Beeinträchtigung des autonomen Nervensystems kann es zu Hautveränderungen, Blasen-, Mastdarm- oder Erektionsstörungen und verminderter Darmmotilität kommen.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Bei Verabreichung von Chemotherapien setzen wir begleitend Wirkstoffe ein, die eine Polyneuropathie abmildern, z.B. bei Taxanen wie Docetaxel scheint eine Kühlung von Füßen und Händen während der Medikamentengabe vorbeugend wirksam zu sein.

    Je nach Beschwerdebild werden Medikamente zur Schmerztherapie notwendig sein, diese können auch lokal verabreicht wirksam sein.

    Wir verfolgen einen intensiven multimodalen Therapieansatz, dessen gemeinsames Grundprinzip heißt:

    • betroffene Hände und Füße möglichst viel bewegen
    • regelmäßige, unterschiedliche taktile Reize setzen
    • Patientenschulung, Anleitung für die Zeit nach der Rehabilitation

    Elektrotherapie führt zu gesteigerter Erregbarkeit der betroffenen Nerven durch zelluläre Elektrolytverschiebung. Eingesetzt werden TENS, Reizstromtherapie und eine speziell entwickelte Form der Iontophorese.

    Physiotherapie zur Behandlung von Koordinationsproblemen, Verbesserung der Stand- und Gangsicherheit, Erlernen von Übungen für zu Hause. Falls notwendig erfolgt eine Verordnung von Hilfsmitteln ( Gehstock o.ä.)

    Im Rahmen der Ergotherapie werden mechanische Reize gesetzt durch Kontakt mit unterschiedlichsten Materialien, Kennenlernen von Hilfsmitteln ( wie Bürsten, Igelbälle, Fußrollen) – auch um die erlernten Übung zu Hause fortzusetzen. Falls erforderlich werden spezielle Hilfsmittel (Spezialgriffe von Schreibgerät, Besteck) verordnet. Es wird bei Bedarf ein Training der Fein- und Grobmotorik sowie Schreibtraining angeboten.

    Die Pflege sorgt für eine Verbesserung der Hautelastizität und Regeneration durch Hautpflege (Ölmischung mit Tonika zur Schmerzlinderung). Es erfolgt eine Schulung und Anleitung zur regelmäßigen Kontrolle auf Verletzungen und Druckstellen (wichtig bei mangelndem Schmerzempfinden).

    Alle diese Maßnahmen können während eines stationären Aufenthaltes mit höherer Frequenz, konzentriert und koordiniert durchgeführt werden und führen so zu schnellerer und nachhaltiger Besserung.

    Für die Betroffenen ist wichtig, dass eine sozialmedizinische Beurteilung von länger als 6 Monate bestehender Funktionseinschränkung mit Auswirkung auf die Teilhabe am Sozialleben und Berufstätigkeit berücksichtigt wird. Im konkreten Fall kann dies funktionelle Einschränkungen beim Schreiben, bei Computerarbeiten, bei feinmotorischen Fähigkeiten wie Geldzählen, Umblättern, Knöpfe auf- und zuknöpfen betreffen, aber auch Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, das Führen von Fahrzeugen und Steuern von Maschinen u.ä.

    Zu dieser Problematik bietet unser Sozialdienst Beratung an über stufenweise Wiedereingliederung ins Berufsleben an, Schritte zur leidensgerechten Umgestaltung des Arbeitsplatzes können eingeleitet werden bis hin zu Beantragung von Qualifizierungsmaßnahmen oder Umschulungen. Es können Hilfen für die Alltagsgestaltung besprochen und Kontakte zu entsprechenden Angeboten am Heimatort aufgenommen werden.

  • Prostatakarzinom

    Bei jedem 6. Mann über 50 Jahre wird heute ein Prostatakarzinom (Prostatakrebs) festgestellt. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Bei 9 von 10 Männern über 90 Jahre finden sich in einer feingeweblichen Untersuchung Prostatakrebszellen. Die Ursache ist multifaktoriell.

    Die Prostata ist eine Drüse und hat die Größe einer Walnuss. Sie umschließt die Harnröhre unterhalb der Blase. Sie gehört zu den männlichen Fortpflanzungsorganen und produziert einen Eiweißstoff (Enzym), der den Samen verflüssigt (prostataspezifisches Antigen, PSA).

    Frühdiagnostik

    Frühdiagnostik kann nicht vor dem Ausbruch einer Erkrankung schützen. Ein frühzeitig erkanntes Prostatakarzinom hat jedoch eine hohe Heilungschance. Zur Frühdiagnostik gehören Tastuntersuchung der Prostata, Bestimmung des PSA-Wertes, transrektale Sonographie und ggf. Biopsie. Die Messung des PSA-Wertes ist nicht unumstritten, denn ein leicht erhöhter Wert kann auch zu Überdiagnose und Übertherapie führen. Auch reicht eine einmalige Bestimmung nicht aus, ein erhöhter Wert muss grundsätzlich kontrolliert werden. Das Alter des Patienten spielt eine große Rolle. Ca. 30% der über 50-jährigen Männer tragen ein „stummes Prostatakarzinom“ (latent) in sich, das dem Mann zu Lebzeiten keine Beschwerden verursacht und auch nicht gesundheitsgefährdend ist. In der Regel wächst ein Prostatakarzinom langsam. Es bleibt nach der Diagnose genügend Zeit, in Ruhe die Behandlungsmöglichkeiten abzuwägen.

    Erkrankung

    Hat sich herausgestellt, dass Sie wirklich an Prostata-Krebs erkrankt sind, muss das genaue Tumorstadium ermittelt werden. Zur Bestimmung des Tumorstadiums wird der Gleason-Score bestimmt. Er lässt Rückschlüsse auf die Aggressivität des Tumors zu. Er reicht von 6-10. Je höher der Score, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs schneller wächst.

    Eine weitere bildgebende Diagnostik (z.B. CT, MRT, PET-CT, Skelettszintigraphie) erfolgt, wenn der Tumor als sehr groß oder aggressiv eingestuft wird.

    Die TNM-Klassifikation beschreibt, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat (T), ob Lymphknoten betroffen (N) oder Metastasen vorhanden sind (M).

    Die Diagnose einer Krebserkrankung wirkt sich immer auf das gewohnte Umfeld aus und verändert den Alltag. Damit umzugehen ist nicht immer leicht. Es kann sinnvoll sein, rechtzeitig psycho-onkologische Hilfe anzunehmen. Auch kann es hilfreich sein, sich vor einer Therapieentscheidung eine 2. Fachmeinung (second opinion) einzuholen.

    Sind alle Informationen zusammengetragen, steht die Entscheidung über die Behandlungsmöglichkeit an.

    Es kommen je nach Befund folgende Möglichkeiten in Betracht:

    • Kontrolliertes Zuwarten
    • Operation
    • Bestrahlung
    • Brachytherapie, eine lokale Form der Strahlentherapie
    • Hormontherapie
    • Chemotherapie
    • palliative Therapie

    Natürlich müssen Sie über die medizinischen Wirkungen und Nebenwirkungen einer Behandlung gut informiert werden. Die Bedeutung für ihre zukünftige Lebensführung und ihr körperliches und seelische Wohlbefinden ist zu beachten. Welche Therapie Ihrer persönlichen Situation angemessen ist und entspricht, ist Ihre persönliche Entscheidung und erfordert eine umfassende Information und Aufklärung durch den Behandler.

    Kontrolliertes Zuwarten

    Ein wenig aggressives Prostatakarzinom wächst nur sehr langsam oder auch gar nicht. Daher soll der Nutzen einer Behandlung sehr genau gegen die Risiken abgewogen werden. Operation, Strahlentherapie oder Hormontherapie belasten unter Umständen ihren Körper stärker als der Krebs. Aufmerksames Beobachten (watchful waiting) bedeutet, dass Ihr Gesundheitszustand regelmäßig von Ihrem Arzt kontrolliert wird. Erst wenn Beschwerden auftreten, werden diese behandelt.

    Operative Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie, RP)

    Sie verfolgt das Ziel der Heilung. Der Eingriff kann zwischen Schambein und Bauchnabel (retropubisch), laparoskopisch (Bauchspiegelung) oder mittels Dammschnitt (perineal) erfolgen. Es können auch Lymphknoten mit entfernt werden. Eine transurethrale (d.h. durch die Harnröhre vorgenommene) Resektion der Prostata (TURP) wird bei gutartiger Prostatavergrößerung vorgenommen oder als palliative (lindernde) Maßnahme durchgeführt, um Störungen bei der Blasenentleerung zu vermeiden. Verbesserte und neue Operationstechniken haben dazu geführt, dass operationsbedingte Nebenwirkungen geringer geworden sind. Häufiger kommt es zu Harnträufeln (Inkontinenz). Auch können Harnwegsinfekte auftreten. Ein weiteres Problem ist die erektile Dysfunktion (beeinträchtigte Gliedversteifung). Eine Lymphknotenentfernung kann zu Lymphödembildung führen. Durch Nervenschädigung können Gefühlsstörungen auftreten.

    Wärme- und Kältetherapie, fokussierter Ultraschall (Hyperthermie, HiFu, Lasereinsatz, Kyroablation)

    Die Wirksamkeit dieser Verfahren wird derzeit geprüft. Noch ist eine langfristige Wirksamkeit nicht bewiesen. Sie sollten nur bei sehr kleinen Tumoren in Betracht gezogen werden. Lokale Hyperthermie wird meistens mit einer Chemotherapie kombiniert.

    Strahlentherapie (Radiotherapie)

    Ionisierte Strahlen verändern das Erbgut von Zellen. Normale, gesunde Zellen können solche Schäden meistens reparieren. Bei Krebszellen funktioniert das Reparatursystem nicht so gut, sie sterben ab. Die Bestrahlung stellt eine Alternative zur Operation dar. Sie kommt zum Einsatz, wenn Gründe gegen eine operative Maßnahme sprechen (Alter, Begleiterkrankungen). Eine zusätzliche Bestrahlung nach Operation (adjuvant) kann sinnvoll sein, wenn der Tumor eine bestimmte Größe überschritten hat.

    Man unterscheidet die perkutane Strahlentherapie (von außen durch die Haut) von einer Brachytherapie (von innen). Die Brachytherapie kann mit sehr hoher Dosisrate durchgeführt werden (HDR-Brachytherapie) oder mit einer geringeren Intensität über einen längeren Zeitraum (LDR-Brachytherapie). Die Brachytherapie ist zur Behandlung des lokal fortgeschritten oder metastasierten Prostatakarzinoms nicht geeignet.

    Eine palliative Bestrahlung kann zum Beispiel zur gezielten Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden.

    Bei jeder Bestrahlung wird ein Bestrahlungsplan sorgfältig erstellt, die erforderliche Strahlendosis (Gray, Gy) wird ermittelt mit dem Ziel, gesundes Gewebe weitestgehend zu schonen. Moderne Verfahren wie Protonen-Bestrahlung sollen die Belastung von umgebendem gesunden Gewebes weiter minimieren.

    Nebenwirkungen der Strahlentherapie erklären sich durch die Strahleneinwirkung auf gesundes Gewebe (Blase, Enddarm, Haut). Diese können akut auftreten. Ähnlich wie nach einer Operation kann es aber auch zu Spätfolgen wie Impotenz, Inkontinenz oder chronischen Darmentzündungen kommen.

    Hormonentzugstherapie

    Das Prostatakarzinom ist ein primär hormonsensibler Tumor. Hormoneller Einfluss kann zu Tumorwachstum führen. Daher führt umgekehrt Hormonentzug zu einem Wachstumsstillstand. Ziel ist also, den Testosteron-Spiegel zu senken oder die Testosteron-Wirkung am Testosteron-Rezeptor der Tumorzelle zu unterbinden. Die Hormonentzugstherapie ist eine systemische Therapie, das heißt, sie wirkt auch auf Metastasen und kommt oft beim fortgeschrittenen oder metastasierten Tumor zur Anwendung (palliativ).

    Es stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung.

    • Entfernung beider Hoden (Orchiektomie)
    • LHRH-Analoga (Goserelin, Leuprorelin Zoladex®): Sie unterbrechen den Regelkreis zwischen Hirnanhangsdrüse und Hoden und senken die Testosteron-Produktion um ca. 95%. Da Testosteron auch außerhalb des Hodens in den Nebennieren gebildet wird, bleibt immer ein gewisser Testosteron-Spiegel erhalten. Nach der ersten Gabe ist zunächst ein Anstieg des Testosteron-Spiegels zu erwarten. Daher erfolgt mindestens anfänglich die Kombination mit Antiandrogen.
    • Antiandrogene (Cyproteronacetat Androcur®, Bicalutamid Casodex® , Flutamid) werden oft ergänzend zu LHRH-Analoga eingesetzt (maximale Androgen-Blockade) und binden direkt an den Androgen-Rezeptor.
    • Intermittierende Hormontherapie: Die Medikamentengabe erfolgt in Abhängigkeit des PSA-Wertes: fällt der Wert ab, wird die Medikation pausiert.
    • Dreifach Kombination mit Finasterid: Finasterid ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung gutartiger Prostatavergrößerungen eingesetzt wird. Der Einsatz beim Karzinom ist experimentell, die Wirksamkeit durch Studien nicht belegt.

    Nach längerer antihormoneller Therapie entwickeln sich oft Zellen, die trotzdem weiterwachsen, ja sogar das Antiandrogen als Wachstumsstimulation wahrnehmen. In diesen Fall kann durch Medikamentenwechsel ein erneutes Ansprechen erreicht werden. Eine Hormonentzugstherapie wird manchmal auch adjuvant nach Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt, um ein Rezidiv der Erkrankung zu vermeiden. Ob ein frühzeitiger Hormonentzug einen Überlebensvorteil darstellt, ist nicht nachgewiesen. Eine Indikation ergibt sich, wenn Behandlungs-bedürftige Beschwerden vorliegen. In einzelnen Fällen (fortgeschrittenes Prostatakarzinom) kann der Hormonentzug auch schon vor einer Bestrahlung erfolgen (neoadjuvant). Dadurch soll versucht werden, die Menge von Krebszellen zu verringern und so die Wirksamkeit einer Bestrahlung zu erhöhen.

    Nebenwirkungen der Hormonentzugstherapie sind Gynäkomastie (schmerzhaftes Anschwellen der Brust). Dies kann durch eine kurze, praktisch nebenwirkungsfreie Bestrahlung der Brustdrüse vermieden werden. Durch die hormonellen Veränderungen kann es zu Veränderungen der Libido und Potenz kommen. Die Entwicklung einer Osteoporose wird gefördert. Beeinträchtigend sind manchmal Hitzegefühl/Schweißausbrüche, Gewichtszunahme und Muskelabbau. Auch kann die Hormonentzugstherapie zu psychischen Veränderungen (Antriebsschwäche, depressive Verstimmung) führen. Antiandrogene hemmen die Testosteron-Bildung nicht, sondern blockieren die Rezeptoren. Daher ist der Testosteron-Spiegel normal bis leicht erhöht. Damit bestehen weniger Nebenwirkungen. Eine alleinige Antiandrogen-Therapie kommt nur bei geringer Tumorbelastung infrage. Am stärksten sind die Nebenwirkungen ausgeprägt bei der maximalen Androgen-Blockade, also der Kombination.

    Chemotherapie

    Die Chemotherapie ist ebenfalls eine systemische Therapie, d.h. sie wirkt auf den gesamten Organismus. Es werden Medikamente eingesetzt, die die Zellteilung hemmen. Chemotherapie beim Prostatakarzinom kommt zum Einsatz, wenn trotz Hormontherapie ein weiteres Tumorwachstum besteht oder erhebliche Beschwerden vorliegen, die durch das weitere Tumorwachstum ausgelöst sind. Ob ein frühzeitiger Einsatz Vorteile erbringt, ist bislang ungeklärt. Die Entscheidung, eine Chemotherapie durchzuführen, muss sehr sorgfältig abgewogen werden. Insbesondere ein „Nebenwirkungsmanagement“ muss suffizient erfolgen, um die Belastung auch auf das subjektive Befinden und die Lebensqualität gering zu halten.

    Docetaxel ein Chemotherapeutikum aus der Gruppe der Taxane (Eibenrinde) ist zur Behandlung zugelassen.

    Nebenwirkungen können durch begleitende Medikamente, z.B. gegen Übelkeit gemildert werden. Auch können allergische Reaktionen durch Kortisongabe vermieden werden. Da durch die Gabe von Chemotherapeutika auch die Blutbildung unterdrückt wird, kommt es zu einer Verminderung der Abwehrzellen mit erhöhter Infekt-Anfälligkeit. Es kann zu Übelkeit Erbrechen, Durchfällen, Haarausfall, Verfärbung der Fingernägel, Entzündung der Mundschleimhaut, Thrombosen und Nervenschädigung mit Taubheitsgefühl/Schmerzen an Händen und Füssen (Polyneuropathie) kommen (siehe Patienteninformation „Chemotherapie“).

    Palliative Therapie, Behandlung fortgeschrittener Erkrankung

    Zur Behandlung einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Ein gutes psychisches und physisches Befinden kann Einfluss auf den Verlauf einer Erkrankung nehmen. Die palliative Therapie hat nicht zum Ziel, durch Tumorzellvernichtung zu einer Heilung zu kommen. Es geht vielmehr darum, eigene Ressourcen zu optimieren. Hier kommen verschiedene Therapien zum Einsatz:

    • Lokale Bestrahlung, Radionuklidbehandlung (Knochenmetastasen)
    • Gabe von Bisphosphonaten, Antikörper (Denusumab, XGEVA®)
    • Schmerztherapie

    Nicht nur medikamentöse Verfahren sind von Bedeutung. Die metabolisch angepasste Ernährung (stoffwechselangepasst), Krankengymnastik und Physiotherapie zu Erhaltung von Mobilität und Muskelkraft sowie die psycho-onkologische Begleitung haben eine große Bedeutung. Neben dem körperlichen Zustand geht es auch um seelisches, soziales, ökonomisches und spirituelles Wohlbefinden.

    Neue Therapieansätze (Antikörper/zielgerichtete Therapien) und Studien

    Innerhalb von Studien kommen neue Substanzen zur Behandlung des Prostatakarzinoms zum Einsatz. So z. B. der Antikörper Ipilimumab, neuartige Antiandrogene oder Impfstoffe (Sipuleucel-T). Auch Antikörper, die das Gefäßwachstum bremsen, kommen zum Einsatz.

    Diese Verfahren benötigen noch viel Forschung, bevor Ergebnisse zur Wirksamkeit vorliegen.

    Ob die Möglichkeit zu einer solchen neuen Behandlung besteht, muss entsprechend des Krankheitsstadiums und der Histologie ermittelt werden.

    Nachsorge

    Spätestens 3 Monate nach Abschluss der Behandlung, sollte die Nachsorge beginnen. Dabei erfolgt eine ausführliche Anamnese über Beschwerden und die Bestimmung des PSA-Wertes. In den ersten 2 Jahren findet die Nachsorge alle 3 Monate statt, im 3.und 4. Jahr alle 6 Monate und ab dem 6. Jahr jährlich. Bildgebende Verfahren (MRT, CT, Knochenszintigramm) werden nicht routinemäßig durchgeführt. Erst bei einem PSA-Wert über 10ng/ml sind sie aussagekräftig.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt nicht nur eine körperliche Beeinträchtigung dar. Es besteht eine seelisch traumatische Situation, vergleichbar mit einem Schockzustand. Zunächst wird man die empfohlenen Behandlungen, wie z.B. Operation durchführen. Man wird mit Ängsten konfrontiert, die jede Diagnostik immer wieder neu auslösen. Je nach Persönlichkeit kann die psychische Belastung zu Veränderung der Stimmung führen und die Kommunikation mit Angehörigen und Freunden belasten.

    Viele Patienten leiden an einem Fatigue-Syndrom (Chron. Erschöpfungs-Syndrom) und sind in ihrem Befinden erheblich beeinträchtigt.

    Aus diesen Gründen ist eine Anschlussheilbehandlung/Rehabilitation nach der primären Behandlung zu empfehlen. Ziele sind:

    • Gezielte Behandlung von Funktionsstörungen (z.B. Harninkontinenz, Impotenz, Polyneuropathie, Lymphödem)
    • Wiederherstellung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit
    • Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Berufsleben

    Eine spätere stationäre Rehabilitation kann auch erforderlich werden, wenn Beeinträchtigungen vorliegen, die sich ambulant nicht bessern.

    Ein Aufenthalt in unserer Klinik kann ebenfalls angezeigt sein, wenn medizinischer Beratungsbedarf bzgl. therapeutischer Entscheidungen besteht. Dies kann ambulant als second opinion oder im stationären Rahmen erfolgen. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann eine palliative Therapie durchgeführt werden. Hier erfolgt eine kompetente med. Betreuung. Gemäß unserem Leitbild einer ganzheitlichen Betrachtungsweise finden wir gemeinsam mit Ihnen einen Behandlungsweg.

    Unsere therapeutischen Angebote tragen zur Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei (Ganzheitliche Medizin).

    Komplementäre Therapien können indikationsbezogen zum Einsatz kommen (z.B. naturheilkundliche Behandlungen wie Phytotherapie, Orthomolekulare Medizin, Enzyme, Immunstimulierende Behandlungen, Homöopathie, TCM ). Therapienebenwirkungen können durch begleitende unterstützende Therapien gemindert werden. Gerade der Wunsch nach naturheilkundlicher Behandlung kann auch verunsichern, da es viele Vorschläge und Betrachtungsweisen zur Behandlung gibt. Das Angebot „Alternativer“ Therapien ist unendlich groß und der Patient oftmals überfordert, die Wirkweise zu überblicken. Hier beraten wir Sie seriös über Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren.

    Unsere Therapiekonzepte sind individuell gestaltet. Sie zielen nicht nur auf die direkte Zerstörung von Tumorzellen ab, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern Gesundung (Salutogenese).

    Harninkontinenz, eingeschränkte Erektions- und Ejakulationsfähigkeit beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Viele Männer sind verunsichert und sprechen aus Schamgefühl nicht oder nur wenig über diese Beeinträchtigung. Identität und Selbstwertgefühl sind angegriffen. Eine offenes Gespräch, genaue Anamnese und ggf. Untersuchung dieser Problematik kann zu Behandlungsmöglichkeiten führen.

    Es kommen aus dem Bereich der Krankengymnastik konditionsbildende- und muskelkräftigende Trainingstherapien zum Einsatz. Sport und Bewegung mit einem ausgewogenen Trainingsprogramm können zur Besserung des Fatigue-Syndroms beitragen und einer Osteoporose entgegenwirken. Studien belegen, dass Sport und Bewegung ein Krankheitsrezidiv-Risiko vermindern kann. Einen Schwerpunkt stellt die spezielle Beckenbodengymnastik zur Verbesserung der Inkontinenz dar. Aus dem Bereich der Physiotherapie/Massage können neben klassischen Verfahren auch Reflexzonenbehandlungen (Fußreflexzonenmassage, Akkupunktmassage) zur Funktionsverbesserung zum Einsatz kommen. Zur Verbesserung eines Lymphödems kommen neben Lymphdrainage auch spezielle Techniken des Lymph-Tapings zum Einsatz. Polyneuropathische Beschwerden können mit einem speziellem ergotherapeutischen Sensibilitätstraining und Iontophoresebehandlung mit Vitamin B gebessert werden.

    Anwendungen wie Bewegungsbäder in der angegliederten Kurhessentherme oder Kneipp-Therapien sowie stoffwechselaktivierende Wasseranwendungen verbessern die Regulation und kommen daher mit Erfolg zum Einsatz.

    Ernährungstherapie und- Ernährungspsychologie spielen gerade bei hormonabhängigen Tumoren eine wichtige Rolle. Ernährungsgewohnheiten können den Verlauf einer Erkrankung günstig beeinflussen. Daher stehen uns unterschiedliche Kostformen zur Verfügung, um eine auf Ihren Stoffwechsel abgestimmte Ernährung durchzuführen. Sie erfahren ausführliche Beratung in persönlichen Gesprächen und Vorträgen. Der Besuch von Kochkursen gibt Anleitung zur praktischen Anwendung.

    Ein Schwerpunkt unserer Arbeit besteht in der psycho-onkologische Betreuung. Diese gestaltet sich individuell nach den Bedürfnissen und Zielen des Patienten. Strategien zum Umgang mit der Erkrankung und bestehenden Ängsten, Verbesserung der Selbst-Aufmerksamkeit, Achtsamkeit sowie verbessertes Stressmanagement stehen dabei im Vordergrund. Neben Einzelgesprächen werden Gruppengespräche, Simonton-Visualisierungsübungen, Ausdrucksmalen, Kunsttherapie und Tanztherapie angeboten. Zur Besserung des Fatigue-Syndroms führen wir ein spezielles Training zur Förderung von Konzentration- und Koordination durch (Brain-Gym.). Verschiedene Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR), Tai chi, Yoga, Autogenes Training werden angeboten. Bei hormonentzugsbedingten Beschwerden (Hitzegefühl/Schweißausbrüche) wird ein spez. Imaginationstraining durchgeführt.

    Die Frage nach Sein und Sinn kann ein entscheidender Teil der Therapie werden. Im Rahmen unseres „freien spirituellen“ Angebotes kann z.B. an verschiedenen Meditationen, sakralem Tanz und Mantrensingen   teilgenommen werden. Unser spirituelles Angebot ist nicht konfessionsgebunden und steht auf freiwilliger Basis zur Verfügung. Auch besteht ein Angebot kreativer Arbeit (z.B. Mandala gestalten, Töpfern, Seidenmalerei).

    Wir beraten und unterstützen sie in sozialmedizinischen Fragestellungen wie z.B. berufliche Wiedereingliederung, Informationen zum Schwerbehindertenrecht oder Planung der ambulanten häuslichen Versorgung (Hilfsmittel, Pflege).

    In den letzten Jahren haben viele neue Erkenntnisse zur Tumorbiologie nicht nur zu neuen Behandlungsmöglichkeiten geführt, sondern auch zu einer anderen Betrachtungsweise der Tumorerkrankung. Die Tumorerkrankung stellt eine individuelle Erkrankung dar, Behandlungsziel ist daher eine personalisierte Medizin. Die Behandlung erfordert eine hohe Fachkompetenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit um eine erfolgreiche Therapie durchzuführen. Von großer Bedeutung ist die Lebensweise des Patienten, die Einfluss auf den Verlauf einer Tumorerkrankung und deren Prävention hat.

    Die Stärkung eigener Ressourcen gemäß dem salutogenetischen Gedanken (Lehre von der Gesundheit) ist daher ein Hauptziel unsere Arbeit.

  • Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen

    Möglichkeiten der Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen

    – Seelische Aspekte von Erkrankungen meistern –

    Viele Patienten mit körperlichen Erkrankungen fragen, wozu eine Psychotherapie von Nutzen sein kann, wenn doch der Körper krank ist. Unterschiedliche Blickwinkel stehen im Vordergrund: die Krankheitsbewältigung und aktuelle Stabilisierung einerseits sowie der Blick auf das, was in der Alltagsrealität an gesundheitsbelastenden Faktoren zu ändern ist andererseits.

    In Krisenzeiten und Krankheitsphasen – wie beispielsweise nach einer Krebsdiagnose – sind die Betroffenen oft existentiell erschüttert. Sie sehen sich vor die große Herausforderung gestellt, den Schock der Diagnose zu verarbeiten und mit der Erkrankung umgehen zu lernen. Auch sind bisweilen die Beziehungen belastet und die Kommunikation verändert sich. Bei der Krankheitsbewältigung kann eine Psychotherapie oder eine psychoonkologische Begleitung sehr hilfreich und unterstützend sein. Bei beiden geht es in erster Linie um krankheitsbedingte Problematiken und Themen wie Endlichkeit, Umgang mit der Erkrankung im sozialen Umfeld oder die Beziehung zum veränderten Körper; im Vordergrund steht die Stabilisierung.

    Es können auch Probleme angesprochen werden, die grundlegende Themen berühren. Zum Beispiel geht es um allgemeine Lebenshaltungen und Einstellungen oder weiter zurückliegende Erlebnisfaktoren, die im Angesicht der Erkrankung neu in den Fokus kommen. Je nach Bedarf werden Themen der Selbstfürsorge, des Selbstwertgefühls und erlernter störender Konzepte behandelt. In diesem Kontext geht es weniger um die Aufarbeitung der Vergangenheit, vielmehr liegt der Fokus auf dem Hier und Jetzt („Was hilft jetzt?“). Dazu  braucht es manchmal allerdings auch einen Blick auf die Wurzeln und Ursachen von aktuellen Schwierigkeiten.

    Was ist Psychotherapie?

    Viele Menschen assoziieren mit Psychotherapie noch immer Sigmund Freud mit seiner roten Couch. Zwar hat Sigmund Freud als Begründer der Psychoanalyse den Grundstein für die Psychotherapie gelegt; seine ursprüngliche Theorie wurde jedoch bis heute immer weiter entwickelt. Heute ist die Psychoanalyse nur ein Verfahren neben anderen: der tiefenpsychologisch fundierten Therapie, der Verhaltenstherapie und der Gesprächstherapie sowie systemischen und erlebnisorientierten Therapien (z. B. Körpertherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie und Tanztherapie), dazu kommen neue Entwicklungen aus den Erkenntnissen von Medizin und Hirnforschung wie der Traumatherapie.

    Die moderne Psychotherapie ist an Bedürfnissen der Patienten orientiert und der Therapeut hat eine begleitende Rolle, so dass die Kompetenz der Patientinnen und Patienten wahrgenommen, unterstützt und gefördert wird. Unsere Therapie ist an Ressourcen orientiert. Das bedeutet, dass der Fokus nicht auf die Probleme, sondern auf die persönlichen Fähigkeiten und Kraftquellen des Menschen gerichtet wird. Die therapeutische Arbeit ist lösungsorientiert und erweitert die Befähigung zur Alltagsbewältigung.

    Das ganzheitliche Konzept ist von der Wissenschaft bestätigt worden: Körper, Seele und Geist sind nicht zu trennen und stehen in enger Wechselwirkung. Sie sind über psychische, neuronale (das Nervensystem betreffende) und endokrinologische (innere Vorgänge, z. B. Hormone betreffende) Prozesse miteinander verbunden. Innere Haltung und Stimmung, Denkmuster und Gefühle wirken sich auf den gesamten Organismus aus; und umgekehrt wirkt der Körper auf diese zurück („Embodiment“ = Verkörperung von Erfahrungen).

    Zusammenhang von körperlichen und seelischen Prozessen

    Auf Grund der Ergebnisse der Gehirnforschung wissen wir über die Wirkung der subjektiven Erfahrungen auf die neuronalen Prozesse. Alles Erleben wird über synaptische Verbindungen in neuronalen Netzwerken im Gehirn abgebildet und wirkt somit auf das gesamte Nervensystem. Das bedeutet, dass alle Erlebnisse Spuren hinterlassen und häufig erzeugte Spuren sich verfestigen; so wie Wege über eine Wiese, die bei wiederkehrender Benutzung immer breiter werden. Verknüpfte „Wege“ bilden neuronale Netzwerke. Jeder kennt Erinnerungen, die plötzlich anlässlich einer Wahrnehmung auftauchen, z.B. ein Geschmack oder Duft, oder eine Musik erinnern an einen Urlaub – und alles was vorher „vergessen“ war, ist wieder da: ein typisches neuronales Netz.

    Wahrnehmungen lösen gelegentlich im Unterbewusstsein Erinnerungen aus, die mit bestimmten Empfindungen verknüpft sind und z.B. Ängste oder andere Gefühle hervorrufen. Solche sogenannten „Trigger“ können besonders in Krisensituationen auftauchen. Wenn nun das Erleben den Körper beeinflusst, stellt sich die Frage, wie kann ich mein Erleben beeinflussen, so dass es auf den Körper unterstützend wirkt? Gerade im Krankheitsfall braucht es Fähigkeiten, die Erlebnisse in belebender und Zuversicht stärkender Weise zu verarbeiten. Das ist das zentrale Anliegen in der Psychotherapie mit kranken Menschen.

    Persönlichkeitsanteile

    Jeder Mensch kennt innere Konflikte. Diese rufen zwiespältige, d.h. ambivalente Gefühle hervor, die auf unterschiedliche Persönlichkeitsanteile zurück zu führen sind. Manche unserer Persönlichkeitsanteile gefallen uns nicht, weil sie aus irgendeinem, uns oft nicht bewussten Grunde negativ bewertet wurden, wenn z.B. die Lebhaftigkeit des Kindes den gestressten Eltern oder Lehrern auf die Nerven ging. Dann ist dieser innere Anteil ungeliebt, wird abgewertet und steht nicht stärkend zur Verfügung. Vielmehr führt es zu inneren Konflikten, die sehr belastend sein können. Dennoch sind auch diese Persönlichkeitsanteile grundsätzlich Ressourcen. Persönlichkeitsanteile werden u.a. auch durch Rollen (z.B. die „große Schwester“) geprägt, die wir verinnerlicht haben, oder sind individuelle Charakterzüge (z.B. der „ruhige Typ“).

    Integration bedeutet Ressourcen zu stärken

    Ziel der Psychotherapie ist, die inneren Konflikte zu entschärfen und die vorher abgelehnten Anteile zu integrieren, damit wir unser ganzes Potential leben können. Dieses Potential wird immer gebraucht, besonders jedoch in Krisensituationen wie Erkrankungen. Die Potentiale oder Ressourcen können mit psychotherapeutischen Methoden freigelegt und gestärkt werden. Dazu gehört das Erlernen von Techniken der Achtsamkeitsschulung, Übungen aus der Kinesiologie oder verschiedene Wahrnehmungsübungen. Beispielsweise können unangebrachte oder nicht mehr sinnvolle Verhaltensmuster, Glaubenssätze und Gewohnheiten erkannt und verändert werden. Die Verbesserung von Selbstbewusstsein, Kommunikation und Konfliktfähigkeit und das Fördern von Selbstfürsorge und Psychohygiene gehören ebenfalls dazu. Je mehr Kraftquellen und stärkende Gefühle zur Verfügung stehen, umso mehr Stabilität ist möglich.

  • Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Wir versorgen Patienten mit soliden Tumorerkrankungen oder hämatologischen Systemerkrankungen. Es bestehen langjährige Erfahrungen mit allen malignen Erkrankungen. Anschlussheilbehandlungen und Rehabilitationen werden bei folgenden Erkrankungen durchgeführt:

    • Gynäkologische Tumore
    • HNO-Tumore
    • Schilddrüsen Tumore
    • Lungen Tumore
    • Gastro-intestinale Tumore
    • Urologische Tumore
    • Muskel- und Weichteil Tumore
    • Tumore der Haut
    • Hirntumore
    • Lymphome (indolente und aggressive Non-Hodgkin-Lymphome, M. Hodgkin)
    • Multiples Myelom
    • Leukämien
    • Myeloproliferative und myelodysplastische Erkrankungen

    Die Grundausrichtung im stationären Bereich folgt einem schulmedizinisch-wissenschaftlich fundierten Konzept. Ergänzt wird dies traditionell durch eine umfangreiche psychoonkologische Begleitung der Patienten sowie eine intensive Beratung zu komplementär-medizinischen Möglichkeiten. Auch hierbei orientiert sich die Klinik an wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen.

    Durch interne Qualitätssicherungsmaßnahmen, die Zertifizierung nach DEGEMED und DIN ISO sowie durch die Teilnahme an der Qualitätssicherung der gesetzlichen Krankenversicherung wird die Leistungsfähigkeit der Klinik belegt.

    Im Schwerpunkt Onkologie bestehen im ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Bereich umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit onkologischen Patienten. Die Klinik ist entsprechend ausgestattet mit den Möglichkeiten einer fachspezifischen Basisdiagnostik inkl. Labordiagnostik, Ultraschall und Röntgendiagnostik. Alle erforderlichen, darüber hinaus gehenden diagnostischen Maßnahmen sowie fachspezifische konsiliarische Untersuchungen stehen im erweiterten Verbund für unsere Patienten jederzeit zur Verfügung.

    Im ärztlichen Bereich wird die Klinik geleitet von 2 Internisten, der Chefarzt hat die Zusatzbezeichnung „Hämatologie und Internistische Onkologie“ und „Palliativmedizin“. Für spezifische Fragestellungen oder notwendiger Akutbehandlung besteht eine enge Kooperation mit benachbarten Kliniken in Kassel. Alle Assistenz- und Stationsärzte ohne Facharztbezeichnung sind langjährig im onkologischen Bereich tätig und nehmen neben den im Haus stattfindenden Fortbildungen auch regelmäßig an externen Fortbildungen und Kongressen teil. Hierbei wird neben der onkologischen Ausbildung verstärkter Wert auf die sozialmedizinische Fortbildung der Ärzte Wert gelegt. Auch die nicht-ärztlichen Mitarbeiter werden intensiv geschult und fortgebildet.

    Das Konzept der Abteilung für Onkologie der Habichtswald-Klinik in Kassel legt besonderen Wert auf die Schaffung eines therapeutischen Klimas, das durch eine aktive Kooperation aller Mitarbeiter mit dem Ziel einer umfassenden Patientenversorgung geprägt ist. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung liegt in der psychoonkologischen Begleitung der Patienten, hier besteht auch eine enge Kooperation mit der in unserem Hause befindlichen Psychosomatischen Abteilung.

    Die Habichtswald-Klinik versteht sich als Glied in einer onkologischen Versorgungskette, die eine enge Zusammenarbeit mit den Tumorzentren, mit der erstbehandelnden Klinik, dem niedergelassenen Arzt sowie den Selbsthilfegruppen im Interesse des Patienten pflegen möchte.

    Wir betreiben enge Kooperationen mit den umliegenden Akutkrankenhäusern und nehmen regelmäßig an den onkologischen Qualitätszirkeln im Raum Kassel teil. Darüber hinaus werden Partnerschaften und Forschungsgemeinschaften zu den umliegenden Universitätskliniken aufgebaut. .

    Sofern bei Aufnahme des Patienten in unserem Zentrum die Nachsorgesituation noch nicht geklärt ist, erfolgt dies während des Aufenthaltes in unserem Haus.

    Grundlage einer erfolgreichen onkologischen Rehabilitation ist eine an den Qualitätssicherungsmaßnahmen der Kostenträger ausgerichtete Versorgung der Patienten.

    Neben der Einbeziehung von Angehörigen bemühen wir uns insbesondere um die ambulante medizinische Weiterversorgung und unter Miteinbeziehung des Sozialdienstes erfolgt eine sozialmedizinische Empfehlung. Der Patient wird beraten und motiviert gesundheitsfördernde Maßnahmen am Heimatort fortzuführen. Derzeit liegt die durchschnittliche Maßnahmendauer in unserem Haus bei 23,5 Tagen im onkologischen Bereich.

    Ziele der Rehabilitation

    Ziel ist es, die drohende oder bereits manifeste Beeinträchtigung der Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in Gesellschaft durch frühzeitige Einleitung der gebotenen Rehabilitationsmaßnahmen abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern. Der Rehabilitand soll durch die Rehabilitation befähigt werden, seine Erwerbstätigkeit und/oder bestimmte Aktivitäten des täglichen Lebens möglichst in der Art und in dem Ausmaß auszuüben, die für ihn und von ihm als normal erachtet werden.

    Aufgaben der onkologischen-klinischen Rehabilitation

    1. Behandlung von durch die Krebserkrankung bzw. ihrer Therapie entstandenen Einschränkungen und Fähigkeitsstörungen körperlicher, seelischer und sozialer Natur
    2. Fortsetzung eingeleiteter Therapien wie z. B. Chemotherapie, antihormonelle Therapie, Immuntherapien, Fortsetzung bzw. Anpassung supportiver Therapien z.B. Schmerzbehandlungen
    3. Behandlung des Fatigue-Syndroms
    4. Behandlung von Ernährungsstörungen, ausführliche diätetische Beratung, soweit erforderlich Kostaufbau, Beratung des Patienten bei dem individuell gesetzten Ziel einer Gewichtszu- bzw. –abnahme.
    5. Psychoonkologische Betreuung des Patienten durch ein möglichst breit angelegtes Therapieangebot mit dem Ziel der Verbesserung der Krankheitsverarbeitung
    6. Gezielte Physiotherapie in Form von indikationsspezifischer Krankengymnastik, Ausdauertraining, Sporttherapie und balneophysikalischer Behandlung
    7. Intensive sozialmedizinische Betreuung der Patienten im Hinblick auf die gesellschaftliche und berufliche Re-Integration, Planung und Einleitung von Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit
    8. Förderung der Selbständigkeit und Selbstversorgung sowie der Aktivitäten des täglichen Lebens mit dem Ziel der Erreichung der Teilhabe an der Gesellschaft
    9. Versorgung mit Hilfsmittels und Prothesen sowie geeigneter Bekleidung und Anleitung des Patienten im Umgang damit
    10. Förderung von Freizeitaktivitäten, z. B. im sportlichen oder kreativen Bereich

     

    Alle diese Maßnahmen führen zum Ziel, indem wir sie bei einzelnen Patienten selektiv nach einem individuellen Gesamtkonzept zusammenstellen und in der Zusammenarbeit aller am Patienten tätigen Berufsgruppen engmaschig während des Aufenthaltes des Patienten mehrfach überprüfen.

    Die ärztliche Versorgung wird durchgehend von einem Arzt gewährleistet, der während der gesamten Maßnahme Ansprechpartner des Patienten ist. Besonderes Augenmerk wird auf eine gleichermaßen intensive individuelle Betreuung des Patienten durch unsere Mitarbeiter des Pflegepersonals gelegt.

    Wir bieten unseren Patienten ein umfangreiches Vortrags- und Seminarprogramm zu allgemeinen Themen der Gesundheitsbildung, aber auch zu indikationsspezifischen Themen. Da unser Haus im Bereich der Onkologie ein breites Indikationsspektrum aufweist, bemühen wir uns, soweit es möglich ist, Kleingruppen zusammenzustellen, im Vordergrund steht aber oftmals auch die individuelle Beratung des Patienten im therapeutischen Gespräch. Die Vorträge des Hauses folgen den Richtlinien zum Gesundheitstraining der gesetzlichen Rentenversicherung.

    Einrichtungen des Hauses

    Die Habichtswald-Klinik in Kassel setzt sich aus mehreren Gebäudeteilen zusammen. Die Gesamtausstrahlung der Klinik ist durchgehend hell und freundlich. Die Patientenzimmer als Einzelzimmer weisen einen hohen Standard auf. Die allgemein zugänglichen Räumlichkeiten sind weitläufig, die Integration einer Ladenzeile und eines Cafés, verschiedene Ruheräume und nicht zuletzt die Möglichkeiten des unmittelbar benachbart liegenden Bergparks lassen eine gesundheitsfördernde Atmosphäre aufkommen.

    Unseren Patienten stehen im Therapiebereich die Räume der Sport- und Physiotherapie sowie verschiedene Beschäftigungstherapieräume zur Verfügung. Darüber hinaus haben sie Zugang zur benachbart liegenden Therme mit Bewegungsbad.

    Für Seminare und Vorträge stehen 2 Vortragssäle und mehrere Gruppenräume mit der erforderlichen technischen Ausstattung für Kleingruppenarbeit zur Verfügung. Darüber hinaus ist ein Internetzugang für die Patienten eingerichtet und es bestehen hierzu Informations- und Beratungsmöglichkeiten.

    Diagnostik und diagnostische Ausstattung

    Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung stehen das Erfassen von Funktionsverlusten und Fähigkeitsstörungen und das Erkennen der Operations-, Chemotherapie- und Bestrahlungsfolgen im Vordergrund. Erforderliche und sinnvolle laborchemische und spezielle medizinisch-technische Untersuchungen werden entsprechend ergänzt.

    In unserer Klinik steht dem Patienten folgendes diagnostisches Spektrum zur Verfügung:

    • Klinische Untersuchung
    • Klinisch-chemisches Labor mit hämatologischem Labor
    • Ruhe-EKG
    • Belastungs-EKG
    • Langzeit-EKG
    • Langzeit-Blutdruck-Messung
    • Spirometrie
    • Sonographie des Abdomens, der Mammae, der Schilddrüse
    • Sonographie des Unterleibes mit endovaginaler Untersuchung
    • Röntgenuntersuchungen
    • BIA-Messung

    Durch externe Konsiliarärzte (s. Anhang Partnerschaften) werden alle nicht im Haus vertretenen Fachgebiete abgedeckt, gleiches gilt für eventuell erforderliche, über das eigene diagnostische Spektrum hinausgehende apparative Untersuchungen (z. B. Szintigraphie, CT und MRT).

    Ärztlicher Bereich

    Auf den Stationen werden unsere Patienten von onkologisch erfahrenen Fachärzten betreut.

    Im stationären Bereich ist die ständige Präsenz des ärztlichen Teams gewährleistet. Durch Bereitschaftsdienste sind auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen sowohl fachliches Pflegepersonal, als auch onkologisch erfahrene Ärzte im Haus. Der Hintergrunddienst wird durch Chefarzt, Oberärztin sowie 1 internistischer Kollege in Form einer Rufbereitschaft abgedeckt.

    Jeder Patient im Haus wird von einem Arzt persönlich betreut. Alle in der Abteilung tätigen Ärzte haben langjährige Erfahrung im Umgang mit onkologischen Patienten. Die Patienten werden kurz nach der Aufnahme von einem Facharzt gesehen, der auch die Supervision der ärztlichen Betreuung übernimmt.

    Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung werden aufbauend auf eine funktionsorientierte Diagnostik mit dem Patienten gemeinsam die Rehabilitationsziele festgelegt und Verlaufsparameter, soweit adäquat, bestimmt. Allgemein für onkologische Patienten richten sie sich auf die Förderung der Eigenständigkeit bei Aktivitäten im somatischen und psychischen Bereich (körperliche Belastbarkeit, Aktivitäten des täglichen Lebens, Selbstversorgung, Kontaktaufnahme und Kommunikation zu Bezugspersonen und darüber hinausgehende soziale Kompetenz, Bewältigungsstrategien und Krankheitsverarbeitung).

    Die ärztliche Betreuung des Patienten setzt sich nach der Aufnahmeuntersuchung in regelmäßig stattfindenden Kontakten mit dem Ziel der Zwischenuntersuchungen sowie vor allen Dingen der Informationsvermittlung und psychischen Unterstützung sowie Motivation fort. Soweit erforderlich, wird die durchgeführte Diagnostik ausgewertet und mit dem Patienten zusammen bewertet und in weitere Handlungen und Maßnahmen umgesetzt.

    Regelmäßige Teamsitzungen unter Leitung des verantwortlichen Arztes unter Einbeziehung aller am Rehabilitationsprozess beteiligten Berufsgruppen ermöglichen neben dem Informationsaustausch über die aktuellen Fortschritte und Probleme des Patienten die zeitnahe Adaptation des Rehabilitationsplanes.

    Die Patienten haben die Möglichkeiten, im Rahmen von Visiten, Sprechstunden und Seminaren ausführliche Informationen zu ihrem Krankheitsbild und der Therapie sowie der Nachsorge zu erhalten.

    Selbstverständlich erfolgt die krankheitsangepasste Versorgung mit Arznei- und Verbandsmitteln. Dies bezieht sich sowohl auf die unmittelbar onkologisch erforderliche Therapie, als auch auf die Therapie von Begleiterkrankungen.

    Soweit erforderlich, werden notwendige Therapien wie Chemotherapie, antihormonelle Therapien und Immuntherapien fortgesetzt. Einen besonderen Stellenwert räumen wir der begleitenden supportiven Behandlung der chemotherapiebedingten Nebenwirkungen sowie der Schmerztherapie ein.

    Die Anbindung an eine Zentralapotheke mit allen erforderlichen räumlichen und apparativen Voraussetzungen zur Lagerung, Aufbereitung und Entsorgung der Zytostatika schafft die notwendigen strukturellen Voraussetzungen.

    Die Rehabilitation von Patienten, bei denen die Berufsgenossenschaften Kostenträger sind, ist auf die möglichst rasche Re-Integration des Patienten vor allen Dingen in sein berufliches Umfeld ausgerichtet. Deshalb erfolgen bereits bei Aufnahme eine ausführliche Sozial- und Berufsanamnese und im Verlauf bei Bedarf auch mehrfache sozialmedizinische Beratungen des Patienten. Bei Wohnortnähe stellen wir unmittelbar den Kontakt zum häuslichen und beruflichen Umfeld her, bei Patienten aus dem überregionalen Bereich bemühen wir uns um telefonische Kontaktaufnahme. Im beruflichen Bereich suchen wir den direkten Kontakt zum Arbeitgeber und Betriebsarzt. Es können so noch während der medizinischen Rehabilitation Beratungen mit den Fachleuten vor Ort stattfinden, bei wohnortnah rehabilitierten Patienten sind Arbeitsplatzbesuche durchführbar. Ziel ist es, im Bedarfsfall berufsfördernde Maßnahmen anzuregen und einzuleiten, soweit sie erforderlich sind. Dafür wird vorbereitend in unserem Haus die medizinische Seite der Belastbarkeit beurteilt, eine psychologische Vortestung durchgeführt.

    Zum Abschluss des Aufenthaltes in unserem Haus erfolgt ein Abschlussgespräch und eine Abschlussuntersuchung mit dem Patienten. Hier wird nochmals anhand der vordefinierten Rehabilitationsziele die Zielerreichung überprüft, wobei sowohl der subjektive Eindruck des Patienten, als auch der des Arztes, wie auch objektive Parameter erhoben werden sollen.

    Abschluss der Rehabilitationsmaßnahme stellt der nach den Kriterien des Peer-Review erstellte Entlassungsbericht dar, wobei der sozialmedizinischen Begutachtung besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Für den Patienten wird spätestens mit Abschluss der medizinischen Rehabilitationsmaßnahme, soweit erforderlich, auch ein konkreter Plan zur weiteren beruflichen Re-Integration erarbeitet. Bei berufsfördernden Maßnahmen wird dieser Plan konkretisiert und möglichst schon in Absprache mit dem Kostenträger zeitlich eng terminiert.

    Im Rahmen der Kooperation mit der Abteilung für Psychosomatik ist vorgesehen, Patienten zur sozialmedizinischen Beurteilung bei entsprechenden Fragestellungen konsiliarisch vorzustellen.

    Naturheilkundliche Behandlungsformen

    Im Rahmen des Aufenthaltes bei uns wird dem hohen Informationsbedürfnis der Patienten mit Krebserkrankungen zu diesem Thema Rechnung getragen. Wir stellen auch an die Naturheilkunde den Anspruch einer wissenschaftlich begründbaren Therapie. Verfahren, die diesen Kriterien nicht genügen, kommen in unserem Haus deshalb nicht zur Anwendung. Eine bestehende komplementäre Behandlung wird in der Regel fortgeführt, um eine kollegiale und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den die Patienten betreuenden Ärzten zu gewährleisten. Soweit vom Patienten gewünscht, wird eine komplementäre Behandlung mit anerkannten Verfahren während des Aufenthaltes bei uns eingeleitet.

    Physiotherapeutische Maßnahmen

    Die Habichtswald-Klinik in Kassel ist in der Lage, eine umfangreiche und intensive Betreuung der Patienten unter Ausnutzung des gesamten Spektrums der Physiotherapie zu gewährleisten. Die Maßnahmen umfassen krankengymnastische, sportmedizinische und balneophysikalische Therapieformen.

    Im Einzelnen bieten wir folgende Therapiemöglichkeiten an:

    • Krankengymnastik einzeln bzw. in indikationsspezifischen Gruppen in Gymnastikräumen oder im Bewegungsbad nach verschiedenen Konzepten wie Brügger, Cyriak, manueller Therapie, Feldenkrais, PNF, Bobath
    • Atemgymnastik
    • Beckenbodengymnastik
    • Hockergymnastik
    • Kraniosakraltherapie
    • Medizinische Trainingstherapie
    • Herz-Kreislauf-Training in Form von Ergometertraining und Terraintraining
    • Verschiedene Walking Gruppen
    • Manuelle Therapie
    • Manuelle Lymphdrainage inkl. komplexer Entstauungstherapie, Lymphtaping
    • Klassische Massagen, Bindegewebs- und Kolonmassagen
    • Reflexzonentherapie
    • Elektrotherapie, Ultraschall etc.
    • Verschiedene Methoden der Wärme- und Kältetherapie
    • Ergotherapie (hier legen wir besonderen Wert auf eine Beratung des Patienten zur Arbeitsplatzgestaltung). Weitere Schwerpunkte sind die Therapie der Polyneuropathie und der Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen nach Chemotherapie oder im Rahmen eines Fatigue-Syndroms
    • Körperwahrnehmungstraining
    Psychoonkologische Betreuung

    Psychoonkologie in der Rehabilitation unterscheidet sich deutlich von im Rahmen der Akutmedizin notwendigen kurzfristig Beistand bietenden psychologischen Betreuung. Gezielte psychoonkologische Unterstützung dient in erster Linie der Förderung der Autonomie. Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit, z. B. zur Angstregulation oder zur Wiedergewinnung eines adäquaten Verhaltens im sozialen Umfeld als entscheidende Grundlage zur Wiedergewinnung von psychischer Stabilität, Zuversicht und Lebensfreude, somit also von Lebensqualität.

    Wahrnehmung und Wertschätzung der eigenen emotionalen Bedürfnisse sind genauso wichtig wie der Einsatz bewusstseinsnaher kognitiver Strategien des Selbstmanagements und Selbstregulation sowie der Wahrung persönlicher Würde im Krankheitsprozess.

    Es gilt, Krebspatienten deutlich zu machen, dass Angst und Depression, innere Unruhe, aber auch scheinbares „Funktionieren“ eine normale menschliche Reaktion auf die Sondersituation wie „Krebserkrankung“ sein können.

    Neben der direkten Gesprächstherapie, vorwiegend in Form von Einzelgesprächen, aber auch in geeigneten Gruppen kommen unterschiedliche Methoden der Entspannung wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Visualisierungen zum Einsatz, bei denen es Ziel ist, dem Patienten Verfahren zu vermitteln, die er später auch alleine in seinem persönlichen Umfeld erfolgreich anwenden kann. Zusätzlich werden Kunsttherapie, Ausdrucksmalen und Tanztherapie angeboten.

    Sozialberatung

    Zur Betreuung wird eine kompetente soziale Beratung zur Verfügung gestellt. Schwerpunkte der Beratungstätigkeiten sind mögliche Selbstversorgung und Probleme im häuslichen Bereich, die Situation am Arbeitsplatz, Probleme der finanziellen Sicherung, Hilfen zur Wiedereingliederung.

    Ziel der Beratung ist neben der Weitergabe von Informationen auch, aktuelle Hilfestellungen zu geben und die zuverlässige Nachbetreuung des Patienten im sozialen Umfeld sicherzustellen. Die Sozialberatung durch unsere Sozialarbeiterin erfolgt in enger Abstimmung mit der sozialmedizinisch-ärztlichen und arbeitspsychologischen Einschätzung des Patienten.

    Hilfsmittelversorgung und Prothesenberatung

    Durch die Kooperation mit einem Sanitätshaus in der Stadt hat der Patient die Möglichkeit, eine kompetente Versorgung zu erhalten. Durch die zeitnahe Versorgung kann der Patient noch im Rahmen des Aufenthaltes in unserem Hause den Gebrauch des Hilfsmittels unter fachkompetenter Anleitung erlernen. Die Versorgung kann bei Bedarf auch mehrfach angepasst und durch Fachkräfte überprüft werden.

    Krankenpflege

    Unsere Mitarbeiter in der Krankenpflege weisen langjährige Erfahrungen und hohe fachliche Kompetenz im Umgang mit onkologischen Patienten auf. Insbesondere in der Betreuung unmittelbar postoperativ bestehen entsprechende Fachkenntnisse. Wunden, Wundheilungsstörungen oder infizierte Wunden werden standardisiert versorgt. Die Betreuung von Stoma-Trägern und ihre Anleitung zur Selbstversorgung sind sichergestellt.

    Unsere Pflegekräfte sind geschult im Umgang mit Patienten während einer Chemotherapie oder Chemoimmuntherapie.

    Eine besondere Aufgabe sehen sie darüber hinaus in der intensiven Begleitung des Patienten in Förderung der Selbständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens, in Gesprächen, in immer wiederholter Motivation und Unterstützung.

    Ernährungstherapie

    Tumorbedingte Ernährungsstörungen, aber auch bereits vorbestehende Ernährungsstörungen wie Allergien, Stoffwechselstörungen und Übergewicht werden durch geschulte Diätassistentinnen behandelt. Besonderer Schwerpunkt ist hierbei auch eine ernährungspsychologische Begleitung.

    Unsere Patienten haben im Rahmen der Rehabilitation die Möglichkeit zu Haupt- und Zwischenmahlzeiten eine vollwertorientierte Kost zu sich zu nehmen. Bei speziellen Anforderungen an die Ernährung wird die Indikation durch den Arzt gestellt und umgehend eine engmaschige Betreuung durch die Diätassistentinnen sichergestellt. Sämtliche Sonderkostformen können in der Klinik zur Verfügung gestellt werden. Selbstverständlich sind auch Sondenernährungen oder parenterale Teil- oder Kompletternährungen möglich.

    Besondere Erfahrung in der Klinik besteht im gezielten Kostaufbau des Patienten, insbesondere bei postoperativen Zuständen und Kachexien. Neben der Einzelberatung stehen den Patienten auch Gruppenberatungen und eine Lehrküche zur Verfügung.

  • Salutogenese

    Der Begriff „Salutogenese“ leitet sich aus dem Lateinischen (Salus: Unverletzlichkeit, Heil, Glück) und dem Griechischen (Genese: Entstehung) ab und beinhaltet die Frage:

    Was erhält den Menschen gesund? Wie schafft er es, sich von Erkrankungen zu erholen?

    Entwickelt hat sich die Idee in den USA in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts unter Aaron Antonovsky (1923-1994), Soziologe und Medizinsoziologe. Er übte Kritik am biomedi-zinischen Krankheits- und Präventionsmodell und fragte sich, warum Menschen gesund bleiben.

    Statt die Frage nach Ursachen von Krankheiten und Risikofaktoren zu stellen, untersuchte er die Bedingungen von Gesundheit und Faktoren, welche die Gesundheit schützen und erhalten.

    Konzept

    Der Mensch ist gleichzeitig gesund und krank.

    Salutogenese stellt folgende Fragen:

    Wie entsteht Gesundheit?

    Wie wird sie bewahrt?

    Welche Faktoren ermutigen Gesundheit?

    Wie wird ein Mensch mehr gesund und weniger krank?

    Ich (?) bin krank?

    Antonovsky definierte Gesundheit als labiles, aktives und sich dynamisch regulierendes Geschehen. Er sah das Bestreben in Richtung Gesundheit als permanent und nie ganz erfolgreich.

    Antonovskys Flussmethapher

    Menschen schwimmen in einem Fluss voller Gefahren, die pathogenetische Medizin versucht den Ertrinkenden aus dem Fluss zu retten.

    Antonovsky stellt die Frage: Was macht den Menschen zu einem guten Schwimmer?

    Seiner Meinung nach entspricht die Individuelle Fähigkeit zu „schwimmen“ einer Persönlichkeitseigenschaft. Gesundheit muss immer wieder aufgebaut werden. Der Verlust an Gesundheit ist ein natürlicher und gegenwärtiger Prozess.

    Die Suche nach spezifischen Krankheitsursachen (pathogenetischer Ansatz) muss mit gesundheitsfördernden Faktoren erweitert werden (salutogenetischer Ansatz), anstatt sich ausschließlich der Bekämpfung krankmachender Einflüsse zu widmen.

    Zusätzlich gilt es, Ressourcen zu stärken, um den Organismus gegen schwächende Einflüsse widerstandsfähiger zu machen.

    Der wichtigste Einflussaspekt ist für Antonovsky das Kohärenzgefühl (Zusammenhalt/Stimmigkeit). Er sieht dies als eine allgemeine Grundhaltung gegenüber dem eigenen Leben, d.h.: Wie gut ist ein Mensch in der Lage, Ressourcen zum Erhalt seiner Gesundheit zu nutzen, wobei er drei Aspekte sieht:

    Verstehbarkeit: Wenn der Mensch eine belastende Situation verstehen kann, fällt es ihm leichter, sie kognitiv zu verarbeiten, Ressourcen zu aktivieren und mit der Situation umzugehen.

    Handhabbarkeit: Der Mensch hat die Überzeugung oder den Glauben, dass Schwierigkeiten lösbar sind, bzw. nimmt wahr, dass er/sie aus vergangenen Erfahrungen Ressourcen oder das Vertrauen hat, mit der Situation umgehen zu können.

    Bedeutsamkeit, Sinnhaftigkeit: Er kann der belastenden Situation einen Sinn oder eine Bedeutung geben, die ihm zeigt, dass es einen Wert hat, damit umgehen zu lernen.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Ziele unserer psychoonkologischen Begleitung:

    Ressourcen stärken

    Ermutigung zum offenen Ausdruck von Gefühlen

    Stärkung des Selbsthilfepotentials

    Reduktion von Angst, Wut und anderen belastenden Gefühlen

    Verbesserung des Selbstwertgefühls und der mentalen Einstellung zur Krebserkrankung

    Förderung der Gesundheit und der persönlichen Ressourcen

    Verbesserung der Kommunikation zwischen Patient, Partner und Angehörigen

    Selbsthilfe: Was stärkt die Gesundheit

    Neben den allgemein bekannten Ratschlägen wie „Gesunde Ernährung“, „Bewegung“ und „Entspannung“ gibt es noch weitere Faktoren, die die Gesundheit stärken, z.B. Achtsamkeit, Kreativität, Phantasie, Freude, Liebe, Spiritualität, Gute Kontakte, Natur, Feiern, Spielen, Lust, Tanzen, Musik, Inneres Kind, Abgrenzen, Beachtung von Abneigungen und Widerständen und vieles Weitere mehr.

  • Sarkome

    Was sind Sarkome?

    Sarkome sind seltene bösartige Tumore, die ihren Ursprung im Weichteilgewebe (wie Muskeln, Fettgewebe, Bindegewebe) oder Knochengewebe haben. Weichteilsarkome stellen nur 1% aller bösartigen Tumore im Erwachsenenalter, Knochensarkome gar nur 0,1% aller bösartigen Neubildungen in dieser Gruppe dar.

    Es werden viele verschiedene Typen von Weichteilsarkomen unterschieden (in diese Gruppe gehören auch die seltenen GIST = gastrointestinale Stroma Tumore, s.a. Patienteninformation GIST), bei den Knochentumoren gibt es Osteosarkome, Chondrosarkome und Ewingsarkome.

    Die Prognose der Erkrankten hängt entscheidend davon ab, in welchem Erkrankungsstadium der Tumor entdeckt wurde, da Sarkome eine frühe Neigung zeigen über die Blutbahn zu streuen. Des Weiteren kann bei der feingeweblichen Untersuchung die Schwere der Entartung festgestellt werden, Grad 1 wäre dann nur niedrig entartet, hier reicht beispielsweise bei Weichteilsarkomen zur Behandlung meist die operative Entfernung aus.

    Leitsymptom von Sarkomen ist eine schmerzlose Raumforderung, die nicht von einer Verletzung herrührt. Wenn sie länger als 6 Wochen besteht, sollte eine Gewebeprobe entnommen werden. Sarkome in der hinteren Bauchhöhle oder im Magen-Darm-Trakt führen oft nur zu sehr unspezifischen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Übelkeit. Knochensarkome zeigen ebenfalls eine Schwellung auf aber auch Überwärmung und Schmerzen können auftreten.

    Ursache für eine Sarkomentwicklung kann vorausgegangene Bestrahlung oder längerer Kontakt mit chemischen Stoffen (z.B. aus Holzschutzmitteln, Dioxin, Arsen, Vinylchlorid), selten Erbkrankheiten sein (wie Neurofibromatose, Li-Fraumeni Syndrom u.a.).

    Zur Diagnosesicherung werden Gewebe-Proben entnommen, ebenso bildgebende Verfahren wie Sonografie (auch vom Darm aus), Computertomografie oder MRT (Magnetresonanz Tomografie) eingesetzt. Hierdurch soll die Möglichkeit einer operativen Therapie abgeklärt werden.

    Da Sarkome selten sind, ist eine Vorstellung oder eine Behandlung in einem spezialisierten Zentrum oder in enger Absprache mit diesem sinnvoll. Hier besteht auch oft die Möglichkeit im Rahmen von Studien neue Therapiemöglichkeiten vorgestellt zu bekommen und an diesen teilzuhaben.

    Therapeutisch wird bei den Weichteilsarkomen eine vollständige operative Entfernung mit Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe angestrebt. Wenn dies nicht möglich ist, ist auch die Verkleinerung der Tumormasse ein Ziel von Operation. Bei höher entarteten oder großen oder nicht vollständig zu entfernenden Weichteiltumoren würde sich eine Strahlentherapie anschließen, nur gelegentlich wird eine Chemotherapie vorgeschlagen.

    Bei Knochensarkomen ist die Chemotherapie die Behandlung der Wahl – sowohl vor als auch nach einer Operation.

    Weiterführende Information finden Sie auch bei der Deutschen Krebshilfe im Internet unter www.krebshilfe.de sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg unter www.dkfz.de oder www.krebsinformationsdienst.de.

    Sehr gute Information findet man auf der homepage der Selbsthilfe Organisation „Das Lebenshaus“ www.daslebenshaus.org. Hier finden Sie auch Listen von Sarkom-Zentren.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Primärtherapie erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst des vorbehandelnden Zentrums. Ebenfalls kann eine Rehabilitations-Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder eine stationäre palliativ-medizinische Betreuung erfolgen.

    Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Unser Behandlungskonzept ist ganzheitlich orientiert, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation oder Bestrahlung oder nach einer Chemotherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern so die Gesundung.

    In der Verarbeitung der Diagnose und der Annahme der Erkrankung steht den Patienten das Team der Psychotherapeuten hilfreich zur Seite.

    Vorträge zu Krebsentstehung, komplementär begleitenden Therapien sowie Angstbewältigung helfen ebenfalls das Geschehen einzuordnen. Themen wie Salutogenese, die Bedeutung von Bewegung bei Krebserkrankung u.a. richten den Blick mehr in die Zukunft und zeigen Ansätze auf für mehr Selbstfürsorge.

    Das durch Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden, insbesondere nach operativer Entfernung von Magen- und Darmanteilen. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogene Form der Makrobiotik), aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an, bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen (s. Patienteninformation Ernährung).

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie hilfreich, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin, CoEnzymQ10, Ginseng sowie eine psychoonkologische Begleitung.

    Die Auswirkung der Erkrankung auf soziale Bezüge, z.B. am Arbeitsplatz kann Thema einer Beratung des Sozialdienstes sein, immer unter Berücksichtigung unterschiedlicher individueller Faktoren. Bei Renten- und Pensionsfragen, beruflicher Wiedereingliederung, Schwerbehinderten-Recht oder auch häuslicher Versorgung finden Sie hier Unterstützung.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Schilddrüsenkarzinom

    Das Schilddrüsenkarzinom ist der häufigste Tumor endokriner Organe. Jährlich erkranken über 5.000 Patienten in Deutschland neu daran. Frauen sind dreimal so häufig wie Männer betroffen; dies trifft aber nur auf die gut differenzierten Tumoren zu, die noch eine hohe Ähnlichkeit zu den Schilddrüsenzellen aufweisen, aus denen sie sich durch Mutation zur Bösartigkeit entwickelt haben. Bei den undifferenzierten Schilddrüsenkarzinomen, sogenannten anaplastischen Karzinomen und den medullären, aus den C-Zellen (wichtig für den Calcium und Knochenstoffwechsel) stammenden Karzinomen sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen.

    Das papilläre Schilddrüsenkarzinom tritt bei jungen Patienten auf. Es gibt eine weltweit ansteigende Tendenz der Häufigkeit, insbesondere von sehr kleinen, gut differenzierten papillären Schilddrüsentumoren, die insgesamt eine sehr hohe Heilungsrate aufweisen.

    Auch ein weiteres gut differenziertes Schilddrüsenkarzinom, das follikuläre Karzinom hat gute Heilungsraten, hier sind die Patienten bei Diagnose meist im mittleren Alter.

    Der Verlauf des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms ist leider sehr viel ungünstiger bei hoher Wachstumstendenz und schlechterer therapeutischer Beeinflussbarkeit. Hier sind die 60-Jährigen und älteren Patienten betroffen. Das medulläre Karzinom ist in einem Viertel der Fälle erblich und oft mit weiteren endokrinen Neubildungen vergesellschaftet – MEN=multiple endokrine Neoplasien. Hier können schon Kinder betroffen sein oder junge Erwachsene. Bei der nicht erblich erworbenen Form des medullären Karzinoms sind die Patienten meist zwischen 50-60 Jahre alt.

    Als Ursache für die Entwicklung eines Schilddrüsenkarzinoms ist radioaktive Strahlung, besonders im Kindes- und Jugendalter, ein sehr hoher Risikofaktor. So konnte man einen deutlichen Anstieg von Schilddrüsenkarzinomen in der Umgebung von Tschernobyl nach der Reaktorkatastrophe feststellen. Ein Jodmangel erhöht ebenfalls das Risiko für ein Schilddrüsenkarzinom.

    Wie immer hängt letztlich die Prognose entscheidend von der frühen Entdeckung der Tumore ab.

    Symptome, die auf ein Schilddrüsenkarzinom hinweisen können, sind tastbare, derbe Knoten in der Schilddrüse, eine rasch größer werdende Struma („Kropf“) trotz adäquater Behandlung.

    Bei fortgeschrittener Erkrankung können vergrößerte Lymphknoten in der Halsregion, Heiserkeit durch Schädigung des Stimmbandnerven, welcher unterhalb der Schilddrüse verläuft, Atem- und Schluckbeschwerden und eine Stauung der Halsgefäße sein.

    Die Therapie ist immer kombiniert chirurgisch, strahlentherapeutisch, nuklearmedizinisch, gefolgt von einer lebenslang notwendigen Schilddrüsenhormonbehandlung.

    Bei papillären Mikrokarzinomen kann eine Entfernung des betroffenen Schilddrüsenlappens möglicherweise ausreichen, sonst wird immer das gesamte Schilddrüsengewebe sowie regionale Halslymphknoten entfernt. Da differenzierte Schilddrüsenkarzinome Jod aufnehmen, wird nach einer Pause von 4 Wochen radioaktives Jod als Kapsel verabreicht, um noch vorhandenes Schilddrüsengewebe oder Metastasen nachzuweisen und dann hoch dosiert nachgegeben, um es zu zerstrahlen. Diese Strahlen dringen nur wenige Millimeter ins umgebende gesunde Gewebe, deshalb wird die Behandlung gut vertragen – sie wird aber in speziellen nuklearmedizinischen Stationen durchgeführt und der Aufenthalt dort kann bis zu 5 Tagen dauern. In dieser Zeit sind die Patienten abgeschirmt, um andere nicht über die Strahlung zu gefährden. Vor der Radiojoddiagnostik und -therapie erhalten die Patienten gentechnisch hergestelltes TSH als intramuskuläre Spritze. Das Regelhormon der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sorgt dann dafür, dass verbliebene Schilddrüsenkarzinom-Zellen genügend Jod speichern können. Heutzutage können die Patienten schon rasch nach der Schilddrüsenentfernung mit dem dann fehlenden Schilddrüsenhormon versorgt werden (Thyroxin – als Tabletten vor dem Frühstück einzunehmen) Sie rutschen so nicht in eine Schilddrüsen-Unterfunktion hinein.

    Anaplastische Schilddrüsenkarzinome speichern kein Jod, deshalb wird hier nach der Operation von außen bestrahlt. C-Zell Karzinome sind nicht strahlensensibel und speichern kein Jod, so dass die operative Entfernung entscheidend ist.

    Die aktuellen Leitlinien der Therapie und Patienteninformationen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften findet man unter www.awmf.org.

    Weiterführende Informationen finden Sie ebenfalls bei der Deutschen Krebshilfe

    im Internet unter www.krebshilfe.de, bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg unter www.dkfz.de. Adressen für Selbsthilfegruppen unter www.schilddrüsenliga.de, Informationen von und für Betroffene unter www.sd-krebs.de

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Die Aufnahme kann im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung nach Abschluss der Therapie (Operation, evtl. Chemotherapie und Bestrahlung) erfolgen – den Antrag stellt in der Regel der Sozialdienst der behandelnden Klinik, der Onkologe oder der Radiologe, als Reha- Maßnahme, stationäre Weiterbehandlung oder im Rahmen eines stationär palliativen Aufenthaltes.

    Es besteht die Möglichkeit eine Zweitmeinung zu vorgeschlagenen Therapien einzuholen („Second Opinion“).

    Von Bedeutung für das Befinden ist die gute medikamentöse Einstellung mit Schilddrüsenhormon zur Substitution.

    Unser Behandlungskonzept verfolgt einen ganzheitlichen Weg, d.h. Körper, Geist und Seele werden gleichermaßen angesprochen und unterstützt. Die Konfrontation mit der Krebsdiagnose, die Erfahrungen während der Therapie, die Zweifel und Ängste sind genau so zu berücksichtigen wie körperliche Beschwerden als Folge der Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie sowie die Nebenwirkungen der Antihormontherapie. So soll durch unsere Behandlungsangebote eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität erreicht werden. Viele Therapieangebote aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung von Tumorzellen, sondern stärken die körpereigenen Kräfte und fördern die Gesundung.

    Das durch die vorausgegangenen Therapien geschwächte Immunsystem soll gezielt gestärkt werden, auch hier kommen parallel verschiedene Verfahren zur Anwendung aus dem Bereich der Psychoonkologie, Krankengymnastik und Massage, ergänzt durch gesunde vollwertige Ernährung.

    Sollte nach einer Bestrahlung eine Hautreizung, eine Strahlendermatitis, aufgetreten sein, beraten unsere speziell fortgebildeten Pflegekräfte Sie über die richtige Hautpflege und leiten eine gezielte Narbenbehandlung ein. Nach einer Radiojodtherapie kann die Funktion der Speicheldrüsen gestört

    sein, hier erhalten Sie Tipps zum Umgang mit dem Trockenheitsgefühl im Mund.

    Manchmal kommt es durch die Schilddrüsenoperation zur Funktionsstörung der Stimmbandnerven. In Kooperation mit niedergelassenen, sehr kompetenten Logopäden kann hier gezielt geholfen werden.

    Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden. Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen. Die Ernährungsberater bieten regelmäßige Vorträge zu den unterschiedlichen Kostformen an. Es besteht die Möglichkeit in Kochkursen das Erlernte auch praktisch umzusetzen. Bei Bedarf erfolgt eine individuelle Ernährungsberatung, z.B. bei Schluckbeschwerden nach Strahlentherapie.

    Im Rahmen der Tumorbehandlung leiden viele Patienten unter einem Fatigue Syndrom, d.h. einer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, die nicht durch vorausgegangene Betätigungen erklärt werden kann. (s. Patienteninformation Fatigue). Hier ist neben Informationsvermittlung eine gut angeleitete Bewegungstherapie, evtl. ergänzt durch komplementäre Gabe von Carnitin sowie eine psychoonkologische Begleitung hilfreich.

    Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot.

    Zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen bieten wir zur freiwilligen Teilnahme ein kreatives Angebot.

    Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das Für und Wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gesprächen zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

    Die Behandlung von Schmerzen ist vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychoonkologen.

  • Schlafphysiologie, Schlafstörungen

    Unser Schlaf ist ein lebenswichtiger physiologischer Ruhezustand des Körpers. Ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir schlafend.

    Auch alle Tierarten schlafen. Mehrere Tierarten beherrschen den Halbhirnschlaf, d.h. nur eine Gehirnhälfte schläft. Bei Lungenatmern (z.B. Delfine, Wale) ist das notwendig, damit sie nicht ertrinken. Tiere, die keine beweglichen Augenlider haben (z.B. Fische, Krebse, Fliegen) schlafen mit offenen Augen. Vögel fallen im Schlaf nicht vom Baum, obwohl ihr Muskeltonus im Schlaf herabgesetzt ist. Auch können Tiere im Schlaf genauso wie wir Menschen schnarchen.

    Die Wissenschaft, die sich mit dem Schlaf befasst heißt Somnologie und ist noch recht jung. Der Schlafbedarf zwischen den einzelnen Tierarten schwankt erheblich. Je kleiner das Tier, desto länger ist das Schlafbedürfnis. Eine Fledermaus schläft z.B. ca. 20 Std., eine Kuh nur ca. 4 Std. Der Mensch schläft ca. 6-8 Stunden. Schlaf ist ein zyklischer Prozess, d.h. wir verbringen die Schlafdauer nicht an einem Stück. In einer Nacht durchlaufen wir einzelne Schlafphasen mehrmals hintereinander. So eine Schlafphase dauert bei Menschen ca. 90 Minuten. Im Vergleich dazu dauert eine Phase bei der Katze ca. 30 Minuten, beim Elefanten 120 Minuten. Diese Rhythmik begleitet uns auch durch den gesamten Tag. Die Chronobiologie beschäftigt sich mit diesem Phänomen (circardiane, ultradiane Rhythmik).

    Wir unterscheiden zwei Schlaftypen: Frühtypen („Lerchen“) und Spättypen („Eulen“). Der Schlaftyp ist zu 50% genetisch festgelegt und bestimmt unser Schlafverhalten im Erwachsenenalter. In jüngeren Jahren sind wir eher alle „Eulen“, bis sich später die Unterschiede deutlich manifestieren. Dies ist von Bedeutung, da Phasen von Konzentration, Kreativität und Inspiration sowie schlechte Konzentrationsphasen je nach Schlaftyp zu sehr unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Eine „Umerziehung“ ist so gut wie ausgeschlossen. Während „Lerchen“ sehr gut am Vormittag und frühem Nachmittag Probleme lösen können, ist dies bei den „Eulen“ eher zwischen 18.00 und 23.00 Uhr. Streiten sich Lerche und Eule am Abend, ist die Lerche im Nachteil. Unsere noch überwiegenden „Eulenkinder“ haben große Probleme sich früh am Morgen zu konzentrieren.

    Schlaf ist ein Zustand der äußeren Ruhe bei Lebewesen, dabei ist er eine aktive Leistung des Gehirns. Keineswegs geht im Gehirn einfach „das Licht aus“, wie man lange glaubte. Puls, Blutdruck und Atemfrequenz sinken dabei ab, die Gehirnaktivität verändert sich. Beim gesunden Menschen kalibriert sich die innere Uhr an den Tag-Nacht-Rhythmus und regelt den Hormonhaushalt.

    An der Schlafeinleitung sind 3 Gruppen von Nervenzellen im Hirnstamm beteiligt:

    • Formatio retikularis Sie ist das Aktivierungssystem und erregt über Botenstoffe (Neurotransmitter) den Thalamus.
    • Thalamus Er wird über Noradrenalin und Acetylcholin erregt. Über den Transmitter Serotonin wird das noradrenerge System gehemmt. Ein anderer hemmender Weg geht über y-Aminobuttersäure (GABA).
    • Hypothalamus Er ist mit der Sehbahn verbunden und produziert bei Dunkelheit weniger Orexin (ein Peptid, das zu gesteigerter Aufmerksamkeit führt). Die Freisetzung von Melatonin aus der Zirbeldrüse wird stimuliert.

    Ein komplexes und koordiniertes Zusammenspiel verschiedener Botenstoffe und Hormone steuert unser Einschlafen und den Schlafverlauf. Der Schlaf ist also neurophysiologisch gesteuert.

    Wie beschrieben ist der Schlaf ein zyklischer Prozess. Während des Schlafes synchronisieren sich unsere Nervenzellverbände, d.h. sie finden zu einem gemeinsamen Takt zurück (Rekalibrierung), der im Tagesverlauf verändert wurde. Wir unterscheiden zwei Schlaf-Formen:

    • REM-Schlaf (Rapid Eye Movement, paradoxer Schlaf) In dieser Schlafphase ähnelt unsere Gehirnaktivität dem Wachzustand (Elekro-Encephalogramm, EEG). Die Augen bewegen sich heftig. Herzfrequenz, Temperatur und Atemfrequenz steigen an. Es kommt zunächst zu kurzen Muskelzuckungen und Erektion beim Mann. Später ist die Muskulatur blockiert (Schlafparalyse), damit können motorische Handlungen nicht ausgelebt werden. Häufig finden lebhafte Träume statt, an die man sich gut erinnern kann, wenn man erweckt wird. Der Anteil des REM-Schlafs nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Säuglinge verbringen mehr als 50% im REM-Schlaf.
    • NREM-Schlaf (Non Rapid Eye Movement, orthodoxer Schlaf) In dieser Schlafphase ist unsere Gehirnaktivität (EEG) verlangsamt. Puls, Temperatur und Blutdruck fallen und die Muskelspannung nimmt ab, ist aber nicht blockiert wie im REM-Schlaf. Diese Phase wird als Tiefschlafphase Schläfer, die jetzt erweckt werden, sind häufig desorientiert. Schlafwandeln oder Schlafsprechen kann auftreten.

    In einer Nacht durchlaufen wir also mehrmals die beschriebenen Phasen, pro Nacht werden sie 5 -7 mal wiederholt. Dabei kommt die Tiefschlafphase zu Beginn des Schlafes vor und wiederholt sich meist 2 – 3 mal. Später erreichen wir diese Phase nicht mehr, die Phasen des REM-Schlafs überwiegen. Zwischen den Phasen finden Übergänge statt. Ältere Menschen erreichen das Tiefschlafstadium immer seltener. Auch wachen wir unbemerkt in der Nacht mehrmals auf. Ist diese Aufwachphase kürzer als 3 Minuten, werden wir sie in der Regel nicht erinnern.

    Die Funktion des Schlafes ist bis heute nicht vollständig geklärt. Grundlage für den Ruhe- und Aktivitätszyklus ist der Tag-Nacht-Rhythmus. Es besteht eine Anpassung an Licht- und Temperaturverhältnisse, um die metabolische (Stoffwechsel-) Aktivität zu regulieren. Eine wesentliche Funktion des Schlafes ist die Regeneration. Der REM-Schlaf ist ein anaboler (aufbauender) Zustand, der physiologische Prozesse wie Wachstum, Erholung der Organsysteme, Immunsystem, Nervensystem, Muskel- und Knochenbau bestimmt. Die Zellen des Immunsystems und dessen Botenstoffe werden direkt vom Schlaf beeinflusst. Bei Schlafentzug oder Schlafdefizit sinkt so z.B. der Botenstoff Interleukin-6 ab, der unter anderem die Produktion von Antikörpern aus den B-Lymphozyten fördert. Die Anzahl wichtiger Immunzellen nimmt ab (T-Helfer-Zellen, B-Zellen, natürliche Killerzellen, siehe Patienteninformation „Immunsystem“) So fördert Schlaf die Wundheilung und bei Infekten „schläft man sich quasi gesund“. Auch Übergewicht wird durch gestörten Schlaf begünstigt, weil die hormonelle Balance des Zuckerstoffwechsels verändert wird.

    Während des Tages bilden sich aus gewonnenen Erfahrungen Synapsen (Verbindungen) zwischen den Gehirnzellen. Viele davon sind jedoch überflüssig und störend. Im Schlaf findet eine „Bereinigung“ statt, es wird Platz für Neues geschaffen und es wird neu sortiert. Zunächst landen alle Informationen und Eindrücke das „Wachlebens“ in unserem Kurzspeicher (Hippocampus). Der Langzeitspeicher liegt in den Synapsen der Großhirnrinde. Es muss also ein Datentransfer stattfinden. Dieser muss im Schlaf stattfinden, denn sonst würden ständig neue Informationen und Wahrnehmungen aus dem Tagesgeschehen diesem Prozess in die Quere kommen („Niemand würde wollen, dass sich das Gehirn neu organisiert, während man Auto fährt“). Die REM-Schlafphase ist für die Entwicklung des Gehirns wichtig. Damit die entstehenden Impulse nicht zu störenden Bewegungen führen, ist wie beschrieben, die Muskulatur blockiert. Rem-Schlaf-Mangel führt zu Entwicklungsproblemen und Nervenzellschädigung. Unser Gedächtnis wird von den verschiedenen Schlafphasen unterschiedlich beeinflusst:

    • NREM (Tiefschlaf) beeinflusst das Deklarative Gedächtnis (Wissensgedächtnis)
    • REM beeinflusst das Prozedurale Gedächtnis (Verhaltensgedächtnis)

    Auch Träume, die zwar in allen Schlafphasen vorkommen, von denen jedoch meist nur der „REM-Traum“ erinnert wird, spielen bei der Gehirnreifung und Verfestigung des Gedächtnisses eine wichtige Rolle. Visuelle und akustische Wahrnehmungen überwiegen, kognitive Fähigkeiten oder kausal logisches Denken treten in den Hintergrund. Das träumende Gehirn ist ein emotionales Gehirn. Das Gehirn löst offenbar die Ereignisse des Tages von den damit verbundenen Emotionen und bewertet sie neu (redressing). Träumen hat auch einen Einfluss auf die Lernfähigkeit. Dies zeigen eindrucksvoll verschiedene Untersuchungen. Träume festigen nicht nur Erinnerungen, sondern können auch neue Einsichten hervorbringen. Während das Gehirn die Ereignisse des Tages durchspielt, sucht es neue Zusammenhänge.

    Schlafstörungen (Insomnie) kommen sehr häufig vor und werden aber sehr oft von Patienten nicht angegeben. Sie werden als lästig hingenommen und es wird nicht aktiv nach Hilfe oder Lösungen gesucht. Der Schlaf hat ein „Imageproblem“. Unermüdlichkeit, Durchhaltevermögen und Schlafverzicht finden gesellschaftliche Anerkennung. Rasche Ermüdung oder ausgiebiges Schlummern gilt in unserer Leistungsgesellschaft als verlorene Zeit und Luxus. Dabei wissen wir, dass der Schlaf einen wesentlichen Einfluss auf unser physisches und psychisches Befinden hat.

    Schlafentzug ist eine schreckliche Foltermethode. Ein freiwilliger Rekord lag 2007 bei rund 11 Tagen. Einen Eintrag ins Guinnessbuch gab es jedoch aus ethischen Gründen nicht. Eine sehr seltene Erkrankung, die angeborene tödliche familiäre Schlaflosigkeit (Letale familiäre Insomnie) endet innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren tödlich. Bei dieser Erkrankung bestehen Läsionen im Hypothalamus.

    Bestehen Schlafstörungen, ist zunächst zu überlegen, welche Gründe es dafür geben kann. Wir unterscheiden:

    • Primäre Insomnie Es findet sich keine Ursache. Sie ist die häufigste Form von Schlafstörungen (ca. 1/3).
    • Sekundäre Insomnie B. Stress, Strahlung (Mobiltelefone), Schichtarbeit, Depression, Medikamente, Schilddrüsenüberfunktion, Schmerzen, restless-leg- Syndrom und nächtliche Wadenkrämpfe können Schlafstörungen verursachen. Das Schlaf-Apnoe-Syndrom kommt häufig vor (5-10% der Bevölkerung). Hier kommt es zu nächtlichem Sauerstoffmangel. Auch viele neurologische Erkrankungen können Schlafstörungen verursachen (Fibromyalgie, Epilepsie, Multiple Sklerose, M. Parkinson, Neuromuskuläre Erkrankungen, Schlaganfall, Demenzen).

    Erbanlagen können ebenfalls den Schlaf beeinträchtigen.

    • Parasomnie Es bestehen Albträume, Bettnässen, Schlafwandeln, Schlaflähmung (erwachen ohne Fähigkeit willentlich zu agieren), Zähneknirschen oder nächtliches Aufschrecken.
    • Pseudoinsomnie Untersuchungen im Schlaflabor zeigen einen normalen Befund. Subjektiv besteht jedoch das Gefühl des Schlafmangels (Fehlwahrnehmung).
    • Hypersomnie Hierzu gehören Katalepsie oder Narkolepsie, die mit einem abnormal erhöhten Schlafbedürfnis einhergehen.

    Um Schlafstörungen einzuschätzen, kann eine Untersuchung im Schlaf-Labor erfolgen. Im Schlaf-Labor werden EEG, LZ-EKG, Blutdruck, Puls, Sauerstoff- und Kohlendioxid Konzentration fortlaufend gemessen. Eine Indikation für eine solche recht aufwendige Untersuchung sind z.B. Schlafstörungen, die länger als 6 Monate bestehen und signifikant Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen oder der Ausschluss bestimmter organischer Ursachen (Schlaf-Apnoe, Parasomnien). Zur Erfassung von Schlafstörungen können auch spez. Fragebögen genutzt werden.

    Behandlung von Schlafstörungen

    Länger bestehende Schlafstörungen bedeuten oftmals einen Teufelskreis. Sie beeinflussen unsere Stimmung, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und können eine soziale Einschränkung bedeuten, weil sie die physische und psychische Regeneration behindern.

    Sind behandelbare organische Ursachen ausgeschlossen, sollten Regeln der Schlafhygiene überprüft werden:

    • Guter Schlafkomfort (Bett, Matratze, Raumverhältnisse).
    • Regelmäßige Aufsteh- und Ins-Bettgeh-Zeiten einhalten. Dabei ist die Aufsteh-Zeit wichtiger, denn sie ist der „Ankerpunkt“ unserer biologischen Rhythmen.
    • Tagsüber kein Kurzschlaf über 30 Minuten oder nach 15.00 Uhr. Besser ist ein sogenanntes kurzes „Powernap“ zur Erholung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit.
    • Beschränkung der Bett-Liegezeit auf die Schlafzeit, ca. 7 Std. Das Bett sollte nur zum Schlafen da sein.
    • Kein nächtlicher Blick zur Uhr.
    • Kein Alkohol 3 Stunden vor dem Zubettgehen. Man schläft zwar nach Alkoholgenuss leichter ein, aber die Schlafqualität verschlechtert sich (Schlafphasen).
    • Kaffee, Tee, Cola komplett pausieren oder nur vormittags.
    • Kein Nikotinkonsum nach 19 Uhr.
    • 3 Stunden vor dem Zubettgehen keine größeren Mahlzeiten. Kleine „Betthupferl“ wie z.B. Schokolade oder Honigmilch enthalten Tryptophan, das bei der Schlafregulation eine Rolle spielt. (Danach Zähne putzen!)
    • Vermeidung von körperlicher Anstrengung nach 18.00 Uhr.
    • Schlafumgebung gestalten Nach Möglichkeit sollte das Schlafzimmer nur zum Schlafen dienen. Wichtig ist, dass keine Lichtquelle stört. Das Schlaf fördernde Hormon Melatonin wird bei Dunkelheit freigesetzt. Natürlich ist auf Temperatur und Geräuscharmut zu achten.
    • Zwischen Alltag und Zubettgehen sollte ein „Pufferzone“ Sorgen, Grübeleien, Gedanken zur Planung des nächsten Tages, usw. behindern den Schlaf. Hilfreich sind kleine Rituale vor dem Zubettgehen, die Tagesgeschehen und Schlafenszeit voneinander abgrenzen (z.B. Gedanken in ein „Tagebuch“ notieren).

    Oftmals ist sehr eindrucksvoll, wie sich das Schlafverhalten allein durch die Maßnahmen der Schlafhygiene verbessert.

    Psychotherapeutische Verfahren wie z.B. kognitive Verhaltenstherapie können angezeigt sein. Insbesondere aber das Erlernen von Entspannungsverfahren hat einen positiven Einfluss.

    Medikamentöse Verfahren kommen zur Anwendung, wenn sich keine Besserung erzielen lässt und eine ursachenspezifische Behandlung nicht erfolgreich ist. Schlafmedikamente werden als Hypnotika bezeichnet. Der Name leitet sich aus der griechischen Mythologie ab. Hypnos ist der Gott des vorrübergehenden Schlafs, sein Bruder Thanatos dagegen der Gott des ewigen Schlafs.

    Phytotherapeutisch kommen oftmals sehr erfolgreich Extrakte aus der Baldrianwurzel, Johanniskraut, Hopfenzapfen, Melisse oder Passionsblume zum Einsatz. Auch aromatherapeutisch können ätherische Öle des Lavendel oder Jasmin durch ihre ausgleichende Wirkung das Schlafverhalten verbessern. Diese Öle setzen, ähnlich wie Benzodiazepine, an bestimmten Rezeptoren (GABA) an und wirken sich damit stabilisierend auf den Schlaf aus.

    Synthetische Schlafmittel sind zum Dauergebrauch ungeeignet. Abhängigkeit oder Gewöhnung kann eintreten. Ohne ärztliche Betreuung sollten sie nicht angewendet werden. Verschiedene Substanzen stehen zur Verfügung:

    • Benzodiazepine (Nitrazepam, Midazolam, Flurazepam, Tetrazepam) Medikamente dieser Gruppe wirken beruhigend, angstlösend, krampflösend und schlaffördernd. Unser Gehirn kann man sich als eine Maschine vorstellen. Im Wachzustand läuft diese Maschine sehr schnell. Um in den Schlaf zu gelangen, aber auch in anderen Situationen, wenn diese schnelle Aktivität hinderlich wird (z.B. wenn man sich in einen Erregungszustand wie Angst hineinsteigert), braucht man also eine Bremse. Die wichtigste bremsende Substanz im Gehirn ist die sog. Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Benzodiazepine verstärken die Wirkung von GABA. Die einzelnen Substanzen unterscheiden sich in der Wirkdauer und der Wirkstärke. Sie können z.B. auch als kurze „Narkose“ bei Untersuchungen wie Magen- oder Darmspiegelungen eingesetzt werden. Sie werden dann intravenös verabreicht (Propofol). Sie wirken hauptsächlich auf den orthodoxen Schlaf (Tiefschlaf) und beeinflussen den REM-Schlaf kaum. Länger als 4 Wochen sollten sie nicht angewendet werden, da die Gefahr einer Abhängigkeit besteht.
    • Nicht Benzodiazepin-Agonisten, „Z“-Schlafmittel (Zopiclon, Zolpidem) Sie sind moderne Schlafmittel der ersten Wahl. Sie binden ebenfalls an die GABA-Rezeptoren. Die muskelentspannende und krampflösende Wirkung ist im Vergleich zu den Benzodiazepinen niedriger, das Abhängigkeitspotential ist geringer. Sie beeinflussen die Schlafarchitektur kaum.
    • Barbiturate Sie wirken dosisabhängig schlaferzwingend. Sie haben eine sehr lange Halbwertszeit und führen daher zu unerwünschten Neben- und Nachwirkungen (Hang-Over). Sie unterdrücken den REM-Schlaf. In Verbindung mit Alkohol besteht eine Wirkungspotenzierung. Als Schlafmittel sind sie aufgrund ihrer Nebenwirkungen im allgemeinem nicht geeignet und ihre Zulassung als Schlafmittel ist vom Bundesgesundheitsamt widerrufen.
    • Barbitursäure-Abkömmlinge (z.B. Thalidomid, Contergan®) Aufgrund ihrer erheblichen Nebenwirkungen kommen sie als Schlafmittel nicht mehr zum Einsatz.
    • Antihistaminika (Diphenhydramin, Doxlyamin, Promethazin) Viele Antihistaminika weisen neben ihrer antiallergischen auch eine sedierende Wirkung auf. Daher werden sie auch als Schlafmittel verwendet. Sie unterscheiden sich ebenfalls auch in ihrer Wirkdauer, so kann insbesondere Promethazin zu einem Hang-Over führen. Oft tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Da der Wirkeintritt erst nach 1-3 Std. erfolgt, müssen sie entsprechend zeitig eingenommen werden.
    • Sonstige Stoffe Chloralhydrat findet aufgrund der sehr langen Halbwertszeit keine Verwendung.
    • L-Tryptophan. Aus L-Tryptophan wird im Organismus der Botenstoff Serotonin gebildet, der sowohl im Rahmen der Schlaf-Wach-Regulation, als auch bei Depressionen eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Der schlafanstoßende Effekt dieses Mittels ist gering. Eine Verbesserung des Schlafes zeigt sich erst nach mehrwöchiger Einnahme. Das Medikament wurde 1989 wegen Verunreinigungen bei der Herstellung vom Markt genommen, ist jetzt aber seit einiger Zeit wieder erhältlich. Als alternativer medikamentöser Therapieversuch dürfte es vor allem bei Patienten in Frage kommen, die keines der oben genannten Schlafmittel wg. deren Nebenwirkungen vertragen. L-Tryptophan kommt in einer ganzen Reihe von Nahrungsmitteln vor. Die Einschlafhilfe „Heiße Milch mit Honig“ geht wahrscheinlich auf einen Tryptophan-Effekt zurück, da Milch diesen Stoff enthält. Wichtig für die Wirksamkeit ist in diesem Fall das im Honig enthaltene Zuckermolekül, das als Transportmittel dient, um das L-Tryptophan ins Gehirn zu bringen.
    • Melatonin ist ebenfalls chemisch verwandt mit Serotonin und wird im Körper aus dem natürlich vorkommenden L-Tryptophan gebildet. Melatonin wird selber auch vom Körper in der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziert. Es ist als Botenstoff wesentlich an der Steuerung der Tag-Nacht-Rhythmen beteiligt. Es war bis in die 90er Jahre als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich, wurde dann aber wegen des bislang fehlenden Unbedenklichkeitsnachweises vom Markt genommen.
    • Antidepressiva haben ein wesentlich geringeres Abhängigkeitspotential als Benzodiazepine. Sie werden daher bevorzugt bei einer länger andauernden Behandlung eingesetzt. Sie sind das Mittel der Wahl bei Schlafstörungen, die durch eine Depression hervorgerufen werden, als auch bei solchen Schlafstörungen, bei denen es als Folge der Schlafstörung im Laufe der Zeit zu einer ausgeprägten ängstlich-depressiven Begleitsymptomatik gekommen ist. Sie wirken nicht Muskel-relaxierend (geringere Sturzgefahr in der Nacht; geringere Beeinträchtigung der Atmung in der Nacht ). Die schlafanstoßende Wirkung ist geringer als die von Benzodiazepinen. Antidepressiva haben deutlich mehr Nebenwirkungen als Benzodiazepine (u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen, Verstopfung, Blutdrucksenkung, Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszustände, Gewichtszunahme, Libido- und Potenzverlust, Leberfunktionsstörungen). Die Empfindlichkeit für diese Nebenwirkungen ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Antidepressiva sind langwirksame Mittel, d.h. sie wirken auch noch am Tage fort. Dieser stimmungsaufhellende, beruhigend-dämpfende Überhangeffekt kann je nach Patient und Symptomatik erwünscht oder lästig sein. Auch bei Antidepressiva kann es wahrscheinlich zu einer Gewöhnung bzw. Toleranzentwicklung kommen, d.h. das Mittel verliert nach einigen Wochen nach und nach seine schlafanstoßende Wirkung. Antidepressiva unterdrücken bzw. vermindern den Traumschlaf (REM-Schlaf). Sie können nicht selten „Periodische Bewegungen im Schlaf“ verursachen oder – wenn schon vorhanden – verstärken und dadurch selber Schlafstörungen hervorrufen.

    Ein krimineller Missbrauch von Schlafmitteln sind die sog. K.-o.-Tropfen (Knockout) Häufige Anwendung als K.o.-Tropfen finden Benzodiazepine.

    Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte dies unbedingt mit seinem Arzt besprechen, damit gemeinsam eine ursachenspezifische Behandlung erfolgen kann oder symptomatisch ein positiver Einfluss genommen werden kann. Ein „gesunder“ Schlaf hat einen sehr großen Einfluss auf unsere Körperfunktionen und natürlich unser psychisches Befinden.

    Gute weiterführende Information bietet die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGMS). Hier sind Broschüren zu verschiedenen Themen erhältlich.

  • Schmerztherapie in der Onkologie

    Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung geben in 60-90% der Fälle eine Schmerzsymptomatik an und obwohl mit Erstellung nationaler und internationaler Leitlinien die Schmerztherapie immer mehr Beachtung findet, erfolgt teilweise nach wie vor eine unzureichende Schmerzlinderung bzw. Symptomkontrolle.

    Nach der International Association For Study Of Pain (IASP) von 1979 wird Schmerz definiert als ein „unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen beschrieben wird“.

    Schmerz ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Jeder Patient empfindet Schmerz auf seine Weise. Dies hat Margo Mc Caffery in ihrer Definition von 1968 zum Ausdruck gebracht: „Schmerz ist das, was immer ein Patient darunter versteht, und Schmerz ist vorhanden, wann immer ein Patient ihn wahrnimmt“.

    Bei Schmerz denkt man in erster Linie an den körperlichen Schmerz. Aber es gibt keinen körperlichen Schmerz ohne eine seelische Empfindung und umgekehrt keinen seelischen Schmerz ohne eine körperliche Reaktion. Nicht zu vergessen der soziale Schmerz durch Isolierung und Desintegrität im familiären und sozialen Umfeld sowie der spirituelle Schmerz, insbesondere in der palliativen Situation durch ein Bewusstwerden der Hoffnungslosigkeit und Endlichkeit. Diese Schmerzursachen hat Cicely Saunders, die Begründerin der modernen Palliativmedizin, zu einem sog. „Total Pain Concept“ zusammengefasst.

    Der körperliche Schmerz wird unterschieden in akut und chronisch. Der akute Schmerz dauert bis zu vier Wochen an und ist gekennzeichnet durch eine progrediente Besserung; von einem chronischen Schmerz spricht man ab einer Dauer von 12 Wochen. In der Regel zeigt sich hier eine progrediente Verschlechterung der Symptomatik. Der akute Schmerz hat den Charakter eines Warnsignals, z.B. beim Berühren einer heißen Herdplatte. Dieses Warnsignal geht durch die ständig anhaltenden Schmerzreize beim chronischen Schmerz verloren. Es entwickelt sich ein sog. Schmerzgedächtnis.

    Neben der Unterscheidung akuter und chronischer Schmerz grenzt man den Nozizeptor-schmerz von dem neuropathischen Schmerz ab.

    Nozizeptor leitet sich ab von dem lateinischen „nocere“ und bedeutet „schaden“. Ein Nozizeptor oder Nozirezeptor, auch als Nozisensor bezeichnet, ist gleich zu setzen mit einer „freien Nervenendigung“. Diese freien Nervenendigungen finden sich in einer Vielzahl in unserer Haut und im Gewebe mit Ausnahme des Gehirns und der Leber.

    Eine Aktivierung der Nozizeptoren kann nach Überschreiten eines Schwellenwertes verursacht werden durch direkte Reize, z.B. mechanischer, chemisch-entzündlicher, thermischer oder elektrischer Art. Die eigentliche Schmerzleitung von einer Nervenzelle zur anderen erfolgt durch chemische Botenstoffe, sog. Mediatoren (Prostagladine, Bradykinine, etc.). In Bruchteilen einer Sekunde wird der Schmerz von den Nozizeptoren über sensible Nervenfasern zum Rückenmark geleitet. Hier erfolgt die Übertragung vom peripheren auf das zentrale Nervensystem und schließlich die Weiterleitung an die Schaltzentrale des Gehirns, den sog. Thalamus, welcher große Teile des Zwischenhirns einnimmt. Im Thalamus werden alle Nervenreize erfasst und an unterschiedliche Hirnareale weitergeleitet. Erst wenn das Schmerzsignal die Großhirnrinde erreicht hat, werden wir uns des Schmerzes bewusst. Zudem erfolgt nach der Schmerzverarbeitung im Thalamus die Ausschüttung von „Endorphinen“, welche die absteigenden, schmerzhemmenden Nervenbahnen aktivieren.

    Der Nozizeptorschmerz wird nochmals untergliedert in einen somatischen Schmerz und einen visceralen Schmerz.

    Der somatische Schmerz geht von den Weichteilen, dem Skelettsystem, den Gelenken bzw. der Muskulatur aus. Er ist charakterisiert durch eine bohrende, stechende Schmerzsympto-matik, die genau lokalisiert werden kann. Der viscerale Schmerz, auch als Eingeweide-schmerz bezeichnet, geht von Magen, Darm, Blase oder Harnleiter aus. Der Schmerz-charakter wird als dumpf, drückend, krampfartig beschrieben und kann nicht genau lokalisiert werden.

    Im Unterschied zum Nozizeptorschmerz ist der neuropathische Schmerz gekennzeichnet durch eine Schädigung bzw. Dysfunktion des Nervensystems, z.B. nach langjährigem Diabetes mellitus, Post-Zoster-Schmerz, etc. Der neuropathische Schmerz wird als einschießender bzw. stechender Schmerz wahrgenommen, welcher in Ruhe oder nachts zunehmen kann.

    Eine Erfassung der Schmerzstärke kann vorgenommen werden mittels einer numerischen Rating-Skala, wobei 0 kein Schmerz und 10 stärkster Schmerz bedeutet. Ferner steht eine visuelle Analog-Skala zur Verfügung.

    Bei der Schmerzerfassung, welche neben der Schmerzstärke, den Ort, die Art, den Zeitverlauf und die Häufigkeit sowie Beeinflussbarkeit und Wahrnehmung des Schmerzes berücksichtigt, ist auch die Frage nach Allgemeinsymptomen, wie Übelkeit, Erbrechen, Luftnot, Obstipation etc., bedeutsam.

    Im Zusammenhang mit der medikamentösen Therapie hat die WHO (Weltgesundheitsbehörde) 1986 ein Stufenschema zur Empfehlung des Einsatzes von Analgetica herausgegeben. Dieses Stufenschema sieht in Stufe 1 die Anwendung von Nicht-Opioiden, wie z.B. nichtsteroidale antiphlogistische Analgetica (NSAR) und/oder Acetylsalicylsäure (ASS), Metamizol (Novalgin) bzw. Paracetamol vor. In Stufe 2 käme die zusätzliche Behandlung mit mittelstarken Opioiden in Frage, und in Stufe 3 der Einsatz starker Opioide mit einer entsprechenden Begleitmedikation.

    Heutzutage wird dieses Stufenschema kritisch beurteilt, da durchaus initial eine Behandlung mit starken Opioiden erforderlich sein kann. Zum anderen finden sog. Durchbruchschmerzen (darunter versteht man starke Schmerzattacken, die bei Patienten auftreten können, obwohl sie auf ihre Beschwerden optimal mit Arzneimitteln eingestellt sind) keine Erwähnung und letztlich stehen in der Stufe 1 dieses Stufenschemas Medikamente zur Verfügung, die zum Teil frei verkäuflich sind, aber gravierende Nebenwirkungen aufweisen können.

    Bei der medikamentösen Schmerztherapie ist es wichtig, bestimmte Grundregeln zu beachten, z.B. dass die Medikamente nach dem Stufenschema („by the ladder“) regelmäßig zu vorgeschriebenen Uhrzeiten („by the clock“) und bevorzugt oral („by the mouth“) eingenommen werden. => Vermeiden von Spiegelschwankungen, besonders bei Opioiden wichtig => Sucht.

    Wenn eine medikamentöse Behandlung erfolgt, sollte man genauestens über die Wirkungen und Nebenwirkungen des Medikaments informiert sein, ebenso über mögliche Wechselwirkungen mit den Medikamenten, die aufgrund von Begleiterkrankungen eingenommen werden müssen. Häufig wird auch die Frage gestellt, ob man bei der Schmerztherapie ein Kraftfahrzeug führen darf – dies ist in der Regel bei einer stabilen Schmerzeinstellung auch mit Opioiden möglich. In der Einstellungsphase, wo manche Menschen mit Übelkeit oder Schwindel auf die Opioidgabe reagieren, kann das Autofahren gefährlich sein und sollte in dieser Zeit besser anderen überlassen werden.

    Viele Nebenwirkungen, die in der Einstellungsphase auftreten, sind bald rückläufig, der Körper toleriert dann das Schmerzmittel gut. Eine Ausnahme macht die Darmträgheit, die bei manchen Menschen unter Schmerzmittelgabe auftritt – hier gibt es keine Gewöhnung, so dass es mitunter notwendig wird, regelmäßig verdauungsfördernde Begleitmedikamente einzunehmen wie z.B. Natriumpicosulfat Tropfen, die sich gut dosieren lassen.

    Durch die Kenntnis von Schmerzursache sowie der Wirkungen und Nebenwirkungen opioider bzw. nichtopioider Analgetica besteht heutzutage die Möglichkeit einer effektiven Schmerzbehandlung.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Unterstützend werden in unserem Haus bei der Schmerzbehandlung im Sinne einer Ganzheitsmedizin selbstverständlich Behandlungen aus der Physiotherapie/Krankengymnastik eingesetzt, ebenso werden Entspannungsverfahren oder Übungen zur Körperwahrnehmung neben psychotherapeutischen Einzelgesprächen angeboten. Sozialberatung kann bei sozialer Verstärkung oder Verursachung sinnvoll sein, ebenso für das Management der Schmerztherapie am Heimatwohnort.

    Auch eine spirituelle Begleitung von Schmerzpatienten kann von uns empfohlen und im Haus angeboten werden.

  • Second Opinion

    „Second Opinion“ bedeutet zweite Meinung. In der Onkologie wird es zunehmend akzeptiert und als vorteilhaft empfunden, wenn einem Patient die Möglichkeit zum Einholen einer zweiten Meinung bei einem anderen Arzt (idealerweise ein erfahrener Spezialist) oder Tumorzentrum über Behandlungskonzepte gegeben wird.

    Eine zweite ärztliche ambulante Beratung ist keine Konkurrenz zu den Empfehlungen der Erstbehandler, sondern soll den Patienten die Möglichkeit geben, mit einem zweiten nur beratend tätigen Arzt, der die Behandlung nicht durchführen wird, das zunächst erstellte Konzept zu überdenken und evtl. weitere Gedanken einzubringen, um so mehr Sicherheit zu gewinnen.

    Zunehmend wird die Einbeziehung des Patienten in die Therapieplanung nicht nur als medizinisch ethisch zu forderndes „notwendiges Übel“, sondern als wesentlicher Punkt in der Gestaltung einer erfolgreichen Therapie gesehen.

    Ihr Gespräch in der Privatambulanz der Habichtswald-Klinik

    Die Habichtswald-Klinik versteht sich seit ihrer Gründung als eine Klinik, die den Menschen ganzheitlich betrachtet.

    Second Opinion als beratende zweite Meinung, die sich auf die individuelle Lebens- und Krankheitsgeschichte des Patienten bezieht, ist in unserer Abteilung von Anfang an wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit gewesen. Mit dem Angebot der Second Opinion wenden wir uns an Patienten, die nicht die Möglichkeit haben, mehrere Wochen in unserem Haus zu verbringen.

    Wir verstehen uns nicht als Konkurrenten Ihrer Ärzte, sondern als Sie und die Kollegen unterstützende Berater, die gemäß unserem Klinikkonzept mit Ihnen die vorbestehende schulmedizinische Empfehlung durchdenken und in ein ganzheitliches Konzept unter Einbeziehung naturheilkundlich komplementärer Maßnahmen stellen.

    Wann ist die Second Opinion geeignet?

    • nach erster Diagnose vor Therapiebeginn, wenn dieser einige Tage aufgeschoben werden kann
    • nach Operationen, vor Einleitung einer Chemotherapie oder Bestrahlung
    • bei Fortschreiten der Erkrankung oder bei einem Rezidiv (Rückfall) vor Einleitung einer neuen Therapie
    • während der laufenden Therapie, wenn zusätzliche Fragen auftauchen
    • nach Abschluss der Therapie, wenn es um die Klärung unterstützender wiederaufbauender Maßnahmen geht.

    Sie erhalten eine intensive ärztliche ambulante Beratung, die auf den von Ihnen vorab zugesandten Befunden und dem bisherigen Krankheitsverlauf aufbaut, in einem Gespräch Ihre Erwartungen und Fragestellungen klärt, die aktuelle evtl. vorliegenden Beschwerden analysiert und die so erhobenen Informationen mit den Vorbefunden in Zusammenhang bringt.

    Wir versuchen, Ihre Fragen zu beantworten und Ihnen ein ganzheitliches Konzept an die Hand zu geben, das Sie über die folgenden Behandlungen und/oder bei der Wiedereingliederung nach der Therapie begleiten wird. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, mit Ihnen einen Leitfaden zu entwickeln, der für Sie und die Weiterbehandelnden umsetzbar ist.

    Sinnvoll ist es, dass Sie uns Ihre Unterlagen einige Tage vorher zukommen lassen, damit wir uns auf das Gespräch vorbereiten können.

    Sie erhalten einen zusammenfassenden Bericht über die besprochenen Empfehlungen.

    Sollten Sie eine weite Anreise haben, so können Sie in unserer Klinik übernachten (Vollpension und abendlicher kostenloser Besuch der Kurhessen-Therme). Wir vermitteln Ihnen auch gerne Unterkunftsadressen in Kliniknähe.

    Wer trägt die Kosten?

    Trotz der Anerkennung als sinnvolle Maßnahme wird die Second Opinion in unserer Privatambulanz nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Diese Patienten haben die Möglichkeit, die Kosten selbst zu tragen oder sich mit Überweisung in der Praxisambulanz vorzustellen. Die privaten Krankenkassen zahlen das Beratungsgespräch ohne Einschränkungen.

    Preise:

    Gespräch in der Privatambulanz: Rechnung nach GOÄ

    Übernachtung: 65,-€ mit Vollpension und kostenlosem Besuch der Kurhessen-Therme pro Tag pro Person

    Ansprechpartner und Anmeldung

    Chefarztsekretariat der Onkologie: Frau Kauffelt

    Tel.: 0561/3108-552 oder -553

  • Selen

    Selen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Es kommt in der Natur als anorganische (Selenit, Selenat) oder organische (Selenmethionin, Selencystein, Methylselencystein) Verbindung vor.

    Deutschland liegt geographisch in einem Gebiet, dessen Böden selenarm sind. Daher haben Getreide, Obst und Gemüse bei uns nur einen geringen Selengehalt. Hauptlieferant sind Hühner- oder Schweinefleisch (85%) aufgrund von selenangereicherten Futtermitteln. Weitere natürliche Quellen sind Seefisch und Meeresfrüchte, Innereien, Eigelb, Hülsenfrüchte und Nüsse.

    Die empfohlene Aufnahme mit der Nahrung sollte 30-70μg/Tag nicht unterschreiten. Ein ernährungsbedingter Selenmangel kann bei bestimmten Personengruppen auftreten (z.B. Veganer, Alkoholiker) unter parenteraler Ernährung oder Dialyse, bei Anorexie, bei Malabsorptionssyndromen (Störungen in der Nahrungsverwertung), als Arzneimittelnebenwirkung (Entwässerungsmittel), bei Tumorpatienten. Ein unter Selenmangel auftretendes Syndrom, nämlich eine Herzmuskelerkrankung (endemische Kardiomyopathie Keshan) wird jedoch in westlichen Industrieländern nicht beschrieben.

    In der Onkologie wird Selen zur Primär- und Sekundärprävention von Tumoren, zur Minimierung von Nebenwirkungen durch Chemo- und Strahlentherapie und zur Therapie von Lymphödemen eingesetzt. Aufgrund seiner Eigenschaft, mit Schwermetallen Bindungen einzugehen, wird die Seleneinnahme auch im Zusammenhang mit Umweltgiften diskutiert (z.B. Quecksilberbelastung bei Entfernung von Amalgamfüllungen).

    Folgende Wirkungen werden postuliert:

    • Chemopräventive Wirkung
    • Antioxidatives Potential
    • Hemmung der Proliferation (Wachstum) von Tumorzellen
    • Genregulation (u.a. Inaktivierung von Onkogenen)
    • Induktion der Apoptose (kontrollierte Zellselbstzerstörung)
    • Angiogenesehemmung (Wachstum von Blutgefäßen zur Tumorversorgung)
    • Regulation von Androgen und Östrogenrezeptoren
    • Radioprotektive Wirkung
    • Stabilisierung des Immunsystems, Aktivierung von Killerzellen
    • Aktivierung von Cytochrom P-450 (dient der Oxidation vieler körpereigener und körperfremder Substanzen (z.B. Arzneimittel), verbesserte Metabolisierung (Verstoffwechselung) von Karzinogenen
    • Therapeutische Wirkung bei der Behandlung des Lymphödems

    Die unterschiedlichen Wirkungen des Selens sind dosisabhängig. Dosierungen in Höhe der normalen Nahrungszufuhr haben einen antioxidativen Effekt, hochnormale Selenzufuhr führt zu einer verbesserten Immunantwort, höher dosierte Einnahme zur Induktion der Apoptose.

    Selen beeinflusst die Aktivität verschiedener Enzyme. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Selen als Co-Faktor des Enzyms Glutathion-Peroxidase zu. Dieses Enzym verhindert das Entstehen von aggressiven Verbindungen aus unserem Stoffwechsel (Fettabbau). Damit wird die DNA-schädigende Wirkung dieser Stoffe („freie Radikale“) vermindert.

    Viele Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen niedrigen Selenwerten im Blut und der Häufigkeit von einigen Tumorarten (Brustkrebs, Lungentumore, Magen-Darm Tumore, Kopf-Hals Tumore und Prostatakarzinom) hin. Der Serumspiegel bestimmt auch den Verlauf und das Therapieansprechen von bestimmten Lymphomen. Aus einer großen chinesischen Studie (Quidong-Studie) stammen die ersten Hinweise für einen präventiven Ansatz. Die Selen Supplementierung in Mangelgebieten konnte die Rate an Leberzellkarzinomen signifikant senken.

    In vitro Untersuchungen konnten zeigen, dass Selen zu einer Wachstumshemmung von Tumorzellen und zur Induktion der Apoptose führt.

    Die Gabe von Selenit (anorganisches Selen) während einer Chemotherapie ist umstritten, insbesondere bei Chemotherapeutika, die über Radikalbildung tumorschädigend wirken. Eine Wirkungsabschwächung wäre möglich. Andererseits führt Selengabe bei einigen Zytostatika zu einer Wirkungsverstärkung (5-FU, Irinotecan, Oxaliplatin, Paclitaxel, Adriamycin). Möglicherweise kann die Resistenz von Tumorzellen gegenüber Zytostatika verhindert werden. Speziell in der Kombination mit Cisplatin ergeben sich protektive Mechanismen (weniger Nierenschädigung). Auch die herzschädigende Wirkung von Adriamycin konnte durch Selengabe reduziert werden.

    Selengabe kann Ödembildung (Lymphödem nach Operation/ Strahlentherapie oder andere sekundäre Ödeme) positiv beeinflussen.

    Die bisherigen Studien konnten zeigen, dass sowohl in der Krebsprävention als auch in der onkologischen Therapie das Erreichen eines optimalen Serumspiegels (110-130µg/l) wichtig ist. Bei einer suboptimalen Versorgung wird das gesundheitsfördernde Potential der o.g. Wirkweise über die selenabhängigen Enzyme nicht ausgeschöpft. Die Dosierung ist abhängig von der Indikation. Zur Primär- und Sekundärprävention werden 100-300µg/l verabreicht. Zu beachten ist, dass Selen in hohen Dosen toxisch ist (Selenosis: u.a. “Knoblauchgeruch“, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Hautekzeme, Haarausfall). Daher sollten bei einer längerfristigen Seleneinnahme regelmäßige Blutspiegelkontrollen (2-3x/Jahr) erfolgen. Unterschiedliche Selen-Präparate stehen zur Verfügung. Um eine optimale Aufnahme zu ermöglich, müssen die entsprechenden Einnahmeempfehlungen (1Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit) beachtet werden.

    Eine weitere große Präventions-Studie (PRECISE Trial) wird 2015 sicher mehr Erkenntnisse sichern und Einfluss auf die Bewertung und Empfehlung der Seleneinnahme haben.

  • Sexualität und Krebserkrankung

    Diagnose einer Krebserkrankung bedeutet für jeden Betroffenen eine Belastung – und fordert alle körperlichen und seelischen Kräfte. Es stehen Ängste und Fragen nach Heilungschancen und Nebenwirkungen der Therapie im Vordergrund.

    Da erscheint die Frage nach den Auswirkungen der Erkrankung und den Folgen der Therapie auf das Sexualleben zunächst nebensächlich.

    Die Erfahrung aber zeigt, dass ein gelungenes Leben der eigenen Sexualität sehr beglückend für Krebspatienten und ihre Partner sein kann. Voraussetzung dafür ist ein Überwinden von Hemmungen, von inneren Sperren – so kann es befreiend sein, wenn offen über mögliche Probleme gesprochen werden kann; denn nur dann können ja Lösungen für neu aufgetretene (oder auch schon vorbestehende!) Probleme gefunden und ausprobiert werden.

    Neben Offenheit sind Zärtlichkeit, ein gutes Selbstwertgefühl und ein Wissen um den Körper und seine Reaktionen wichtige Voraussetzungen für ein befriedigendes Sexualleben.

    Sexualität ist mehr als ein Orgasmus durch Stimulation der Geschlechtsorgane!

    Nähe, der Austausch von Zärtlichkeiten (auch in Worten und Gesten) sowie Liebkosungen zählen am meisten in einer (Liebes-) Beziehung.

    Es gibt einige Missverständnisse bezüglich Sexualität und Krebs wie: Krebs sei ansteckend oder der Partner könnte beim Intimkontakt mit den Chemotherapie- Medikamenten in Berührung kommen, während einer Strahlentherapie könnte der Partner beim Sex Strahlung abbekommen:

    Nur bei sehr wenigen Tumorerkrankungen – wie z.B. Leberkrebs, Tumoren des Hals-Nasen Ohren-Bereichs oder Gebärmutterhalskrebs- kann eine früher durchgemachte Virusinfektion zur Tumorentstehung mit beigetragen haben – Krebs ist dadurch aber nicht ansteckend, es werden keine Tumorzellen von einem Menschen auf den anderen übertragen! Dennoch ist ein Schutz vor Übertragung von beispielsweise Hepatitisviren, humanen Papillomviren oder HIV- Viren natürlich sinnvoll. Bei Hepatitis B wie auch bei den Papillomviren gibt es wirksame Schutzimpfungen, der Gebrauch von Kondomen bietet ebenfalls einen guten Schutz.

    Chemotherapeutika werden rasch aus dem Körper ausgeschieden, meist binnen Stunden, (bei Cisplatin bis wenige Tage), so dass dann sicher keine Beeinträchtigung des Partners zu befürchten ist. Der Gebrauch von Kondomen bei männlichen Patienten schützt auch hier die Partnerin vor einem Kontakt mit dem Samenerguss, der ohnehin nur eine winzige Menge der Medikamente enthalten könnte.

    Die Radioaktivität einer Bestrahlung von außen durch die Haut ist schon im Moment, wenn die Behandlung beendet wird, nicht mehr nachweisbar. Anders ist es, wenn Strahlungsquellen als Flüssigkeit eingespritzt werden oder in Körperhöhlen verbracht werden. Hier muss beim behandelnden Arzt nachgefragt werden, wann das Sexualleben wieder begonnen werden darf.

    Bei Männern gibt es als Krebsformen der Geschlechtsorgane das Prostatakarzinom und den Hodenkrebs – der meist bei jungen Männern auftritt -, selten auch Peniskarzinome. Bei diesen Erkrankungen können als Folge der Erkrankung und der notwendigen Therapie Libidoverlust und Erektionsstörungen auftreten. (s. Patienteninformation: Erektile Dysfunktion)

    Des Weiteren kann die Samenproduktion beim Hodenkrebs (s. Patienteninformation Hodenkrebs) vermindert sein, manchmal kommt es zur Störung der Nervenbahnen, die den Samenerguss regeln.

    Auch beim Prostatakarzinom (s. Patienteninformation Prostatakarzinom), welches in der Regel bei Männern über 60 Jahren auftritt, kommt es durch Operation oder Bestrahlung zum Verlust der Zeugungsfähigkeit, bei fortgeschrittenen Tumoren müssen gelegentlich die Nerven, die die Erektion steuern, mit entfernt werden, eine Orgasmusfähigkeit bleibt davon aber unberührt. Viele Prostatakarzinom-Patienten erhalten eine Hormontherapie, die die Testosteronproduktion herabsetzt, das führt zu „Wechseljahrsbeschwerden“ wie Hitzewallungen, aber auch zu reduzierter Lust und verminderter Erektionsfähigkeit.

    Bei kleinen Peniskarzinomen wird sich durch die Bestrahlung nur wenig Einfluss auf das Sexualleben ergeben. Wenn nur ein Teil des Penis entfernt werden muss, bleibt trotzdem die Fähigkeit der Erektion und des Geschlechtsverkehr erhalten.

    Bei Frauen gibt es: Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs, selten Krebs in der Klitoris und in den Schamlippen (Vulvakarzinom).

    Der Gebärmutterhalskrebs (s. Patienteninformation Zervixkarzinom) wird durch Vorsorgeuntersuchung mit Abstrich heute meist in frühen Stadien erkannt. (Durch die empfohlene Impfung junger Mädchen und Jungen gegen HPV =humanes Papilloma Virus wird es in Zukunft sicher zu einem drastischen Rückgang der Erkrankungshäufigkeit kommen). So hat die notwendige Therapie nur geringen Einfluss auf das Sexualleben, meist kann auch die Fähigkeit zur Schwangerschaft bestehen bleiben. Fortgeschrittene Tumoren erfordern aber die Entfernung der Gebärmutter (keine Schwangerschaften mehr möglich) und der oberen Anteile der Scheide. Diese bleibt aber meist noch tief genug für einen problemlosen Geschlechtsverkehr. Sollte eine örtliche Bestrahlung im Anschluss an die Operation nötig sein, kann es zu Verklebung und Verengung der Scheide kommen. Hier wird gleich mit Vaginalzäpfchen und einer Dehnungsbehandlung mittels Dilatator gegengesteuert. Bei Trockenheit der Scheidenschleimhaut werden Gleitmittel empfohlen.

    Beim Gebärmutterkrebs (s. Patienteninformation Corpus-/ Endometrium-Karzinom muss die Gebärmutter entfernt werden, so dass keine Schwangerschaften mehr möglich sind. Eine Auswirkung auf die Orgasmusfähigkeit ist nicht zu erwarten. Bei fortgeschrittenen Tumoren mit Mitbefall von Nachbarorganen, muss eine Operation oft umfangreicher sein. Dann könnten später innere Narben und Verwachsungen unangenehme Empfindungen bis hin zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen. Hier kann gelegentlich eine operative Lösung der Verwachsungen helfen. War die Entfernung von vielen Lymphknoten im Becken-/Bauchraum erforderlich, können eine Schwellungsneigung oder Lymphödeme auftreten, die meist -konsequent und frühzeitig behandelt – keine dauerhaften Probleme bereiten sollten.

    Sollte eine örtliche Bestrahlung im Anschluss an die Operation nötig sein, kann es zu Verklebung und Verengung der Scheide kommen. Hier wird gleich mit Vaginalzäpfchen und einer Dehnungsbehandlung mittels Dilatator gegengesteuert. Bei Trockenheit der Scheidenschleimhaut werden Gleitmittel empfohlen.

    Bei Eierstockkrebs (s. Patienteninformation Ovarialkarzinom) treten Beschwerden erst in sehr fortgeschrittenen Stadien auf, so dass er oft spät erkannt wird und dann intensiv behandelt werden muss. Entscheidend für die Prognose ist dann eine sehr umfangreiche Operation, oft ist eine Chemotherapie erforderlich. Durch die Entfernung der Eierstöcke treten Wechseljahrsbeschwerden rascher und intensiver auf – z.B. Hitzewallungen und Scheidentrockenheit.

    Auch wenn eine Krebserkrankung nicht direkt die Geschlechtsorgane betrifft, kann das Sexualleben beeinflusst werden.

    Eine Chemotherapie kann durch eventuell auftretende Nebenwirkung wie Übelkeit, Schleimhautentzündungen, Durchfall, Fatigue-Symptomatik (s. Patienteninformation Fatigue) zeitlich begrenzt die Lust am Sex deutlich mindern. Der vorübergehende Verlust der Haare, der bei bestimmten Medikamenten eintritt, kann besonders bei Frauen das Selbstbildnis und das Gefühl der Attraktivität empfindlich stören. Bei einer Bestrahlung kann es zu Hautreizungen (selten Verbrennungen) kommen, die Berührung unangenehm bis schmerzhaft machen können. Auch bei einer Bestrahlung ist eine Fatigue-Symptomatik möglich.

    Bei einer Brustkrebserkrankung (s. Patienteninformation Mamma-Karzinom)kann heute meist brusterhaltend operiert werden, bei großen Tumoren, wenn mehrere Tumore in der Brust sind oder bei sehr ungünstigem Sitz ist eine Entfernung der Brust jedoch unvermeidbar. Für die meisten Frauen sind die Brüste wichtig, damit sie sich als sexuelles Wesen empfinden – so wirkt sich die Operation auf ihr Selbstbild aus. Sie entwickeln Schamgefühle, mögen sich nicht mehr nackt zeigen oder sich selbst im Spiegel anschauen. Hier sind ein offenes Gespräch mit dem Partner und ein behutsamer Umgang mit diesen Ängsten sehr wichtig. Viele Brustkrebspatientinnen erhalten über Jahre eine endokrine Therapie mit Tamoxifen, Aromatasehemmern oder Goserelin=Zoladex®, um den Wachstumsreiz durch Östrogen auf Tumorzellen zu unterdrücken und so die Prognose zu verbessern und Rückfällen vorzubeugen. Hierdurch kommt es zu Wechseljahrbeschwerden, die sich – wie oben geschildert – auch auf das Sexualleben auswirken können.

    Bei Darmkrebserkrankung (s. Patienteninformation Darmkrebs) kann es notwendig sein, dass ein vorübergehender oder dauerhafter künstlicher Darmausgang, ein sogenanntes Stoma angelegt werden muss. Dabei wird durch eine Öffnung durch die Bauchdecke der Stuhl in einen Beutel nach außen abgeleitet. Hier ist es oft eine Frage der Gewöhnung und der praktischen Handhabung, die die Wiederaufnahme eines erfüllten Sexuallebens ermöglicht. Selten kann es im Rahmen ausgedehnter Operationen zu Nervenverletzungen im Unterleib kommen, die beim Mann zu Erektionsstörung und bei der Frau zu verminderter Empfindlichkeit führen kann. Auch beim Blasenkrebs (s. Patienteninformation Blasenkrebs) wird manchmal ein Stoma angelegt, oft wird aber aus einem Teil des Darms eine „neue“ Blase angelegt, die auf normale Weise oder mit Hilfe eines Katheters entleert wird, der durch eine kleine Öffnung in der Bauchdecke geführt wird. Bei der Harnblasenentfernung werden beim Mann meist auch die Nerven, die eine Erektion regeln, durchschnitten und teilweise entfernt. Trotz der resultierenden Erektionsstörung bleibt das sexuelle Lustgefühl unverändert.

    Weiterführende Information finden Sie beispielsweise bei der Deutschen Krebshilfe im Internet, sowie bei der Patienteninformation Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg oder beim Krebsinformationsdienst. Patienten-Selbsthilfegruppen bieten darüber hinaus sehr gute Broschüren zu diesem Thema an wie die Frauenselbsthilfe nach Krebs oder der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe.

    Welche Hilfestellung können Sie im Rahmen einer Behandlung in der Habichtswald-Klinik erwarten?

    Ihre behandelnden Ärzte beraten Sie – alleine oder gemeinsam mit Ihrem Partner – nicht nur über körperliche Funktionsstörungen und deren mögliche Behandlung, sondern bieten Ihnen zusammen mit den Psychotherapeuten der Abteilung Onkologie Unterstützung auf Ihrem Weg zur Wiederaufnahme des Sexuallebens an.

    Oft haben Krebspatienten Probleme mit dem Selbstwertgefühl. Die Erkrankung und die Therapie haben Spuren hinterlassen: Wie wird ein Sexualpartner darauf reagieren? Bin ich noch immer attraktiv für den Partner? Kann ich sie/ihn noch befriedigen? Das sind häufige Fragen, die aufkommen und Gesprächsbedarf hervorrufen – im Rahmen von Einzeltherapien, aber auch im Rahmen von Gruppentherapien mit Mitpatienten, die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden. So kann als erster Schritt eine verbesserte Selbstannahme unterstützt werden und ein entspanntes Verhältnis zu den vermeintlichen „Mängeln des eigenen Körpers“ gewonnen werden.

    Bei Wechseljahrsbeschwerden ist eine spezielle Entspannungstechnik mit Imaginationsübungen oft hilfreich.

    In der Physiotherapie werden bei Bedarf gezielte Übungen zum Training des Beckenbodens vermittelt. Darüber hinaus beeinflusst die Bewegungstherapie allgemein das Körperbild und Körpererleben positiv und führt so wieder zu mehr Selbstvertrauen.

    Als Nebenwirkung von Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie entwickelt sich bei sehr vielen Krebspatienten ein Erschöpfungssyndrom, auch Fatigue-Syndrom genannt

    ( siehe auch Patienteninformation Fatigue). Hierdurch ist das Bedürfnis nach Sexualität vermindert oder gar nicht mehr vorhanden. Eine gut angeleitete Bewegungstherapie kann auch bei der Überwindung eines Fatigue Syndroms helfen.

    Von Seiten der Pflege sprechen unsere breast-care-nurses in der Beratung von Frauen mit Brustkrebs über Nebenwirkungen z.B. der antihormonellen Therapie auf die Schleimhäute. Eine Trockenheit der Scheidenschleimhaut kann gut durch spezielle Gleitcremes behandelt werden. Die breast-care-nurses beraten ebenfalls gerne über Auswahl von BH´s und Bademoden, aber auch über geeignete Prothesen oder über einen Brustaufbau.

    Wenn vorübergehend oder dauerhaft eine Ableitung von Harn oder Stuhlgang über ein sogenanntes Stoma erforderlich wurde, unterstützt sie die Pflege im Erlernen der Handhabung, vermittelt Ihnen so ein sicheres und entspanntes Umgehen mit dem künstlichen Harn- oder Stuhlausgang. So kann ein allmähliches Akzeptieren der durch die Therapie bedingten Körperveränderung zu mehr Mut beim Ausleben Ihrer Sexualität führen.

    Zur gezielten Behandlung von schmerzhaften muskulären Verspannungen bietet die Massageabteilung eine Vielfalt von Massageformen, unterstützt von Elektrotherapie oder Wärmeapplikation an. Bei Lymphödemen z.B. nach Operationen oder Bestrahlungen sind Lymphdrainage, eventuell kombiniert mit Kompression oder Lymphtapes wirksam. So können Störfaktoren, die auch Auswirkung auf das Sexualleben haben, gemindert werden.

  • Simontontraining

    Dr. Carl Simonton war Facharzt für Strahlenheilkunde und Onkologie. Er leitete in Kalifornien ein Tumorzentrum und gilt als einer der Pioniere der Psychoonkologie. Er entwickelte für seine Tumorpatienten ein Entspannungsverfahren in Kombination mit Imaginationsübungen.

    Die Geschichte der Gesundheitspraktiken lehrt uns, dass die Einbildungskraft („Dein Glaube hat Dir geholfen“) schon immer eine wesentliche Rolle im Heilungsprozess gespielt hat, ungeachtet des kulturellen Hintergrundes. Heute weiß man um die komplexen Verbindungen zwischen Gehirn, Verhalten, psychologischen Faktoren und Immunsystem. So wurde nachgewiesen, dass das Immunsystem direkt der Kontrolle des Zentralen Nervensystems unterliegt, und zwar insbesondere jenen Bereichen des Gehirns, die mit der Übertragung des inneren Bildes auf den Körper in Zusammenhang gebracht werden.

    Es ist möglich, über die Beruhigung des Nervensystems (körperliche Entspannung) und das Erzeugen von (symbolhaften) inneren Bildern und Szenen mittels unserer Vorstellungskraft, einen Einfluss auf Schmerzen zu nehmen, zur Ruhe zu finden, positive Emotionen zu erleben. Hierdurch können Ressourcen, über die jeder Mensch verfügt, aktiviert werden, Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

    Die Wirkung der Methode setzt voraus, dass ich Verantwortung für mich selbst übernehme, mir Zeit und Raum für meine innere Arbeit (mit dem „inneren Arzt“) gebe.

    „Wenn Sie sich besser fühlen wollen, müssen Sie gesünder denken“!

    Simontons Programm umfasst aber noch weitaus mehr. Sein Hauptanliegen besteht darin, Menschen zu ermutigen, ihr Leben auf gesund und krank machende Verhaltens- und Denkweisen hin zu untersuchen und gesunden Überzeugungen und einem gesünderen Lebensstil Platz zu machen. „Werde wieder der/die du bist.“ Besondere Bedeutung haben für Simonton Spaß, Spiel und Bewegung, die – so seine Empfehlung – an keinem Tag fehlen dürfen.

    Ihre Behandlung in der onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik

    Unser Simonton-Visualisierungstraining in der Habichtswald-Klinik findet 1x wöchentlich 1 Stunde (Kleingruppe 4-12 Personen) statt.

    1. Integrationsübungen für unsere zwei Gehirnhälften – entstresst – fördert die Konzentration – verbessert das harmonische Wechselspiel von abstraktem/logischem Denken und unserer Gefühlsseite, Seite der Farben, Musik, der Intuition
    2. angeleitete körperliche Entspannung
    3. Visualisation a) Ort des Wohlbefindens b) Immunsystem c) Innere Berater
    4. offenes Gespräch in der Gruppe (evtl. Malen)
  • Sozialberatung, Sozialmedizin in der Onkologie

    Die Diagnose Krebs wirft das bisherige Leben häufig aus seiner gewohnten Bahn. Welche Hilfen kann ich in Anspruch nehmen? Wie geht es beruflich weiter? Bin ich finanziell abgesichert? Das sind nur einige Fragen, die Sie vielleicht beschäftigen.

    Welche Hilfestellung können Sie im Rahmen einer Behandlung in der Habichtswald-Klinik erwarten?

    In persönlichen Einzelgesprächen bieten wir Ihnen zu folgenden Themen individuelle Beratung an:

    Schwerbehinderung und Ausweis:

    • Beratung über Nachteilsausgleich bei Schwerbehinderung
    • Unterstützung bei Antragstellung auf Schwerbehinderung

    Berufliche Rehabilitation:

    • Stufenweise Wiedereingliederung/ Betriebliches Eingliederungsmanagement-BEM
    • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
    • Unterstützung der beruflichen Integration durch Kontaktaufnahme mit der Arbeitsstelle
    • Renten- und Pensionsfragen

    Maßnahmen zur Nachsorge:

    • Antrag zur Leistung der Pflegekassen
    • Vermittlung von Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen
    • Hilfsmittelversorgung
    • Angehörigengespräche

    Wir bieten Unterstützung bei der Einleitung individueller Nachsorgeangebote. Wir geben Ihnen allgemeine Informationen und bieten Vernetzungsangebote an. Die Vermittlung von Kontakten zu für Sie zuständige Ansprechpartner: zu Diensten, Ämtern, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und anderen Institutionen in der Nähe Ihres Wohnortes ist unsere Aufgabe. Wir leiten erste Schritte mit Ihnen ein, um den Übergang in Ihren Alltag zu erleichtern.

  • Sport- und Bewegungstherapie

    Zahlreiche Studien belegen den positiven Einfluss sportlichen Trainings in Bezug auf Primär- Sekundär- und Tertiärprävention bei Tumorerkrankungen. Intensiver Sport ist eines der wirksamsten Mittel gegen Krebs. Bei einigen Krebserkrankungen kann die Sterblichkeit um bis zu 40% reduziert werden. Speziell für Darmkrebs und hormonabhängige Tumore ist die Evidenz für protektive Effekte sehr hoch. Beachtenswert ist dabei, dass mit einer medikamentöser Therapien Erfolge in dieser Größenordnung oftmals nicht zu erzielen sind.

    Daher ist die physiotherapeutische Betreuung der Patienten ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Wesentlich jedoch ist die Einbindung in ein ganzheitliches Konzept. Der Patient kann optimal durch das abgestimmte Zusammenwirken aller Therapieverfahren profitieren.

    Aus der Erfahrung, welchen wesentlichen Einfluss gerade das Zusammenwirken verschiedener Behandlungen unter Miteinbeziehung der psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten auf Genesungsprozesse hat, sind wir motiviert alle Verfahren bestmöglich zu nutzen. Die Konzentration auf die persönliche Lebenssituation des einzelnen Patienten, seine Ziele, Wünsche, Ängste und Ressourcen ist der Kernpunkt unserer Vision. Sie lebt vom Respekt vor der Einzigartigkeit und Autonomie eines jeden Menschen.

    Ziel ist eine integrative Medizin, die eine bestmögliche Behandlung für den Patienten gemäß seiner Erkrankung bedeutet und ihm ermöglicht, seine persönlichen Ressourcen zu stärken. Dem Gedanken der Salutogenese (Entstehung von Gesundheit) kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Neben der medizinischen Therapie nutzen wir ein umfangreiches Anwendungsprogramm. Nur diese Vielfalt lässt eine individuelle Auswahl zu. Im Aufnahmegespräch werden entsprechend dem Krankheitsbild und der Beschwerden Behandlungsziele formuliert und eine sinnvoll abgestimmte Auswahl von Therapieverfahren getroffen.

    Behandlungsformen sind:

    • Ausdauertraining
    • muskelaufbauendes Training
    • gezielte Physiotherapie bei funktionellen Einschränkungen
    • Übungen zur Koordinationsverbesserung
    • Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit
    • Ergotherapie zur Verbesserung der Merk- und Gedächtnisfähigkeit

    Körperliches Training hat ebenfalls einen großen Einfluss auf das seelische Befinden, daher ist die psychische Stabilisierung auch ein wesentliches Behandlungsziel. Hierzu gehört:

    • den eigenen Körper wieder neu kennenlernen und Veränderungen annehmen
    • Angst abbauen
    • Selbstvertrauen fördern
    • Soziale Kontakte fördern
    • Eigenverantwortlichkeit unterstützen, Rückgewinn der eigenen Autonomie

    Neuere Untersuchungen belegen den positiven Effekt des Ausdauer- und Krafttrainings auf die Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte. Insbesondere wird auch die Regeneration der Immunzellen verbessert und die Wundheilung gefördert. Bei moderater sportlicher Aktivität, wie sie im Gesundheitssport empfohlen wird, konnten in Trainingsstudien eine Verbesserung der NK Zellfunktion (natürliche Killerzellen) und ein Anstieg des Immunglobulinspiegels gezeigt werden.

    Bewegungstherapie kann zu einer deutlichen Reduktion von Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie führen.

    Anamnese, klinische Untersuchung und Labor werden bei jedem Patienten erhoben. Zusätzliche Diagnostik kommt ggf. zum Einsatz (z.B. Ergometrie, BIA-Messung, Lungenfunktionsprüfung, BGA). Gemäß dem Beschwerdebild des Patienten und dessen Allgemeinzustand wird ein individueller Trainingsplan erstellt. Dabei ist es wichtig, Ausdauer und Kraft zu trainieren.

    Der Trainingsplan beinhaltet:

    • Ergometer-Training 3-4x/Woche
    • Medizinische Trainingstherapie an ausgewählten Geräten 3-4x/Woche

    Es erfolgt eine individuelle Einführung und Beratung über die Gestaltung der Trainingseinheiten. Der Patient kann in Dokumentationsbögen seine Leistungen und deren Steigerung durch das Training vermerken. Gerade onkologische Patienten sind oft verunsichert, was die Intensität des Trainings betrifft. Entstehen beispielsweise zu Beginn des Trainings muskuläre Beschwerden, kann dies Ängste bzgl. der Grunderkrankung auslösen. Daher ist die kompetente Begleitung über die gesamte Aufenthaltsdauer unbedingt erforderlich, um Motivation und Selbstvertrauen bestmöglich zu fördern.

    Das Training sollte im „grünen Bereich erfolgen“. Zu hoher Puls- und Blutdruckanstieg ist zu vermeiden, ebenso Atemnot oder Schmerzen während des Trainings. Wenn es das Allgemeinbefinden zulässt, kann aber durchaus eine Ausbelastung erreicht werden. Hier gilt folgende Richtlinie:

    • Pulsfrequenz nicht über 180-Lebensalter (nicht über 150/Minute)
    • Blutdruck nicht höher als 160/100
    • Nach Beendigung des Trainings sollte eine rasche Erholung und Erreichen der Ausgangswerte erzielt werden

    Das Basistraining wird durch folgende Verfahren indikationsbezogen ergänzt:

    • OSA (onkologische Schulter-Arm Gymnastik)
    • HWS-Gymnastik
    • Wirbelsäulen-Gymnastik
    • Rückenschule
    • Beckenboden-Gymnastik
    • Atemgymnastik
    • Funktionsgymnastik
    • Hockergymnastik
    • Nordic-Walking, Walking (verschiedene Leistungsstufen)
    • Terraintraining
    • Bewegungsbad
    • Sport-Gruppe junger Erwachsener

    Bei Bedarf wird eine individuelle Einzelbetreuung (PNF Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, Manuelle Therapie, Craniosakrale Therapie, Cyriax, Dorn, Schlingentisch, Triggerpunktbehandlung, Brügger, Bobath, Atemgymnastik) durchgeführt.

    Massagen und balneophysikalische Anwendungen begleiten und unterstützen das Training. Hier ist eine sinnvolle Abstimmung notwendig. Liegen beispielsweise Bewegungseinschränkungen aufgrund eines Lymphödems vor, ist selbstverständlich die Behandlung des Ödems (Lymphdrainage, Lymph-Taping) eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Training. Schmerzen aufgrund von Narbenbildung können durch gezielte Narbenbehandlung verbessert werden, so dass der Patient möglichst ohne Einschränkung seine Übungen durchführen kann. Bestehen polyneuropathische Beschwerden infolge einer Chemotherapie, müssen diese gezielt behandelt werden (z.B. Iontophorese mit Vitamin B, Ergotherapie).

    Folgende balneophysikalische Verfahren stehen zur Verfügung:

    • Klassische Massage
    • Reflexzonenmassagen (Fuß-Reflexzonenmassage, Akupunktmassage nach Penzel)
    • Marnitz-Massage
    • Aromamassage
    • Wärmeanwendungen / Moorpackungen
    • Medizinische Wannenbäder
    • Elektro-Therapie
    • Hydro-Therapie
    • Narbenbehandlung

    Unterstützend können Kinesio-Tapes eingesetzt werden (z.B. Muskel-Tapes, Narbentapes, Lymph-Tapes). Sie können die positiven Effekte des Bewegungstrainings optimieren.

    Unsere Patienten können die Einrichtung der Kurhessen-Therme nutzen. Es besteht ein direkter Zugang. Fast „schwerelos“ im 37° Grad warmen Solewasser werden Bewegungsabläufe erleichtert, die durch Erkrankung des Bewegungsapparates nicht mehr schmerzfrei durchgeführt werden können. Die Auftriebskraft des Wassers ermöglicht eine Vergrößerung des Bewegungsausmaßes und eine Verringerung der Schmerzen. Übungen mit und ohne Gerät gegen den Wasserwiderstand kräftigen die Muskulatur.

    Das Erlernen von Entspannungsverfahren stellt einen guten Ausgleich dar. Hier werden verschiedene Verfahren angeboten (Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Tai Chi). Ebenfalls können Angebote aus unserem freien spirituellen Angebot, wie Meditationen, Mantren-Singen, Tanzen u.a. eine sehr gute Ergänzung sein.

    Das umfangreiche Angebot der psycho-onkologischen Betreuung hilft die innere Balance wiederzuerlangen und Ressourcen optimal zu nutzen.

    Es ist selbstverständlich, dass eine stoffwechselangepasste Ernährung die Grundvoraussetzung für ein optimales Training darstellt. Der angestrebte Muskelaufbau kann nur erreicht werden, wenn die entsprechende Nährstoffversorgung erfolgt.

    Ein besonderes Anliegen ist uns die Nachhaltigkeit unserer Therapien. Somit legen wir großen Wert darauf, Sie dahingehend zu beraten und zu unterstützen, welche Möglichkeiten zur Weiterführung von Therapien ihr Alltag zulässt. Konditionsbildung und Muskelkräftigung erfordern Kontinuität. Es kommt nicht darauf an, leistungsorientiert Sport zu treiben, sondern Spaß an der Bewegung zu habenund zu behalten.

    Im Rahmen eines 3-4 wöchentlichen Klinikaufenthaltes und dem individuell durchgeführten Trainingsprogramm lässt sich bereits eine spürbare Verbesserung der Ausgangssituation erreichen. Entsprechende Dokumentationsbögen erfassen den objektiven und subjektiven Effekt.

    Es besteht ein Anrecht auf Rehabilitationssport. Die Krankenkassen unterstützen die Teilnahme an einer Sportgruppe für 18 Monate (50 Übungsstunden mindestens 45 Minuten).

    Verschiedene Studien untersuchen den Effekt eines gezielten Trainings:

    • Epidemiologisches Forschungsprogramm – Bewegung und Krebs
    • BEATE – Studie Bewegung und Entspannung als Therapie gegen Erschöpfung
    • BEST – Studie Bewegung und Entspannung für Brustkrebspatientinnen unter Strahlentherapie
    • LEBENS – Studie Langzeit-Effekte von Bewegung und Entspannung nach allogener Stammzelltransplantation (Englischer Titel: PETRA Study)
    • POSITIVE – Studie Pilotstudie zur Etablierung eines Sportinterventionsprogrammes bei Patienten mit Lungenkarzinom
    • MOTIVACTION – Studie Motivational Intervention for enhancing physical Activity In Oncology patients (Entwicklung von psychologischen Interventionsstrategien zur Steigerung der körperlichen Aktivität von Krebspatienten)

    Die Empfehlungen der nachfolgenden „Bewegungspyramide“ für Erwachsene stellen eine gute Grundorientierung dar. Selbstverständlich muss sich jedoch die Trainingsintensität an der Konstitution des Patienten orientieren und sollte, wenn Einschränkungen vorliegen, ärztlich begleitet werden.

    „Sport ist so wichtig, wie ein Krebsmedikament.“ (Deutsches Ärzteblatt, Heft 10,3/09)

    Energieverbrauch bei körperlichen Aktivitäten & Sport – Gesundheitsportal

    Sind Sie körperlich aktiv, dann verbrennt der Körper mehr Kalorien – Ihr Energieumsatz steigt. Der Energieverbrauch bei körperlicher Aktivität ist ein Vielfaches des persönlichen Grundumsatzes in Ruhe. Der Grundumsatz (Energieverbrauch im Ruhezustand) wird auch als eine metabolische Einheit (1 MET) bezeichnet.

    Näherungswerte für den Grundumsatz:

    • Frauen: 0.9 kcal/kg Körpergewicht/Stunde
    • Männer: 1 kcal/kg Körpergewicht/Stunde

    Hinweis: Aus Ihrem Körpergewicht können Sie Ihren Grundumsatz grob berechnen. Durch Multiplizieren des Grundumsatzes mit dem MET-Faktor einer körperlichen Aktivität (siehe Liste) können Sie den gesamten Energieverbrauch pro Stunde abschätzen.

    Sportart MET
    Badminton 4,5
    Basketball 6
    Bergsteigen 8
    Eislaufen 7
    Fußball 7
    Golf 4,5
    Gymnastik 4
    Hockey 8
    Inline-Skating 12,5
    Joggen, niedrige Intensität (ca.8 km/h) 8
    Joggen, moderate Intensität (ca.10 km/h) 10
    Joggen, hohe Intensität (ca.12 km/h) 13,5
    Radfahren, niedrige Intensität (ca.19 km/h) 6
    Radfahren, moderate Intensität (ca.22 km/h) 8
    Radfahren, hohe Intensität (ca.32 km/h) 16
    Reiten 4
    Schwimmen, niedrige Intensität 6
    Schwimmen, moderate Intensität 7
    Schwimmen, hohe Intensität 10
    Skiabfahrt, niedrige Intensität 5
    Skilaufen, niedrige Intensität (ca.4 km/h) 7
    Skilaufen, moderat Intensität (ca.8 km/h) 8
    Skilaufen, hohe Intensität (ca.12 km/h) 9
    Stretching 2,5
    Tanzen 4,5
    Tennis 7
    Volleyball 4
    Walken, niedrige Intensität (ca. 4 km/h) 3
    Walken, moderate Intensität (ca. 4.8km/h) 3,3
    Walken, zügig (ca.6 km/h) 4,5
    Walken, sehr zügig (ca.6,4 km/h) 5
    Wandern 6
    Wassergymnastik 4
    Yoga 2,5
  • Stoma, Urlaub und Freizeitaktivitäten

    Der Begriff „Lebensqualität“ ist heute ein viel benutztes Schlagwort und doch kann dieses Wort für jeden Menschen eine andere Bedeutung haben.

    Für den gerade operierten Stomaträger liegt dieses Ziel vielleicht noch in weiter Ferne oder scheint unerreichbar.

    Unsere Aufgabe ist es, Sie als Betroffene mit Rat und Tat auf dem Weg zur Wiedererlangung IHRER Lebensqualität zu unterstützen.

    Gerade die Freizeit und der Urlaub haben einen enormen Erholungswert.

    Sicherheit im Umgang mit dem Stoma und die Wiedereingliederung in das gesellschaftliche Leben sind die ersten Schritte auf dem Weg zu einem vielleicht ersehnten Urlaub, auch mit dem Stoma.

    Diese Broschüre beruht größtenteils auf den Erfahrungen Betroffener (entnommen z.B. aus den Heften der ILCO), die gesammelt und hier weitergegeben werden.

    Ein ausführliches Beratungsgespräch über Freizeit und Urlaubsgestaltung kann Ihnen den Mut und die Sicherheit vermitteln, Ihre Freizeit mit Aktivitäten auszufüllen, die Ihnen viel Lebensfreude und Bestätigung bringen.

    Der Weg zum selbstsicheren Umgang mit ihrer Stomaversorgung beinhaltet ein adäquates Versorgungssystem.

    Anforderungen
    • sichere Haftung und gute Abdichtung
    • optimaler Hautschutz und Geruchssicherheit
    • unauffällig beim Tragen und knisterarm
    • anschmiegsam und flexibel
    • Vlies auf der Beutelrückseite
    • einfache Handhabung beim Wechsel der Versorgung

    Eine komplette „Notausstattung“ zum Versorgungswechsel sollten Sie stets mit sich führen. Dies gibt Ihnen die Möglichkeit auch bei evtl. „Unglücksfällen“ sofort reagieren zu können.

    „Notausstattung“
    • Entsorgungsbeutel
    • Feuchte Reinigungstücher (falls kein Wasser vorhanden ist)
    • Kompressen
    • evetuell Paste
    • ausgeschnittene Basisplatte
    • entsprechender Stomabeutel
    • Diese Versorgung passt in kleine Kultur- oder Gürteltaschen und ist so jederzeit griffbereit
    Sport und andere Freizeitaktivitäten

    Grundsätzlich gilt für Sie als Stomaträger wie für jeden Menschen: Sportliche Betätigung ist gut für die mentale und physische Fitness.

    Dennoch können Sie nicht sofort wieder mit der gleichen Ausdauer oder Schwierigkeitsgraden beginnen wie vor der Operation, da die Bauchdecke und das Gewebe um das Stoma herum noch nicht stark genug und belastbar sind. Dies könnte zum Bauchdeckenbruch (einer Hernie) oder einem Vorfall des Darms (Prolaps) führen.

    Starten Sie zunächst mit leichten Sportarten wie z.B. Fahrradfahren oder Nordic Walking.

    Eher abgeraten wird von Sportarten, bei denen die Bauchdecke zu sehr belastet wird oder bei denen das Stoma durch Tritte oder Schläge verletzt werden kann. Dazu gehören z.B. Gewichtheben, Judo oder Boxen.

    Ballspiele dagegen sind erlaubt, zum Schutz des Stomas kann eine Schutzkappe getragen werden.

    Hinweis: Fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie mit dem Sport beginnen.

    Auf Freizeitaktivitäten wie ein Saunabesuch oder Schwimmen brauchen Sie nicht zu verzichten.

    Beim Schwimmen sollten Sie darauf achten, dass Sie eine sicher haftende Versorgung tragen, die sich nicht im Wasser ablöst.

    Sie können Ihre Versorgung zu Hause testen, in dem Sie ein ausgiebiges Wannenbad nehmen und sich anschließend mit einer kräftigen Dusche abkühlen.

    Bleibt die Versorgung danach dicht, erhalten sie so eine gewisse Sicherheit.

    Hinweis: Wassertemperatur, Chlor- und Salzgehalt können die Haftung der Basisplatte negativ beeinflussen.

    Vorsicht ist auch beim Schwimmen in starker Brandung geboten. Bei der Wucht des Wassers kann die Beutelhaftung Schaden nehmen.

    Auch ein Sonnenbad im Sand sollte vermieden werden. Sandkörner können sich unter der Hautschutzplatte einnisten und für Reizungen sorgen.

    Sportliche Betätigungen wie Schnorcheln, Tauchen (mit Hausarzt vorher abklären), Surfen, Reiten, Tanzen, Skifahren, Angeln usw. können bei entsprechender Kondition durchaus betrieben werden.

    Ein Tipp: Sie sollten nicht sofort nach dem Saunabesuch die Basisplatte wechseln, da sie dann besonders fest kleben kann und es so beim Abziehen zu vermehrten Hautirritationen kommen kann. Es genügt bei einem zweiteiligem System den Beutel zu wechseln.

    Vor dem Schwimmen muss der Kohlefilter abgeklebt werden, da er bei Feuchtigkeit undicht wird und die Kohle schwarz abfärbt.

    Planung einer Auslandsreise

    Bevor Sie mit der aktiven Urlaubsplanung beginnen, ist es sinnvoll mit Ihrem Arzt und Ihrer Stomatherapeutin zu sprechen. Mögliche medizinische oder körperliche Probleme können im Vorfeld schon geklärt werden, ebenso Versorgungsfragen des Stomamaterials (kann ein Minibeutel oder Stomakappe getragen werden?)

    Ratsam ist es mit Ihrem Arzt eine „Notfallapotheke“ zusammenzustellen. Mittel gegen Diarrhö und Obstipation oder ein Elektrolytgranulat könnten nützlich sein.

    Weiterhin ist es sinnvoll sich mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung zu setzen, um abzuklären, inwieweit Ihre Krankenversicherung in Europa Gültigkeit hat bzw. einen Auslandskrankenschein zu beantragen.

    Wenn das Urlaubsland kein Sozialversicherungsabkommen mit der BRD hat, ist es in diesem Fall besser eine private Zusatzversicherung abzuschließen. Die Kosten sind relativ gering und helfen finanzielle Risiken abzudecken.

    Wichtig ist es, sich alle Rechnungen bzw. Kostennachweise (Arzt, Krankenhaus oder Apotheke) mit Diagnosevermerk bestätigen zu lassen.

    Informationen zum Reisen mit Betäubungsmitteln einschließlich des Formulars sowie die Liste der für die Beglaubigung zuständigen Stellen können unter www.bfarm.de (am besten Stichwort „Reise“ in die Suchmaske eingeben) herunter geladen werden.

    Um auf Auslandsreisen Probleme zu vermeiden, empfiehlt die Bundesopiumstelle, sich bereits während der Reisevorbereitung bei der jeweils zuständigen diplomatischen Vertretung des Reiselandes in Deutschland nach den geltenden Bestimmungen zu erkundigen.

    Viele Tipps rund um das Thema Auslandsreisen – auch in Bezug auf Gesundheitsfragen – finden sich auch auf den Seiten des Auswärtigen Amtes

    Um sich im Ausland besser verständigen zu können, bietet die deutsche ILCO ein Stomawörterbuch an. Es enthält über 100 Wörter zum Thema Stomaversorgung in 15 europäischen Sprachen.

    Deutsche Ilco Selbsthilfeorganisation

    Tel. 0228 / 3388-9450

    Informieren Sie sich vor Abreise über eine mögliche Bezugsquelle in Ihrem Zielland und notieren Sie sich Ihre verwendeten Produkte mit Artikelnummer, Name, Größe und Hersteller

    Die Auswahl des Reisegepäcks sollte auch bedacht werden. Da Sie nicht schwer heben oder tragen sollten, empfiehlt sich ein stabiler Rollenkoffer.

    In sehr warmen Klimazonen wird der Verbrauch an Versorgungsmaterial zunehmen, da sich die Tragedauer des Hautschutzes durch die vermehrte Schweißbildung verkürzt. Planen Sie daher vorsichtshalber die doppelte Menge an Versorgungsmaterial ein.

    Auch ungewohnte Nahrung bzw. Getränke können zu veränderten Stuhlgewohnheiten führen.

    Sie sollten im Urlaub nur erprobte Versorgungsmaterialien verwenden, so können Sie eine allergische Reaktion ausschließen.

    Bei der Planung der Unterkunft im Urlaub ist es besonders wichtig auf die sanitären Einrichtungen Wert zu legen. Dusche und WC sollten groß genug und im Hotelzimmer sein.

    Auch eine Irrigation ist im Ausland möglich. Sprechen Sie dieses Thema bei Ihrer Stomatherapeutin an. Mit etwas Geschick, Improvisationstalent und einer guten Tagesplanung sollte es keine Probleme geben. Wichtig ist jedoch die Wasserqualität.

    Abgekochtes oder stilles Mineralwasser ist zu empfehlen.

    Voraussetzungen für Vergünstigungen bei einer Bahnfahrt

    Menschen mit Behinderungen können verschiedene Leistungen in Anspruch nehmen, wenn sie einen amtlichen Schwerbehindertenausweis besitzen.

    Zusätzliche Vergünstigungen gibt es mit Beiblatt und gültiger Wertmarke. Der Schwerbehindertenausweis ist grün und hat einen halbseitigen, orangefarbenen Flächenaufdruck. Der Ausweis und die Wertmarke sind beim Versorgungsamt erhältlich. Die Marken gelten entweder ein Jahr oder ein halbes Jahr und kosten zur Zeit 60,- Euro bzw. 30,- Euro

    Sie erhalten bei Reisen mit der Deutschen Bahn laut Gesetz einige Leistungen als „Nachteilsausgleich“. Voraussetzung ist ein gültiger Schwerbehindertenausweis, der mitgeführt werden muss.

    Über die einzelnen Vergünstigungen können Sie sich im Internet über

    DB Bahn : Barrierefreies Reisen informieren.

    Unterwegs auf Deutschlands Straßen

    Auch auf Deutschlands Autobahnen kann der Behindertenausweis nützlich sein.

    Sie können unter der Adresse: Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahn

    MBH, Poppelsdorfer Allee 24 Postfach 1646, Bonn 1, eine Liste aller bundesdeutschen Autobahnraststätten mit einer Behindertentoilette anfordern.

    Den Generalschlüssel für diese Toiletten kann im Internet unter

    CBF – Darmstadt e.V. bestellt werden Kosten zw. 18,-Euro – 26,- Euro.

    Sie können auch in Ihrem Bürgerbüro oder dem Sozialamt nachfragen.

    Als Stomaträger sind Sie nicht von der Anschnallpflicht befreit.

    Drückt der Gurt beim Fahren auf das Stoma, wirkt er störend oder gar schmerzhaft, können Sie den Gurt mit einem Schaumstoffkissen abpolstern, mit einer Wäscheklammer feststecken, oder die Gurtspannung nachstellen lassen.

    Im Fachhandel kann man ein Stomaschutzschild erwerben, eine leicht gewölbte und gut gepolsterte Plastikscheibe.

    Lassen Sie ihre Stomaprodukte bei Hitze nicht im Wagen liegen, damit diese nicht verfallen.

    Planen Sie einen Campingurlaub oder sind Sie mit dem Wohnmobil unterwegs, können Sie in allen maßgeblichen Campingführern oder im Internet die sanitären Einrichtungen prüfen. Auch die Behindertentoiletten sind gesondert gekennzeichnet.

    Mit dem Flugzeug unterwegs

    Die Verpackungen des Stomamaterials sind in der Regel sehr sperrig.

    Praktikabler ist es, sie umzupacken in wasserdichte und temperaturisolierende Tüten.

    Am sichersten ist es, die gesamten Versorgungsartikel im Handgepäck zu transportieren. So sind Sie gewappnet, sollte Ihr Gepäck einmal nicht gleichzeitig mit Ihnen am Urlaubsort eintreffen.

    Denken Sie daran, dass Ihre Stomaversorgung bei Raumtemperatur gelagert werden sollte. Der Gepäckraum des Flugzeugs könnte zu kalt sein.

    Damit Sie beim Sicherheitspersonal keine Probleme bekommen, bieten einige Hersteller einen HILFSMITTEL-PASS an. Mit diesem können Sie sich vom Arzt bestätigen lassen, dass Sie Verwender von Stomaprodukten sind und festhalten, welche Hilfsmittel das sind.

    Der Pass informiert in mehreren Sprachen über die mitgeführten Produkte und die Notwendigkeit ihres Einsatzes.

    Am besten nehmen Sie bereits ausgeschnittene Basisplatten mit. Eine Schere darf nicht ins Handgepäck.

    Ein Tipp für Urostomaträger : Wenn Sie lange unterwegs sind oder Sie nur selten die Möglichkeit zur Entleerung Ihres Beutels haben, können Sie einen Beinbeutel an Ihren Urostomabeutel anschließen. So erhalten Sie mehr Auffangvolumen.

    Aufregung und die veränderten Druckverhältnisse während des Fluges können zu vermehrter Darmtätigkeit führen. Hier kann es auch für ein Colostomaträger sinnvoll sein, einen offenen, ausstreichbaren Beutel zu tragen. Der Versorgungswechsel kann sich wegen der Enge als schwierig gestalten.

    Fragen Sie das Bordpersonal, mit etwas Glück dürfen Sie die Toilette der Business Class benutzen, die in der Regel etwas größer ist.

    Reisen in sehr warme Klimazonen

    Im Urlaubsland angekommen, ist es oft nötig, sich die ersten Tage wegen der Zeitverschiebung und des Klimawechsels zu schonen.

    Bitte denken Sie besonders in heißen Urlaubsländern daran, immer genug zu trinken!

    Die Flüssigkeitsmenge, die der Körper über die Haut verliert kann enorm sein.

    Schützen Sie Ihre Versorgungsmaterialien und ganz besonders den Hautschutz, vor direktem Sonnenlicht, um die Haftfähigkeit nicht zu mindern.

    Bei sehr feuchtem Klima kann ein zusätzlicher Plastiksack zur Versiegelung helfen.

    Wenn in Ihrem Reiseland das Trinkwasser nicht von ausreichender Qualität ist, kann Flaschenwasser zur Reinigung des Stomas gekauft werden.

    Urlaubskleidung

    Bei der Kleidung für den Sommerurlaub sollten Sie die gängigen Regeln beachten, also bevorzugt leichte Baumwollstoffe, die locker zu tragen sind

    Am Strand kaschiert ein lockeres, buntes Tuch um die Taille einer Frau den Beutel. Der Badeanzug sollte aus einem festen Material sein und nicht durchsichtig werden, wenn er nass wird.

    Ein Badeanzug mit hohem Bein ist ungünstig, da der Beutel kaum bedeckt wird. Gerade bei einem Ileostoma kann sich der Beutel unverhofft füllen. Um ihm einen gewissen Halt zu geben, könnten Sie unter den Badeanzug eine Miederhose tragen. Günstig sind z.B. Raffungen, ablenkende Muster und Schärpen im Stomabereich. Für Männer sind Badehosen in Short Form praktisch, mit eingearbeitetem engen Slip. Da die meisten Männer „oben ohne“ gehen, ergibt ein farblich zur Badehose passendes Neoprenband bzw. Gürtel eine Verlängerung der Hose und ist obendrein noch wasserdicht.

    Auch ein „Badeshirt“ tut seinen Dienst und verhindert zudem noch einen Sonnenbrand.

    Fast jeder Stomabeutel ist heute mit einem Vlies ausgestattet. Sollte der Beutel trotzdem unangenehm auf der Haut kleben, empfiehlt sich ein Baumwollüberzug für den Beutel.

    Hier einige Anbieterhinweise:

    Unterwäsche und Funktionsgürtel: www.life-care-products.de

    Neopren – und Spitzengürtel: www.stoma-na-und.de

    Wäsche und Bademoden: www.viktoriafashion.com

    Stoma – Bademoden: www.zours-bademoden.de

    Stoma-Beutelüberzüge aus Baumwolle: www.stomario.de

    Essen und Trinken fernab der Heimat

    Die landestypischen Speisen ferner Länder sind zweifellos eine Bereicherung, sie können jedoch auch Probleme mit sich bringen. Eine der wichtigsten Grundregeln ist, auf sauberes Trinkwasser zu achten. Ist die Trinkwasserqualität nicht gesichert, sollten Sie das Wasser abkochen (evtl. Tauchsieder und Topf mitnehmen) oder auf stilles Mineralwasser zurückgreifen. Auch zu stark gechlortes Wasser kann zu Problemen führen. Zu kalte Getränke können ebenfalls unangenehme Folgen haben.

    Elektrolytstörungen beispielsweise durch Diarrhoe oder starkes Schwitzen machen Symptome wie Wadenkrämpfe, Kribbeln in den Händen, Armen und Beinen, außerdem Müdigkeit und Schlappheit.

    Vorbeugung und Ausgleich dieser Störung bringen z. B. die Einnahme von Elektrolyt-Drinks oder eine Bouillon.

    Geschickt währe es, sich schon zu Hause über die Kochgewohnheiten in Ihrem Urlaubsland zu informieren, z.B. durch den Kauf eines Kochbuches. Indem sie daraus schon mal Rezepte nachkochen, testen Sie die Verträglichkeit.

    Die Zubereitung spielt eine große Rolle. Speisen, die viel Fett enthalten, sind schwerverdaulich und führen meist zu stark riechenden Stühlen.

    Vorsicht ist auch angesagt bei vielen Gemüsearten wie Bambussprossen, Bohnensprossen und Hülsenfrüchte wie rote Linsen, sie verursachen Blähungen.

    Für die Verträglichkeit der Speisen ist auch die verzehrte Menge von Bedeutung. Sie sollten deshalb keine großen Einzelmahlzeiten zu sich nehmen, sondern eher die Nahrungszufuhr gleichmäßig über den Tag verteilen.

    Vor allem Ileostomaträger müssen darauf achten, allzu faserreiches Obst und faserreiche Gemüsesorten zu meiden, wie z.B. Weintrauben mit Schale, Zitrusfrüchte, Ananas, Pilze, Nüsse und Spargel. Es könnte zu einer Ausgangsblockade führen.

    Wollen Sie dennoch auf solche Nahrungsmittel nicht verzichten, sollten Sie sie extrem gut kauen. Auf Spätmahlzeiten sollten Sie verzichten, um nächtliche Stuhlentleerungen gering zu halten.

    Eine reife Orange direkt vom Baum oder eine Ananas frisch vom Feld geerntet, reizt jeden Urlauber, doch wer eine empfindliche Haut hat, sollte mit sehr säurehaltigen Obstsorten vorsichtig sein.

    Dass Obst vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden muss, versteht sich von selbst. Vorsicht ist bei scharfen Gewürzen geboten, die zu einer gesteigerten Ausscheidungsfrequenz führen können. In vielen Ländern ist es sicher sinnvol,l ein Speiselokal auch unter hygienischen Gesichtspunkten auszuwählen.

    Der Genuss von hochprozentigen alkoholischen Getränken kann zu vermehrter Darmtätigkeit führen. Achtung bei Cocktails mit Fruchtsäften, der fruchtige Geschmack überdeckt den des Alkohols.

    Kommt es trotz aller Vorsicht zu einer Panne im Hotelzimmer, also der Verschmutzung von Bettzeug, Matratze, Teppichboden oder anderen Gegenständen, die diese unbrauchbar machen, gilt es als Sachbeschädigung und kann bei der Haftpflichtversicherung geltend gemacht werden.

    Dabei ist es unerheblich, ob der „Schädiger“ Stomaträger, Kleinkind, Behinderter oder ein vollkommen gesunder Mensch ist. Man darf nur nicht vorsätzlich gehandelt haben.

    Diese Broschüre soll Sie keinesfalls wegen evtl. beschriebener Probleme, davon abhalten Ihren Urlaub voller Vorfreude zu planen und ihn dann auch zu genießen. Wer jedoch informiert ist über evtl. „Klippen“ und „Stolpersteine“, der kann frühzeitig planen oder reagieren.

  • Tanztherapie

    Tanztherapie ist ein nonverbales körper- und bewegungsorientiertes Verfahren, das die von Krebs betroffenen Patienten in ihrer Krankheitsverarbeitung durch die unmittelbare Bezogenheit auf den versehrten Körper unterstützt. Die Tanztherapie verbindet angeleiteten und freien Tanz, Körper-, Bewegungs- und Entspannungsübungen zu ausgewählter Musik. Sie wirkt einerseits mobilisierend, fördert Beweglichkeit, Ausdauer und Koordinations-vermögen und ist andererseits stressreduzierend, entspannungsfördernd und emotional ausgleichend.

    Ziel in der Arbeit mit von Krebs betroffenen Menschen ist es, das Vertrauen in den eigenen Körper zurück zu gewinnen und verschüttete körperliche und seelische Ressourcen wieder zugänglich zu machen. Die Selbstwahrnehmung, das Selbstwertgefühl und die Selbstfürsorge werden unterstützt und die wertschätzende Annahme des veränderten Körperbildes angeregt. Zudem macht Tanztherapie die Vielfalt der Gefühle wieder spürbar und gibt den Betroffenen die Möglichkeit, auch starke Gefühle wie z.B. Angst, Trauer, Wut innerhalb eines geschützten Rahmens wahrzunehmen und auszudrücken.

    Es sind keinerlei Vorerfahrungen oder Vorkenntnisse erforderlich. Die Teilnahme ist grundsätzlich auch bei körperlichen Einschränkungen möglich. Die Tanztherapie wird 1x wöchentlich unter Leitung einer Tanztherapeutin für 1,5 Stunden in einer Gruppe mit max. 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen durchgeführt.

  • Tumorimpfstoff

    Infektionskrankheiten stellen weltweit ein großes Problem dar. Immer wieder kommt es durch „neue“ oder auch resistente (unempfindliche) Bakterien oder Viren zu vielen Todesfällen. Gegen Seuchen und Epidemien waren die Ärzte bis in das 19. Jahrhundert machtlos. Eine dieser Seuchen waren die Pocken. Etwa 30% der Erkrankten verstarben. Die Beobachtung, dass jedoch von Pocken genesende Menschen nicht erneut erkrankten, also immun waren, führte dazu, dass man versuchte, Individuen durch absichtliche Infektion zu immunisieren. Angenommen wird, dass bereits 200 v. Chr. solche Methoden angewendet wurden. Die „erste“ moderne Art der Impfung wurde mit Kuhpocken durchgeführt, die auch zu einer Immunität gegen menschliche Pocken führte. Daher nennt man Impfstoffe auch „Vaccine“ (vacca = Kuh). Ende des 19. Jahrhunderts formulierte dann Louis Pasteur die Keim-Theorie. Robert Koch erbrachte den Nachweis verschiedener Krankheitserreger (u.a. Tuberkulose) Mit der Standardisierung von Impfstoffen begannen ab dem Ende des 19. Jahrhunderts die ersten nationalen Impfprogramme.

    Einige Infektionskrankheiten erhöhen das Risiko, an bestimmten Tumoren zu erkranken. Hierzu gehören beispielsweise das Hepatitis-Virus (Leberkrebs), Humane-Papillom-Virus (Gebärmutterhalskrebs), Helicobacter pylori (Magenkrebs) Epstein-Barr Virus (Lymphome, Tumore im HNO-Bereich). Man nimmt an, dass etwa 8-10% aller Tumor-Erkrankungen durch Viren gefördert werden. Daher liegt es nahe, zur Prävention Impfstoffe zu entwickeln. Einige werden bereits mit Erfolg eingesetzt (siehe Patienteninformation Frühdiagnostik und Prävention).

    Ein anderer Aspekt ergibt sich daraus, dass auch Tumorzellen selbst Zielstrukturen unseres Immunsystems sein können. Als genetisch verändert und unbrauchbar, müssten diese Zellen also von unserem Immunsystem erkannt und eliminiert werden. Dies geschieht in unserem Organismus auch tagtäglich vielfach. Entsteht eine Krebserkrankung, ist die Tumorzelle vom Immunsystem toleriert worden, das heißt, sie konnte sich erfolgreich „tarnen“. Dies gelingt der Tumorzelle u.a. durch Selektion. Daher verfolgen einige therapeutische Ansätze das Ziel, diese getarnten Zellen wieder erkennbar zu machen und das Immunsystem auf diese aufmerksam zu machen (siehe auch Patienteninformation „Krebsentstehung“ und „Immunsystem“).

    Die Bemühungen, einen „Krebsimpfstoff“ aus einem Tumor herzustellen, bestehen seit vielen Jahren. Tumorzellen oder einzelnen Zellbestandteile (Eiweißmoleküle, DNA) werden zu einem Impfstoff verarbeitet. Der Krebsimpfstoff kann dann entweder aus grundlegenden Strukturen einer bestimmten Tumorart entstehen, die bei jedem Patienten vorliegen und damit bei allen an dieser Erkrankung Leidenden eingesetzt werden oder er kann aus den individuellen Krebszellen des einzelnen Patienten hergestellt werden und wirkt damit ausschließlich bei diesem Patienten. Die immunologischen Vorgänge in unserem Körper sind jedoch sehr komplex und die Anpassungsfähigkeit der Tumorzellen führt ähnlich der Wandlungsfähigkeit vieler Erreger zur Resistenzbildung. Aus diesem Grund führt die Impfung von Bestandteilen der Krebszellen bisher oft nicht zum gewünschten therapeutischen Erfolg. Derzeit versucht die wissenschaftliche Forschung, die Impfstoffe entsprechend zu verändern oder mit Zusätzen zu versehen, so dass eine Aktivierung des Immunsystems stattfindet.

    Zu beachten ist, dass einige Medikamente die immunologische „Impfreaktion“ beeinflussen können. In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass bestimmte Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) bzw. nichtsteroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure (Aspirin) aber auch andere Nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol und davon abgeleitete Substanzen die Wirksamkeit von Impfstoffen herabsetzen können. Dies wird darauf zurückgeführt, dass diese Pharmaka ihre fiebersenkende und (bei den NSAR) auch entzündungsmindernde Wirkung dadurch erzielen, dass sie hemmend auf bestimmte Enzyme, die Cyclooxygenasen (COX), einwirken. Die an der Prostaglandinsynthese beteiligten COX spielen aber eine wichtige Rolle auch bei der Immunabwehr. Das Blockieren des Enzyms hat offenbar die Nebenwirkung, die Produktion schützender Antikörper nach einer Impfung zu verringern. Daher wird empfohlen, einige Zeit vor und nach der Impfung auf COX-hemmende Medikamente zu verzichten

    Der Einsatz von Dendritischen Zellen stellt eine weitere Methode dar, das Immunsystem zur Krebsbekämpfung zu aktivieren. Dendritische Zellen sind besonders spezialisierte Zellen des Immunsystems, die die Aufgabe haben, das spezifische Immunsystem (Lymphozyten) auf Erreger oder fremde Strukturen aufmerksam zu machen. Dies geschieht dadurch, dass sie Tumorzellen aufnehmen, zerlegen und Teilstrukturen auf ihrer Zelloberfläche präsentieren. Diese Strukturen können dann von den T-Lymphozyten spezifisch erkannt werden und somit werden diese gegen Tumorzellen aktiv und greifen diese an. In Studien wird daher versucht, aus dem Blut gewonnene dendritische Zellen des Patienten im Labor mit Tumorzellen bzw. Impfstoff zusammenzubringen, um sie so zu trainieren. Diese „geschulten“ dendritischen Zellen werden dann dem Patienten zurückgegeben. Auch diese Vorgänge sind aber leider so komplex, dass sie nicht vorhersehbar beherrscht werden können.

    Der Einsatz von dendritischen Zellen ist nicht ohne Risiko. Da Krebszellen unseren körpereigenen Zellen sehr ähnlich sind, ist es für das Immunsystem schwierig, diese zu erkennen. Führt man nun speziell „geschulte“ Dendritische Zellen dem Organismus zu, kann es einerseits zu einer gewünschten Aktivierung des Immunsystems gegen Krebszellen kommen, aber es besteht auch die Möglichkeit, dass der gegenteilige Effekt eintritt, nämlich, dass das Immunsystem lernt, die präsentierten Strukturen zu akzeptieren und entsprechend nicht anzugreifen. Damit entsteht eine Toleranz des Immunsystems gegen die fortschreitende Tumorerkrankung. Misstrauisch sollten Patienten werden, wenn ihnen eine solche experimentelle Therapie gegen Bezahlung und außerhalb der kontrollierten Bedingungen einer klinischen Studie angeboten wird. Nicht selten steckt hinter solchen Angeboten das Geschäft mit der Angst von Krebspatienten, etwas zu versäumen. Daher ist zu empfehlen, dass sich Patienten nur innerhalb klinischer Studien mit Tumorimpfstoffen und dendritischen Zellen behandeln lassen sollten.

    In den USA wurde 2010 eine erste Vakzinetherapie zugelassen: Sipuleucel-T (Provenge®) dient zur Behandlung fortgeschrittener Prostatakarzinomerkrankungen. Es erfolgte eine Zulassung für Europa in 2013.

    Schon vor Jahren wurde im Rahmen klinischer Studien die Wirksamkeit des Tuberkulose-Impfstoffes Bacillus Calmette-Guerin (BCG) bei verschiedenen Tumorarten untersucht, unter anderem bei Leukämien, Brustkrebs, Hautkrebs und Lungenkrebs. Bislang scheint sich BCG jedoch ausschließlich bei bestimmten Stadien des Harnblasenkrebs zu bewähren, wenn man ihn direkt in die Blase gibt.

    Als onkolytische oder onkotrope Viren bezeichnet man Erreger, die Tumorzellen infizieren können – möglichst ohne eine schwere Erkrankung des Patienten zu verursachen. Die dahinter stehende theoretische Überlegung setzt auf Viren, die sich möglichst nur in Tumorzellen vermehren. Eine solche Infektion führt, so die Hoffnung der Forscher, zum Absterben der malignen Zellen. Vor allem dürfen die verwendeten Viren ihrerseits keine Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Insgesamt ist es noch zu früh, um etwas über den Nutzen oder auch die Risiken der Behandlung mit onkolytischen Viren sagen zu können.

    Der sogenannte adoptive Transfer von T-Lymphozyten beziehungsweise T-Zellen ist keine aktive Immunisierung, sondern ein sogenanntes passives Verfahren: Das Immunsystem des Patienten selbst wird nicht direkt aktiviert. Man isoliert zunächst T-Zellen aus dem Blut des Patienten und vermehrt sie im Labor. Mit molekularbiologischen Verfahren lassen sich aus den gewonnenen Zellen die  tumorspezifischen T-Zellen gezielt isolieren. Nur diese werden dem Patienten wieder zurückgegeben. Der Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung dieser experimentellen Methode ist allerdings sehr hoch, das Verfahren ist kein Standard. Die Wirksamkeit des adoptiven T-Zell-Transfers wird bei verschiedenen Tumorarten getestet, so zum Beispiel bei Prostatakrebs, verschiedenen Lymphomen oder Hautkrebs im Rahmen von klinischen Studien.

    Auch fremde Lymphozyten sind gegen Tumorzellen wirksam. Dies zeigt zum Beispiel die allogene (von einem Spender stammende) Stammzelltransplantation aus Blut oder Knochenmark bei Leukämien oder Lymphomen. Die von einem fremden Spender übertragenen Zellen aus Blut oder Knochenmark können eine direkte Wirkung gegen Krebszellen ausüben, gerade weil ihre Gewebemerkmale praktisch nie hundertprozentig mit denen des Empfängers übereinstimmen. Früher setzte man die allogene Stammzelltransplantation nur ein, wenn zuvor durch eine Hochdosischemotherapie oder -bestrahlung das Knochenmark und das Immunsystem des Patienten zerstört waren (Konditionierung). In der sogenannten Minitransplantation erhalten heute Patienten Spenderzellen, ohne dass ihr eigenes erkranktes Immunsystem vorher völlig ausgeschaltet wird (reduzierte Konditionierung).

    Weitere immunologische Therapieverfahren sind z.B. Monoklonale Antikörper oder der Einsatz von Botenstoffen des Immunsystem (Interferone, Interleukine).

    Es gibt Tumorarten, bei denen es häufiger als bei anderen zur Ausbildung veränderter Merkmale und damit zur Ausbildung von Tumorantigenen kommt. Solche „immunogenen“ Krebsarten sind einer Immuntherapie am ehesten zugänglich. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel der schwarze Hautkrebs, auch „malignes Melanom“ genannt, sowie das Nierenzellkarzinom. Viele grundlegende Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Krebs und Immunsystem konnten Forscher aus Studien mit Zellen dieser Tumoren gewinnen und viele Immuntherapie-Studien werden zuerst Patienten mit Melanomen oder Nierenzellkarzinomen angeboten. Erkenntnisse aus der Behandlung dieser Patienten lassen sich jedoch nicht automatisch auf andere Krebsarten übertragen.

    Die Anwendung von „Tumorimpfungen“ sollte nur in klinischen Studien durchgeführt werden. Viele Therapieverfahren befinden sich noch im experimentellen Stadium. Die Not der Betroffenen und hohe Erwartungen haben dazu geführt, dass viele Patienten Therapieangebote außerhalb von Studien nutzen. So werden „Anti-Krebs-Impfungen“, „dendritische Zellen“ oder „Spezifische Immuntherapien“ auf dem Markt von Anbietern beworben. Meist kosten sie viel Geld und werden völlig unspezifisch bei allen Krebsarten gleichermaßen eingesetzt. Für Patienten und Angehörige ist es oftmals schwer zu erkennen, ob es sich um ein seriöses Therapieangebot handelt. Daher sollte sich der Patient aktiv um Informationen bemühen, um Chancen und Risiken des angebotenen Verfahrens bewerten zu können. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, dkfz, bietet entsprechende Hilfestellung.

  • Tumormarker

    Tumorerkrankungen sind in den Industrieländern die zweithäufigste Todesursache nach  Herzkreislauferkrankungen. Die Zahl der jährlich diagnostizierten Neuerkrankungen nimmt zu. Jeder dritte Mensch der westlichen Welt erleidet in seinem Leben eine Tumorerkrankung. Dies liegt u.a. auch an einer verbesserten Frühdiagnostik. Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen sind oftmals abhängig vom Stadium einer Erkrankung. Daher besteht das Bestreben, möglichst frühzeitig Tumorerkrankungen zu erkennen. Über einfache Laboruntersuchungen (Erfassung von Tumormarkern) ein generelles Screening durchzuführen ist jedoch leider nicht möglich.

    Tumormarker sind entweder „Bestandteile“ von Krebszellen (Tumorantigene) oder Stoffwechselprodukte, die aufgrund der Krebserkrankung sowohl vom Tumor, als auch gesundem Gewebe ausgeschüttet werden.  Sie kommen auch bei gesunden Menschen vor. Findet man jedoch eine erhöhte Konzentration im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten oder in/auf Zellen, ermöglichen Sie Rückschlüsse auf das Vorliegen einer bestimmten Tumorerkrankung. Sie können zur Einschätzung der Prognose (Prognose Marker) oder als prädiktive Marker/Faktoren zur Einschätzung der voraussichtlichen Wirkung einer Behandlung herangezogen werden.

    Man unterscheidet zwei Gruppen von Tumormarkern:

    • Humorale Tumormarker (im Blut oder Körperflüssigkeiten)
    • Zelluläre Tumormarker (auf oder in den Zellen)

    Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die häufigsten Marker:

     

    Humorale Tumormarker
    Herkunft Bezeichnung
    Onkofetale,  onkoplazentare Antigene CEA

    AFP

    hCG

    Monoklonale Antikörper CA 19-9

    CA 12-5

    CA 15-3

    Differenzierungs- und Proliferationsantigene NSE

    PSA

    TPA

    Β2- Mikroglobulin

    Von Tumorzellen gebildete Hormone Calcitonin

    Insulin

    ACTH

    Von Tumorzellen gebildete Enzyme NSE

    PSA

    Von Tumorzellen gebildete Proteine Monoklonales Immunglobulin

    Bence-Jones Protein

    Zelluläre Tumormarker
    Zellmembranständige Antigene Typisierung bei Leukämien/Lymphome
    Hormon- und Wachstumsrezeptoren Her-2/neu
    Molekulargenetische Veränderungen Chromosomenanalyse

    FISh, CISH

    Ein optimaler Tumormarker müsste eine hohe Spezifität (Zielsicherheit) und Sensitivität (Empfindlichkeit) haben. Das heißt, keine falsch positiven oder negativen Werte und sollte nur bei der zu diagnostizierenden Erkrankung vorkommen. Dies ist jedoch nicht gegeben. Viele Störgrößen beeinflussen den Wert (Lagerungsbedingungen (PSA,) Lagerung über dem Blutkuchen (NSE,) Hämolyse (NSE), Ikterus (PSA) Kontamination durch Hautkontakt (SSC) Interaktionen mit Medikamenten Humane, Antikörper, Verdunstung, Einfrieren/Auftauen, Methode der Messung). Auch haben Tumormasse,  Produktionsrate des Tumormarkers,  Freisetzung des Tumormarkers, Blutversorgung des Tumors,  Nierenfunktion,  Leberfunktion,  Manipulationen wie Rektale Untersuchung (PSA), Biopsie Koloskopie, Zystoskopie und Rauchen (vor allem CEA) einen Einfluss auf den Wert.  Benigne (gutartige) Erkrankungen können ebenfalls zu einem erhöhten Tumormarker führen.

    Ursachen „falsch positiver“ Befunde können sein:

    • benigne Erkrankungen (z.B. verstärkte Zellproliferation bei entzündlichen Erkrankungen)
    • Schwangerschaft (AFP, HCG)
    • Zellschädigung durch Radio-, Chemo-, Hormontherapie
    • Verlangsamter Katabolismus und verminderte Exkretion der TM (Niereninsuffizienz, Leberfunktionsstörung, Gelbsucht)
    • Vorkommen von Tumormarkern in anderen Körperflüssigkeiten und Übertritt in das Blut (z.B. CA 125 in der Muttermilch und in manchen gutartigen Ovarialzysten)
    • Raucher (z.B. CEA)
    Tumormarker sollten bestimmt werden:
    • vor der ersten Therapiemaßnahme: Chirurgie, Chemotherapie, Hormontherapie, Radiotherapie
    • nach der Therapiemaßnahme abhängig von der Höhe des Ausgangswertes und der Halbwertszeit
    • anfänglich alle drei Monate, später alle 6 Monate in der Verlaufskontrolle bei initial erhöhtem Tumormarker
    • vor jedem Therapiewechsel
    • bei Verdacht auf ein Rezidiv
    • bei Verdacht auf Metastasierung
    • bei erneutem  Staging
    • bei deutlichem Werteanstieg: 2 – 4 Wochen später wiederholen Signifikanter Werteanstieg, wenn Anstieg um 25 – 50 %
    • jährlich beim PSA-Screening: ab dem 50. Lebensjahr

    Aufgrund der sehr unterschiedlichen Spezifität und Sensitivität der Tumormarker, muss immer individuell entsprechend der Grunderkrankung entschieden werden, ob die Bestimmung der Marker herangezogen werden kann oder auch zum Screening von „Risikogruppen“ sinnvoll ist.

    Folgende Auswahl kann erfolgen:

    Tumormarker Diagnose (hauptsächlich) Screening?
    CYFRA 21-1 Kleinzelliges Bronchialkarzinom  
    CEA/ CA 19-9 Kolorektale Tumore, Pankreakarzinom  
    AFP/βHCG Keimzelltumore (Hodenkarzinom, Chorionkarzinom),  Leberzellkarzionom  
    CEA, CA 15-3, CA 549, MCA Mammakarzinom  
    CA 125 Ovarialkarzinom +(Risikogruppe, BRAF-Mutation)
    CA 72-4 Magenkarzinom  
    Β2-Mikroglobulin Plasmozytom  
    CEA, CYFRA-21-1,NSE, ProGRP Bronchialkarzinom  
    PSA Prostatakarzinom + (Männer >50 J.)
    Thyreoglobulin Schildrüsenkarzinom  
    Calcitonin Medulläres Schilddrüsenkarzinom + (Risikogruppe)
    Protein S 100 Melanom  
    MIA Melanom  
    HER-2/neu HER-2/neu pos. Mammakarzinom, Magenkarzinom  
    Chromogranin A Neuroendokrine Tumore, Karzinoide  
    SCC Plattenepithelkarzinom, Zervixkarzinom  
    NMP 22 Harnblasenkarzinom  

    Nicht selten werden Tests zwar nicht im gesetzlichen Früherkennungsprogramm angeboten, aber als sogenannteindividuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die Versicherte selbst bezahlen müssen. Oftmals ist jedoch umstritten, welche Sicherheit die Untersuchung tatsächlich bietet und  welche Konsequenzen ein auffälliges Ergebnis hätte. Die Testung ist häufig nicht krebsspezifisch und führt bei pathologischem  Ergebnis zu vielen belastenden Untersuchungen ohne dass es zu einem Krebsnachweis kommt.  Dies stellt für den Betroffenen eine enorme psychische Belastung dar. Selbst wenn der erfasste Tumormarker eine sehr hohe Treffsicherheit aufweist, bedeutet dies nicht, dass die frühzeitige Behandlung wirklich auch  vorteilhaft ist. In der Tumornachsorge muss individuell entschieden werden, ob und welcher Marker in welchen Zeitabständen zu kontrollieren ist (individuelles Rückfallrisiko).

    Es bleibt ein Ziel, durch die gezielte Erfassung von Markern eine personalisierte Therapie zu ermöglichen. Gerade genetische Marker führen zu individuellen Behandlungsentscheidungen. Auch können präventive Maßnahmen ermöglicht werden.

  • Vitamine in der Onkologie

    Vitamine (lat. vita für Leben und amin für stickstoffhaltig) sind organische Stoffe, die der menschliche Organismus für lebenswichtige Funktionen benötigt. Sie sind daher essentiell, das heißt, unser Stoffwechsel kann sie nicht selbst herstellen.  Diese organischen Verbindungen kommen in der unbelebten Natur nicht vor. Sie müssen also erst gebildet werden. Dies geschieht durch Bakterien, Pflanzen oder Tiere.

    Vitamine sind an viele Reaktionen des Stoffwechsels beteiligt. Sie regulieren Verdauungsprozesse und die Verwertung von Nährstoffen, sie spielen eine wesentliche Rolle beim Zellaufbau und stärken das Immunsystem.

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannte man, dass bestimmte Krankheiten Folge von Vitaminmangelerscheinungen (z.B. Rachitis, Beriberi, Skorbut) sind. Man konnte die Krankheiten durch gezielte Nahrungszufuhr behandeln. 1913 wurden die Vitamine durch den amerikanischen Biochemiker Elmer McCollum mit großen Buchstaben (A, B, usw.)  bezeichnet.

    Der Wissenschaft sind 20 Vitamine bekannt. 13 gelten dabei als essenziell. Eine Ausnahme stellt das Vitamin D dar. Es wird den Hormonen zugeordnet und selbst vom Körper mit Hilfe von Sonnenstrahlung (UV-B) hergestellt. Auch ein Stoff der B-Gruppe (Niacin) kann selbst gebildet werden.

    Wir unterscheiden Vitamine, die gespeichert werden können (fettlöslich) und Vitamine, die wir laufend zuführen müssen (wasserlöslich). Einige Vitamine werden als „Vorstufen“ aufgenommen und schließlich in die wirksame Form umgewandelt.

     

    Fettlösliche Vitamine
    Bezeichnung Chem. Name Funktion Mangelerkrankung
    A Retinol

    Vorstufe: Carotin

    Beeinflusst Sehkraft, Zellwachstum, Hauterneuerung Nachtblindheit

    Trockene Haut

    D Cholecalciferol Förderrung der Calciumaufnahme,

    Regulation der DNA

    Rachitis, Mangel korreliert mit einer Vielzahl von Erkrankungen (siehe Informationsskript Vitamin D)
    E Tocopherol Zellerneuerung, Hemmung entzündlicher Prozesse, „Radikalfänger“  
    K (K1,2,3,4) „Chinone“ Bildung von Blutgerinnungsfaktoren 2,7,9 und 10 und deren Gegenspielern Protein S, C, knochenstärkend

     

    Blutungen
    Wasserlösliche Vitamine
    C Ascorbinsäure Schutz vor Infektion, bindegewebsstärkend, „Radikalfänger“ Skorbut
    B1 Thiamin Beeinflusst Kohlehydratstoffwechsel, Schildrüsenfunktion und Nerven Beriberi
    B2 Riboflavin Fördert Merkfähigkeit und Konzentration Pellagra
    B3 Niacin Verwertung von Fetten, Eiweiß und Kohlenhydraten Pellagra
    B5 Pantothensäure Fördert Wundheilung Anämie
    B6 Pyridoxin Nervenschutz, Eiweiß-Stoffwechsel Hypochrome Anämie
    B7 Biotin Schützt vor Hautentzündungen, verbessert Haut, Nägel und Haare  
    B9 (11) Folsäure Blutbildung Perniziöse Anämie

    Nervenmissbildungen bei Neugeborenen

    B12 Cobolamin* Blutbildung, Nervenfunktion Perniziöse Anämie

    *kann gespeichert werden

    Im Rahmen einer ausgewogenen vollwertigen Ernährung und normaler Funktion des Verdauungsapparates kann es in der Regel zu keinem Vitaminmangel kommen. Eine Ausnahme gilt für Vitamin D, hier decken wir über die Nahrung nur ca. 10-20% des Bedarfs ab. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist  auf die B12 Zufuhr zu achten, da in der pflanzlichen Nahrung zum Teil für Menschen unverwertbare B12-Analoga vorhanden sind. Eine intakte Darmflora ist ebenfalls notwendig, da die dort ansässigen Bakterien  Vitamin K bilden.

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) definiert den durchschnittlichen Tagesbedarf, der individuell aber sehr unterschiedlich sein kann (z.B. Schwangerschaft, Kindheit und Jugend, schwere Krankheit, Stress, Umweltbedingungen, Rauchen und Alkoholkonsum). Zubereitung und Lagerung von Lebensmitteln beeinflussen deren Vitamingehalt.

    Eine Vitaminüberversorgung (Hypervitaminose) kann vorkommen, wenn man hochdosierte Vitaminpräparate zuführt. Dies betrifft vor allen Dingen die fettlöslichen Vitamine (EDKA). Sie werden gespeichert und können zellschädigend sein. Aber auch hohe Dosen von Vitamin B6 können zu einer sensorischen Polyneuropathie (Nervenschädigung) führen.

    Eine nahrunsergänzende Vitaminzufuhr ist nur dann sinnvoll und notwendig, wenn ein Mangel nachweisbar ist (z.B. Blutuntersuchung), der durch eine angepasste Ernährung nicht zu decken ist. Bei onkologischen Patienten kann eine Vielzahl von Gründen, eine gezielte Nahrungsergänzung erforderlich machen. Erhöhter Bedarf durch Stress, Operation, Chemo-oder Strahlentherapie, anatomische Veränderungen im Verdauungstrakt, Appetitstörungen spielen dabei eine Rolle. Eine „pauschale“ Zufuhr durch Kombinationspräparate ist nicht sinnvoll.

    Die Pharmaindustrie suggeriert mit vielen entsprechenden Werbebroschüren, dass Vitamingaben „gesundheitsstärkend“ und vorbeugend gegen eine Vielzahl an Erkrankungen sind. In Apotheken und Drogerien begegnen uns Pillenschachteln und Brauseröhrchen mit den schönsten Versprechungen. Viele Menschen hoffen Erkältungskrankheiten vorbeugen zu können. Wer kann sich da entziehen? Ca. ein Drittel der Bevölkerung konsumiert Nahrungsergänzungsstoffe. Bei onkologischen Patienten sind es fast zwei Drittel. Der Umsatz der Industrie ist enorm. Von teuren Infusionen über konzentrierte Vitamincocktails bis zu Billigpräparaten der Discounter ist alles zu haben. Hinter so manchen „Gesellschaften“ für Informationen zu Ernährung und Vitalstoffen stecken große Konzerne mit erheblichen Umsätzen.

    Selbst wer auf solche Präparate verzichtet, wird diese als „Zusatz“ von Lebensmitteln unfreiwillig konsumieren. Die Industrie kann mittlerweile jedes Vitamin im Labor billig industriell „nachbauen“. Zum Teil geschieht dies mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen. Beispielsweise werden dem Tierfutter große Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen beigegefügt. Sie finden ebenfalls Verwendung als Farb- und Konservierungsstoffe. Süßigkeiten mutieren durch Vitaminzusatz zu „wertvollen und gesunden“ Nahrungsmitteln.

    So schreitet die „Vitaminisierung“ der Gesellschaft unaufhaltsam voran. Mittlerweile belegen jedoch zunehmend Studien, dass diese zusätzliche Vitaminzufuhr nicht nur unnütz, sonder auch schädlich ist. Eine große finnische Studie sollte belegen, dass Raucher von einer Vitaminzufuhr, da sie auch häufiger Mangelzustände aufweisen, in der Krankheitsprävention profitieren. 29133 Männer wurden untersucht (ATBC-Studie in Finnland) und man stellte unerwartet und überraschenderweise fest, dass die Sterblichkeit bei den Vitaminkonsumenten um 8% erhöht war, Fälle von Lungenkrebs stiegen auf 18%. Die Studie wurde in den USA wiederholt (CARET-Studie) und schließlich aufgrund der alarmierenden Zahlen abgebrochen. Bei Prostatakrebst (SELECT-Studie) zeigte sich ein signifikant erhöhtes Krankheitsrisiko (17%) durch Vitamin E Einnahme. 2008 veröffentlichten unabhängige Medizinwissenschaftfler ein Gutachten (Cochrane-Collaboration) für das sie 67 Studien auswerteten. Das Ergebnis: Vitaminsupplemente (Vitamin A und E) erhöhen die Sterblichkeit. Kein Effekt zeigte sich für Selen und Vitamin C.

    Laborwerte und Tages-Aufnahmemengen-Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft Für Ernährung (DGE) sind im Alltag nur wenig brauchbar und praktikabel. Vielmehr ist es wesentlich,  Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung zu kennen und dabei zu erfassen, welche Nahrungsmittel uns mit diesen essenziellen Vitaminen, Mineralien und Spurenelement und auch sekundären Pflanzenfarbstoffen versorgen. Die Empfehlung 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, möglichst bunt und saisonal ausgewählt ist empfehlenswert und hat noch niemandem geschadet. Kenntnisse in der Zubereitung und Lagerung von Lebensmittel ermöglichen, leckere gehaltvolle Mahlzeiten möglichst frisch zuzubereiten. Von Fertigprodukten mit unübersichtlichen Zusätzen ist eher abzuraten.

    Gerade für an Krebs erkrankte Menschen stellen die vielen Ratgeber zu Vitaminsupplementierung oder auch diverse Ernährungs- und Diätvorschläge ein sehr großes Problem dar. Es besteht häufig eine Hilflosigkeit, sich zu orientieren. In dem Wunsch, nach einer Erkrankung „das Richtige zu tun“, kann nicht mehr rational entschieden werden, ob es sich um seriöse Empfehlungen handelt. Viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben in jüngerer Zeit dazu beigetragen, dass wir im Wissen um die Entstehung von Krebs und in der Behandlung einen großen Fortschritt erzielt haben (siehe Patienteninformationsskript „Entstehung von Krebs“). Ziel ist eine individualisierte (personalisierte) Medizin, die der Erkrankung gerecht wird und eine optimale Behandlung ermöglicht. Viele Diätvorschläge oder Ratgeber zur Nahrungsergänzung sind nicht mehr zeitgemäß. Manche haben ihren Ursprung im letzten Jahrhundert und beziehen die modernen Erkenntnisse der Tumorbiologie nicht mit ein.

    Welche Hilfestellung können Sie im Rahmen einer Behandlung in der Habichtswald-Klinik erwarten?

    In der Habichtswald-Klinik steht in der Frage  einer sinnvollen  Nahrungsergänzung zunächst eine detaillierte Analyse des Ernährungszustandes und Erfassung von Unverträglichkeiten oder Allergien im Vordergrund. Unsere Ökotrophologinnen beraten individuell. Vorträge ergänzen die Informationen und im Rahmen von Kochkursen, kann man erlerntes praktisch und mit Spaß umsetzen. Die Ernährung muss stoffwechseladaptiert sein, d.h. sehr viele Faktoren bestimmen die Nahrungsmittelauswahl.  Die Entstehung von Krebs vollzieht sich in der Regel über viele Jahre. Dies muss bei der Prävention Berücksichtigung finden, das heißt, es muss ein individuelles, praktikables Konzept gefunden werden, dass auch nachhaltig längerfristig umzusetzen ist. Ernährungs-Psychologische Ansätze sind ebenfalls von Bedeutung (siehe Patientenformationsskript „Ernährung bei Krebspatienten“). Eine „Anti-Krebs-Diät“ gibt es nicht.

    Ursache von Krebserkrankung ist nicht ein Mangel an Vitaminen. Jedoch muss man davon ausgehen, dass Defizite  das Krankheitsrisiko allgemein erhöhen und damit die körpereigenen „Abwehrmechanismen“ bei der Auseinandersetzung mit Krebszellen im Organismus schwächen. Zeigt sich ein Defizit, besteht Handlungsbedarf. Geling es nicht über Nahrungsmittel eine gute Zufuhr zu erzielen, müssen gezielt Nahrungsergänzungsstoffe verabreicht werden. Gründe können sein:

    • Parenterale (durch die Vene) Ernährung: Vitamine und Spurenelemente müssen zwingend zugesetzt werden
    • Appetitstörungen, Kachexie (einseitige Ernährung, Untergewicht)
    • Störungen der Nahrungsaufnahme: Veränderungen im Magen-Darm Trakt durch Operationen. Nach Magenoperationen oder Verlust  von bestimmten Abschnitten des Dünndarms muss Vitamin B12 ersetzt werden.
    • Störungen der Nahrungsverwertung: Eingeschränkte Fettverdauung bei Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, Proteinmangel.
    • Veränderungen der Darmflora (Antibiotika-, Chemo-, Strahlentherapie)
    • Veränderung der Darmmotorik
    • Verlust von Nährstoffen (Durchfall/Erbrechen)
    • Erhöhter Bedarf an Nährstoffen (nach Chemo-oder Strahlentherapie)

    Die Substitution von Vitaminen muss also individuell entschieden werden. In der Regel sind Einzelstoffe günstiger, als Kombinationspräparate, da sich einige Stoffe in der Resorption behindern (z.B. gleichzeitige Gabe von Selen und Vitamin C). Wenn möglich, sollte im Rahmen einer Blutuntersuchung der Mangel belegt sein. Eine Verlauskontrolle ist zu empfehlen. Die Supplementierung ist immer im Kontext der weiteren laufenden Therapien zu betrachten, um Wechselwirkungen auszuschließen. Gerade während einer  Chemotherapie sind Interaktionen, die die Wirksamkeit der Therapie abschwächen sehr ungünstig.

    Hohe Vitamindosen sind zum Teil selbst krebsfördernd (Vitamin A, E). Hohe Dosen von Vitamin B12, dass häufig zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit beworben wird (Vitasprint®, Medivitan®) sind zellwachstumsanregend, was bei einer onkologischen Erkrankung problematisch ist.  Auch Krebszellen profitieren von so einer Behandlung.

    Vitamin C (Ascorbinsäure) wird als „Antikrebsmittel“ beworben. Schädlich scheint es nicht zu sein. Als wasserlösliches Medikament, wird ein Überschuss durch die Niere ausgeschieden. Linus Pauling nahm bis zu 18 Gramm (das Vierhundertfache der empfohlenen Tagesdosis) ein. Er vertrug dies ohne Probleme, verstarb im Alter von 93 Jahren an Prostata-Ca.  Sehr umstritten ist, ob eine intravenöse hochdosierte Vitamin C Therapie vorteilhaft ist. Im Tierversuch bei Mäusen zeigte sich eine Förderung des Tumorwachstums bei gleichzeitiger Chemotherapie.

    Häufig stellen wir ein Vitamin D-Mangel fest. Dies hat viele Gründe und man weiß heute, dass ein Vitamin D-Mangel mit vielen Erkrankungen, auch onkologischen Erkrankungen korreliert. Ein ausgewogener Vitamin D-Haushalt (40-60ng/ml), so konnten  Studien zeigen, dass dies sich auf die primäre und sekundäre Krankheitsprävention positiv auswirkt. Wir rechnen streng genommen das Vitamin D nicht mehr den Vitaminen, sondern den genregulatorischen Hormonen zu. Der Bedarf kann nicht durch Nahrungsmittel gedeckt sein, eine gute Eigensynthese mit Hilfe  des Sonnenlichts ist also unerlässlich (siehe Patienteninformationsskript „Vitamin D“).

    Greifen Sie nicht unkritisch zu Nahrungsergänzungsstoffen, auch wenn Werbung und Ratgeber dazu verleiten. Lassen sie sich seriös und individuell beraten. Sollte eine Substitution erforderlich sein, nehmen sie hochwertige Präparate und lassen sie prüfen, ob  die optimierte Versorgung auch zu einer nachweisbaren Verbesserung  führt.

    Essen sie bunt und frisch, 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, investieren Sie in qualitativ gute Nahrungsmittel. Essen Sie mit Freude und genießen guten Geschmack. Gesundes Essen trägt zur Lebensfreude und Wohlbefinden bei und stärkt somit unsere Widerstandskräfte.

  • Vitamin D

    Evolutionsbiologisch gehört Vitamin D wohl zu den ältesten Hormonen.

    Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beiträge zu dieser Substanz. Immer deutlicher wird dabei deren Bedeutung für unseren Stoffwechsel.

    Betrachtet man die Stoffwechselwege von Vitamin D, wird schnell deutlich, dass es sich gar nicht wirklich um ein Vitamin handelt. Ein Vitamin kann definitionsgemäß vom Körper selbst nicht hergestellt werden. Vitamin D kann jedoch von unserem Körper selbst hergestellt werden und entfaltet neben der Regulierung des Kalziumhaushaltes eine hormonartige Wirkung an spezifischen Rezeptoren vieler Körperzellen.

    Das Sonnenlicht enthält einen kleinen Anteil UV-B Strahlung. Wirkt diese Strahlung auf unsere Haut ein, wird in speziellen Zellen (Keratinozyten) aus Provitamin D3 (Dehydrocholesterol) das Prävitamin D3 und anschließend Cholecalciferol (D3) gebildet. Etwa 90% des Vitamins wird mit Hilfe des Sonnenlichts hergestellt („Sonnenvitamin“). Über die Nahrung nehmen wir nur einen geringen Teil auf (ca. 10-20%). Das pflanzliche Vitamin bezeichnet man als Vitamin D2. Vor allem fetter Fisch (Lebertran), aber auch Eier, Pilze und Milchprodukte enthalten Vitamin D. Wir können also den Bedarf allein über unsere Nahrung nicht decken. Möchte man z.B. 2000 IE Vitamin D täglich aufnehmen, müsste man ca. 300 g Lachs essen oder 1000 g Tunfisch. Auch 30 Eier, 2000 g Champignons oder 4000g Gouda-Käse würden 2000IE entsprechen.

    In der Leber wird das Vitamin D2 und Vitamin D3 in die Speicherform Calcidiol (25(OH)D3, 25-Hydroxy-Cholecalciferol) verwandelt. In der Regel wird diese Speicherform im Labor gemessen. In der Niere wird Calcidiol unter Enzymeinwirkung in eine biologisch aktive Form (Calcitriol, 1,25(OH)2D3) umgewandelt. Diese Substanz wird in das Blut abgegeben und entfaltet eine endokrine Wirkung. Es stimuliert die Aufnahme von Calcium im Dünndarm, reguliert den Knochen- und Calciumstoffwechsel und ist über Kontrolle des Renin-Angiotensin-Systems an der Blutdruckregulation beteiligt.

    Erst in jüngerer Zeit hat man erkannt, dass dieser Umwandlungsprozess zu der aktiven Form (Calcitriol) auch in vielen anderen Zellen und Organen stattfindet (autokrine Wirkung). Es hat dabei großen Einfluss auf gewebespezifische Zellfunktionen in den Zellen und wird nicht in das Blut abgegeben. Es spielt eine Rolle bei der Infektabwehr, der Blutdruckregulation, der Zuckerverwertung, Autoimmunprozessen, der Funktion von Herz- und Skelettmuskel, der Entwicklung von Nervenzellen sowie insbesondere bei der Zellproliferation (Zellwachstum) und Zelldifferenzierung. Gerade bei der Tumorentstehung ist dies von großer Bedeutung.

    Für eine ausreichende Bildung von Vitamin D3 benötigen wir also das Sonnenlicht, genauer gesagt die UV-B Strahlung. Die UV-B Strahlung erreicht uns jedoch in Deutschland nur in den Sommermonaten ausreichend, wenn die Sonne hoch am Himmel steht. Von Oktober bis April kann nicht genügend Vitamin D3 erzeugt werden. Einige Studien (z.B. Nationale Verzehrstudie II, EsKiMo Studie, DONALD-Studie) konnten zeigen, dass viele Menschen an einer Vitamin D-Defizienz oder –Insuffizienz leiden.

    Für diesen „Mangelzustand gibt es einige Gründe:

    • Deutschland liegt geographisch über dem 50. Breitengrad. Die UV-B Strahlungsintensität reicht in den Wintermonaten nicht aus. Von November bis Februar geht die Produktion nahe null.
    • Smog und Feinstaubbelastung reduzieren die UV-B Einstrahlung.
    • Im Alter nimmt das Synthesevermögen ab, weil sich die Konzentration der Vorstufe in der Haut verringert.
    • Weniger Aufenthalt im Freien (Arbeit, Ganztagsschule, abnehmende Mobilität im Alter, Freizeitbeschäftigung in Räumen).
    • Anwendung von Sonnenschutzcreme oder anderer Pflegeprodukte mit UV-Schutz. Ein Mittel mit dem Sonnenschutzfaktor 8 reduziert die Vitamin-D-Synthese in der Haut um 95%.
    • Dunkelhäutige Menschen benötigen eine längere Lichtexposition als hellhäutige Menschen, um die gleiche Menge an Vitamin D herzustellen („natürlicher UV-Schutz“).
    • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vermindern die Vitamin D2 Aufnahme.
    • Übergewicht (ein Teil des Vitamin D wird irreversibel im Bauchfett gespeichert) und Nikotinkonsum beeinflussen den Vitamin-D-Metabolismus.
    • Verschiedene Medikamente (z.B. Antiepileptika, Glucocorticoide, einige Antibiotika, Colestyramin, Laxantien) führen zu Vitamin D Mangel.

    Vitamin D-Serumpiegel < 20 ng/ml bezeichnet man als Defizienz, Werte zwischen 20 und 30 ng/ml als Insuffizienz. In Deutschland weist mehr als jeder 2. zwischen 20 und 80 Jahren einen Defizienz auf. Werte ab 30 ng/ml gelten als ausreichend. Viele Experten und gerade die neu gewonnenen Erkenntnisse zu der vielfältigen Wirkweise des Vitamins halten diese Normwerte für zu niedrig. Werte zwischen 40-60 ng/ml gelten als optimal. Ab einer Serumkonzentration < 30 ng/ml kompensiert der Organismus die mangelnde Vitamin-D-Wirkung auf den Kalziumhaushalt mit einer Erhöhung des Parathormons (Hormon aus der Nebenschilddrüse).

    Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Eine erhöhte Zufuhr (medikamentöse Überdosierung) kann der Körper nicht ausscheiden. Es kann dann zu Vergiftungserscheinungen kommen (Schwäche, Müdigkeit, Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen, Steinbildung). Bei Bildung auf natürliche Weise durch das Sonnenlicht ist eine „Überdosierung“ nicht möglich, denn nach ca. 15-minütiger UV-B Einstrahlung stagniert die Neubildung.

    Der Einfluss von Vitamin D auf unseren Organismus ist komplex. Rachitis oder Osteomalazie als typische Vitamin D-Mangelerkrankungen sind schon lange bekannt. So wird eine sogenannte „Rachitisprophylaxe“ mit Vitamin D für Säuglinge schon seit vielen Jahren empfohlen. Besonders neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur autokrinen Wirkung des Vitamin D konnten Zusammenhänge bei der Entstehung vieler chronischer Erkrankungen erklären. Vitamin D besitzt eine „Verwandschaft“ zu den Steoridhormonen (Testosteron, Cortison, Östrogen, Progesteron) unseres Körpers. In seiner molekularen Struktur weist es zu diesen Hormonen eine große Ähnlichkeit auf. Wie schon für viele Hormone bekannt, besitzen unsere Zellen mit ihrer Erbsubstanz (DNA) Bindungsstellen (Rezeptoren) für Vitamin D (Vitamin D-Rezeptor = VDR). Dieser VDR vermittelt die Steuerung der DNA und reguliert die Aktivität unserer Gene. Weit über 1000 Gene verfügen über VDR-Rezeptoren. Der Bauplan für diesen Rezeptor befindet sich auf dem Chromosom 12. Varianten (Polymorphismen) dieses „Bauplanes“ und damit des Rezeptors sind häufig und erklären Unterschiede zwischen Rassen und ethnischen Gruppen sowie Unterschiede in der Empfänglichkeit für Infekte, Neigung zu Autoimmunerkrankungen, Unterschiede in der Knochendichte und Neigung zu Krebserkrankungen.

    An den VDR bindet das enzymatisch umgewandelte Calcitriol. Die Aktivität des Enzyms (1α-Hydroxylase), welches Calcidiol in Calcitriol umwandelt, ist u.a. abhängig von körperlicher Bewegung. Es hat nur eine sehr kurze Halbwertszeit und muss daher immer wieder neu gebildet werden. Hier liegt möglicherweise auch eine Erklärung für den nachgewiesenen positiven Effekt von konditions- und muskelkräftigendem Training.

    Eine Genregulation über Einwirkung von Calcitriol auf den VDR-Rezeptor ist für viele Gewebe nachgewiesen:

    • Bauchspeicheldrüse (Insulinfreisetzung wird gefördert)
    • Brustdrüse (Prävention von Brustkrebs, Verminderung des Rezidiv-Risikos bei Brustkrebs, möglicherweise Wachstumsstimulation falls Androgenrezeptoren vorliegen)
    • Skelettmuskel (Insulinsensibilität wird erhöht)
    • Herzmuskel (Kontraktionskraft wird erhöht)
    • Niere ( Blutdruckregulation)
    • Nervenzellen (Embryonales Gehirnwachstum, Nervenregeneration wird gefördert)
    • Zellteilung (Regulierung des Zellzyklus, Apoptose („freiwilliger Zelltod“) wird gefördert, Angiogenese (Blutgefäßwachstum ) wird unterdrückt)
    • Immunsystem (in bestimmten Zellen der Abwehr (Makrophagen) wird die Synthese einer antibakteriellen Substanz (Cathelicidin) stimuliert, die Produktion von Immunglobulinen aus B-Lymphozyten wird gefördert, einige Botenstoffe (Interleukine) werden stimuliert, andere entzündungsfördernde Botenstoffe gehemmt)

    Ein Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und verschiedenen Erkrankungen wird daher diskutiert. Ob dieser jedoch auch kausal, also tatsächlich ursächlich für die Entstehung solcher Erkrankungen ist, bleibt unklar. Wirklich große aussagekräftige, randomisierte, placebokontrollierte Studien fehlen bislang. Mehr als 1000 veröffentliche Studien lassen zwar Zusammenhänge vermuten und einige geben deutliche Hinweise in Bezug auf folgende Erkrankungen:

    • Krebserkrankungen (in kleinen Studien protektiv für Mamma-Ca, Ovarial-Ca, Nieren-Ca, Leukämie, Pancreas-Ca, Colon-Ca, HNO-Tumore, Ösophagus-Ca, Blasen-CA und Prostata-Ca. Für Mamma-Ca und Colon-Ca konnte sich das Krebsrisiko unter Einnahme von Vitamin D und Kalzium halbieren!)
    • Rachitis und Osteomalazie
    • Kardiovaskuläre Erkrankungen
    • Autoimmunerkrankungen, z.B. Diabetes mellitus Typ I, Morbus Crohn, Multiple Sklerose
    • Infektionserkrankungen
    • Parkinson, Psychiatrische Erkrankungen, z.B. Schizophrenie, endogene Depression, Alzheimer, Demenz

    Große Kongresse (Vitamin D update) an der Charité Berlin oder der Universität Frankfurt am Main fassten die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen. Es wurde ein Konsensus 6-Punkte Papier verfasst. Unter anderem wurde festgestellt, dass „…Veränderungen des Lebensstils auch infolge des technischen Fortschritts zu einer schlechteren Vitamin D-Versorgung führen. Viele wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre haben zeigen können, dass ein Vitamin D-Mangel fast alle chronischen Erkrankungen (z.B. Diabetes, Krebs, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Nervenerkrankungen, Auto-Immunerkrankungen, Infektionserkrankungen, Allergien) fördert. Es erscheint daher erforderlich, die Empfehlungen zur natürlichen Sonnen-Exposition zu überarbeiten. Von Frühling bis Herbst sollte man sich an mehr als 3 Tagen in der Woche für max. 20 Minuten der Sonne ohne Sonnenschutz aussetzen. Natürlich ist dabei der Hauttyp zu beachten, Sonnenbrand ist in jedem Fall zu vermeiden! Ebenfalls sind Empfehlungen zur medikamentösen Substitution zu überarbeiten. Eine tägliche Verabreichung von 1000-2000 IE ist insbesondere in den Wintermonaten wünschenswert.“

    Ob eine Substitution zu empfehlen ist, kann über Bestimmung des Vitamin D-Status im Blutserum geklärt werden. Bestimmt wird die Speicherform, also Calcidiol. Der Aktive Metabolit Calcitriol hat eine zu kurze Halbwertszeit (4 Std.). Die Kosten (ca. 20-30 Euro) für eine Laborbestimmung werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Weist man einen zu niedrigen Serumspiegel auf, sollte eine medikamentöse Substitution erfolgen (z.B. Vigantoletten®, Dekristol®). Eventuell kann auch die Gabe von Kalzium vorteilhaft sein. Ist der Serum-Vitamin D-Spiegel sehr niedrig, sollte die Substitution nicht zu hoch dosiert werden, denn auch die Speicherform Calcidiol kann an den VDR-Rezeptor binden, ohne jedoch eine Wirkung zu entfalten. Der Rezeptor ist damit für den wirksamen Metaboliten Calcitriol blockiert. Je nach Fragestellung können auch weitere Laboruntersuchungen erforderlich werden (z.B. Parathormon, Kalzium, Phosphat, Calcitriol).

    Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) berücksichtigen die neuen Aspekte noch nicht ausreichend. Verschiedene Experten raten aber zur Einnahme von 800-1000 IE täglich und zusätzlich zu natürlicher Sonnenlichtexposition von ca. 20 Minuten, wenn dies möglich ist. Auch ist zu beachten, dass einige Medikamente die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen, Chemotherapie oder Bestrahlung beeinflussen die Toleranzgrenze. Wenn diesbezüglich Einschränkungen vorliegen, können tgl. 2000 IE substituiert werden.

  • Wechselwirkungen von Pflanzenheilkunde und „Schulmedizin“

    Viele Menschen nutzen pflanzenheilkundliche Behandlungen (Phytotherapie). Sie gelten als „natürlich“, „sanft“ und nebenwirkungsfrei. So verbinden wir mit ihr sehr positive Gefühle. In der Pflanzenheilkunde werden verschiedene Zubereitungen von Pflanzen aus Blüten, Blättern, Samen, Rinde, Früchten oder Wurzeln verwendet. Innere-,  äußere Anwendung oder auch Injektionen/Infusionen sind möglich. Es kommen grundsätzlich nur ganze Pflanzen oder Pflanzenteile, jedoch keine isolierten Einzelstoffe zur Anwendung. Empfehlungen zur Anwendung stammen meist aus der Erfahrungsheilkunde. Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet. Grundlage der Pflanzenheilkunde ist die Heilpflanzkunde (Phytopharmakognosie), die das Wissen um die verschiedenen Heilpflanzen bereithält. Die Pflanzenheilkunde enthält aber auch Teile der Pharmakologie, der Pharmazeutik sowie der Toxikologie.

    Viele unserer „schulmedizinischen Medikamente“ haben sich aus der Pflanzenheilkunde entwickelt. Dazu gehören auch einige Zytostatika, die in der Tumortherapie angewendet werden.

    Beispiele pharmazeutischer Anwendung sind:

    • Eibe                     – Taxol                      Krebsbehandlung
    • Immergrün           – Vincristin               Krebsbehandlung
    • Fingerhut             – Digitalis                  Herzerkrankung
    • Schlafmohn          – Opiat                      Schmerzbehandlung
    • Weidenrinde         – Aspirin                   Schmerzbehandlung
    • Tollkirsche            – Atropin                  Gegengift

    Zahlreiche weitere Substanzen kommen zur Anwendung und immer wieder werden neue Inhaltsstoffe und Behandlungsindikationen gefunden. Jede gefundene Wirkung kann jedoch auch zu Nebenwirkungen führen. Viele dieser Pflanzenstoffe sind hochgiftig. Durch die pharmakologische Zubereitung können Dosierung und Nebenwirkungsprofile besser ermittelt werden.

    In der Phytotherapie werden keine isolierten Einzelstoffe gegeben, daher muss bedacht werden, dass verschiedene Wirkstoffe auf komplexe Weise zusammen wirken. Meist ist jedoch eine „Hauptsubstanz“ verantwortlich für die Wirkung.

    Beispiele eingesetzter Phytotherapeutika sind:

    • Mistel                          – Unterstützung bei der Krebsbehandlung
    • Sonnenhut                 – Immunstimulation
    • Johanniskraut              – Depression
    • Baldrian                       – Schlafstörungen
    • Marinedistel               – Leberfunktionsstörungen
    • Weihrauch                  – Entzündungen
    • Ginseng                     – durchblutungsfördernd

    Ebenso wie unsere „schulmedizinischen“ Medikamente pflanzlichen Ursprungs, treten auch bei der Gabe von Phytotherapeutika Nebenwirkungen auf. Häufig sind aufgrund des Hauptwirkstoffes und der vielen „Bei-Stoffe“ allergische Reaktionen.

    Sehr wichtig sind Kenntnisse über mögliche Wechselwirkungen. Es kann zu Wirkungsabschwächung oder auch Wirkungsverstärkung anderer Medikamente kommen. Damit ergeben sich manchmal nicht unerhebliche Risiken für den Betroffenen. Es ist daher sehr zu empfehlen, dass der Einsatz pflanzlicher Heilmittel als Selbstmedikation mit dem behandelnden Arzt besprochen wird. Dieser kann dann verantwortlich prüfen, ob es zu Interaktionen kommen kann.

    Welche Hilfestellung können Sie im Rahmen einer Behandlung in der Habichtswald-Klinik erwarten?

    Wir erleben in der Habichtswald-Klinik gerade bei Tumorpatienten, dass relativ viele Medikamente verabreicht werden. Oft sind dies Tabletten bei internistischen Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mell, Schilddrüsenunterfunktion) und Medikamente zur Tumorbehandlung. Dazu werden häufig noch verschiedene Nahrungsergänzungsstoffe wie Selen, Zink, Vitamine und Spurenelemente eingenommen. Pflanzenstoffe kommen ebenfalls hinzu, um Beschwerden zu mildern oder das Allgemeinbefinden zu verbessern. Oftmals sind diese Präparate von ganz verschiedenen Ärzten oder Heilpraktikern in guter Absicht verordnet oder empfohlen worden, ohne dass der Eine von den Aktivitäten des Anderen weiß. Die Analyse bei uns ergibt dann nicht selten, dass ungünstige Wechselwirkungen wahrscheinlich sind. Hier können wir durch unsere Kompetenz beraten, so dass eine optimale Abstimmung erfolgt.

    Die Wirkung von Medikamenten hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise von ihrer Resorption im Darm (oder über die Haut oder Schleimhäute), ihrem Transport an den Wirkort, ihrer Affinität zu Rezeptoren und Enzymen, ihrem Stoffwechsel, bzw. Umwandlung im Organismus und ihrer Ausscheidung. Das zentrale Organ des Medikamentenstoffwechsels ist die Leber mit ihrem Cytochrom P450-System. Die Kenntnis der Substrate einzelner Cytochrom P450-Enzyme ist von Bedeutung zum Verständnis möglicher Wechselwirkungen.

    Auch Nahrungsmittel können die Aufnahme und Verstoffwechselung von Medikamenten beeinflussen. Am besten dokumentiert ist dies für Grapefruit. Die Inhaltsstoffe des Safts hemmen das Enzym Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) vor allem im Dünndarm. Sie binden irreversibel an dieses Enzym und schränken so dessen Aktivität stark ein. Dadurch werden manche Arzneimittel nicht mehr metabolisiert. Es kommt zu höheren Konzentrationen als beabsichtigt.

    Generell muss man sagen, dass die Prüfung der Wirksamkeit vieler Medikamente in der Monotherapie (also alleinigen Gabe der Substanz) erfolgt. Oft wird dies zunächst in vitro, also außerhalb des menschlichen Organismus erforscht. Was tatsächlich im menschlichen Organismus geschieht, wie unser Stoffwechsel solche Substanzen weiterverarbeitet und was die gleichzeitige Einnahme verschiedener Stoffe bedeutet, ist sehr komplex. Daher ist ein verantwortungsbewusster Umgang unter diesem Gesichtspunkt für die Erstellung eines Therapiekonzeptes von größter Wichtigkeit.

    Eine besondere Situation ergibt sich, wenn Patienten an einem hormonabhängig wachsenden Tumor (Brustkrebs, Prostatakrebs) leiden. Einige Pflanzenstoffe haben eine hormonähnliche Wirkung und können so das Tumorwachstum beeinflussen (Phytoöstrogene).

    Die folgende Tabelle gibt Übersicht, über einige mögliche Wechselwirkungen. Sie ist keinesfalls vollständig und kann so auch das Gespräch mit dem Arzt nicht ersetzen.

    Name WW= Wechselwirkung

    WV = Wirkungsverstärkung

    WA = Wirkungsabschwächung

    Bemerkung
    Knoblauch

    (Allium sativum)

    Erhöhte Blutungsgefahr unter Marcumar (Blutverdünner) Therapie Mögliche WW mit einigen Chemotherapeutika
    Ginko(Ginko biloba) WV von NifedipinWA von OmeprazolWW des Abbaus von

    • Camptotecin
    • Cyclophodphamid
    • Taxane
    • Etoposid
    • Vincaalkaloide

    EGFR-TK-Inhibitoren Erhöhte Blutungsgefahr unter Marcumar Therapie

    Keine gleichzeitige Einnahme von

    • Alkylantien
    • platinhaltigen Chemotherapeutika
    • antibiotikaartigen Chemotherapeutika

    Möglichst keine Kombination mit

    • Aspirin (ASS)
    • Nichtsteroidale Antiphlogistika (NRSA)
    • Paracetamol
    Sonnenhut(Echinacea) WA von Midazolam Verstärkter Abbau einiger Chemotherapeutika

    • Camptotecin
    • Cyclophosphamid
    • Etoposid
    • Taxane
    • Vincaalkaloide
    • EGFR-TK-Inhibitoren
    Soja und Sojaprodukte Mögliche WW mit der Aufnahme und Ausscheidung von einigen Chemotherapeutika Mögliche Interaktionen mit hormonellen Therapien
    Ginseng Schnellerer Abbau von Alkohol Wirkungsverstärkung von Nifedipin (Blutdruckmittel)Erhöhte Blutungsgefahr unter Marcumar-Therapie Möglicherweise verstärkter Abbau einiger Chemotherapeutika

    • Camptotecin
    • Cyclophosphamid
    • Etoposid
    • Taxane
    • Vincaalkaloide
    • EGFR-TK-Inhibitoren
    Johanniskraut(Hypericum perforatum) WA von

    • Alprazolam
    • Amytriptilin
    • Cyclosporin A
    • Digoxin
    • Irininotecan
    • Midazolam
    • Nifedipin
    • Phenprocoumon
    • Simvastatin
    • Tacrolimus

    WV von

    • Koffein
    • Kortisol
    Johanniskraut verändert die Aktivität vieler Stoffwechselenzyme. Auch der Gehalt von  Transportproteinen für Medikamente kann verändert werden. Nachgewiesen sind

    • WW mit
    • Antidepressiva
    • Lipidsenkern
    • Blutverdünnende Medikamente
    • Orale Kontrazeptiv
    • Immunsupressiva (insbesondere nach Organtranstransplantion!)
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